Professor Baberowski bedroht kritische Studierende

Von unseren Korrespondenten
13. Februar 2017

Jörg Baberowski, Professor für Geschichte an der Berliner Humboldt-Universität, reagiert auf wachsende Kritik an seinen rechten politischen Positionen, indem er Kritiker unflätig beschimpft und von ihm abhängige Studierende gegen sie aufhetzt.

Als der Sprecher der International Youth and Students for Social Equality, Sven Wurm, am 8. Februar gemeinsam mit einer Kommilitonin im Hauptgebäude der Universität ein Flugblatt zur Bewerbung einer Solidaritätsveranstaltung mit dem Asta der Universität Bremen verteilte, fotografierte ihn Baberowski gegen seinen Willen und beschimpfte ihn mit Ausdrücken, die an der Universität und in der Öffentlichkeit völlig inakzeptabel sind. Im Hörsaal setzte er seine Beschimpfung der IYSSE fort und forderte die anwesenden Studierenden kaum verhohlen auf, gegen die IYSSE vorzugehen.

Unter anderem bezeichnete Prof. Baberowski Wurm, der an seiner Fakultät studiert, als „rotlackierten Faschisten“ und „widerwärtigen Denunzianten“. Die Jugendorganisation der trotzkistischen Vierten Internationale beschimpfte er als „schmutzige, stalinistische Sekte“. Der Universitätsleitung warf er vor, sie sei „feige“ und lasse „diese Kriminellen tun und lassen, was sie wollen“, statt ihnen „einfach den Zugang zum Hörsaal [zu] untersagen“ oder ein „Hausverbot aus[zu]sprechen“. Die anwesenden Studierenden forderte er auf: „Sie können auch Nein sagen. Jeder kann irgendetwas tun...“, und las Ort und Termin der nächsten IYSSE-Veranstaltung vor.

Baberowski hat den Bremer Asta verklagt, weil dieser anlässlich eines geplanten Auftritts an der Bremer Uni in einem Flugblatt seine rechten Positionen zitiert und kritisiert hatte. Er hat gegen den Asta eine einstweilige Verfügung erwirkt, die es diesem nicht nur untersagt, gewisse Äußerungen von ihm zu kritisieren, sondern auch, diese zu zitieren. Am Mittwoch entscheidet das Kölner Landgericht in erster Instanz über das Verbot. Sollte Baberowski Erfolg haben, schüfe dies einen Präzedenzfall, der Kritik an rechten politischen Standpunkten mit hohen Geldstrafen bedroht.

Der Bremer Asta hat viel Solidarität erfahren. Am 2. Februar kamen rund 100 Studierende zu einer Solidaritätsveranstaltung in Bremen, auf der Vertreter der IYSSE aus Berlin sprachen. In Berlin haben mehrere Studierendenvertretungen an der Freien und der Humboldt-Universität Solidaritätsadressen verabschiedet. Auf der Solidaritätsveranstaltung der IYSSE, die am heutigen Montag an der Humboldt-Universität stattfindet, werden Vertreter des Bremer Asta sprechen.

Mit seinen wüsten Angriffen auf die IYSSE, die im Frühjahr mit vier Vertretern ins Studierendenparlament der HU gewählt wurden, versucht Baberowski nun, mit Einschüchterungsmaßnahmen gegen Kritik an seinen rechten Auffassungen vorzugehen. Er nutzt seine Autorität als Professor, um Studierende, die in vielfacher Hinsicht – von der Bewertung ihrer Arbeiten bis hin zu ihrer akademischen Laufbahn – von ihm abhängig sind, für seine rechten politischen Ziele einzuspannen. Kritisieren sie ihn oder solidarisieren sie sich mit den IYSSE, die er als „Kriminelle“ bezeichnet, müssen sie mit Nachteilen rechnen.

Dabei geht es nicht um eine „persönliche Kampagne“ der IYSSE gegen Baberowski, wie dieser weis zu machen versucht, sondern um das Anwachsen der politischen Rechten. Es geht darum, sich an den Universitäten dem Vordringen jener rechten Kräfte entgegenzustellen, die gegenwärtig in den USA und Europa eine Schlüsselrolle dabei spielen, ultrarechten Regierungen den Weg zu ebnen, wie es sie seit den 1930er und 1940er Jahren nicht mehr gab.

Baberowski ist kein ehrbarer Professor, der zu Unrecht angegriffen wird. Er ist ein rechter Demagoge, der sich politisch profiliert, indem er seine Stellung an der Humboldt-Universität und ein Netzwerk von Beziehungen in den Medien nutzt. Es vergeht keine Woche, in der er nicht in Zeitungsartikeln, Interviews, Talkshows und öffentlichen Auftritten für ultrarechte Standpunkte wirbt.

So wirft er der konservativen Bundeskanzlerin Verfassungsbruch vor, weil sie Flüchtlinge ins Land ließ, bezeichnet die Bundesrepublik als „Tugendrepublik“, in der man nicht seine Meinung sagen dürfe, und wirbt für einen Polizeistaat.

Auch die Mischung aus Entstellung, Drohung und Mobilisierung rechter Elemente, mit der er gegen die IYSSE vorgeht, ist typisch für die äußere Rechte. Es handelt sich um dasselbe Rezept, mit dem Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten geworden ist und mit dem sein faschistischer Chefstratege Stephen Bannon das ganze Land auf Linie bringen will.

Es ist kein Zufall, dass Breitbart News, die rechtsextreme Website, die Bannon lange Zeit geleitet hat, den „hoch angesehenen Professor“ wiederholt wegen seiner Flüchtlingshetze aufs Schild gehoben hat. Auch die neonazistische Seite Daily Stormer feierte Baberowski. Das gleiche gilt in Deutschland für die rechtsextreme Postille Junge Freiheit und die faschistische NPD.

Baberowski hat umgekehrt Trumps Wahlsieg unter der Überschrift „Wider die Kultur des politisch Korrekten“ mit den Worten verteidigt: „Ich wollte, dass meine Stimme zählt, so begründete ein amerikanischer Bürger seine Entscheidung, Trump zu wählen. Wollen wir das nicht alle? Dann gestehen wir es auch allen zu.“

Auch den Schweizer Rechtsextremisten Christoph Blocher verteidigte Baberowski als „erfolgreichen, konservativen Unternehmer“, der „doch kein Rechtsradikaler“ sei. In der Basler Zeitung, an der Blocher wesentliche Anteile hält, veröffentlicht Baberowski eine regelmäßige Kolumne.

Auch in seinem Fachbereich arbeitet Baberowski an einer äußerst rechten Agenda. Schon im Februar 2014 hatte er sich im Spiegel für die Rehabilitierung des Nazi-Apologeten Ernst Nolte ausgesprochen und erklärt: „Hitler war kein Psychopath, er war nicht grausam. Er wollte nicht, dass an seinem Tisch über die Judenvernichtung geredet wird.“ In seinen Werken minimiert er die Rolle des Antisemitismus beim Holocaust und erklärt, dass die sowjetischen Generäle der Wehrmacht einen Krieg aufgezwungen hätten, „der die Zivilbevölkerung nicht mehr verschonte“.

Diese Relativierung und Verharmlosung der Nazi-Verbrechen folgt einer politische Logik. Um neue Kriege vorzubereiten, um Fremdenfeindlichkeit und Chauvinismus wieder zu Mitteln der Politik zu machen, wie es in den USA gerade geschieht, muss die Geschichte in Deutschland umgeschrieben, müssen die Verbrechen des deutschen Militarismus reingewaschen werden.

Das im Mehring-Verlag erschienene Buch "Wissenschaft oder Kriegspropaganda?" dokumentiert den Kampf der IYSSE und der Sozialistischen Gleichheitspartei (SGP) gegen die Wiederkehr des deutschen Militarismus in den vergangenen zwei Jahren.

Wer nicht bereit ist, die Wiederbelebung des deutschen Militarismus und die Verwandlung der Universitäten in staatlich gelenkte Kaderschmieden für rechte und militaristische Ideologien hinzunehmen, muss dieses Buch lesen. 

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