Diskriminierte Paare berichten

Anke und Gabriel

Von Lena Sokoll und Elisabeth Zimmermann
9. März 2000

Am 19. Februar fand in Bremen eine Demonstration gegen die Diskriminierung binationaler Paare durch deutsche Behörden statt. Im Abschluss an die Kundgebung sprach das WSWS mit befreundeten Paaren.

Anke und Gabriel, der aus Nigeria kommt, kennen sich seit drei Jahren, sind verlobt und haben eine gemeinsame Tochter, Eseosa Laura, die ein halbes Jahr alt ist. Anke lebt in Hamburg, weil sie dort ihr Studium wieder aufgenommen hat und erwartet im April ihr zweites Kind. Gabriel darf als Asylbewerber ohne besondere Genehmigung den ihm zugewiesenen Thüringer Landkreis nicht verlassen. Auch ihnen verweigern die Behörden die notwendigen Papiere, um zu heiraten und Gabriel einen sicheren Aufenthaltsstatus zu gewährleisten. Da Anke in Hamburg studiert, sorgt Gabriel für ihre gemeinsame kleine Tochter und lebt mit dieser bei den Schwiegereltern in Thüringen. Gabriel darf nur alle paar Wochen für ein paar Tage nach Hamburg, um Anke zu besuchen, und muss sich dies jedes mal erneut von der Ausländerbehörde in Eisenberg (Thüringen) genehmigen lassen. Anke kann ihr Kind und ihren Verlobten so nur sehr selten sehen. Zusätzlich bedeuten die Fahrten einen hohen finanziellen Aufwand.

Anke: Als ich mit Eesosa schwanger war, ist Gabriel ohne behördliche Erlaubnis für längere Zeit bei mir in Hamburg geblieben. Daraufhin wurde sein Asylantrag abgelehnt. Als im August letzten Jahres Eesosa geboren wurde, hatte Gabriel bei den Behörden seine Identität klargestellt. Dies ist wichtig für die Vaterschaftsanerkennung und Sorgerechtserklärung. Seit letztem Jahr versuchen wir die Papiere zu bekommen, um heiraten zu können. Aber dies wird sowohl von der deutschen Botschaft in Lagos als auch von den Ausländerbehörden in Hamburg immer wieder hinausgezögert.

Die Behörden werfen Gabriel vor, er würde nicht mithelfen seinen Pass zu erhalten. Das stimmt aber nicht. Er ist immer wieder nach Bonn zur nigerianischen Botschaft gefahren, um sich darum zu bemühen. Aber die für Gabriel zuständige Ausländerbehörde arbeitet eifrig daran, seine Abschiebung nach Nigeria in die Wege zu leiten.

Gabriel:Am 19. Januar wurde ich im Haus der Eltern meiner Verlobten von der Polizei verhaftet und am nächsten Tag in der nigerianischen Botschaft in Bonn zwangsvorgeführt. Meine Hände befanden sich während der ganzen Fahrt nach Bonn in Handschellen, ich habe den ganzen Tag kein Essen bekommen und durfte meine Medikamente nicht nehmen, obwohl ich an Asthma leide. Deshalb habe ich auch die Polizisten gebeten, mit dem Rauchen aufzuhören. Als sie das nicht getan haben, habe ich versucht, im Auto das Fenster etwas herunterzudrehen. Daraufhin haben sie den Gurt noch fester angezogen, sodass ich mich gar nicht mehr bewegen konnte. Während der Wartezeit in Bonn habe ich zwei Stunden alleine angekettet im Auto gesessen.

Als ich die Polizeibeamten, die mich verhafteten, fragte, was aus meiner Tochter werden solle, erwiderten diese trocken ‘sie könne ja in ein Heim'. Die Ausländerbehörde schlug mir vor, ich sollte das damals drei Monate alte Baby mit nach Nigeria nehmen. Aber jeder normale Mensch weiss doch, dass man mit einem drei Monate alten Baby nicht ausreisen kann.

Anke: Der ganze Druck zielt darauf ab, dass die Beziehungen auseinandergehen. Viele Beziehungen sind daran bereits kaputt gegangen, Familien werden auseinandergerissen. Die Ausländerbehörde behauptete, dass wir ja alle nach Nigeria gehen könnten. Aber das ist genauso wenig eine Alternative wie die Situation, dass man diesen ständigen Druck und die Tatsache, dass wir nicht ganz normal wie andere zusammenleben dürfen, auf Dauer aushalten kann. Ich halte das für eine absolute Schweinerei. Sie nehmen keine Rücksicht auf die Kinder. Unter diesen Umständen ist es fast unmöglich, sich auf Arbeit oder Studium zu konzentrieren. Den Satz im Grundgesetz ‚die Würde des Menschen ist unantastbar‘ kann man wirklich streichen. Er ist nichts wert.

Siehe auch:
Die Diskriminierung von binationalen Paaren durch deutsche Ämter