Zum Tod von Günter Grass

Von Peter Schwarz
14. April 2015

Günter Grass ist im Alter von 87 Jahren in Lübeck an den Folgen einer Infektion gestorben. Er zählt zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. 1999 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

1927 in Danzig geboren, gehörte Grass zur Generation, deren Jugend durch den Nationalsozialismus geprägt wurde. Er war sieben Jahre alt, als Hitler an die Macht kam, und achtzehn, als das Dritte Reich zusammenbrach.

Nach den Krieg studierte Grass Grafik und Bildhauerei. Mitte der 1950er Jahre wandte er sich auch der Schriftstellerei zu. Den literarischen Durchbruch schaffte er 1959 mit seinem ersten Roman „Die Blechtrommel“, der zu einem Welterfolg wurde.

Um das Thema der „Blechtrommel“ – die Aufarbeitung des Nationalsozialismus und seiner Hintergründe, die Frage von Schuld und Vergessen – kreisen die meisten Romane und Erzählungen, die Grass seither schrieb. 2006 veröffentlichte er unter dem Titel „Beim Häuten der Zwiebel“ seine Erinnerungen.

Grass gesellschaftliches Engagement blieb nie auf den Bereich der Kunst beschränkt. Bis zum Ende seines Lebens mischte er sich auch in politische Fragen ein und scheute dabei nicht vor harten Auseinandersetzungen zurück. Seine politischen Vorstellungen bewegten sich im Rahmen sozialdemokratischer Reformpolitik, wobei er mit der SPD auch heftig aneinandergeriet, wenn es um Fragen des Militarismus oder um demokratische Rechte ging. So engagierte er sich in den 1960er Jahren intensiv in den Wahlkämpfen von Willy Brandt, dessen Ostpolitik er als Weg zur Versöhnung verstand, trat aber 1993 aus der SPD aus, als sie der faktischen Abschaffung des Asylrechts zustimmte.

Die World Socialist Web Site wird in den kommenden Tagen eine Würdigung von Grass‘ Werk und Leben veröffentlichen. Heute verweisen wir unsere Leser auf mehrere frühere Artikel, die sich mit Grass kritisch auseinandersetzen, ihn aber auch gegen politische Angriffe von rechts verteidigen. Sie können über den jeweiligen Link aufgerufen werden.

1999 publizierte die WSWS eine Besprechung sowie kritische Anmerkungen zu dem Buch „Mein Jahrhundert“, eine Sammlung von hundert Geschichten, die jeweils einem Jahr des 20. Jahrhunderts gewidmet sind.

2006 nahmen wir den Nobelpreisträger im Artikel „Günter Grass und die Waffen-SS“ gegen die grotesk übersteigerten Anschuldigungen in Schutz, mit denen seine politischen Gegner auf sein verspätetes Eingeständnis reagierten, er sei am Ende des Krieges als 17-Jähriger in die Waffen-SS eingezogen worden.

Diese Anschuldigungen steigerten sich sechs Jahre später zu einem Orkan, als Grass in mehreren internationalen Tageszeitungen das Gedicht „Was gesagt werden muss“ veröffentlichte. Er warf darin der „Atommacht Israel“ vor, sie gefährde mit ihren Drohungen gegen den Iran „den ohnehin brüchigen Weltfrieden“.

Obwohl Grass lediglich eine internationale Kontrolle des israelischen atomaren Potentials und der iranischen Atomanlagen forderte und ansonsten seine Verbundenheit mit Israel betonte, wurde er des Antisemitismus beschuldigt und auf eine Stufe mit den Nazis gestellt. Die WSWS veröffentlichte die Aufrufe „Verteidigt Grass!“ und „Stoppt die Kriegshetzer!“.

Versammlungen, die die Partei für Soziale Gleichheit (PSG) zur Verteidigung von Günter Grass in Frankfurt, Berlin und Leipzig durchführte, wurden von rechten Störern angegriffen. Peter Schwarz zog eine Bilanz dieser Erfahrung und Ulrich Rippert ging auf das Verhältnis von Grass und der SPD ein, die sich auf die Seite der Angreifer gestellt hatte.

Eine Resolution des Parteitags der PSG zeigte schließlich auf, wie die perfiden Angriffe auf den weltberühmten Schriftsteller direkt mit der Rückkehr des deutschen Militarismus verbunden waren.

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