Marxismus und Gewerkschaften

Von David North
10. Januar 1998

Zwei politische Problemstellungen oder »Fragen« boten in der Geschichte der marxistischen Bewegung der letzten hundert Jahre mit großer Beständigkeit immer wieder Anlaß zu Auseinandersetzungen: die »nationale Frage« und die »Gewerkschaftsfrage«.

Wo liegt der Grund für die Hartnäckigkeit dieser beiden Probleme, und besteht ein Zusammenhang zwischen ihnen? Meiner Meinung nach liegt die Antwort in den historischen Umständen, unter denen die moderne Arbeiterbewegung entstand. Der bürgerliche Nationalstaat, so wie er aus den revolutionären Kämpfen um Demokratie im 18. und 19. Jahrhundert hervorging, lieferte den ökonomischen Anstoß und den politischen Rahmen für die Entwicklung der europäischen und amerikanischen Arbeiterklasse. Die Festigung der Nationen hing, wenn auch in verschiedenen Formen und in unterschiedlichem Maße, mit allgemeinen Fragen der Demokratie zusammen, die für die Arbeiterklasse sehr wichtig waren.

Die Haltung der Arbeiterklasse gegenüber der Nation mußte zwangsläufig einen höchst komplexen, widersprüchlichen und ambivalenten Charakter annehmen. Auf der einen Seite hingen das Wachstum der Arbeiterklasse in Größe und Stärke sowie die Erhöhung ihres Lebensstandards allgemein mit der Festigung des Nationalstaates und mit der Ausdehnung seiner wirtschaftlichen und industriellen Kraft zusammen. Gleichzeitig rückte die Arbeiterklasse mit zunehmender Entfaltung ihrer ökonomischen und gesellschaftlichen Kämpfe objektiv in eine dem Nationalstaat feindliche Stellung, da dieser letztlich den Klasseninteressen der Bourgeoisie diente.

Der verhexte Charakter der nationalen Frage innerhalb der marxistischen Bewegung ergab sich aus der komplexen Beziehung der Arbeiter zum bürgerlichen Nationalstaat. Nirgendwo in der Welt finden wir ein Beispiel für einen schmerzlosen und organischen Übergang der Massen von nationalem zu internationalem, sozialistischem Bewußtsein. Die Erfahrungen der Jugendzeit prägen einen Menschen für sein ganzes Leben. Ein ähnliches Phänomen zeigt sich bei der historischen Entwicklung des Bewußtseins von Gesellschaftsklassen. Die historische Bindung der Arbeiterklasse an den Nationalismus erklärt sich aus den Umständen ihrer Entstehung und ersten Kämpfe. Da das gesellschaftliche Bewußtsein hinter dem sehr komplexen und widersprüchlichen gesellschaftlichen Sein zurückbleibt – oder, genauer gesagt, dieses nicht direkt und unmittelbar in wissenschaftlicher Form widerspiegelt –, sinkt der Einfluß des Nationalismus auf die Arbeiterbewegung verzögert, und nicht direkt proportional zum Anwachsen der objektiven Vorherrschaft der Weltwirtschaft über den Nationalstaat und zur Internationalisisierung des Klassenkampfs.

Darüber hinaus hat die Fortdauer der nationalen Unterdrückung im 20. Jahrhundert – ungeachtet dessen, daß ihre Ursache und ihr Inhalt im wesentlich ökonomischer Natur sind – die nationalen Bewußtseinsformen verstärkt. Doch trotz der Stärke nationaler Einflüsse dürfen Marxisten mit ihrem Programm nicht an alte Vorurteile und überholte Vorstellungen appellieren, sondern müssen von einer wissenschaftlichen Analyse der gesellschaftlichen Wirklichkeit ausgehen. Die Anpassung des politischen Programms an die gängigen Vorurteile im Interesse kurzfristiger taktischer Vorteile gehört zu den häufigsten Merkmalen des Opportunismus, der von unmittelbar praktischen und konjunkturellen, nicht von prinzipiellen, historischen und wissenschaftlichen Überlegungen ausgeht.

Die Opportunisten, die die politischen und ökonomischen Folgen der Globalisierung der Produktion für den Nationalstaat leugnen, schreiben dieser historisch überholten politischen Form für gewöhnlich ein progressives Potential zu, über das sie gar nicht verfügt. Sie halten beharrlich die Forderung nach nationaler Selbstbestimmung aufrecht, obwohl diese zur Parole jeder reaktionären chauvinistischen Bewegung der Welt geworden ist.

Marxisten halten den Nationalstaat nicht für bedeutungslos. Obwohl der Nationalstaat unter dem Gesichtswinkel der globalen Entwicklung und Integration der Produktivkräfte dem Fortschritt der Menschheit im Wege steht, bleibt er ein starker Faktor in der Weltpolitik. Die sozialistische Bewegung geht, wenn sie ihre Taktik erarbeitet, über diese politische Realität nicht hinweg. Die nationale Frage – heute sollte man wohl besser vom »nationalen Problem« sprechen – bleibt bestehen, solange der Nationalstaat als eine politische und ökonomische Grundeinheit der bürgerlichen Gesellschaft bestehen bleibt. Doch die marxistische Taktik läßt sich von einem wissenschaftlichen Verständnis der historischen Überholtheit des Nationalstaats leiten. Vermittels ihrer Taktik sucht die trotzkistische Bewegung die Grundstrategie der Vierten Internationale als Weltpartei der sozialistischen Revolution zu verwirklichen. Gerade dieses Beharren auf dem Vorrang der internationalen Strategie unterscheidet das Internationale Komitee der Vierten Internationale von jeder national-reformistischen und opportunistischen Gruppierung.

Die Auffassungen der kleinbürgerlichen Radikalen

Diese grundsätzlichen Überlegungen stellen sich nicht weniger drängend in Bezug auf die Gewerkschaftsfrage. Es geht dabei um die Rolle dieser sehr alten proletarischen Organisationsform in der Entwicklung der revolutionären Kämpfe der Arbeiterklasse um den Sozialismus. Das moderne Proletariat entstand im Zusammenhang mit der historischen Entwicklung des Nationalstaats. Die politischen und ökonomischen Prozesse, die dessen Herausbildung ermöglichten, bildeten schließlich auch die Grundlage für die Entwicklung der Arbeiterklasse. Ihre Organisationen und deren Tätigkeit nahmen im Rahmen des Nationalstaates Gestalt an. Dies gilt ganz besonders für die Gewerkschaften, deren Fortschritte und Wohlergehen in hohem Maße von den industriellen und kommerziellen Erfolgen »ihres« Nationalstaates abhingen. Genau wie es tiefe objektive Ursachen für die ambivalente Haltung der Arbeiterklasse zum Nationalstaat gibt, bestehen auch tief verwurzelte objektive Ursachen für die ambivalente oder sogar feindliche Haltung der Gewerkschaften gegenüber dem Sozialismus. Über dieses Problem hat die sozialistische Bewegung seit mehr als hundert Jahren viele Tränen vergossen.

In den Anfangsjahren konnte man natürlich nicht voraussehen, wie schwerwiegend die Probleme sein würden, die in der Folgezeit die Beziehungen zwischen den revolutionären marxistischen Parteien und den Gewerkschaften belasten sollten. Die Haltung der Marxisten gegenüber den Gewerkschaften widerspiegelte unweigerlich die Umstände und Bedingungen der jeweiligen Zeit. Die Gewerkschaftsfrage stellt sich 1998 nicht in derselben Weise, wie 1847. In den letzten 151 Jahren ist eine Menge passiert, und die sozialistische Bewegung hatte hinreichend Gelegenheit, mit dem Gewerkschaftertum Bekanntschaft zu machen. Sie hat viel über den Charakter der Gewerkschaften gelernt, obwohl man auf den Seiten der »linken« radikalen Presse keine Spur dieses angesammelten Wissensschatzes finden kann.

Über weite Perioden ihrer Geschichte hinweg hat die sozialistische Bewegung die Gewerkschaften heiß umworben. Doch obwohl sie ihnen eifrig den Hof machte, blieb die Romanze recht erfolglos. Trotz unzähliger Bekenntnisse der Zuneigung und Hingabe sind die sozialistischen Werber vom Objekt ihrer Begierde immer wieder ins Gesicht getreten oder sogar meuchlings erdolcht worden. Selbst wenn die Sozialisten eigene Gewerkschaften ins Leben riefen und ihnen eine einwandfreie marxistische Erziehung angedeihen ließen, lohnten es ihnen die Sprößlinge mit schnödem Undank. Bei der erstbesten Gelegenheit verschmähten sie die hohen Ideale ihrer sozialistischen Erzeuger, um sich an den Fleischtrögen des Kapitalismus zu laben.

Man sollte meinen, daß es aus so vielen schlechten Erfahrungen etwas zu lernen gäbe. Aber wie die alten Narren in den Erzählungen Boccaccios brennen die ergrauten, zahnlosen Radikalen von heute geradezu darauf, sich immer wieder Hörner aufsetzen zu lassen. Viele »linke« Organisationen von heute bestehen immer noch darauf, daß es die Pflicht der sozialistischen Bewegung sei, sich getreulich um alle Launen und Wehwehchen der Gewerkschaften zu kümmern. Sozialisten, erklären sie, müssen die Gewerkschaften als die Arbeiterorganisationen anerkennen, als die den gesellschaftlichen Interessen der Arbeiterklasse entsprechende Organisationsform. Die Gewerkschaften, argumentieren sie, stellen die authentische und unangreifbare Führung der Arbeiterklasse dar – sie sind die wichtigsten, ausschlaggebenden Richter über ihr historisches Schicksal. Die Autorität der Gewerkschaften über die Arbeiterklasse herauszufordern, in irgend einer Hinsicht das angeblich »natürliche« Recht der Gewerkschaften auf die Vertretung der Arbeiterklasse in Frage zu stellen, kommt einem politischen Sakrileg gleich. Es ist unmöglich, behaupten die Radikalen, sich eine wahrhafte Arbeiterbewegung vorzustellen, die nicht von den Gewerkschaften dominiert, wenn nicht offiziell geführt wird. Nur auf der Grundlage der Gewerkschaften kann der Klassenkampf effektiv geführt werden. Und schließlich hängt jede verbliebene Hoffnung auf die Entstehung einer sozialistischen Massenbewegung davon ab, die Gewerkschaften, oder zumindest einen ansehnlichen Teil von ihnen, für eine sozialistische Perspektive zu »gewinnen«.

Um es ungeschminkt zu sagen, das Internationale Komitee weist jede einzelne dieser Ansichten zurück. Sie werden sowohl von der theoretischen Analyse, als auch von der historischen Erfahrung widerlegt. In den Augen unserer politischen Gegner kommt unsere Weigerung, die Autorität der Gewerkschaften anzuerkennen, einer Majestätsbeleidigung gleich. Das rührt uns nicht besonders, denn wir haben uns im Laufe der Jahrzehnte nicht nur daran gewöhnt, im Gegensatz zur »linken« oder – um genauer zu sein – kleinbürgerlichen öffentlichen Meinung zu stehen, wir erachten deren erbitterte Abneigung auch für das sicherste Anzeichen dafür, daß sich das Internationale Komitee auf dem richtigen Weg befindet.

Die Position der Radikalen beruht auf einer Grundannahme: aufgrund der Zusammensetzung ihrer Massenmitgliedschaft seien die Gewerkschaften »Arbeiterorganisationen«. Wer also die Autorität der Gewerkschaften herausfordert, stellt sich per definitionem in Gegensatz zur Arbeiterklasse. Leider reduziert diese Voraussetzung die Gewerkschaften auf leere, ahistorische Abstraktionen. Es stimmt zweifellos, daß die Gewerkschaften über viele Mitglieder aus der Arbeiterklasse verfügen. Aber das gilt auch für viele andere Organisationen, in den Vereinigten Staaten etwa für den Tierschutzverein, die Freimaurer, die Kriegsveteranen und die katholische Kirche.

Der Hinweis auf die vielen Arbeiter, die Mitglieder der Gewerkschaften sind, ist darüber hinaus kein Ersatz für eine sorgfältigere Analyse der sozialen Zusammensetzung dieser Organisationen, insbesondere ihrer Führungsschichten – d.h. der Bürokratien. Aus der Massenmitgliedschaft von Arbeitern folgt nicht automatisch, daß die Gewerkschaften in deren Interesse handeln. Man muß vielmehr untersuchen, ob es innerhalb der Gewerkschaften einen objektiven Gegensatz zwischen den Interessen der Mitgliedermassen und der leitenden Bürokratie gibt, und in welchem Maße die Politik der Gewerkschaften nicht die Interessen der ersteren, sondern der letzteren vertritt.

Selbst wenn man einräumt, daß die Gewerkschaften »Arbeiterorganisationen« sind, bereichert diese Definition schwerlich unser politisches Wissen. Wir könnten das Definitionsspielchen dann weitertreiben und fragen: »Und was genau ist eine Arbeiterorganisation?« Die Antwort »Eine Organisation von Arbeitern!« dürfte kaum befriedigen. Um das Wesen der Gewerkschaften zu verstehen, muß vielmehr die Frage gestellt werden: »In welcher Beziehung stehen diese Organisationen zum Klassenkampf im allgemeinen und zur Befreiung der Arbeiter von kapitalistischer Ausbeutung im besonderen?«

An diesem Punkt wird es notwendig, über inhaltsleere Terminologie hinaus eine tiefere Definition herauszuarbeiten, die von einer genauen historischen Analyse der Rolle der Gewerkschaften in den Kämpfen der Arbeiterklasse und der sozialistischen Bewegung ausgeht. Der Zweck einer solchen Analyse besteht nicht einfach darin, je nach Standpunkt Beweise für ihre Verbrechen oder Errungenschaften zu sammeln. Vielmehr muß man das Wesen dieser gesellschaftlichen Erscheinung aufdecken, d. h. die tieferen Gesetze, deren operativen und praktischen Ausdruck das Handeln und die Politik der Gewerkschaften darstellen.

Unsere radikalen Gegner haben noch nicht einmal versucht, eine solche Analyse vorzunehmen, und können deshalb nicht ansatzweise eine ernsthafte Antwort auf die elementarste und offenkundigste Frage geben: »Weshalb sind die Gewerkschaften so jämmerlich gescheitert, als es um die Verteidigung, von einer Erhöhung ganz zu schweigen, des Lebensstandards der Arbeiter ging?« Nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auf der ganzen Welt sank im Verlauf des letzten Vierteljahrhunderts die gesellschaftliche Stellung der Arbeiterklasse stark ab. Die Gewerkschaften erwiesen sich als unfähig, die Arbeiterklasse gegen die Angriffe des Kapitals zu verteidigen. Insofern dieses Scheitern über mehrere Jahrzehnte hinweg auf internationaler Ebene beobachtet werden kann, muß man unweigerlich nach seinen objektiven Ursachen suchen – sowohl in der sozialökonomischen Umgebung, in der die Gewerkschaften heute existieren, als auch grundlegender im wesentlichen Charakter der Gewerkschaften selbst. Wenn man davon ausgeht, daß das Umfeld, in dem die Gewerkschaften wirkten, nach 1973 plötzlich feindlich wurde, so muß man die Frage stellen, weshalb die Gewerkschaften dieser Veränderung gegenüber so verletzbar waren und weshalb sie derart unfähig waren, sich auf die neuen Bedingungen einzustellen.

Wir wollen die Antwort der Spartacist League auf dieses Problem betrachten. Im Verlaufe einer wütenden Verurteilung der Socialist Equality Party – die sich über vier Ausgaben ihrer Zeitung und Tausende von Worten erstreckt, die zu einem außerordentlich hohen Prozentsatz Beschimpfungen sind – bestreiten die Spartacist-Leute energisch, daß es irgend welche objektiven Ursachen für das Scheitern der Gewerkschaften gebe. Alles wird mit »der defätistischen und verräterischen Politik der AFL-CIO-Irreführer« erklärt. Eine banalere Erklärung könnte man sich kaum vorstellen. Ein Paläontologe könnte genau so gut behaupten, daß die Dinosaurier ausgestorben seien, weil sie des Lebens einfach überdrüssig waren! Die Spartacist-Leute erklären nicht, weshalb sich die Dinosaurier in der Führung des AFL-CIO überhaupt für eine »defätistische und verräterische Politik« entschieden haben. Einfach deshalb, weil es schlechte Menschen sind? Und wenn es tatsächlich schlechte Menschen sind, weshalb häufen sich diese dann ausgerechnet in der Gewerkschaftsführung, nicht nur in Amerika, sondern rund um die Welt? Gibt es etwas im Charakter der Gewerkschaften, das so viele schlechte Menschen anlockt, die dann eine »defätistische und verräterische Politik« betreiben? Wir könnten noch eine weitere Frage stellen: Welche eigenen Eigenschaften veranlassen die Spartacist League, begeistert Organisationen zu unterstützen, die in großer Anzahl schlechte Menschen anlocken, die wiederum die Arbeiter verraten und ausverkaufen, die sie zu vertreten vorgeben?

Gegen eine subjektive Herangehensweise spricht nicht nur, daß sie allen tatsächlich schwierigen Fragen aus dem Weg geht, sondern auch, daß sie der Spartacist League und den anderen radikalen Gruppen gestattet, ungeachtet ihrer verbalen Attacken die Möglichkeit einer Bekehrung der »Irreführer« offenzulassen. Auf dieser Grundlage stimmen sie der fortdauernden Unterordnung der Arbeiterklasse unter die Gewerkschaften und damit letztlich unter eben diese »Irreführer« zu.

Dezidiert ausgesprochen wird diese Perspektive in einem Artikel von Peter Taaffe, dem wichtigsten Führer der britischen Socialist Party, der früheren Militant-Tendenz.0 Herrn Taaffes Versuche, seine Unterwürfigkeit gegenüber der Gewerkschaftsbürokratie mit radikalen Phrasen zu bemänteln, wirken eher erheiternd als überzeugend. Er führt anfangs eine kurze Liste von Ländern an, in denen die Gewerkschaftsfunktionäre besonders wüste Verrätereien an der Arbeiterklasse begangen haben. Wie Polizeichef Louis in »Casablanca« zeigt sich Taaffe zutiefst, ja bis ins Innerste erschüttert über die allgegenwärtige Korruption – während die politischen Bestechungsgelder der Bürokratie in seine Taschen wandern. Die Rolle der schwedischen Gewerkschaftsfunktionäre, sagt uns Taaffe, war »skandalös«. Das Verhalten der belgischen Bürokratien ist »ungeniert und offen«. Auch die irischen Vorsitzenden bieten uns ein »skandalöses Schauspiel« des Verrats. In Britannien, so Taaffe, hätten die Arbeiter »die Ohnmacht ihrer rechten Führer teuer bezahlt«. Mit Bedauern vermerkt er außerdem die Kapitulation der Gewerkschaftsführer in Brasilien, Griechenland und den Vereinigten Staaten.

Aber für Taaffe besteht das Problem der Gewerkschaften im wesentlichen aus mangelhaften Führern, die mit einer falschen Ideologie behaftet sind: der Anerkennung des kapitalistischen Marktes. Die Organisationen selbst gelten ihm als im Grunde gesund. Gestützt auf diese subjektive Bewertung kritisiert Taaffe die »kleinen linken Gruppen« – damit meint er die Sektionen des Internationalen Komitees –, die gestützt auf Trotzki betonen, daß die Verrätereien der Gewerkschaften Ausdruck einer ganz objektiven Entwicklungstendenz sind. Diese »einseitige« Sichtweise verkennt laut Taaffe die Möglichkeit, daß rechte Gewerkschaftsführer »unter dem Druck der Basis, einer aufrührerischen und kämpfenden Arbeiterklasse« gezwungen werden könnten, »sich vom Staat zu lösen und eine Oppositionsbewegung der Arbeiterklasse anzuführen«.

Daher, so Taaffe, bestehe die »Haupttendenz der kommenden Periode« in Britannien und anderswo darin, daß die Arbeiter »die Gewerkschaften zwingen werden, in ihrem Sinne zu kämpfen«. Das Schicksal der Arbeiterklasse hänge von der »Regeneration der Gewerkschaften« ab.

Ähnlich argumentiert eine Fraktion der mittlerweile aufgelösten Workers Revolutionary Party. Was um jeden Preis vermieden werden müsse, betont sie, sei ein Kampf für neue Formen der Arbeiterorganisation im Gegensatz zur Vorherrschaft der Gewerkschaften. »Jedes flache Basisdenken, das von der abstrakten Aussage ausgeht, daß die Gewerkschaftsführer mit dem Staat unter einer Decke stecken und daß alternative Organisationen aufgebaut und vernetzt werden müssen, wird der neuen Lage absolut nicht gerecht.«1 Ich habe zwar keine gesonderten Informationen über die nächtlichen Stelldicheins der Gewerkschaftsfunktionäre in Britannien oder sonstwo, aber ihr Opportunismus ist alles andere als eine bloß »abstrakte Aussage«. Die verräterischen Dienste der Gewerkschaftsoffiziellen werden täglich von den Unternehmern und dem Staat in Anspruch genommen, und letztere werden dabei selten in ihren Erwartungen enttäuscht.

Die Chancen auf eine Bekehrung der Gewerkschaften erscheinen viel geringer, wenn man begriffen hat, daß die Kennzeichen und Merkmale der sie beherrschenden Bürokratien subjektive Manifestationen objektiver gesellschaftlicher Eigenschaften und Prozesse sind. Man soll und muß die Gewerkschaftsführer anprangern, aber dies darf nicht zum Ersatz für eine Analyse des Gewerkschaftertums werden.

Eine bestimmte gesellschaftliche Form

Unser heutiges Ziel ist es daher, mit einer Analyse des Gewerkschaftertums zu beginnen, die sich auf einen historischen Überblick über gewisse kritische Stadien in der Entwicklung dieser besonderen Form der Arbeiterbewegung stützt. Wie ich schon bemerkte, hat die sozialistische Bewegung in einem Zeitraum von über 150 Jahren einen unermeßlichen Schatz an historischen Erfahrungen gesammelt. Diese Erfahrungen rechtfertigt ihren Anspruch, der weltweit größte und betroffenste Experte in dieser Frage zu sein.

Wir wollen keineswegs so tun, als sei das Gewerkschaftertum ein historischer Mißgriff, der niemals hätte geschehen dürfen. Es wäre lächerlich, wollte man einem so allgemein verbreiteten Phänomen wie den Gewerkschaften tiefe Wurzeln in der Struktur der kapitalistischen Gesellschaft absprechen. Es gibt mit Sicherheit einen Zusammenhang zwischen dem Gewerkschaftertum und dem Klassenkampf. Er beschränkt sich jedoch darauf, daß Arbeiter sich deshalb gewerkschaftlich organisieren, weil die materiellen Interessen der Arbeitgeber im Gegensatz zu jenen der Arbeiternehmer stehen. Aus dieser objektiven Gegebenheit folgt noch lange nicht, daß die Gewerkschaften als eine von den gesellschaftlichen Verhältnissen erzeugte Organisationsform sich mit dem Klassenkampf (dem sie historisch gesprochen ihre Existenz verdanken) identifizieren oder ihn führen wollen. Die Geschichte liefert vielmehr unzählige Beweise dafür, daß die Gewerkschaften, von einer Förderung des Klassenkampfs weit entfernt, sich in viel stärkerem Maße seiner Unterdrückung widmen.

Die Neigung der Gewerkschaften zur Unterdrückung des Klassenkampfs zeigt sich besonders stark und ausgeprägt in ihrer Haltung gegenüber der sozialistischen Bewegung. Es gibt, besonders für Sozialisten, keine tragischere Illusion als die Vorstellung, daß die Gewerkschaften verläßliche oder gar unumgängliche Verbündete im Kampf gegen den Kapitalismus seien. Die organische Entwicklung der Gewerkschaften geht nicht in Richtung Sozialismus, sondern läuft ihm zuwider. Ungeachtet ihrer Entstehungsumstände – d. h. selbst in jenen Ländern, wo die Gewerkschaften direkt von revolutionären Sozialisten ins Leben gerufen und geführt wurden – widersetzten sie sich mit fortschreitender Entwicklung und Festigung der sozialistischen Führung und versuchten diese mit Nachdruck abzuschütteln. Nur wenn man diese Neigung erklären kann, wird man den Wesenskern des Gewerkschaftertums verstehen.

Man muß stets berücksichtigen, daß wir es hier mit einer bestimmten gesellschaftlichen Form zu tun haben. Die Gewerkschaften sind keine lockere, zufällige und formlose Ansammlung von Individuen, sondern ein historisch entstandener Zusammenschluß von Menschen, die in Klassen organisiert sind, sich auf bestimmte Produktionsverhältnisse stützen und in diesen verwurzelt sind. Weiter ist es wichtig, sich über den Charakter der Form als solcher Rechenschaft abzulegen. Wir alle wissen, daß es einen Zusammenhang zwischen Form und Inhalt gibt, aber für gewöhnlich wird dieser nur so aufgefaßt, als ob die Form ein bloßer Ausdruck des Inhalts sei. Von diesem Standpunkt her könnte man die gesellschaftliche Form als einen nur äußerlichen, biegsamen und unbegrenzt wandelbaren Ausdruck der Beziehungen auffassen, auf denen sie beruht. Aber auf einer tieferen Ebene sind gesellschaftliche Formen dynamische Elemente des historischen Prozesses: Wenn man sagt, daß »der Inhalt eine Form annimmt«, dann heißt das, daß die Form dem Inhalt, dessen Ausdruck sie darstellt, bestimmte Qualitäten und Merkmale verleiht. Der Inhalt existiert und entwickelt sich durch die Form.

Vielleicht wird dieser Ausflug in das Reich philosophischer Kategorien und Abstraktionen verständlicher, wenn man den berühmten Absatz aus dem ersten Kapitel des »Kapitals« zitiert, in dem Marx sagt: »Woher entspringt also der rätselhafte Charakter des Arbeitsprodukts, sobald es Warenform annimmt? Offenbar aus dieser Form selbst.«2 Sobald ein Produkt der Arbeit die Form einer Ware annimmt – diese Verwandlung findet auf einer bestimmten Ebene der Gesellschaft statt – gewinnt sie eine besondere Qualität, nämlich den Charakter eines Fetisch, die sie vorher nicht besaß. Sobald Produkte auf dem Markt ausgetauscht werden, treten die wirklichen gesellschaftlichen Beziehungen zwischen den Menschen, die die Waren erst hervorgebracht haben, mit Notwendigkeit als Beziehung zwischen Dingen in Erscheinung. Ein Arbeitsprodukt ist ein Arbeitsprodukt, doch sobald es im Rahmen neuer Produktionsverhältnisse Warenform annimmt, gewinnt es neue, verblüffende gesellschaftliche Qualitäten.

Entsprechend könnte man sagen: Eine Gruppe Arbeiter ist eine Gruppe Arbeiter. Doch wenn sie die Form einer Gewerkschaft annehmen, dann gewinnen sie durch diese Form deutlich umrissene neue gesellschaftliche Qualitäten, denen die Arbeiter unweigerlich unterworfen werden. Was genau meinen wir damit? Die Gewerkschaften vertreten die Arbeiterklasse in einer ganz bestimmten ökonomischen Rolle: als Verkäufer der Ware Arbeitskraft. Die Gewerkschaften, die auf der Grundlage der Produktionsverhältnisse und Eigentumsformen des Kapitalismus entstanden sind, erfüllen im wesentlichen den Zweck, für diese Ware den besten Preis zu erzielen, der unter den gegebenen Marktbedingungen herauszuholen ist.

Natürlich besteht ein himmelweiter Unterschied zwischen dem, was ich eben in der Theorie zum »wesentlichen Zweck« der Gewerkschaften erklärt habe, und ihren Aktivitäten im wirklichen Leben. Die praktische Realität – der tägliche Ausverkauf der unmittelbarsten Interessen der Arbeiterklasse – entspricht der theoretisch verstandenen »Norm« sehr wenig. Diese Abweichung widerlegt jedoch die theoretische Erklärung nicht, sondern ergibt sich ihrerseits aus der ökonomischen Funktion der Gewerkschaft in der Gesellschaft. Da sie sich auf den Boden der kapitalistischen Produktionsverhältnisse stellen, sind die Gewerkschaften von ihrem ganzen Charakter her dazu gezwungen, gegenüber dem Klassenkampf eine feindliche Haltung einzunehmen. Da ihre Anstrengungen darauf gerichtet sind, sich mit den Arbeitgebern über den Preis der Arbeitskraft und die allgemeinen Bedingungen der Mehrwerterzeugung zu einigen, müssen die Gewerkschaften auch sicherstellen, daß ihre Mitglieder ihre Arbeitskraft entsprechend der ausgehandelten Verträge zur Verfügung stellen. Wie Gramsci bemerkte: »Die Gewerkschaften vertreten die Legalität und müssen ihre Mitglieder zur Beachtung dieser Legalität veranlassen.«

Die Verteidigung der Legalität bedeutet die Unterdrückung des Klassenkampfs. Das führt naturgemäß dazu, daß sich die Gewerkschaften langfristig selbst das Wasser abgraben. Sie unterhöhlen selbst ihre Fähigkeit, auch nur jene beschränkten Ziele zu erreichen, die sie sich offiziell gesetzt hatten. Hier liegt der Widerspruch, an dem das Gewerkschaftertum krankt.

Außerdem muß man betonen, daß sich der Konflikt zwischen den Gewerkschaften und der revolutionären Bewegung letztlich nicht aus den Fehlern und Schwächen der Gewerkschaftsführer ergibt – obwohl an beiden kein Mangel herrscht –, sondern aus dem Charakter der Gewerkschaften selbst. Er entzündet sich im wesentlichen an der organischen Opposition der Gewerkschaften zur Entfaltung und Ausweitung des Klassenkampfs, und diese Opposition wird um so entschiedener, erbitterter und tödlicher, je mehr sich der Klassenkampf zu einer Bedrohung für die Produktionsverhältnisse des Kapitalismus, d. h. für die Grundlagen des Gewerkschaftertums selbst auswächst.

Darüber hinaus konzentriert sich diese Opposition auf die sozialistische Bewegung, denn diese vertritt die Arbeiterklasse nicht in ihrer beschränkten Rolle als Verkäufer der Arbeitskraft, sondern in ihrer historischen Berufung als revolutionäre Antithese der Produktionsverhältnisse des Kapitalismus.

Die beiden entscheidenden und wesentlichen Aspekte des Gewerkschaftertums, die ich angeführt habe – seine Neigung zur Unterdrückung des Klassenkampfs und seine Feindschaft gegenüber der sozialistischen Bewegung – werden von der Geschichte reichhaltig illustriert. In dieser Hinsicht birgt die Gewerkschaftsbewegung in zwei Ländern, England und Deutschland, wichtige Lehren und Einsichten.

Die Gewerkschaften in England

England gilt allgemein als die große Heimat des modernen Gewerkschaftertums, in der die Arbeiterklasse durch diese Organisationsform beachtliche Errungenschaften verwirklichte. Eben diesen Eindruck hinterließen die Gewerkschaften bei Eduard Bernstein während seines ausgedehnten England-Aufenthaltes in den späten achtziger und in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Die augenscheinlichen Erfolge der britischen Gewerkschaften überzeugten Bernstein, daß die ökonomischen Kämpfe dieser Organisationen, und nicht die politischen Bestrebungen der revolutionären Bewegung, den ausschlaggebenden Faktor für Fortschritte der Arbeiterklasse und für die allmähliche Umwandlung der Gesellschaft in Richtung Sozialismus darstellten.

Alles, was die kleinbürgerlichen Radikalen heute sagen, wurde vor hundert Jahren vom Gründer des modernen Revisionismus vorweggenommen. Die Tatsache, daß ihre Argumente hundert Jahre alt sind, macht sie an sich noch nicht ungültig. Ich gebe gern zu, daß einige der Argumente, die ich benutze, auch hundert Jahre alt sind – nämlich die Argumente Rosa Luxemburgs gegen Bernstein. Aber für diese Argumente spricht, daß sie im Verlauf des letzten Jahrhunderts bestätigt worden sind, während jene der Neo-Bernsteinianer restlos widerlegt wurden.

Übrigens stellten bereits die zeitgenössischen Kritiker Bernsteins fest, daß seine Bewertung der ökonomischen Errungenschaften der britischen Gewerkschaften stark übertrieben war. Der Aufstieg des Gewerkschaftertums zur vorherrschenden Rolle in der Arbeiterbewegung, der Mitte der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts begonnen hatte, war in der Tat ein Ausdruck der politischen Degeneration und geistigen Stagnation nach der Niederlage der großen revolutionären politischen Bewegung der britischen Arbeiterklasse, des Chartismus. Die chartistische Bewegung war der Höhepunkt einer außerordentlichen politischen, kulturellen und geistigen Gärung gewesen, die in den Jahrzehnten nach der französischen Revolution breite Schichten der Arbeiterklasse erfaßt hatte. Jahre nach der endgültigen Niederschlagung des Chartismus 1848-49 verglich Thomas Cooper, einer seiner angesehensten Führer, den revolutionären Geist der alten Bewegung mit der dumpfen, kleinbürgerlichen Einstellung, die von den Gewerkschaften kultiviert wurde. In seiner Autobiographie schrieb er:

»Ja, in den alten Tagen des Chartismus gingen die Arbeiter von Lancashire zu Tausenden in Lumpen gekleidet, und viele hatten oft nichts zu essen. Aber auf Schritt und Tritt wurde man Zeuge ihrer Intelligenz. Man sah sie in Gruppen zusammenstehen und über die große Lehre der politischen Gerechtigkeit diskutieren – daß jeder erwachsene, geistig gesunde Mann stimmberechtigt sein sollte bei der Wahl jener Männer, die die Gesetze machten, nach denen er regiert werden sollte; oder sie führten ernste Streitgespräche über die Lehren des Sozialismus. Heute sieht man in Lancashire keine Gruppen mehr beieinanderstehen. Aber man hört, wie gut gekleidete Männer, die Hände in Hosentaschen, von Genossenschaften und ihren Anteilen daran oder an Bausparkassen sprechen.« 3

Mit den Gewerkschaften entstand ein neuer Typus von Arbeiterführer: schüchterne Gentlemen, die sich nach einer ehrbaren gesellschaftlichen Stellung in der Mittelklasse sehnten und das neue Hohelied des Klassenkompromisses sangen, rückten an die Stelle der alten revolutionären Chartisten. Theodore Rothstein, ein sozialistischer Historiker des Chartismus, schrieb dazu:

»Männer von großem Talent, großem Temperament, großer und tiefer Gelehrsamkeit, die noch wenige Jahre zuvor die kapitalistische Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttert hatten und denen Hunderttausende Fabrikarbeiter gefolgt waren, wurden jetzt zu einsamen, unbekannten, von der Mehrheit unverstandenen Gestalten, denen nur noch eine kleine Gruppe Auserwählter anhing. Ihr Platz wurde von neuen Männern eingenommen, die nicht einen Bruchteil ihrer Geistesgröße, ihres Talents und ihres Charakters besaßen und ähnlich Hunderttausende Arbeiter an sich zogen – mit dem seichten Gewäsch von der ›Sorge um jeden Groschen‹ und von der Notwendigkeit eines Abkommens mit den Arbeitergebern eben darüber, selbst um den Preis der Klassenunabhängigkeit.«4

Das Gewerkschaftertum schätzt Rothstein folgendermaßen ein:

»Kennzeichnend für diese Geisteshaltung war, daß man sich mit der kapitalistischen Gesellschaft aussöhnte. Diese Aussöhnung schlug sich darin nieder, daß man jedes politische Handeln ablehnte und die Lehren der vulgären politischen Ökonomie übernahm, wonach eine Interessensharmonie zwischen der Unternehmer- und der Arbeiterklasse besteht.«5

Die Verteidiger des Gewerkschaftertums argumentieren, daß der Rückzug der britischen Arbeiter vom politischen Kampfplatz notwendig war, damit die Klasse ihre Kraft auf die vielversprechenden Möglichkeiten des ökonomischen Kampfes konzentrieren konnte. Dieser Theorie widerspricht, daß der Aufstieg der Gewerkschaften nicht mit verstärkten wirtschaftlichen Kämpfen einherging. Diese wurden vielmehr von den neuen Führern der Arbeiterklasse allgemein abgelehnt. Von den frühen siebziger bis Mitte der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts, in der Blütezeit des Gewerkschaftertums in England, stagnierten die Arbeiterlöhne. Die Gewerkschaften büßten in dieser Zeitspanne ihr Ansehen nur deshalb nicht ein, weil damals auch die Preise für Grundnahrungsmittel wie Mehl, Kartoffeln, Brot, Fleisch, Tee, Zucker und Butter stark fielen.

In den frühen Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, als unter den Arbeitern revolutionäre Stimmungen weit verbreitet waren, war die englische Bourgeoisie allen Assoziationsversuchen erbittert entgegengetreten. Zum Ende des Jahrhunderts erkannte die Bourgeoisie jedoch, daß die Gewerkschaften der Stabilität des Kapitalismus einen gewaltigen Dienst erwiesen – insbesondere als Bollwerk gegen das Wiedererstarken sozialistischer Tendenzen in der Arbeiterklasse. Der deutsche bürgerliche Ökonom Brentano schrieb, daß ein Scheitern der Gewerkschaften in England durchaus nicht den Triumph der Unternehmer bedeuten würde, sondern eine Stärkung der revolutionären Tendenzen auf der ganzen Welt. England, das sich bisher des Fehlens einer irgendwie ernst zu nehmenden revolutionären Arbeiterpartei rühmte, würde dann, so Brentano, in dieser Hinsicht mit dem Kontinent gleichziehen.

In der Aufstiegsperiode der Gewerkschaften lebten Marx und Engels in England im Exil. Noch bevor sie dort eingetroffen waren, hatten sie die objektive Bedeutung der Gewerkschaften konstatiert, die sie in der Reaktion der Arbeiterklasse auf die Lohndrückerei der Unternehmer sahen. Im Gegensatz zu dem kleinbürgerlichen Theoretiker Proudhon, der den Nutzen sowohl von Gewerkschaften als auch von Streiks bestritt – weil so herbeigeführte Lohnerhöhungen nur zu Preissteigerungen führen würden –, betonte Marx, daß beides notwendigerweise zum Kampf der Arbeiterklasse um ihren Lebensstandard gehöre.

Marx’ Kritik an den Ansichten Proudhons war sicherlich berechtigt, aber man muß sich auch darüber Rechenschaft ablegen, daß diese frühen Schriften zu einer Zeit entstanden, als die Gewerkschaften gewissermaßen noch in den Windeln lagen. Die Erfahrung der Arbeiterklasse mit dieser neuen Organisationsform war noch sehr beschränkt. Man konnte damals die Möglichkeit nicht ausschließen, daß sich die Gewerkschaften noch zu machtvollen Instrumenten des revolutionären Kampfes entwickeln würden, oder zumindest direkte Vorläufer solcher Instrumente waren. Dieser Hoffnung verlieh Marx Ausdruck, als er 1866 schrieb, daß die Gewerkschaften zu »Organisationszentren« für die Arbeiterklasse geworden seien, »wie es die mittelalterlichen Munizipalitäten und Gemeinden für das Bürgertum waren.«6

Aber schon zu dieser Zeit meinte Marx, die Gewerkschaften hätten »noch nicht völlig begriffen, welche Kraft sie im Kampf gegen das System der Lohnsklaverei selbst darstellen.«7 In eben diese Richtung müßten sie sich entwickeln:

»Abgesehen von ihren ursprünglichen Zwecken müssen sie jetzt lernen, bewußt als organisierende Zentren der Arbeiterklasse zu handeln, im großen Interesse ihrer vollständigen Emanzipation. Sie müssen jede soziale und politische Bewegung unterstützen, die diese Richtung einschlägt. Wenn sie sich selbst als Vorkämpfer und Vertreter der ganzen Arbeiterklasse betrachten und danach handeln, muß es ihnen gelingen, die Außenstehenden in ihre Reihen zu ziehen. Sie müssen sich sorgfältig um die Interessen der am schlechtesten bezahlten Gewerbe kümmern, z.B. der Landarbeiter, die durch besonders ungünstige Umstände ohnmächtig sind. Sie müssen die ganze Welt zur Überzeugung bringen, daß ihre Bestrebungen, weit entfernt, begrenzte und selbstsüchtige zu sein, auf die Emanzipation der unterdrückten Millionen gerichtet sind.«8

Marx versuchte den Gewerkschaften eine sozialistische Orientierung zu geben. Er warnte die Arbeiterklasse, die Bedeutung der Kämpfe, die die Gewerkschaften führten, nicht überzubewerten: »Sie sollte nicht vergessen, daß sie gegen Wirkungen kämpft, nicht aber gegen die Ursachen dieser Wirkungen; daß sie zwar die Abwärtsbewegung verlangsamt, nicht aber ihre Richtung ändert; daß sie Palliativmittel anwendet, die das Übel nicht kurieren.«9 Die Gewerkschaften sollten den Kampf gegen das System aufnehmen, das die Ursache für das Arbeiterelend war, und darum schlug Marx den Gewerkschaften vor, daß sie statt des konservativen Mottos »Ein gerechter Tagelohn für ein gerechtes Tagewerk!« die revolutionäre Losung »Abschaffung des Lohnsystems!« auf ihr Banner schreiben sollten.10

Aber Marx’ Ratschläge beeindruckten die Gewerkschaften wenig, und in den späten siebziger Jahren klangen die Bemerkungen von Marx und Engels zum Thema Gewerkschaften schon weitaus kritischer. Nun, da die bürgerlichen Ökonomen den Gewerkschaften immer aufgeschlossener begegneten, legten Marx und Engels großen Wert darauf, ihre frühere Unterstützung für sie zu relativieren. Sie grenzten sich von bürgerlichen Denkern wie Lujo Brentano ab, dessen Begeisterung für die Gewerkschaften sie auf seinen Wunsch zurückführten, die Lohnsklaven zu zufriedenen Lohnsklaven zu machen.

Bereits 1879 spürt man in Engels’ Schriften zum Thema Gewerkschaften einen unverkennbaren Ton des Widerwillens. Er stellte fest, die »Trade Unions schließen sogar prinzipiell und statutenmäßig jede politische Aktion aus und damit die Teilnahme an jeder allgemeinen Tätigkeit der Arbeiterklasse als Klasse.« In einem Brief an Bernstein vom 17. Juni 1879 beschwerte sich Engels, daß die Gewerkschaften die Arbeiterklasse in eine Sackgasse geführt hätten. »Es darf nicht verschwiegen werden, daß in diesem Augenblick eine eigentliche Arbeiterbewegung, im kontinentalen Sinn, hier nicht besteht, und daher glaube ich nicht, daß Sie viel verlieren, wenn Sie vorläufig keine Berichte über das Treiben der hiesigen Trade Unions erhalten.«11

In einem Artikel, in dem er sechs Jahre später das England von 1885 mit jenem von 1845 verglich, äußerte Engels unverhüllt seine Verachtung für die konservative Rolle der Gewerkschaften. Als eine Aristokratie innerhalb der Arbeiterklasse unterhielten sie die freundlichsten Beziehungen zu den Unternehmern, um für sich selbst ein warmes Plätzchen zu ergattern. Die Gewerkschaften, schrieb Engels mit schneidendem Sarkasmus, »sind in der Tat sehr nette, traktable Leute für jeden verständigen Kapitalisten im besonderen und für die Kapitalistenklasse im allgemeinen.«12

Doch die große Masse der Arbeiterklasse hatten die Gewerkschaften fast völlig übergangen, für sie steht »das Niveau des Elends und der Existenzunsicherheit... heute ebenso niedrig, wenn nicht niedriger als je. Das Ostende von London ist ein stets sich ausdehnender Sumpf von stockendem Elend und Verzweiflung, von Hungersnot, wenn unbeschäftigt, von physischer und moralischer Erniedrigung, wenn beschäftigt.«13

Als Ende der achtziger Jahre eine neue, kämpferische Gewerkschaftsbewegung unter den stärker ausgebeuteten Schichten der Arbeiterklasse entstand, faßte Engels neue Hoffnung. An dieser neuen Bewegung waren auch Sozialisten, darunter Eleanor Marx, aktiv beteiligt. Engels reagierte begeistert auf diese Entwicklungen und schrieb mit großer Befriedigung: »Diese neuen Trade-Unions ungelernter Arbeiter und Arbeiterinnen unterscheiden sich völlig von den alten Organisationen der Arbeiteraristokratie und können nicht auf dieselben konservativen Wege geraten... Und sie sind unter ganz anderen Voraussetzungen organisiert – alle führenden Männer und Frauen sind Sozialisten und noch dazu sozialistische Agitatoren. In ihnen sehe ich hier den wirklichen Anfang der Bewegung.«14

Aber Engels’ Hoffnungen sollten sich nicht erfüllen. Es dauerte nicht lange, da legten diese »neuen« Gewerkschaften die selben konservativen Neigungen an den Tag, wie die alten. Schon sehr früh bestätigten sich hier die theoretischen Auffassungen, die in unseren Augen für eine Analyse der Gewerkschaften von zentraler Bedeutung sind – daß das Wesen dieser Organisationen nicht von der gesellschaftlichen Stellung jener speziellen Arbeiterschicht bestimmt wird, die in ihnen organisiert ist. Diese Faktoren beeinflussen bestenfalls gewisse zweitrangige Aspekte der Gewerkschaftspolitik – einige Gewerkschaften treten deshalb vielleicht mehr oder weniger kämpferisch auf, als andere. Wenn man aber der Sache auf den Grund geht, dann gibt die gewerkschaftliche Form, deren Struktur in den gesellschaftlichen Beziehungen und Produktionsverhältnissen des Kapitalismus und im nationalstaatlichen Rahmen eingebettet ist und sich daraus herleitet, den Ausschlag über die Orientierung ihres »Inhalts« – der Arbeitermitgliedschaft.

Die deutschen Gewerkschaften und die SPD

Auf dem Kontinent, besonders in Deutschland, wurden aus diesen frühen Erfahrungen mit den Gewerkschaften theoretische Lehren gezogen. Die deutschen Sozialisten sahen in den englischen Gewerkschaften nicht Vorläufer des Sozialismus, sondern einen organisatorischen Ausdruck der politischen und ideologischen Unterwerfung der Arbeiterklasse durch die Bourgeoisie. Diese kritische Haltung leiteten sie nicht nur aus theoretischen Einsichten ab. Sie widerspiegelte auch ein ganz anderes Kräfteverhältnis zwischen der marxistischen Partei und den Gewerkschaften in der Arbeiterbewegung. In Deutschland war der Anstoß zur Entwicklung einer Massenbewegung der Arbeiter nicht von den Gewerkschaften, sondern von der Sozialdemokratischen Partei ausgegangen, der es zwischen 1878 und 1890, während Bismarcks Sozialistengesetzen, gelungen war, zur anerkannten politischen Führung der Arbeiterklasse zu werden. Die sogenannten »freien« Gewerkschaften wurden auf Initiative der SPD hin gegründet. Im wesentlichen sollten sie der sozialistischen Bewegung neue Mitglieder zuführen.

Der Einfluß der Gewerkschaften begann mit Hilfe der SPD, die ihr den Führungskader und die politische Orientierung gab, in den neunziger Jahren zu wachsen. Doch die fortdauernden Folgen der langen industriellen Depression setzten der Mitgliedschaft der Gewerkschaften immer noch Grenzen, und noch 1893 betrug das Verhältnis zwischen der Zahl der sozialdemokratischen Wähler und der Gewerkschaftsmitglieder acht zu eins. Dennoch wurden in der SPD Befürchtungen laut, daß die Gewerkschaften mit der Partei um den Einfluß in der Arbeiterklasse konkurrieren könnten. Die Gewerkschaften bestritten ein solches Ansinnen energisch. Ihr Vorsitzender Carl Legien definierte die Gewerkschaften auf dem Kölner Parteitag von 1893 als »Rekrutenschulen der Partei«.

Doch mit dem Ende der Depression im Jahr 1895 begannen die deutschen Gewerkschaften schnell zu wachsen, und das veränderte Kräfteverhältnis verstärkte die Spannungen zwischen der Partei und den Gewerkschaften. Im Jahr 1900 schließlich betrug die Mitgliederzahl der Gewerkschaften rund 600.000. Vier Jahre später waren es eine Million. Je deutlicher die Zahl der SPD-Wähler im Verhältnis zu jener der Gewerkschaftsmitglieder abnahm, desto mehr erhöhte sich die Abhängigkeit der SPD von den Stimmen der Gewerkschafter.

Die Führer der Gewerkschaften selbst gaben Bernstein anfangs zwar keine politische Unterstützung, als er das Banner des Revisionismus entfaltete, doch in der Partei war man sich weitgehend darüber im klaren, daß seine Theorien nur zu einer Umorientierung der deutschen sozialistischen Bewegung nach englischem Muster führen konnten, so daß die reformistischen Gewerkschaften die revolutionäre politische Partei als Schwerpunkt der Arbeiterbewegung verdrängen würden.

In ihren Polemiken gegen Bernstein befaßten sich die wichtigsten Theoretiker der Sozialdemokratie ausführlich mit seinem Versuch, die Gewerkschaften als unerläßliche Bastion der sozialistischen Bewegung darzustellen. Rosa Luxemburg stand an der Spitze dieser Auseinandersetzung. Ihre wichtigste Schrift in dieser Hinsicht ist »Sozialreform oder Revolution«. Darin nimmt sie Bernsteins Behauptung auseinander, daß die Gewerkschaften den Ausbeutungsmechanismen des Kapitalismus tatsächlich entgegentreten und, wenn auch allmählich, die Vergesellschaftung herbeiführen könnten. Luxemburg betonte, dies widerspreche schlicht den Tatsachen: die Kämpfe der Gewerkschaften führten nicht zur Abschaffung der Klassenausbeutung. Sie sorgten nur dafür, daß das Proletariat im Rahmen der Ausbeutungsmechanismen des Kapitalismus in Form von Löhnen den besten Preis für seine Arbeitskraft erhielt, den der Markt hergab.

Und was die Gewerkschaften an Lohnerhöhungen für die Arbeiterklasse herausholen konnten, wurde durch die Schwankungen des Marktes und die allgemeine Dynamik der kapitalistischen Expansion wieder beschnitten. Die kapitalistische Gesellschaft, warnte sie, gehe »nicht Zeiten einer siegreichen Machtentfaltung, sondern wachsenden Schwierigkeiten der gewerkschaftlichen Bewegung« entgegen.15 Unabhängig von den zeitweiligen Errungenschaften der Gewerkschaften hatten sie sich in dem Maße, wie ihre Arbeit in den vom Kapitalismus gesetzten Grenzen verblieb, einer »Sisyphusarbeit« verschrieben. Diese geflügelte Metapher, die eine so vernichtend treffende und vorausschauende Bewertung der gewerkschaftlichen Tätigkeit enthielt, wurde Rosa Luxemburg von den Gewerkschaftsführern nie verziehen.

Unsere Zusammenfassung kann Luxemburgs Analyse schwerlich gerecht werden. Sie untersuchte die objektiven Ursachen für die Unfähigkeit der Gewerkschaften, mehr zu tun, als die Ausbeutung der Arbeiterklasse im Kapitalismus zu dämpfen, und selbst dies nur vorübergehend. Ich möchte noch auf einen weiteren Aspekt ihrer Kritik am Bernsteinianertum hinweisen, der heute besonders relevant ist – sie bestritt, daß die Tätigkeit der Gewerkschaften an sich etwas Sozialistisches enthalte, oder daß ihre Arbeit eine wesentliche Voraussetzung für den Sieg der sozialistischen Sache bilde. Luxemburg leugnete nicht, daß die Gewerkschaften, sofern sie von Sozialisten geführt wurden, der revolutionären Bewegung wichtige Dienste leisten konnten. Ja, sie hoffte, durch ihre Kritik eben dazu beizutragen. (Ob dieses Ziel überhaupt erreichbar war, steht auf einem anderen Blatt und soll später behandelt werden.) Aber sie warnte vor jeglichen Illusionen über organische sozialistische Neigungen des Gewerkschaftertums als solchem.

»Gerade der englische Trade-Unionismus«, schrieb Rosa Luxemburg, »...beweist also, daß die gewerkschaftliche Bewegung an und für sich noch gar nichts Sozialistisches ist, ja daß sie unter Umständen ein direktes Hindernis für die Verbreitung des sozialistischen Bewußtseins sein kann, so wie auch umgekehrt das sozialistische Bewußtsein ein Hindernis für rein gewerkschaftliche Erfolge sein kann.«16

Dieser Absatz ist bis heute eine schlagende Replik auf all jene, die sich sklavisch an die Gewerkschaften und deren Bürokratien anpassen und die sich die Arbeiterbewegung in keiner anderen, als einer gewerkschaftlichen Form vorstellen können. Wie dieser Absatz deutlich macht, gibt es keine organischen und unverbrüchlichen Bande zwischen dem Gewerkschaftertum und dem Sozialismus. Sie bewegen sich nicht notwendigerweise auf parallelen Geleisen auf ein gemeinsames allgemeines Ziel zu. Die gewerkschaftliche Bewegung, die, wie Luxemburg sagt, »an und für sich noch gar nichts Sozialistisches« ist, unterhöhlt die Entwicklung von sozialistischem Bewußtsein. Und die politischen Grundsätze der Sozialisten, die ihre Tätigkeit auf die historischen Interessen der Arbeiterklasse begründen, stehen darüber hinaus den praktischen Zielen der Gewerkschaften im Wege.

In England entstanden die Gewerkschaften auf den Ruinen des Chartismus und unabhängig von der sozialistischen Bewegung. In Deutschland dagegen entstanden die Gewerkschaften direkt unter den Fittichen der sozialistischen Bewegung. Ihre Führer hatten die Lehren von Marx und Engels eifrig studiert. Und doch erwiesen sich die deutschen Gewerkschaften am Ende dem Sozialismus nicht geneigter, als die englischen. Zur Jahrhundertwende, nachdem der Zustrom Hunderttausender neuer Mitglieder ihr Selbstvertrauen gesteigert hatte, äußerten die Gewerkschaften ihr Unbehagen über den politischen Einfluß der Partei und über ihre Unterordnung unter deren politische Ziele. Dieses Unbehagen schlug sich in einer neuen Plattform nieder: der Plattform der politischen Neutralität. Ein zunehmender Teil der Gewerkschaftsführer begann zu argumentieren, daß es keinen Grund gebe, weshalb ihre Organisationen den Kampagnen der SPD besondere Loyalität schulden sollten. Die Vorherrschaft der SPD, sagten sie, raube den Gewerkschaften die Möglichkeit, auch unter jenen Arbeitern Mitglieder zu werben, die sich nicht für sozialistische Politik interessierten oder sie ablehnten. Zu den führenden Vertretern dieser Strömung gehörte Otto Hué, der darauf bestand, daß die Gewerkschaften den Berufs- (nicht Klassen-) Interessen ihrer Mitglieder nur dienen könnten, wenn sie sich politisch neutral verhielten. Welchen politischen Standpunkt die Arbeiter im Rahmen der gewerkschaftlichen Neutralität schließlich bezögen, könne und müsse den Gewerkschaftsführern gleichgültig sein, erklärte Hué.

Von 1900 bis 1905 wuchsen die Spannungen zwischen der Partei und den Gewerkschaften. In ihrer Eigenschaft als Delegierte auf den Parteitagen der SPD stimmten die Gewerkschaftsführer weiterhin im Sinne der sozialistischen Orthodoxie. Der Grund bestand darin, daß die objektiven Entwicklungen noch nicht so weit herangereift waren, daß der theoretische Kampf gegen den Revisionismus schon praktische Formen angenommen hätte. Dies änderte sich mit den Ereignissen von 1905, sowohl in Deutschland als auch jenseits seiner Grenzen. Der Ausbruch der Revolution in Rußland hinterließ in der deutschen Arbeiterklasse einen ungeheuren Eindruck. Mit gespanntem Interesse verfolgten die Arbeiter die detaillierte Berichterstattung über die revolutionären Kämpfe in der sozialistischen Presse.

Darüber hinaus gingen die Ereignisse in Rußland mit dem Ausbruch einer Welle erbitterter Streiks in Deutschland einher, besonders unter den Bergarbeitern des Ruhrgebiets. Die Arbeiter waren sehr kämpferisch gestimmt, stießen aber auf den harten Widerstand der Zechenbesitzer. Die Gewerkschaften prallten vor der unversöhnlichen Haltung der Unternehmer zurück, auf die sie keine wirkungsvolle Antwort hatten. Die Streiks wurden abgebrochen, was das Vertrauen der Arbeiter auf die Wirkung der traditionellen Gewerkschaftstaktik erschütterte.

In dieser neuen Situation argumentierte Luxemburg mit der Unterstützung Kautskys, daß die Ereignisse in Rußland für ganz Europa von großer Bedeutung seien und den deutschen Arbeitern die Macht einer neuen Form des Massenkampfes vor Augen geführt hätten: des politischen Streiks. Die Idee eines politischen Massenstreiks stieß in der Arbeiterklasse auf breite Unterstützung. Doch die Gewerkschaftsführer waren über Luxemburgs Argumente entsetzt. Wohin sollte das führen? Wenn die Arbeiter Luxemburgs Theorien gemäß handeln würden, dann würden sie die Gewerkschaften in »revolutionäre Abenteuer« verwickeln, die den Funktionären gänzlich fern lagen. Massenstreiks würden die Gewerkschaften riesige Summen kosten und ihre Bankkonten, den ganzen Stolz ihrer Führer, rasch leeren.

Um eine solche Katastrophe zu verhindern, entschieden sich die Gewerkschaftsführer zu einem Präventivschlag gegen Luxemburg und die anderen Radikalen in der SPD. Auf dem Gewerkschaftskongreß, der im Mai 1905 in Köln stattfand, wurde eine Kommission gebildet, die eine Resolution zur Haltung der Gewerkschaften gegenüber der Frage des Massenstreiks ausarbeiten sollte. Der Sprecher dieses Ausschusses, Theodor Bömelburg, erklärte: »Um aber unsere Organisation aufzubauen, dazu brauchen wir in der Arbeiterbewegung Ruhe. In der deutschen Gewerkschaftsbewegung haben wir dafür zu sorgen, daß die Diskussion verschwindet und daß man die Lösung der Zukunft dem gegebenen Augenblick überläßt.«17

Der Gewerkschaftskongreß verabschiedete schließlich eine Resolution, die einer Kriegserklärung an den linken Flügel der SPD gleichkam. Sie brandmarkte die Idee des Generalstreiks als »undiskutabel« und warnte die Arbeiter davor, »sich durch die Verbreitung solcher Ideen von der täglichen Kleinarbeit zur Stärkung der Arbeiterorganisationen abhalten zu lassen.«18

Diese Rebellion der Gewerkschaftsführer gegen die Partei erschütterte die SPD zutiefst. Kautsky erklärte, der Kongreß habe das Ausmaß der Entfremdung der Gewerkschaften von der Partei ans Tageslicht gebracht, und meinte: »Es bildet eine seltsame Ironie des Schicksals, daß auf dem Gewerkschaftskongreß das Bedürfnis der Gewerkschaften nach Ruhe in einem Jahr proklamiert wird, das revolutionärer ist als irgendeines seit einem Menschenalter.«19 Für Kautsky lag auf der Hand, daß »die Gewerkschafter anfangen, mehr Gewicht auf die Fülle der Kassen als auf die moralische Qualität der Massen zu legen.«20

Der Haß der Gewerkschaftsführer auf den linken Flügel der SPD nahm krankhafte Formen an. Besonders Rosa Luxemburg war unaufhörlich giftigen Verleumdungen ausgesetzt. Otto Hué, der Herausgeber der Zeitschrift der Bergarbeitergewerkschaft, riet jenen, die einen solchen Überschuß an revolutionärer Energie hätten, sich nach Rußland zu begeben, anstatt von ihren Urlaubsorten aus Generalstreiksdiskussionen zu propagieren. Selbst als Luxemburg aufgrund ihrer revolutionären Tätigkeit in Polen im Gefängnis saß, wurden die Angriffe auf sie noch verschärft. Angewidert von den gemeinen persönlichen Attacken auf Luxemburg, mit der er damals noch befreundet und verbündet war, verwahrte sich Kautsky gegen die Hetzjagd auf eine Führerin »des proletarischen Klassenkampfes«. Nicht Luxemburg, schrieb er, gefährde die Beziehungen zwischen der Partei und den Gewerkschaften, sondern die Gewerkschaftsleiter, die einen primitiven Haß auf jede Form der Arbeiterbewegung hegten, die sich ein ehrgeizigeres Ziel setzte, als fünf Pfennig mehr pro Stunde.

Eine Zeitlang setzte sich die SPD-Führung gegen die Gewerkschaftsfunktionäre zur Wehr, wenn auch so vorsichtig wie möglich. Auf dem Parteitag in Jena im September 1905 brachte Bebel eine sorgfältig formulierte Resolution ein, die den Wert des Massenstreiks teilweise anerkannte – aber nur als Defensivwaffe. Im Gegenzug fanden sich die Gewerkschaften mit Bebels Formulierung ab. Aber nur kurzfristig. Auf dem Parteikongreß in Mannheim im September 1906 forderten und erreichten die Gewerkschaftsführer von der SPD die Verabschiedung einer Resolution, in der das Prinzip der »Gleichberechtigung« zwischen den Gewerkschaften und der Partei festgeschrieben wurde. Das bedeutete, daß die Partei zu allen Fragen, die die Gewerkschaften direkt betrafen, eine für diese annehmbare Position ausarbeiten mußte. Gegen heftigen Widerstand würgten die Parteiführer gemeinsam mit den Gewerkschaftsvertretern die Diskussion in bürokratischer Weise ab und peitschten die Resolution durch.

Von diesem Moment an wurde die SPD praktisch von der Generalkommission der Gewerkschaften regiert. Die Beziehung der Gewerkschaften zur Partei entsprach dem Grundsatz jenes schlauen Bauernweibs, das ihrem Mann folgenden Ehevertrag vorschlug: »Wenn wir in einer Frage einverstanden sind, so soll dein Wille geschehen; wenn wir auseinander gehen, soll nach meinem Sinne gehandelt werden.«21

In ihren Auseinandersetzungen mit Luxemburg und den revolutionären Kräften in der SPD behaupteten die Gewerkschaftsoffiziellen gern, daß sie weitaus besser wüßten, was der Durchschnittsarbeiter wollte, als die revolutionären Theoretiker. In ihrer Voreingenommenheit für Abstraktionen und utopische Visionen hätten Luxemburg und ihresgleichen keine wirklich praktischen Antworten auf die Probleme der Arbeiter in den Zechen und Fabrikhallen. Die Theoretiker könnten trefflich von kommenden revolutionären Erschütterungen und dem dann folgenden sozialistischen Utopia träumen, aber hier und jetzt lag den Arbeitern viel mehr an ein paar zusätzlichen Mark in der Lohntüte.

Wahrscheinlich widerspiegelten die Argumente der Gewerkschaftsführer tatsächlich die Haltung beträchtlicher Teile der Arbeiterklasse in den Jahren, als die Debatte über den Massenstreik begann. Möglicherweise hätten, wäre die Angelegenheit 1905 oder 1906 zur Abstimmung gestellt worden, tatsächlich mehr Arbeiter für Legien als für Luxemburg gestimmt. Wenn man die Haltung der Arbeiter zu der Auseinandersetzung zwischen den Marxisten und den reformistischen Gewerkschaftsspitzen betrachtet, muß man sich jedoch über eines klar sein: Die Gewerkschaften waren sozusagen institutionell und konstitutionell einer Politik »verpflichtet«, die an die organische Abhängigkeit von kapitalistischen Produktionsverhältnissen und von der nationalstaatlichen Ordnung gebunden war.

Die Arbeiterklasse, als eine ihrem Wesen nach revolutionäre gesellschaftliche Kraft, war nicht in dieser Weise an das gradualistische Programm der reformistischen Anpassung gebunden. Die Entfaltung der inneren Widersprüche des kapitalistischen Systems zerrte am Gewebe des sozialen Kompromisses in Deutschland. Als die Spannungen zwischen den Klassen zunahmen, bezogen die Arbeiter eine aggressivere und feindlichere Haltung gegenüber den Arbeitgebern und dem Staat. In den Jahren 1910-11 wurde deutlich, daß Luxemburgs Argumente mittlerweile unter breiteren Schichten der Arbeiterklasse Unterstützung fanden. Insbesondere im Gefolge der Streiks von 1912-13, die am erbitterten Widerstand der Unternehmer scheiterten, nahm die Unzufriedenheit der Arbeiter mit den offiziellen Gewerkschaften spürbar zu.

Der Ausbruch des Weltkriegs im August 1914 unterbrach den Radikalisierungsprozeß vorübergehend. Doch schon 1915-16 durchbrach der soziale Unmut der Arbeiter, angeheizt durch den Krieg, die von den offiziellen Gewerkschaften errichteten Dämme. Die alten bürokratischen Argumente gegen den politischen Massenstreik wurden schließlich im Oktober-November 1918 mit dem Ausbruch der deutschen Revolution beantwortet. Der revolutionäre Charakter der Massenbewegung schlug sich, wie von Luxemburg theoretisch und in der russischen Revolution praktisch vorweggenommen, in neuen Organisationsformen – den revolutionären Obleuten und insbesondere den Arbeiterräten – nieder, die aus der Opposition gegen die offiziellen Gewerkschaften hervorgegangen waren.

Die Erfahrungen der deutschen und der englischen Arbeiterklasse waren die größte historische Probe auf das Gewerkschaftertum. Wenn wir ausreichend Zeit hätten, könnten wir unsere Analyse des inhärenten Gegensatzes zwischen Sozialismus und Gewerkschaftertum noch mit unzähligen Beispielen aus vielen weiteren Ländern und allen Jahrzehnten dieses Jahrhunderts bis in unsere Tage illustrieren und untermauern. Eine solche detaillierte Untermauerung ist sicherlich notwendig, doch in diesem Vortrag ging es vor allem darum, die theoretischen und historischen Grundlagen für solche empirischen Studien aufzuzeigen.

Die geschichtliche Rolle des sozialistischen Bewußtseins

Außerdem besteht der Hauptzweck dieses Vortrags nicht darin, so viele Beispiele für den Verrat der Gewerkschaften wie möglich anzuführen. Unser wesentliches Thema ist, wie in allen anderen Vorträgen dieser Woche, die historische Rolle des sozialistischen Bewußtseins und der Kampf dafür in der Arbeiterklasse. Hierin liegt die wesentliche Bedeutung der revolutionären marxistischen Partei. Selbst wenn es zu einer Wiedergeburt spontaner syndikalistischer Militanz kommen sollte – und eine solche Entwicklung wäre undenkbar ohne explosive Aufstände der Basis gegen die alten bürokratischen Organisationen – so würde die Weiterentwicklung einer solchen vielversprechenden Bewegung in revolutionären Bahnen von der eigenständigen Arbeit der marxistischen Partei abhängen, die dafür kämpft, sozialistisches Bewußtsein in die Arbeiterklasse hineinzutragen.

Es ist daher bezeichnend, daß all jene, die die unantastbare Autorität der Gewerkschaften hochhalten, gleichzeitig den Kampf für den Marxismus in der Arbeiterklasse ablehnen. Diese Position drückt sich besonders deutlich in den jüngsten Artikeln von Cliff Slaughter aus, der jene Marxisten (d. h. das IKVI) anprangert, »die daran festhalten, daß ihre Mission in den spontan entstehenden Kämpfen der Arbeiterklasse darin bestehe, ›das Bewußtsein zu heben‹, ›politisch einzugreifen‹ und zu ›politisieren‹.«

Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich diesen Worten ein gerüttelt Maß krimineller Absicht unterstelle. Wir nähern uns dem Ende eines Jahrhunderts, das die furchtbarsten historischen Tragödien erlebt hat. Es läßt sich gar nicht ermessen, mit wie viel Blut die Menschheit das Scheitern und den Verrat der vielen revolutionären Kämpfe dieses Jahrhunderts bezahlt hat. Die Opfer, die die politischen Folgen dieser verratenen Revolutionen forderten, zählen nach Hunderten Millionen. Noch in den letzten Jahren wurden wir Zeuge der demütigenden, furchtbaren Folgen der Desorientierung der sowjetischen Massen. Und inmitten dieser allgegenwärtigen politischen Desorientierung beschimpft Slaughter jene, die versuchen, sie auf der Grundlage der sozialistischen Wissenschaft zu beheben.

Den Interessen der Arbeiterklasse ist nicht gedient, wenn man zynisch ihre Spontaneität verherrlicht – d.h. das vorherrschende Bewußtseinsniveau und die gegebenen Organisationsformen. Im Falle Slaughters und ähnlicher Ex-Marxisten dienen solche Bekenntnisse zur Spontaneität lediglich als Deckmantel für ihre eigene Zusammenarbeit mit den verräterischen Bürokratien in der Arbeiterbewegung. Wir sehen keinen Anlaß, uns dafür zu entschuldigen, daß unserer Ansicht nach die Zukunft der Arbeiterklasse von der Stärke unseres politischen Handelns und vom Erfolg unserer Bemühungen um eine Hebung des Massenbewußtseins abhängt.

Wir stellen uns auf die Grundlagen, die von den großen Gründern und Vertretern des wissenschaftlichen Sozialismus gelegt worden sind. Wir weisen Slaughters Aussage zurück. Sie widerspricht den wesentlichen Prinzipien, die von den Anfangstagen der marxistischen Bewegung an deren Existenzgrund waren. Das Proletariat ist das aktive historische Subjekt im Kampf für die Sache des Sozialismus. Aber der Sozialismus konnte nicht direkt aus der Arbeiterklasse heraus entstehen und tat es auch nicht. Er hat sozusagen seine eigene geistige Entwicklungsgeschichte. Marx hat niemals behauptet, daß seine Auffassung über die historischen Aufgaben der Arbeiterklasse mit der gerade vorherrschenden »öffentlichen Meinung« der breiten Mehrheit der Arbeiter in einem gegebenen Moment ihrer Entwicklung übereinstimmen würde. Es ist absurd, den Gedanken auch nur anzudeuten, daß Marx, der größte Denker seit Aristoteles, sein ganzes Leben lediglich der Formulierung von Ideen gewidmet habe, die lediglich wiedergeben, worauf der Durchschnittsarbeiter wahrscheinlich auch von selbst gekommen wäre.

Im Jahr 1844 schrieb Marx: »Es handelt sich nicht darum, was dieser oder jener Proletarier oder selbst das ganze Proletariat als Ziel sich einstweilen vorstellt. Es handelt sich darum, was es ist und was es diesem Sein gemäß geschichtlich zu tun gezwungen sein wird. Sein Ziel und seine geschichtliche Aktion ist in seiner eignen Lebenssituation wie in der ganzen Organisation der heutigen bürgerlichen Gesellschaft sinnfällig, unwiderruflich vorgezeichnet.«22

Wenn die spontane Entwicklung des Klassenkampfs sozialistisches Bewußtsein hervorbringen würde, dann hätte es keinen Grund für diese internationale Schule gegeben. Wozu bräuchte man Vorträge über Geschichte, Philosophie, politische Ökonomie, revolutionäre Strategie und Kultur, wenn sich die Arbeiterklasse mit ihren bestehenden Massenorganisationen und ihrem gegebenen politischen und historischen Bewußtseinsstand automatisch zur Höhe der Aufgaben erheben könnte, die ihr von der Weltkrise des Kapitalismus gestellt werden?

Werfen wir einen Blick auf den politischen Hintergrund, vor dem diese Schule stattfindet. Während wir uns hier versammeln, befinden sich die Wirtschaften Südostasiens in heftiger Unruhe. Beinahe über Nacht ist die Existenz Hunderter Millionen Menschen in Gefahr geraten. In Indonesien ist vorgestern der Wert der Landeswährung um 22 Prozent gefallen. Im Verlauf von sechs Monaten hat die indonesische Rupie beinahe achtzig Prozent ihres Werts eingebüßt. Der IWF fordert ein brutales Kürzungsregime, und unter diesen Bedingungen sind gewaltige soziale Zusammenstöße unvermeidlich.

Hängt der Ausgang dieser Kämpfe jedoch nicht davon ab, daß die indonesische Arbeiterklasse die Lehren aus ihrer eigenen Geschichte zieht, die ein weiteres alptraumartiges Kapitel in der Geschichte des 20. Jahrhunderts darstellt? Muß man nicht mit den indonesischen Arbeitern, Studenten und Intellektuellen die Ereignisse von 1965-66 durchgehen – wie die größte Kommunistische Partei der Welt außerhalb der UdSSR und Chinas, die über mehr als eine Million Mitglieder verfügte, sich angesichts von Suhartos Staatsstreich als ohnmächtig erwies? Mehr als eine halbe Million Menschen wurden von der Konterrevolution abgeschlachtet. In den Flüssen von Sumatra und Bali staute sich das Wasser an den Leichen der Ermordeten. Die Hinrichtung der Gefangenen, die nach Suhartos Staatsstreich verhaftet worden waren, zog sich bis in die neunziger Jahre hin. Doch wie viele Fragen und Probleme blieben unbeantwortet und ungeklärt! Die strategischen Lehren aus dieser Periode bilden die Grundlage für die notwendige historische Vergeltung der indonesischen Arbeiter an den Verbrechen der indonesischen Bourgeoisie, die darin vom amerikanischen und auch australischen Imperialismus unterstützt wurde.

Und dabei geht es nicht um ein Problem von Indonesien, sondern um eine welthistorische Aufgabe. Wir beenden diese Schule daher mit derselben Aussage, mit der wir sie begannen: Die Zukunft der Menschheit im 21. Jahrhundert hängt davon ab, daß sie die Lehren aus den strategischen historischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts zieht. Und wenn ich in wenigen Worten die wichtigste Schlußfolgerung zusammenfassen sollte, zu der wir am Ende unseres Rückblicks auf dieses bewegte Jahrhundert gekommen sind, so lautet sie, daß das Schicksal der Menschheit unauflöslich mit dem Kampf für sozialistisches Bewußtsein und sozialistische Kultur in der Arbeiterklasse verknüpft ist, der wiederum im Aufbau der Weltpartei der sozialistischen Revolution seinen wesentlichen politischen Ausdruck findet. 

Anmerkungen

0 »Trade Unions in the Epoch of Neo-Liberalism» in Socialism Today - zurück

1 Workers International Press, Nr. 1, Februar 1997, S. 21 - zurück

2 Marx Engels Werke Bd. 23, S. 86 - zurück

3 Theodore Rothstein, »From Chartism to Labourism«, London 1983, S. 183f - zurück

4 ebd. S. 195 - zurück

5 ebd. S. 273 - zurück

6 Marx Engels Werke Bd. 16, S. 197 - zurück

7 ebd. - zurück

8 ebd. S. 197f - zurück

9 Marx Engels Werke Bd. 16, S. 152 - zurück

10 ebd. - zurück

11 Marx Engels Werke Bd. 34, S. 378 - zurück

12 Marx Engels Werke Bd. 21, S. 194 - zurück

13 ebd. S. 195 - zurück

14 Marx Engels Werke Bd. 37, S. 288 - zurück

15 Rosa Luxemburg, Gesammelte Werke, Berlin 1990, Bd. 1.1, S. 391 zur Lesart siehe Fußnote - zurück

16 Rosa Luxemburg, op. cit., Bd. 1.1, S. 481 - zurück

17 Carl E. Schorske, »Die große Spaltung, Die deutsche Sozialdemokratie 1905-1917«, Berlin 1981, S. 64 - zurück

18 ebd. - zurück

19 Die Neue Zeit, Stuttgart 1905, 23. Jg., Bd. 2, S. 315 - zurück

20 ebd. S. 314 - zurück

21 Rosa Luxemburg, op. cit., Bd. 2, S. 174 - zurück

22 Marx Engels Werke Bd. 2, S. 38 - zurück

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