Gustave Moreau: Zwischen Epik und Traum

Eine Ausstellung im Metropolitan Museum of Art, New York City (1. Juni - 22. August)

Von David Walsh
12. August 1999

Das Metropolitan Museum of Art in New York City präsentiert zur Zeit zwei Ausstellungen, die der französischen Kunst des späten 19. Jahrhunderts gewidmet sind - "Von Cézanne bis Van Gogh: Die Sammlung des Doktor Gachet" (25. Mai - 15. August) und "Gustave Moreau: Zwischen Epik und Traum" (1. Juni - 22. August).

Dr. Paul-Ferdinand Gachet (1828-1909) war der Arzt, der sich in den Monaten vor dessen Selbstmord im Jahr 1890 um den Maler Vincent Van Gogh kümmerte. Gachet war auch ein Freund und Gönner von Monet, Pissaro, Renoir, Sisley und Cézanne. Die gezeigte Sammlung enthält einige bemerkenswerte Arbeiten speziell von Cézanne und Van Gogh.

Niemand wird leugnen, dass der Impressionismus und der Post-Impressionismus im Laufe der Jahre eine beachtliche, wohlverdiente sowohl kritische als auch populäre Anerkennung gefunden haben - und man könnte in der Tat argumentieren, dass einige der uninteressanteren Werke der Impressionisten zu hoch gelobt (und sicherlich zu oft reproduziert) wurden. Deshalb möchte ich die Gachet-Ausstellung übergehen, die von Besuchern überfüllt war, und statt dessen für einen Moment die fast leere Galerie am anderen Ende desselben Museums besuchen, wo die Werke von Gustave Moreau ausgestellt sind.

Ich fand die Moreau-Ausstellung die aufregendere der beiden zur Zeit gezeigten Ausstellungen. Tatsächlich erscheinen mir einige der Bilder genauso bemerkenswert wie alle anderen, die in dieser Epoche entstanden sind.

Moreau wurde 1826 in Paris geboren und laut Ausstellungskatalog "von Kindheit an mit klassischer Kultur aufgezogen. Als er zehn Jahre alt war, schenkte ihm sein Vater, ein Architekt, eine zweibändige Ausgabe mit neoklassischen Kupferstichen des Engländers John Flaxman, die Dante, Homer, Hesiod und die griechischen Tragiker illustrierten."

Im Alter von 20 Jahren wurde er an der Schule der Schönen Künste angenommen, wo er mehrere Jahre studierte. Von 1850 an lebte er als Maler in Paris. Ein zweijähriger Aufenthalt in Italien (1857-59) wurde zu einem wichtigen Wendepunkt in seinem Leben. In Rom studierte er die Maler der Renaissance - Michelangelo, Raphael, Correggio und Sodoma -, widmete sich aber auch der Kunst der Antike. Außerdem traf er Edgar Degas in Rom und befreundete sich mit ihm.

Der Katalog erklärt dazu: "In Florenz begann er, Titian zu kopieren, in Mailand schwärmte er von Luini und in Venedig entdeckte er Carpaccio. Nach seiner Rückkehr nach Florenz reiste er mit Degas nach Siena und Pisa und begann sich für die italienischen Primitiven zu interessieren... Nach Paris zurückgekehrt machte er sich entschlossen an die Arbeit."

Als Maler von enormer Belesenheit sammelte Moreau Tausende von Drucken, Fotografien und illustrierten Zeitschriften und besuchte eifrig die Museen. "Angetrieben von seinem perfektionistischen Temperament, entschied er sich als noch ganz junger Mann dafür, sein Leben vollständig der Kunst zu widmen und die Einschränkungen abzulehnen, die ein Familienleben mit sich brachte."

Sein Ehrgeiz bestand offensichtlich schon seit frühester Jugend darin, die historische Malerei wiederzubeleben, ein Zweig der Malerei, der zu einem großen Teil von wenig inspirierten Akademikern beherrscht wurde. In gewissem Sinn waren Moreaus Bemühungen fruchtlos, aber bei dem heroischen Versuch eine aussterbende Form wiederzubeleben, schuf er etwas Neues, eine Art Traummalerei.

Moreau stand den großen künstlerischen Strömungen seiner Zeit kritisch gegenüber. Der symbolistische Dichter Stéphane Mallarmé bemerkt in seinem im allgemeinen scharfsichtigen Stück "Die Impressionisten und Edouard Manet": "Wir müssen bestätigen, dass der Impressionismus die wichtigste und eigentliche Bewegung der zeitgenössischen Malerei ist. Aber ist er auch die einzige? Nein, denn andere große Talente haben sich der Aufgabe gewidmet, einen besonderen Abschnitt oder eine Periode einer vergangenen Kunst zu illustrieren", und er erwähnt Moreau in diesem Zusammenhang.

Sicherlich "ein großes Talent", aber einfach nur ein begeisterter Illustrator eines Stücks "vergangener Kunst"? Ich habe einen anderen Eindruck von seinem Werk. Es stimmt, dass Moreau statt Varietés und Pariser Restaurants, Lilien in Teichen und sonnenüberflutete Felder zu malen, auf seinen Bildern Personen aus der klassischen Mythologie und aus der Bibel darstellte, dass er Motive aus einer ganzen Reihe antiker Zivilisationen wie auch der mittelalterlichen Kunst entlieh. Er gestaltete sie um nach einem inneren Prinzip, mit dem Ziel, zeitgenössische geistige und soziale Probleme verständlich zu machen; und er tat das mit einer erschreckenden Intensität. Die Titel einiger seiner Bilder lassen Moreaus Interessen und Obsessionen erkennen: "Diomedes, verschlungen von seinen Pferden", "Sappho springt von der leukadischen Klippe", "Herkules und die lernäische Hydra", "Salome tanzt vor Herodes", "Samson und Delila", "Bathseba", "Der Triumph Alexanders des Großen".

Douglas W. Druick erwähnt in dem Artikel "Moreaus symbolistisches Ideal", der im Ausstellungskatalog abgedruckt ist, Themen, über die sich bestimmte Künstler, die in der Mitte der neunziger Jahre heranwuchsen, Gedanken machten: "Sie fanden die Kultur, in der sie lebten, immer verdorbener, sie beklagten den Materialismus des Zeitalters, genährt auf der einen Seite von dem Reichtum eines fortschreitend industrialisierten Frankreichs und auf der anderen Seite von einer wachsenden Hochachtung gegenüber der Wissenschaft und ihren Erkenntnissen. Der kapitalistisch-positivistische Geist, verkörpert im illegitimen Zweiten Kaiserreich Napoleons des III. [1852-70], brachte etwas hervor, was Moreau eine ,primitive Liebe für die rauhe Wirklichkeit‘ nannte, eine Konzentration auf das ,Reale‘ auf Kosten eines transzendenten übersinnlichen ,Ideals‘."

Moreau lehnte die akademischen Maler ab, aber er lehnte genauso den Realismus ab "als eine Kunst, die vor allem an die Sinne appelliert und deshalb mit ihrer Betonung der greifbaren Wirklichkeit gedankenlos dem materialistischen Zeitgeist Vorschub leistet".

Druick fährt fort: "Im Lauf der Jahre entwickelte Moreau eine scharfsichtige Einstellung gegenüber dieser Aufgabe, bei der ihm auf verschiedenen Ebenen das fortgeschrittene wissenschaftliche und philosophische zeitgenössische Denken halfen. Er war der Überzeugung, wenn er auf dem von ihm angestrebten hohen Niveau Kunst schaffen wollte, dann müsse der Künstler ,die Augen der Seele und des Geistes genauso entwickeln wie die des Körpers‘. Moreau brachte diese innere Vision in Verbindung mit der überlegenen Rolle der Phantasie; indem er damals geläufige Ideen aufgriff, verband er diese Fähigkeit offensichtlich mit ,psychologischer Durchdringung‘ und dem Unbewussten... Moreau schrieb, seine ,größten Anstrengungen‘ seien darauf gerichtet, seine imaginativen Energien darauf zu richten, ,diese Gefühlsergüsse des eigenen Ichs‘ zu kanalisieren."

Ich denke, Moreau erreichte sein Ideal in seinen besten Arbeiten in einem außergewöhnlichen Ausmaß. Er ist in der Lage, in sichtbaren Formen die Wahrheit von außergewöhnlich gesteigerten, fast traumatischen inneren Zuständen zu vermitteln, die nicht einfach nur individuelle innere Zustände sind, sondern die Bedürfnisse, Wünsche und Ängste seiner Zuschauer ansprechen.

Moreau betrachtete als den entscheidenden Kampf den zwischen dem "Ruf des Ideals und des Göttlichen und der physischen Natur, die [diesem Ruf] Widerstand leistet." Druick bemerkt, dass er beabsichtigte, "visuelle Situationen zu schaffen, die eher an etwas erinnern, als dass sie es darstellen, durchdrungen von ,einem unbestimmten und mysteriösen Charakter‘." Sein Herkules verkörpert zum Beispiel "die besten Instinkte des Menschen, die gegen die ,gemeinen‘ und ,primitiven‘ Kräfte der unbewussten ,Materie‘ kämpfen. In seinem Werk "verkörpert die Frau, die Kräfte der Zerstörung und des Chaos. Sie ist das , ,Unbewusste‘, ihr fehlen das Denkvermögen und die ,innere Sensibilität‘, sie hat einen ,animalischen Charakter‘ ,Pflanze und Tier‘ zugleich, getrieben von ,unerfülltem Verlangen‘ ist sie bereit, für die Erfüllung , alles ,am Boden liegende zu zertrampeln‘. Deshalb ist sie von Natur aus ,unheilvoll‘." Deshalb bevölkern Verführerinnen wie Salome, Delila, Bathseba, Kleopatra etc. seine Leinwände.

Es versteht sich natürlich, fast ohne es zu sagen, dass dieses bewusste Grauen vor der "animalischen Natur" der Frau sein Gegenstück fand in einer unbewussten Faszination und beinahen Anbetung. Was einem von seinen Bildern am meisten in Erinnerung bleibt, sind diese weiblichen Figuren, die alles zu sprengen drohen. Es ist etwas Ungeheures, Gewalttätiges und Angespanntes an ihnen, etwas das Moreau in sich selbst gefühlt haben muss, was auf der bewussten Ebene geleugnet wurde und sich in diesen Formen des bestialischen Anderen materialisierte. Er ist ein Künstler wie z. B. auch Poe, der wie ein Illustrator von psychologischen Komplexen erscheint, bevor sie von Freud und anderen sozusagen "erfunden" wurden. Es wurde nach der Jahrhundertwende kaum ein Kunstwerk geschaffen, das so neurosebeladen ist und dennoch so naiv und unbewusst über deren eigentliche tiefere Bedeutung.

Moreau hinterließ einen immensen Eindruck bei bestimmten Künstlern. Unter den Malern war Paul Gaugin einer seiner Bewunderer, Georges Rouault und Henri Matisse waren Moreaus Schüler. Eine kleine, aber erlesene Gruppe von Schriftstellern haben ebenfalls ihre große Bewunderung für Moreau ausgedrückt, darunter der französische Romancier J.-K. Huysmans, Oskar Wilde, Marcel Proust und André Breton.

Wilde wurde teilweise dazu inspiriert, sein Stück "Salome" zu schreiben, nachdem er Moreaus Bild der Prinzessin (1874-76) gesehen hatte, die als Lohn dafür, dass sie vor ihrem Stiefvater tanzt, den Kopf Johannes des Täufers verlangte. Die bekannteste Bezeugung von Hochachtung für Moreaus Werk umfasst ein halbes Dutzend Seiten in Huysmans "Gegen die Natur" (Á Rebours). Der Roman erregte bei seiner Veröffentlichung 1884 großes Aufsehen und galt als eine Art Handbuch der Dekadenz und des Dandytums. Huysmans - interessanterweise ein früherer Schüler Zolas, der zu dem Schluss gekommen war, dass der Naturalismus in eine Sackgasse geraten sei - schuf in Des Esseintes, der Hauptperson des Buchs, einen Mann, der "die modernen Zeiten und die moderne Gesellschaft" verachtet, die Verbindung zu ihr abbricht und alles Perverse und Künstliche verehrt. Moreau ist einer seiner Lieblingskünstler. Des Esseintes ersteht zwei seiner Bilder und verbringt Stunden damit "vor einem der Bilder, dem Bild von Salome, zu träumen".

Nach einer ausführlichen Beschreibung des Bilds erklärt Huysmans: "Des Esseintes sah schließlich doch noch, wie die unheimliche und übernatürliche Salome seiner Träume Wirklichkeit wurde. Hier war sie nicht mehr nur die Tänzerin, die einem alten Mann durch die wollüstigen Bewegungen ihrer Lenden Schreie der Lust und Geilheit entlockt, die mit dem Wogen ihrer Brüste, der Bewegung ihres Bauchs und dem Beben ihrer Schenkel die Moral des Königs untergräbt und seinen Willen bricht. Sie war sozusagen zur symbolischen Inkarnation der unsterblichen Lust geworden, die Göttin der unvergänglichen Hysterie, die verfluchte Schönheit erhaben über alle anderen Schönheiten durch ihre Katalepsie, die ihr Fleisch strafft und ihre Muskeln stählt, die scheußliche Bestie, gleichgültig, verantwortungslos, gefühllos, die wie die Helena des antiken Mythos alles vergiftet, was sich ihr nähert, was sie sieht und was sie berührt."

Diese etwas übertriebene Reaktion, ein perfektes Beispiel eines "Kritikers als Künstler" (in Wildes Worten), sagt vielleicht mehr über Des Esseintes' Phantasien (und Huysmans') als über die Bilder von Moreau, aber sie lässt auch die Art von Leidenschaft erkennen, die sein Werk weckt. Dieses Zitat erweckt den Eindruck, wenn man es nicht sorgfältig liest, als ob auf dem Bild eine Szene zügelloser Sinnlichkeit und Leidenschaft dargestellt würde. Tatsächlich hat Moreau das Gegenteil von augenfälliger Sinnlichkeit dargestellt. Seine Salome ist leicht asiatisch, ruhig und zurückhaltend.

Druick schreibt: "[Sie] ist in einer unmöglichen Pose festgehalten, die, statt die Erotik des Schleiertanzes heraufzubeschwören, die statische Qualität verkörpert, die Moreau ,diesen bewegungslosen und beunruhigenden Aspekt der Starrheit‘ nennt. Die Figur der Salome, entschieden untätig, widerspricht dem Kontext der Erzählung, friert seine Bewegung ein. Sie existiert tatsächlich außerhalb der Zeit, wie zwischen zwei zusammenhängenden Momenten einer Zeitenfolge." Oder, könnte man sagen, in dem Bild wird dem Betrachter etwas von dem Versuch vermittelt, den Fluss der Ereignisse zu verlangsamen oder einzufrieren, wie man es bei bestimmten Formen der Hysterie sieht.

Marcel Proust widmete Moreau einen zehnseitigen besinnlichen Artikel. Er bezieht sich auf eine Reihe von Bildern, an erster Stelle auf "Bathseba" (c. 1886 und 1890), das auf einer Geschichte aus der Bibel basiert. (König David spioniert Bathseba nach und verführt und schwängert sie schließlich. Er sorgt dann dafür, dass ihr Mann in einen Kampf verwickelt und getötet wird; anschließend macht er Bathseba zu seiner Lieblingsfrau.)

Das Gemälde - das leider nicht im Metropolitan Museum gezeigt wird - ist außergewöhnlich. In der unteren linken Hälfte des Bildes sitzt Bathseba, unbekleidet, mit einer Decke um die Schultern gehängt, auf ihrer Terrasse, bei ihr kniet ein Diener. Hinter ihr und zu ihrer Linken sieht man ein eher öde wirkendes bewaldetes Gebiet und dahinter, im Hintergrund die Mauern eines Palastes - tatsächlich König Davids Palast. Es dauert eine Weile, bis der Betrachter feststellt, dass David überhaupt auf dem Bild vorhanden ist, als winzige Figur in der oberen rechten Ecke; er starrt (vermutet man) von der Palastmauer auf Bathseba. Das Auge muss eine gewaltige Strecke zurücklegen, um die beiden in Verbindung zu bringen, so wie der Blick von David "den gesamten Raum auf einer Diagonale vom oberen rechten Hintergrund zu dem strahlenden Körper der von ihm begehrten jungen Frau im linken unteren Vordergrund durchqueren muss" (Ausstellungskatalog).

Was immer es sonst noch anspricht, mit Sicherheit spricht das Bild von Moreaus Gefühl von sich selbst in der Konfrontation mit der weiblichen Sexualität und dem Dilemma menschlicher Beziehungen im allgemeinen. Hier wird eine Figur dargestellt, so klein, dass sie fast unsichtbar ist, oben auf den Palastzinnen, die von schwindelerregenden Höhen herabschaut und durch eine erschreckende Distanz vom Objekt seiner Liebe und seines Verlangens getrennt ist. Kann eine Geschichte mit einem solch tragischen und hoffnungslosen Anfang ein völlig glückliches Ende finden?

Proust bezieht sich in seinem Aufsatz mehrfach auf Bathseba, und erklärt sie "habe das würdevolle Aussehen einer Heiligen". Er schreibt: "Denn die Kurtisane sieht nur aus wie eine Kurtisane, so wie der Vogel fliegt - aufgrund eines Schicksals, das sie nicht geplant und über das sie nicht entschieden hat -, aber ihr Gesicht ist traurig und sie starrt vor sich hin, während sie inmitten der Blumen ihre Haare flicht."

André Breton war ein weiterer Bewunderer von Moreau. In seiner Biographie über den Erfinder des Surrealismus schreibt Mark Polizzotti:

"Die künstlerische Entdeckung jedoch, die bei weitem den größten Einfluss [auf Breton] hatte, war das Gustave-Moreau-Museum.. Die Tatsache, dass das Museum nur wenig Besucher hatte, machte es in Bretons Augen um so mysteriöser und attraktiver, das ,ideale Abbild eines Tempels‘, und er träumte davon, in der Nacht darin eingeschlossen zu sein, um nach eigenen Vorstellungen frei in seinen Hallen herumstreifen zu können.

Die wirkliche Faszination dieses Orts lag jedoch in den Gemälden selbst. Moreau war gefesselt von den ,bösen Frauen‘ aus Geschichte und Mythologie - wie Helena von Troja, Salome, Delila -, deren wollüstige Körper auf Diwanen aus grausamer Sinnlichkeit und ausschweifender Fülle ruhten. Es war die offene Sexualität der Gemälde, die Breton am meisten bewunderte und seine Reaktion auf sie war genauso erotischer wie ästhetischer Natur: ,Dass ich mit sechzehn Jahren das Gustave-Moreau-Museum entdeckt habe, hat meine Vorstellung von Liebe für immer beeinflusst‘, schrieb er 1961. ,Schönheit und Liebe offenbarten sich mir dort zum ersten Mal in Form einiger weniger Gesichter, den Posen einiger weniger Frauen.‘"

In seinem Buch "Kommuniszierende Röhren" (1932), einige Jahre später, beschreibt Breton, wie er einer Frau begegnet, die ihn an "diese Augen erinnert, die in den letzten fünfzehn Jahren nicht aufgehört haben, mich zu faszinieren, die Delila auf dem kleinen Aquarell von Gustave Moreau, das ich mir so oft im Luxembourg Museum angesehen habe".

In einem solch phantastischen Werk wie "Der Triumph Alexanders des Großen" (c. 1874, c. 1882 und c. 1890) erscheint Moreau wie ein Vorläufer des Surrealismus in der Malerei. Das Gemälde bezieht sich auf den Sieg Alexanders über den nordindischen König Porus 326 v. Chr. in der Schlacht von Hydapses, nach der er Porus erlaubte, über alle Gebiete, die er östlich des Jhelums erobert hatte, zu herrschen. Es ist jedoch kein Versuch, eine tatsächliche historische Szene zu rekonstruieren. Alexander sitzt auf einem majestätischen Thron rechts unten im Vordergrund, sein besiegter Feind vor ihm. Im Zentrum, unterhalb einer hoch aufragenden Statue (sie basierte auf einer Heiligenstatue aus dem 10. Jahrhundert, die Moreau von einer Photographie abmalte) steht eine Gruppe von Elefanten. Besonders bemerkenswert ist ein schimmernder filigraner Tempel im Hintergrund. Außerdem "sehen wir" - mit Moreaus eigenen Worten ausgedrückt - "...azurblaue Berge mit leichten Streifen von Rosa, Felsen, in architektonische Formen gemeißelt, eine ausufernde Vegetation, die giftige Dünste ausströmt..." Er versucht nicht, die verschiedenen Elemente und Teile des Gemäldes nahtlos in Übereinstimmung zu bringen. Das Gemälde macht den Eindruck einer Kollage, eines Traums.

Die Moreau-Ausstellung hat mich so bewegt und fasziniert wie kaum eine, die ich in den letzten Jahren gesehen habe.

Siehe auch:
Ein zusätzlicher Kommentar zur Moreau-Ausstellung
(12. August 1999)

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