LTTE verhaftet zwei weitere tamilische Sozialisten

Von der Redaktion
11. September 1998

Aus Killinochchi, einem von der LTTE kontrollierten Gebiet im Norden Sri Lankas, erreichen uns Berichte über eine regelrechte Jagd der LTTE-Guerilla auf Mitglieder der sozialistischen SEP. Die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) sind eine tamilische separatistische Bewegung. Die Socialist Equality Party (SEP) ist die srilankische Sektion der Vierten Internationale.

"Ich erhielt die Information, daß die LTTE jetzt nach den anderen SEP-Mitgliedern dieses Gebietes sucht", heißt es in einem Brief vom 17. August, den ein SEP-Mitglied aus Killinochchi an die Parteiführung in Colombo schrieb. "Die LTTE versuchte mich aus dem Haus meiner Frau zu holen, aber es gelang mir, ihnen zu entkommen. Jetzt wechsle ich ständig meinen Aufenthaltsort."

Das SEP-Mitglied fügte hinzu, daß er überzeugt sei, die LTTE werde ihr Ziel nicht erreichen. "Die weltweite Kampagne, die das Internationale Komitee der Vierten Internationale zur Freilassung unserer drei Genossen begonnen hat, gibt uns den Mut, angesichts der Hetzjagd der LTTE Widerstand zu leisten und für unsere sozialistischen Perspektiven zu kämpfen."

Thirugnana Sambandan und Kasinathan Naguleshwaran waren am 26. Juli beim Aufhängen von Handzetteln gefangengenommen worden. Rajendran Sudarshan hatten die LTTE-Leute am 2. August zu Hause abgeholt. Am 31. August verhaftete die LTTE zwei weitere Mitglieder der Socialist Equality Party, A. Rasaratnam und E. Nayalvale.

Obwohl die ersten Verhaftungen vor mehr als fünf Wochen erfolgten, weigert sich die LTTE-Führung nach wie vor, eine öffentliche Stellungnahme darüber abzugeben, wo sich die SEP-Mitglieder befinden und wie es ihnen geht. Diese Weigerung und die verstärkte Repression gegen die SEP, sowie die bekannte Tatsache, daß die LTTE gegen tamilische Oppositionelle für gewöhnlich gewaltsam vorgeht, geben Anlaß zu größter Sorge um die Sicherheit der SEP-Mitglieder. Ein inoffizielles Kommuniqué der LTTE, das durch das Internet verbreitet wurde, unterstreicht dies. Darin wird gewarnt, daß das Leben der SEP-Mitglieder auf dem Spiel stehe.

Dieses inoffizielle Kommuniqué enthielt den Vorschlag, daß die SEP und die Familien der Verhafteten Informationen über ihren Verbleib und ihr Wohlergehen über das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (ICRC) einholen könnten. Das ICRC, bei dem die Mutter Sudarshans angefragt hatte, hatte die Frage nach dem Schicksal der drei Genossen Mitte August an die LTTE weitergeleitet, aber keine Antwort erhalten.

Die LTTE weigert sich auch, eine Erklärung für die Verhaftung der drei SEP-Mitglieder zu geben. Dies läßt den Schluß zu, daß sie allein wegen ihrer politischen Opposition gegen die LTTE verhaftet wurden.

Die SEP und ihre Vorgängerin, die Revolutionary Communist League, verteidigen seit jeher die demokratischen Rechte der Tamilen. Seit Beginn der Auseinandersetzungen im Jahr 1983 hat sich die SEP dem jetzt fünfzehn Jahre dauernden Krieg gegen die Tamilen im Norden und Osten des Landes widersetzt und die LTTE und ihre Kader gegen die staatliche Unterdrückung verteidigt.

Gleichzeitig lehnt sie jedoch die nationalistische Perspektive der LTTE ab, die einen kapitalistischen Zwergstaat im Norden und Osten der Insel anstrebt. Statt dessen tritt sie dafür ein, die Arbeiter und die Landbevölkerung Sri Lankas - Tamilen und Singhalesen - mit ihren Klassengenossen auf dem gesamten indischen Subkontinent zu vereinen. Ziel dieses gemeinsamen Kampfes ist die Abschaffung des reaktionären Nationalstaatensystems, das in Südasien errichtet worden war, nachdem der britische Imperialismus seine Kolonien aufgegeben und die Macht an verschiedene Cliquen der Bourgeoisie abgetreten hatte.

Die internationale Kampagne zur Freilassung der SEP-Mitglieder gewinnt immer breitere Unterstützung. Hunderte von Mitgliedern der Arbeiterbewegung haben Botschaften an die LTTE-Führung nach London in England geschickt, in denen sie die Freilassung der tamilischen Sozialisten und die Beendigung der Unterdrückung der SEP fordern.

Am 22. August führte die Socialist Labour League von Indien in Madras, der größten tamilisch-sprachigen  Metropole der Welt, eine erfolgreiche Aktion zur Unterstützung der verhafteten SEP-Mitglieder durch. Unter den mehr als vierzig Teilnehmern waren Arbeiter aus der Exportzone von Madras und tamilische Flüchtlinge aus Sri Lanka.

In Sri Lanka selbst konnte die SEP breite Unterstützung mobilisieren. In der letzten Augustwoche fanden an der Universität von Colombo und in den Städten Kalutara und Bandarawela öffentliche Versammlungen zur Verteidigung der Verhafteten statt.

Zwei srilankische Parteien, die sich auf die Tradition des Sozialismus berufen, haben das Vorgehen der LTTE öffentlich verurteilt. Die Nava Sama Samaja Party, die im Parlament von Sri Lanka vertreten ist, veröffentlichte am 21. August einen Brief an die LTTE-Führung, in dem es heißt: "Wir sind von der Socialist Equality Party informiert worden, daß einige ihrer Mitglieder von Ihrer Organisation verhaftet wurden und Sie sich weigern, sie freizulassen. Wir fordern Sie auf, diese Leute sofort freizulassen, denn es gibt keinen Grund zu der Annahme, daß sie irgendein Verbrechen gegen den Befreiungskampf des tamilischen Volkes begangen haben."

In einer Erklärung der United Socialist Party, die am 27. August veröffentlicht wurde, heißt es, mit der Verhaftung der SEP-Mitglieder verletze die LTTE "schamlos das Recht der SEP-Mitglieder, sich politisch zu betätigen... und dies wiegt umso schwerer, als die SEP sich mit ihren Kampagnen gegen den singhalesischen Rassimus wendet. Daher fordern wir Sie dringend auf, die Verhafteten - Thirugnana Sambandan, Kasinathan Naguleshwaran und Rajendran Sudarshan - freizulassen und ihre demokratischen Rechte zu respektieren."

Das WSWS richtet an seine Leser, an alle Arbeiter- und Menschenrechtsorganisationen, an alle, die demokratische Grundrechte verteidigen, den dringenden Appell, Faxe und Briefe an die LTTE zu schicken, in denen sie die Verhaftung der SEP-Mitglieder verurteilen und ihre sofortige, bedingungslose Freilassung fordern.

Die Faxe sollten geschickt werden an die LTTE c/o Eelam House (London) 44-171-403-1653, Telefon 44-171-403-4554.

Stellungnahmen können auch per Post geschickt werden an:
Die LTTE
c/o Eelam House
202 Long Lane
London SE1 4QB
United Kingdom

Wir erbitten Kopien aller Protestbriefe an das WSWS:
Email: info@gleichheit.de
oder
Email: editor@wsws.org

Fax: 0201 / 870 13 33

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