Die tamilischen Sozialisten in Gefangenschaft der LTTE

Eine Erklärung zum Stand der Dinge von Wije Dias, Generalsekretär der SEP von Sri Lanka

24. September 1998

Die Socialist Equality Party (Partei für Soziale Gleichheit) in Sri Lanka hielt am Dienstag, den 22. September in der Hauptstadt Colombo eine Pressekonferenz ab, nachdem sie erfahren hatte, daß drei ihrer Mitglieder nach sechs Wochen Gefangenschaft von den Liberation Tigers of Tamil Eelam freigelassen worden waren. Aus Briefen von Rajendran Sudharshan und Thirugnana Sambandan ging hervor, daß beide zusammen mit Kasinathan Naguleshwaran am 13. September ohne Bedingungen und augenscheinlich unverletzt entlassen worden waren. Die Briefe machten einen authentischen Eindruck, so Dias, ihr Inhalt müsse aber noch überprüft werden.

Der Distrikt Killinochchi, wo die Verhaftungen erfolgt waren, steht unter der Kontrolle der LTTE. Er grenzt südlich an Jaffna an.

Zwei SEP-Mitglieder, A. Rasaratnam und E. Nayalvale, die am 31. August festgenommen worden waren, befinden sich nach wie vor in den Händen der LTTE. Dias erklärte, die internationale Kampagne für ihre Freilassung werde selbstverständlich fortgesetzt.

Die Verfolgung der SEP durch die LTTE ist eindeutig politisch motiviert. Die Politik der SEP, die auf einer internationalen, sozialistischen Orientierung basiert, wird von der LTTE als Hindernis für ihre eigenen Ziele empfunden.

Wir veröffentlichen im Wortlaut die Erklärung von Wije Dias, dem Generalsekretär der srilankischen SEP, vor der Pressekonferenz in Colombo am 22. September 1998.

Die Socialist Equality Party (SEP) hat diese Pressekonferenz einberufen, um der Öffentlichkeit wichtige neue Informationen über unsere fünf tamilischen Genossen zu übermitteln, die im Distrikt Killinochchi von den Liberation Tigers of Tamil Eelam festgenommen worden waren.

Am 19. September erhielten wir Briefe von zwei dieser Genossen - Rajendran Sudharshan und Thirugnana Sambandan. Sie berichteten, daß sie und ein dritter Genosse, Kasinathan Naguleshwaren, am 13. des Monats ohne Bedingungen freigelassen worden seien. Aus den Briefen geht hervor, daß die Genossen nicht gefoltert oder mißhandelt wurden, sie sagen jedoch, daß sie erst später über die Einzelheiten ihrer Haft berichten werden.

Die SEP betrachtet dies als sehr willkommene Entwicklung. Wenn die in diesen Briefen dargelegten Fakten stimmen, dann sollte es möglich sein, diese betrübliche Episode - in der die LTTE Mitglieder eben jener sozialistischen Partei verfolgt, die seit jeher den singhalesischen Chauvinismus sowie den 15jährigen rassistischen Krieg gegen die tamilische Bevölkerung im Norden und Osten Sri Lankas an vorderster Front bekämpft - zu einem raschen, gerechten Abschluß zu bringen.

Wir haben die Handschrift der Briefe untersucht und halten sie für echt.

Die Informationen, die sie enthalten, müssen allerdings noch auf anderen Wegen verifiziert werden. Wir müssen überdies noch feststellen, ob alle drei Genossen bei guter Gesundheit sind und keiner von ihnen irgendwie verletzt wurde. Und schließlich machen wir uns nach wie vor große Sorgen um die anderen beiden SEP-Mitglieder, die sich immer noch in den Händen der LTTE befinden.

In ihren Briefen danken sowohl Sudharshan als auch Sambandan der SEP, dem Internationalen Komitee der Vierten Internationale und allen Menschen in Sri Lanka und weltweit, die ihre Freilassung gefordert haben.

Im Namen der gesamten SEP möchte unsere außerordentliche Dankbarkeit für die Unterstützung bekunden, die unsere Verteidigungskampagne von Arbeiter- und Menschenrechtsorganisationen sowie von engagierten Einzelpersonen erhalten hat, sowohl hier als auch in Europa, Nordamerika, Indien und Australien. Ganz besonders möchte ich Amnesty International, die durch ihr Netzwerk für dringende Fälle einen Appell zugunsten der von der LTTE verhafteten SEP-Mitglieder verbreitete, für ihre prompte Hilfe danken.

Mein Dank gilt auch dem World Socialist Web Site und unseren Schwesterparteien rund um die Welt. Sie waren unermüdlich tätig, um diese Angelegenheit in der internationalen Arbeiterklasse bekannt zu machen und die Unterstützung all jener zu gewinnen, die demokratische Rechte verteidigen. Auch möchte ich den zahlreichen Arbeiterparteien, Gewerkschaften, Menschenrechtsorganisationen, Künstlern und Intellektuellen in Sri Lanka danken, die die Freilassung der SEP-Mitglieder gefordert haben. Die Unterstützung, die uns zuteil wurde, war überwältigend.

Natürlich werden wir unsere internationale Verteidigungskampagne fortführen, bis wir die Freilassung aller unserer Mitglieder erreicht haben, bis wir uns durch direkten Kontakt mit ihnen von ihrer Unversehrtheit überzeugen konnten, und bis wir Genaueres über die Verhöre erfahren haben, denen sie unterzogen wurden. Um dies zu erleichtern, sollte die LTTE einem SEP-Vertreter gestatten, nach Killinochchi zu kommen, oder umgekehrt einen der jetzt freigelassenen Verhafteten nach Colombo reisen lassen. Wir möchten glaubhafte Zusagen von der LTTE, daß sie in keiner Weise mehr gegen die betroffenen fünf Genossen oder gegen andere Anhänger der SEP vorgehen wird, und daß deren demokratische Rechte und die Rechte der SEP künftig geachtet werden.

Ich wiederhole, daß wir über die bei uns eingetroffenen Neuigkeiten erfreut sind, als verantwortungsbewußte politische Führung jedoch Vorsicht walten lassen.

Die LTTE-Führung im Exil hat bis heute nicht zugegeben, daß ihre Funktionäre in Killinochchi Mitglieder der SEP verhaftet haben, von einer Erklärung dafür ganz zu schweigen. Wir hoffen jedoch, daß diese Episode nun zu einem raschen, zufriedenstellenden und gerechten Abschluß gebracht werden kann. Die Freilassung der drei SEP-Mitglieder - nach rund sechs Wochen Gefangenschaft - könnte ein sehr wichtiger Schritt in diese Richtung sein.

Abschließend möchte ich betonen, daß nichts, was in den vergangenen zwei Monaten geschehen ist, unsere Opposition gegen den Krieg gemindert hat, den der srilankische Staat weiterhin gegen die Tamilen führt. Ich möchte bei dieser Gelegenheit unsere Forderung nach dem sofortigen Rückzug aller srilankischen Sicherheitskräfte aus dem Norden und Osten wiederholen. Dieser Krieg ist nicht nur eine Tragödie für das tamilische Volk. Die herrschende Klasse benutzt ihn, um die Tamilen zu Sündenböcken für die soziale Krise zu stempeln, für die sie selbst die volle Verantwortung trägt, und um die Unterdrückung der demokratischen Rechte der Arbeiterklasse und der niedergehaltenen Massen im Süden zu rechtfertigen.

Kämpft gegen Googles Zensur!

Google blockiert die World Socialist Web Site in Suchergebnissen.

Kämpft dagegen an:

Teilt diesen Artikel mit Freunden und Kollegen