Studenten haben ein Recht auf Essen!

International Youth and Students for Social Equality (United States)
6. Februar 2017

Mit dem Beginn des Jahres 2017 sehen sich Studenten in den USA mit einem gewaltigen Problem konfrontiert: Sie haben nicht genug Geld für Essen.

Der Hunger unter Studierenden nimmt drastisch zu. Fast die Hälfte aller College-Studenten – 48 Prozent – ist von Nahrungsmittelunsicherheit betroffen. Das bedeutet, dass sie 2016 am Monatsende den Kühlschrank nur noch unter Schwierigkeiten füllen konnten. Nach dem Bericht „Hunger auf dem Campus“ der US-amerikanischen Organisation College and University Food Bank Alliance sind monatlich rund 22 Prozent, fast 4,5 Millionen, Studenten von Hunger betroffen.

Dieser Wert ist das Vierfache des nationalen Durchschnitts. In der Studie werden weder die 3,9 Millionen Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren, noch die 2,9 Millionen Kinder miteinberechnet, welche monatlich an Hunger leiden.

Erschreckenderweise bleiben noch nicht einmal Studenten mit einem oder mehreren Nebenjobs und staatlicher finanzieller Unterstützung von Ernährungsunsicherheit und Hunger verschont. Die Mehrheit der betroffenen Studenten – 56 Prozent – arbeitet zwischen fünf und 30 Wochenstunden. Die große Mehrheit – 75 Prozent – erhält finanzielle Unterstützung vom Staat. Darunter fallen zum einen die 52 Prozent, welche den „Pell Grant“ bekommen, eine staatliche Ausbildungsförderung für Studenten mit geringem Einkommen, und zum anderen die 37 Prozent, welche einen Bildungskredit aufgenommen haben.

In den vergangenen zwölf Monaten erhielten 61 Prozent der von Ernährungsunsicherheit betroffenen Studenten zusätzlich Unterstützung zur Sicherung ihres Lebensunterhalts, wie beispielsweise durch das „Supplemental Nutrition Assistance Program“ (SNAP), welches gemeinhin als Essensmarken bekannt ist. Noch nicht einmal die studentischen Angebote der universitären Mensen und Cafés konnten die Ernährungsunsicherheit lindern. So leiden noch immer 43 Prozent der Studenten mit Zugang zu diesen Campus-Einrichtungen unter Ernährungsunsicherheit.

Studierende werden immer häufiger dazu gezwungen, sich zu entscheiden, ob sie ihre Ausbildung finanzieren oder ihren Hunger stillen wollen. Ein Viertel der Betroffenen muss notgedrungen Kurse ausfallen lassen, um zu arbeiten, damit sie genügend Lebensmittel kaufen können. Mehr als die Hälfte verzichtet aufgrund mangelnder finanzieller Ressourcen auf dringend erforderliche Lehrbücher. Vier Fünftel der Studenten haben bereits aufgrund ihrer prekären Lebensumstände Seminare, Lernsitzungen und Treffen von Hochschulgruppen verpasst oder nie an Aktivitäten außerhalb ihres Stundenplans teilgenommen.

Ernährungsunsicherheit unter Studierenden geht mit anderen sozialen Problemen einher, wie beispielsweise nahezu unbezahlbaren Mieten und Obdachlosigkeit. Fast zwei Drittel der von Ernährungsunsicherheit betroffenen Studenten kämpfen im Zeitraum von 12 Monaten mit Mietausgaben, Hypothekenraten und/oder Nebenkostenabrechnungen. 15 Prozent waren bereits zeitweise innerhalb eines Jahres obdachlos. Insgesamt haben 31 Prozent der Hochschüler in den USA Schwierigkeiten, sich ausreichend Essen und angemessene Wohnverhältnisse zu leisten.

Aber wen wundert das? Die Studiengebühren steigen weiter an, während die Löhne der Studenten – und die ihrer Eltern – stagnieren oder sinken.

Das durchschnittliche Schulgeld an öffentlichen Universitäten beträgt für Studierende, die im Bundesstaat der Universität gemeldet sind, 9.650 Dollar pro Jahr. Studierende an privaten Hochschulen zahlen jährlich im Schnitt 33.480 Dollar. Der gesamte Schuldenbetrag an Bildungskrediten in den USA übersteigt eine Summe von 1,3 Billionen Dollar. Das entspricht einer durchschnittlichen Summe von 30.000 Dollar pro jeden der 44 Millionen Studenten, die Geld für ihre Bildung geliehen haben. Seit dem Schuljahr 2007- 2008 sind die durchschnittlichen jährlichen Studiengebühren für ein vierjähriges Studium an öffentlichen Colleges um 2.333 Dollar oder 33 Prozent gestiegen. Zudem haben sich seit 2006 die Kosten für Lehrbücher um 73 Prozent erhöht, was Studierende zu Ausgaben von 1.200 Dollar im Jahr zwingt.

Gleichzeitig sind die sozialen Programme, die frühere Generationen von Studenten bei der Absolvierung ihres Studiums unterstützt haben, regelrecht ausgeblutet. Beispielsweise deckte der maximale Betrag des „Pell Grant“ 1980 noch 70 Prozent der durchschnittlichen Studiengebühren, während es derzeit nur noch 30 Prozent sind.

Die ansteigenden Kosten der Hochschulbildung sind an bestimmten Universitäten besonders extrem. Die 50.000 Studenten der New York University zahlen derzeit Studiengebühren von 70.000 Dollar pro Jahr, was dem Vierfachen von dem entspricht, was das Studium noch 1990 kostete. Während die New York University Immobilien-Deals über mehrere Millionen Dollar mit Wall Street-Mogulen und Monarchen im Persischen Golf unterhält, verbietet sie die Gründung einer Hochschulgruppe der International Youth and Student for Social Equality mit der Behauptung, die Universität hätte nicht genug Geld zur Verfügung.

Nichts davon ist einfach nur das Ergebnis falscher politischer Entscheidungen.

Als Barack Obama 2008 für die US-Präsidentschaft kandidierte, gewann er die Unterstützung von Millionen junger Menschen, weil er mit seinem Wahlkampfslogan „Change we can believe in“ einen grundlegenden Wandel versprach. Seine Verbündeten in den pseudoradikalen Organisationen an den Universitäten verbreiteten die Illusion, Obama würde die Kriege im Nahen Osten beenden und die Lebensbedingungen der Bevölkerung verbessern. Doch seine erste Amtshandlung bestand darin, die Finanzspekulanten zu retten, die für die internationale Wirtschaftskrise verantwortlich waren und damit gute Jobaussichten einer ganzen Generation zunichte machten. Er führte die Kriege im Irak und in Afghanistan weiter, und entfachte neue in Libyen, dem Jemen und Syrien.

Während es immer heißt, „es gibt kein Geld“ für Hochschulbildung, investieren Republikaner und Demokraten endlose Milliardensummen in Krieg und die innere Aufrüstung, Bankenrettungen und Steuersenkungen. Allein die National Security Agency (NSA) gibt jedes Jahr mehr als 52 Milliarden Dollar für inländische und internationale Spionage aus. Rund 100 Milliarden Dollar werden jährlich in die zunehmend militarisierten Polizeikräfte investiert. Das Pentagon verfügt 2017 über einen neuen Etat von 619 Milliarden Dollar. Mehr als vier Billionen Dollar sind in den letzten 15 Jahren in den sogenannten „Krieg gegen den Terror“ geflossen. Zwischen 2007 und 2009 wurden 13 Billionen Dollar für die Rettung von Großkonzernen, Banken und anderen Finanzinstituten zur Verfügung gestellt.

Warum sollte eine Gesellschaft so sein? Wie kommt es, dass das „höchstentwickelte“ Land der Welt Millionen Menschen im Ausland tötet oder in die Flucht treibt, während gleichzeitig die Jugend im eigenen Land hungert? Die Wurzel dieser Probleme liegt im kapitalistischen System, in dem eine Handvoll Wall Street-Spekulanten und Unternehmenschefs die Kontrolle über alle wichtigen politischen Entscheidungen hat.

Die International Youth and Students for Social Equality (IYSSE) fordern im Gegensatz zum Kapitalismus eine Gesellschaft, in der Bildung, Essen und Wohnraum sowie die Aussicht auf einen interessanten und gut bezahlten Arbeitsplatz nach dem Studium zu den grundlegenden Rechten eines jeden jungen Menschen und Studenten gehören muss. Diese Rechte sind genau wie alle Rechte der Arbeiterklasse unvereinbar mit dem Kapitalismus.

Um diese Rechte durchzusetzen, kämpfen die IYSSE für eine Umgestaltung der Gesellschaft vom Kapitalismus zum Sozialismus – von einer Gesellschaft, die vom Profitstreben der Superreichen bestimmt wird, hin zu einer Gesellschaft, die sich an den menschlichen Bedürfnissen orientiert.

Die soziale Ungleichheit hat sich im vergangenen halben Jahrhundert dramatisch verschärft. Heute verfügt das reichste ein Prozent der Bevölkerung über mehr Vermögen als die unteren 50 Prozent. Diese soziale Ungleichheit muss beseitigt und der gesellschaftliche Reichtum unter öffentliche Kontrolle gestellt werden, damit er für soziale Bedürfnisse, einschließlich kostenloser Hochschulbildung, eingesetzt werden kann. Die großen Unternehmen und Banken müssen demokratisch geführt und kontrolliert werden, mit dem Ziel, Menschen sichere Arbeitsplätze zu verschaffen, und dafür zu sorgen, dass Probleme wie Hunger und Obdachlosigkeit aus der Welt geschafft werden.

Die Schaffung einer solchen Gesellschaft erfordert einen Kampf für Sozialismus, sowohl an den Universitäten, als auch am Arbeitsplatz, in den Städten und auf dem Land. Der unmittelbare Kampf gegen den Niedergang des Bildungssystems, mit dem Studenten und Jugendliche konfrontiert sind, ist mit größeren Fragen der Sparpolitik und der Gefahr von Diktatur und Krieg verbunden, die auch die ganze Arbeiterklasse betreffen. Studenten müssen sich von allen Organisationen am Campus abwenden, die auf pseudoradikale Identitätspolitik fixiert sind und in der einen oder anderen Weise am Rockzipfel der Demokraten hängen. Sie müssen sich der Arbeiterklasse zuwenden, die unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht vereint werden muss.

Die junge Generation hat die Wahl: Sie kann weiter an Hunger, Armut und Krieg leiden, oder den Kampf aufnehmen, um die Gesellschaft zu ändern. Die IYSSE, die Studenten- und Jugendorganisation der Socialist Equality Party, stehen an der Spitze dieses Kampfs. Wir fordern alle Studierenden und jungen Arbeiter auf, sich den IYSSE anzuschließen, ihr Programm und ihre Geschichte zu studieren und den Kampf für den Sozialismus aufzunehmen!

Das im Mehring-Verlag erschienene Buch "Wissenschaft oder Kriegspropaganda?" dokumentiert den Kampf der IYSSE und der Sozialistischen Gleichheitspartei (SGP) gegen die Wiederkehr des deutschen Militarismus in den vergangenen zwei Jahren.

Wer nicht bereit ist, die Wiederbelebung des deutschen Militarismus und die Verwandlung der Universitäten in staatlich gelenkte Kaderschmieden für rechte und militaristische Ideologien hinzunehmen, muss dieses Buch lesen. 

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