LTTE verhaftet zwei weitere tamilische Sozialisten

Arbeiter- und Menschenrechtsorganisationen sind gefordert, um der Verfolgung der SEP Einhalt zu gebieten

Von der Redaktion
10. September 1998

Die LTTE ("Befreiungstiger von Tamil Eelam") hat am 31. August im Gebiet Kilinochchi zwei weitere Mitglieder der Socialist Equality Party verhaftet.

Mit der Festnahme von A. Rasaratnam und E. Nayalvale befinden sich nun fünf Mitglieder der SEP in den Händen der tamilischen Separatistenorganisation. Mitte August hatte die SEP aus Kilinochchi gemeldet, daß die LTTE offenbar die Jagd auf alle ihre Mitglieder eröffnet habe. Dies scheint sich nun zu bestätigen.

Das Leben der fünf tamilischen Sozialisten befindet sich in höchster Gefahr. Am 26. Juli waren Thirugnana Sambandan und Kasinadan Naguleshwaran von der LTTE festgenommen worden. Am 2. August war Rajendran Sudharshan verhaftet worden. Doch die Zentrale der LTTE in London weigert sich bis heute, die Festnahmen zu bestätigen, von einer Erklärung für die Gründe oder einer Garantie für die Unversehrtheit der Betroffenen ganz zu schweigen.

Diese Haltung entspricht den Praktiken der schlimmsten Polizeistaaten und erinnert beispielsweise an den "schmutzigen Krieg" Argentiniens gegen militante Arbeiter und Sozialisten in den siebziger Jahren. Es ist ein kardinales Recht eines Häftling, daß die Behörden seine Festnahme öffentlich bestätigen. Eine solche Bestätigung bedeutet eine minimale, wenn auch völlig unzulängliche Garantie, daß die Behörden für die Unversehrtheit des Häftlings geradestehen müssen. Ohne sie "verschwindet" er einfach.

Bedrohlich ist auch die Aussage eines LTTE-Funktionärs gegenüber den Eltern eines der zuletzt verhafteten SEP-Mitglieder: "Wenn Ihre Söhne nicht Mitglieder der TELO (Tamil Eelam Liberation Organisation) sind, weshalb regen Sie sich dann so auf? Die LTTE wird ermitteln und sie freilassen."

Es ist völlig ausgeschlossen, daß die LTTE oder irgend jemand sonst die Politik der TELO mit jener der SEP verwechselt. Die TELO ist mit der Volksallianz-Regierung verbündet und steht damit im Krieg gegen die Tamilen im Norden und Osten auf Seiten des srilankischen Staates. Die SEP und ihre Vorläuferorganisation, die RCL, verteidigt hingegen seit vielen Jahren die demokratischen Rechte der Tamilen und wendet sich gegen den Krieg, der seit mittlerweile 15 Jahren andauert. Die LTTE-Führung kennt diese Politik ganz genau.

Nachdem die LTTE seit sechs Wochen gegen die SEP "ermittelt", behauptet nun einer ihrer Funktionäre, sie könne etwas mit der TELO zu tun haben, mit der sich die LTTE blutige Kämpfe liefert. Das bedeutet, daß die LTTE-Führung beschlossen hat, mit noch härteren Mitteln gegen die SEP vorzugehen. Da sie nicht in der Lage ist, den tamilischen Massen zu erklären, weshalb sie ihre sozialistischen politischen Gegner unterdrückt, versucht sie es nun mit Hetze und Verleumdung, um die SEP mit einer verhaßten Partei auf Seiten der Regierung in Verbindung zu bringen.

Die SEP führt in Sri Lanka eine schlagkräftige Kampagne, um in der Bevölkerung Unterstützung für die Forderung zu mobilisieren, daß die LTTE ihre fünf Mitglieder sofort ohne Bedingungen freiläßt und die Repressalien gegen die SEP einstellt. In Colombo und anderen Städten des Südens fanden gut besuchte Veranstaltungen statt. Radio und Fernsehen in Sri Lanka haben ausführlich über die Verteidigungskampagne berichtet.

Zahlreiche Künstler, Intellektuelle und Vertreter von Arbeiterorganisationen haben die LTTE aufgefordert, die Verfolgung der SEP einzustellen. Vasudeva Nanayakkara, ein Parlamentsabgeordneter der Lanka Sama Samaja Party - der größten und ältesten politischen Partei, die sich auf den Sozialismus beruft - veröffentlichte vergangene Woche eine Erklärung, in der er die Unterdrückungsmaßnahmen der LTTE verurteilt.

Professor Amal Jayawardene von der Universität Colombo schrieb an die LTTE-Führung: "Es ist allgemein bekannt, daß die SEP stets konsequent und vorbehaltlos für die demokratischen Rechte des tamilischen Volkes in Sri Lanka eingetreten ist, und sie sollte dies auch ungehindert fortsetzen können.

Der Schutz vor gewaltsamer Verschleppung ist ein Grundprinzip der Menschenrechte und der Herrschaft des Gesetzes. Als Verfechter der Menschenrechte rufen wir sowohl die Regierung als auch die Oppositionsgruppen auf, die Verstöße gegen die demokratischen Rechte politischer Aktivisten zu beenden. In diesem Zusammenhang fordern wir die Führung der LTTE dringend auf, die SEP-Mitglieder, die sich in ihrem Gewahrsam befinden, bedingungslos freizulassen."

Das World Socialist Web Site fordert alle seine Leser, alle Menschenrechtsorganisationen, alle tamilischen Verbände und Vereinigungen und jeden, der für demokratische Rechte einsteht, dringend auf, bei der LTTE gegen die Verfolgung der SEP zu protestieren und die sofortige, bedingungslose Freilassung der fünf SEP-Mitglieder zu verlangen.

Die Europa-Zentrale der LTTE befindet sich an folgender Adresse:

LTTE
c/o Eelam House
202 Long Lane
London SE1 4QB
United Kingdom

Tel.: 0044-171-403-4554
Fax: 0044-171-403-1653

Kopien der Schreiben bitte an die

Partei für Soziale Gleichheit
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