Diskriminierte Paare berichten

Nadine und Franklin

Von Lena Sokoll und Elisabeth Zimmermann
9. März 2000

Am 19. Februar fand in Bremen eine Demonstration gegen die Diskriminierung binationaler Paare durch deutsche Behörden statt. Im Anschluss an die Kundgebung sprach das WSWS mit befreundeten Paaren.

Nadine und Franklin, die eine eineinhalbjährige Tochter haben, warten seit Mai 1999 darauf, dass die deutsche Botschaft in Nigeria die für die Heirat notwendigen Papiere legalisiert. In der Zwischenzeit hat Franklin jedoch keinen legalen Aufenthaltsstatus mehr in Deutschland und ist ständig von Abschiebung bedroht. Während Nadines Schwangerschaft saß Franklin sechs Monate in Abschiebehaft und wurde kurz vor der Geburt seiner Tochter Celine abgeschoben.

WSWS: Was sind eure Erfahrungen?

Nadine: Unsere Fälle sind eigentlich sehr ähnlich. Ich habe Franklin, einen Nigerianer, kennengelernt und aus unsere Liebe ist ein Kind entstanden. Kurz vor der Geburt von Celine wurde Franklin abgeschoben. Es gelang ihm wieder nach Deutschland einzureisen, hier hat er die Vaterschaft anerkannt und wir haben das gemeinsame Sorgerecht beantragt. Wir sind also mit den ganzen Urkunden zum Amt gegangen und haben gleichzeitig auch seinen Aufenthalt beantragt. Franklin hat ein begrenztes Aufenthaltsrecht bekommen und wir haben seine Papiere nach Nigeria geschickt, um sie legalisieren zu lassen.

Aber dann hat er die Nachricht bekommen, dass er innerhalb von drei Wochen Deutschland verlassen muss.

Auf dem Ausländeramt erklärte mir Herr Meier, es sei seine Aufgabe, ‚Ausländer fernzuhalten‘. Ich habe ihn gefragt, wie er das finden würde, wenn man seine Familie auseinanderreißt und seine Kinder ihren Vater nicht mehr sehen könnten, aber er sagte, das täte gar nichts zur Sache. Franklin sei erneut ohne gültige Papiere eingereist und würde wieder abgeschoben.

Dann sind wir zu einem Arzt gegangen und er hat bescheinigt, dass Franklin suizidgefährdet ist. Das hat der Ausländerbehörde aber nicht gereicht. Sie haben bemängelt, dass das Attest von keinem Amtsarzt ausgestellt ist. Er hat dann trotzdem aufgrund des Attests eine Duldung bekommen und die Akte ist zum Innensenator gegangen. Und wir haben dann diese Kampagne gestartet.

Ich bin irgendwie am Ende. Ich schaffe das finanziell nicht mehr, wir leben zu dritt von 500 DM im Monat. Ich musste die Kosten der Abschiebung übernehmen, das waren alleine 7.000 DM. Ich habe damals eine Vereinbarung getroffen, dass ich die Abschiebekosten in monatlichen Raten von 200 DM abstottere. Es ist ein Skandal, dass ich finanziell dafür gerade stehen muss, dass man mir meinen Mann und den Vater von unserer Tochter Celine weggenommen hat.

Auf der Ausländerbehörde wird man behandelt wie ein Stück Dreck. Ich will mit dem Mann, den ich liebe, mit dem Vater meines Kindes, zusammenleben dürfen, was alle deutschen Paare auch dürfen. Dieses Recht wird mir verweigert. Unsere Tochter Celine hängt mehr an ihrem Vater als an mir, weil sie den ganzen Tag mit ihm zusammen ist. Wie soll ich später meinem Kind erklären, wo sein Vater geblieben ist?

Siehe auch:
Die Diskriminierung von binationalen Paaren durch deutsche Ämter