Von der Leyen preist Hitlers „Lieblingsgeneral“ Rommel

Von Johannes Stern
16. Juni 2017

Am vergangenen Samstag verkündete Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in der „Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne“ im nordrhein-westfälischen Augustdorf, dass die Bundeswehr am Namen der Kaserne festhalten werde. „Die Rommel-Kaserne ist so benannt worden bewusst an einem Jahrestag des Widerstandes. Und das zeigt doch, dass Rommel seine Rolle im Widerstand auch gehabt hat“, erklärte sie vor Medienvertretern. Deshalb sei beschlossen worden, die Kaserne nicht umzubenennen.

Von der Leyens Ankündigung am sogenannten „Tag der Bundeswehr“ zeigt die wirkliche Geisteshaltung an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Nach dem Anfang Mai eine neonazistische Terrorzelle in der Bundeswehr entdeckt worden war, hatte sich von der Leyen noch gezwungen gesehen, einige kritische Bemerkungen über die allzu offensichtliche Wehrmachtstradition der Bundeswehr zu machen. Vor allem von der Linkspartei wurde sie dafür begeistert gelobt.

Die Ankündigung der Verteidigungsministerin, Kasernen umzubenennen und Wehrmachtsdevotionalien aus ihnen entfernen zu lassen, war von Anfang an Heuchelei. Sie war der antimilitaristischen Stimmung in der Bevölkerung geschuldet und diente dazu, das Ausmaß der rechtsradikalen Verschwörung in der Armee herunterzuspielen. Nun hält von der Leyen die Zeit für gekommen, in die Offensive zu gehen. Sie stellt sich ausgerechnet hinter den General, der im Dritten Reich, sorgfältig inszeniert von Goebbels‘ Propagandaministerium, zu Hitlers bekanntestem „Kriegshelden“ aufgebaut wurde.

Von der Leyens Behauptung, Rommel sei Teil des Widerstands gewesen, ist absurd. Bevor Rommel sich am Ende des Krieges mit Hitler in militärischen Fragen überwarf und in den Suizid getrieben wurde, galt er als Hitlers „Lieblingsgeneral“. Im Oktober 1942 notierte Goebbels nach einem Gespräch mit dem Nazi-Führer in sein Tagebuch: „Rommel hat auf ihn [Hitler] einen sehr tiefen Eindruck gemacht… Er ist weltanschaulich gefestigt, steht uns Nationalsozialisten nicht nur nahe, sondern ist ein Nationalsozialist.“

In seiner Laufbahn war Rommel u.a. Kommandant des Führerhauptquartiers und spielte in fünf Feldzügen – Polen, Frankreich, Afrika, Italien und am Atlantikwall – eine zentrale Rolle in der Kriegsmaschinerie der Nazis. Diese hielten bis zuletzt am von ihnen selbst geschaffenen „Rommel-Mythos“ fest. Hitlers persönlicher Tagesbefehl zum Staatsbegräbnis des Generals in Ulm am 18. Oktober 1944 lautete: „Sein Name ist im gegenwärtigen Schicksalskampf des deutschen Volkes der Begriff für hervorragende Tapferkeit und unerschrockenes Draufgängertum.“

Was Hitler damit meinte, geht aus Rommels eigenen Befehlen hervor. Als Kommandeur der brutalen deutschen Besetzung Italiens zwang er, allen Bestimmungen der Genfer Konvention zum Trotz, über eine Million entwaffnete italienische Soldaten, als „Militärinternierte“ in der deutschen Kriegswirtschaft zu arbeiten. Rommels Befehl vom 1. Oktober 1943 hierzu lautete: „Dieser Krieg ist ein totaler Krieg. Soweit die Männer Italiens nicht mehr die Gelegenheit haben, mit der Waffe für die Freiheit und Ehre ihres Vaterlandes zu kämpfen, haben sie die Pflicht, ihre volle Arbeitskraft in diesem Kampf einzusetzen.“

Bereits eine Woche zuvor, am 23. September 1943, hatte er die Weisung erteilt: „Irgendwelche sentimentalen Hemmungen des deutschen Soldaten gegenüber badogliohörigen Banden in der Uniform des ehemaligen Waffenkameraden sind völlig unangebracht. Wer von diesen gegen den deutschen Soldaten kämpft, hat jedes Anrecht auf Schonung verloren und ist mit der Härte zu behandeln, die dem Gesindel gebührt, das plötzlich seine Waffen gegen seinen Freund wendet. Diese Auffassung muss beschleunigt Allgemeingut aller deutschen Truppen werden.“

Von der Leyens Parteinahme für Rommel bestätigt die Warnungen der Sozialistischen Gleichheitspartei (SGP) und der World Socialist Web Site. Die Rückkehr des deutschen Militarismus und die systematische Verwandlung der Bundeswehr in eine Einsatz- oder besser Kriegsarmee, die die Interessen des deutschen Imperialismus weltweit verteidigt, erfordert die Wiederbelebung der alten braunen Traditionen und ihrer verbrecherischen Methoden.

Das steht mittlerweile ganz offiziell in außenpolitischen Publikationen der Bundesregierung. So beklagt ein Beitrag im Sammelband „Deutschlands neue Verantwortung“, der von der Verteidigungsministerin auf der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz präsentiert wurde, dass in Deutschland das „neurotische Bestreben ‚moralisch sauber‘ zu bleiben“ fast alle innen- und außenpolitischen Debatten durchziehe.

Dabei sei klar: „Wer in den Krieg zieht, der muss in der Regel den Tod von Menschen verantworten. Auch den Tod Unbeteiligter und Unschuldiger.“ Gerade „in Zeiten neuer strategischer Unsicherheit“ müsse „das Militärische [wieder] besonders hervorgehoben werden, nicht nur weil es Gesellschaften so harte Prüfungen abverlangt, sondern weil es letztlich die folgenschwerste und deshalb auch die anspruchsvollste, gewissermaßen die Krönungsdisziplin der Außenpolitik bleibt.“

Die abschließende Prognose von Jan Techau, des Autors dieser Zeilen, dessen aktuelles Buch den bezeichnenden Titel „Führungsmacht Deutschland“ trägt, wäre auch unter den Generälen der Wehrmacht auf begeisterte Unterstützung gestoßen: Deutschland werde in den kommenden Jahren „politisch und militärisch noch erheblich mehr leisten müssen“ und „mit außen- und sicherheitspolitischen Fragen“ konfrontiert sein, „von denen das Land heute noch nicht einmal zu träumen wagt. Womöglich noch nicht einmal in seinen Albträumen.“

Von der Leyens Wiederbelebung des „Mythos Rommel“ geht Hand in Hand mit der Vorbereitung neuer „Albträume“. „Warme Worte reichen nicht“, erklärte sie in Augustdorf. Angesichts wachsender internationaler Anforderungen bräuchten die Soldaten „auch in den nächsten Jahren mehr und nachhaltige Finanzierung und die Unterstützung der Gesellschaft“. Sie brüstete sich damit, dass die Truppe nach 25 Jahren Kürzungen endlich wieder wachse und auch mehr Personal rekrutieren könne. Auch für Auslandseinsätze werde neues Material angeschafft.

Gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe lies von der Leyen dann ihren Träumen von einer neuen deutschen Kriegs- und Kolonialpolitik freien Lauf. Sie erwarte, dass die Bundeswehr noch viele Jahre in Afghanistan stehen werde. „Selbst im Kosovo ist die Bundeswehr seit fast 20 Jahren stationiert. In Afghanistan müssen wir wahrscheinlich in noch längeren Zeiträumen denken“, mahnte sie. „Wir sollten nicht ständig fragen, wann wir abziehen können, weil das die Terroristen motiviert und die Menschen verunsichert, die ja gerne in der Heimat bleiben wollen“. Für die Stabilisierung Afghanistans brauche es „Geduld und einen langen Atem“.

Die herrschende Klasse schmiedet ihre Kriegspläne gegen wachsenden Widerstand in der Bevölkerung. Am Donnerstag ergab eine INSA-Umfrage für die Bild-Zeitung, dass 55 Prozent der Deutschen für den vollständigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan sind. Nur jeder fünfte Befragte 20,3 Prozent ist dafür, dass deutsche Soldaten in dem Land bleiben.