LTTE läßt den vierten tamilischen Trotzkisten frei

Von einem Korrespondenten
26. September 1998

Die Socialist Equality Party von Sri Lanka hat erfahren, daß die "Befreiungstiger" (LTTE) ein viertes SEP-Mitglied freigelassen haben, das in dem von der LTTE kontrollierten Bezirk Killinochchi im Süden der Halbinsel Jaffna inhaftiert war.

Laut einem Schreiben aus Killinochchi, das die SEP-Führung in Colombo am 24. September erhalten hat, kam Rasarapnam Rajavale am 16. September frei. Der Brief teilt außerdem mit, Rajavale befände sich wie die drei anderen SEP-Mitglieder, die schon am 13. September freigelassen worden sind, in guter gesundheitlicher Verfassung. Offenbar ist er bei den Verhören der LTTE während seiner 17tägigen Haftzeit weder gefoltert noch in anderer Weise körperlich mißhandelt worden.

In dieser letzten Nachricht aus Killinochchi wurde auch darauf verwiesen, daß die LTTE keine weiteren SEP-Mitglieder in Haft hält. Aber dies muß noch aus unabhängigen Quellen bestätigt werden, genauso wie die Nachricht von der Freilassung der vier SEP-Mitglieder überhaupt.

Am 22. September hielt die SEP in Colombo eine Pressekonferenz ab, in der sie über die Freilassung der drei ersten Mitglieder nach über sechs Wochen Haft berichtete. "Die SEP betrachtet dies als sehr willkommene Entwicklung", erklärte der SEP-Vorsitzende Wije Dias. "Wenn die in diesen Briefen dargelegten Fakten stimmen, dann sollte es möglich sein, dieses traurige Kapitel rasch und angemessen zu beenden. Schließlich verfolgt die LTTE ausgerechnet Mitglieder jener sozialistischen Partei, die schon immer gegen den singhalesischen Chauvinismus und den 15jährigen rassistischen Krieg gegen die tamilische Bevölkerung im Norden und Osten Sri Lankas aufgetreten ist."

Der SEP-Vorsitzende forderte die LTTE auf, öffentlich die Freilassung zu bestätigen, SEP-Vertretern einen direkten Kontakt mit ihren freigekommenen Mitgliedern zu ermöglichen, um selbst ihr Wohlbefinden überprüfen zu können, und alle weiteren SEP-Mitglieder, die sich in ihrer Gewalt befinden, ebenso freizulassen.

Einer der besonders beunruhigenden Aspekte dieses Falls war die Tatsache, daß die LTTE die Inhaftierung der SEP-Mitglieder nie öffentlich zugegeben hatte. Überall auf der Welt gilt es als Zeichen einer minimalen, wenn auch nicht ausreichenden Garantie für die Sicherheit von Gefangenen, wenn ein Regime ihre Verhaftung zugibt. Die Weigerung der LTTE, dieses elementare Bürgerrecht zu beachten, ihre Repressionen gegen die SEP und die Bürgerkriegsbedingungen im Norden Sri Lankas haben es extrem schwierig gemacht, Informationen aus Killinochchi zu erhalten. Daher auch die Unsicherheit, wie viele Mitglieder von der SEP festgenommen wurden. Offensichtlich waren es nur vier und nicht fünf, wie ursprünglich berichtet.

Solange eine Bestätigung über die Freilassung der vier Mitglieder noch aussteht und nicht klar ist, ob noch weitere inhaftiert sind, setzen die SEP und das World Socialist Web Site ihre Kampagne fort, um die LTTE zu zwingen, ihre Repressionen zu beenden und alle SEP-Mitglieder freizulassen.

Die wahrscheinliche Freilassung der tamilischen Trotzkisten ist Ergebnis einer internationalen Kampagne der srilankischen SEP, des Internationalen Komitees der Vierten Internationale und des World Socialist Web Site. Sie stieß auf breite Unterstützung rund um die Welt. Viele Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaftsgremien und -funktionäre, Politiker und Persönlichkeiten protestierten gegen die Festnahme der SEP-Mitglieder und verlangten ihre Freilassung. Unter anderen sandten Amnesty International und Human Rights Watch Protestschreiben an die LTTE.

Diese verbreitete Unterstützung für die Verteidigungskampagne und die öffentliche Anteilnahme am Schicksal der SEP-Mitglieder schlug sich auch in der Berichterstattung über die Pressekonferenz nieder. Berichte erschienen bei den Agenturen ITN und Reuters. Die beiden unabhängigen Tageszeitungen in tamilischer Sprache in Colombo, Thinakkural und Veerakesari, veröffentlichten Artikel auf der ersten Seite. Auch in Island, der größten englischsprachigen Zeitung Sri Lankas, wurde ausführlich über die Konferenz berichtet.

Die tamilischen Sozialisten waren in Killinochchi im Süden der Halbinsel Jaffna festgenommen worden, einem Gebiet, das die separatistische Guerillaorganisation LTTE kontrolliert. Thirugnana Sambandan und Kasinathan Naguleshwaran wurden von Sicherheitskräften der LTTE am Abend des 26. Juli verhaftet, als sie Flugblätter der SEP plakatierten. Rajendran Sudharshan wurde am 1. August aus seiner Wohnung abgeholt. Rasarapnam Rajavale wurde am 31. August festgenommen, kurz nachdem die SEP in Colombo die Nachricht aus Killinochchi erhalten hatte, die LTTE würde systematisch Jagd auf SEP-Mitglieder in dieser Gegend machen.

Die Verhaftung der SEP-Mitglieder ist ein eindeutiger Fall von politischer Repression. Verwandte von Sambandan und Naguleshwaran, die am 26. Juli gefangengenommen worden waren, erhielten die Auskunft von LTTE-Beamten, dies sei wegen der politischen Arbeit der SEP erfolgt. Mit anderen Worten, ihr Eintreten für ein sozialistisches und internationalistisches Programm stellte für die LTTE ein Hindernis dar. Bis zum heutigen Tag hat die Exil-Führung der LTTE in London die Verhaftungen nicht zugegeben, geschweige denn irgendeine Erklärung dazu oder einen Bericht über den Zustand der Gefangenen veröffentlicht.

Die World Socialist Web Site ruft alle Arbeiterorganisationen und Menschenrechtsgruppen sowie Einzelpersonen, die demokratische Rechte verteidigen, auf, ihren Druck auf die LTTE fortzusetzen und die sofortige und bedingungslose Freilassung aller SEP-Mitglieder zu verlangen. Auch fordern wir von der LTTE, öffentlich die Freilassung der SEP-Mitglieder zu bestätigen und srilankischen SEP-Vertretern den Zutritt nach Killinochchi, oder einem der freigelassenen Mitglieder die Reise nach Colombo zu erlauben.

Protestbriefe sollten an die LTTE c/o Eelam House (London) gefaxt werden unter der Nummer:

Fax 44-171-403-1653
Tel 44-171-403-4554

Postanschrift:

The LTTE c/o Eelam House
202 Long Lane
London SE1 4QB
United Kingdom

Kopien an das WSWS bitte mit
E-mail an: wsws@gleichheit.de
Fax: 0201 / 870 13 33

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