Soros Rückzug verheißt nichts Gutes

Von Joe Lopez
11. Mai 2000

Während sich auf den internationalen Finanzmärkten die Anzeichen wachsender Instabilität mehren, hat der Milliardär und internationale Finanzier George Soros seinen Rückzug aus umfangreichen hochriskanten Investitionen im Kurssicherungsgeschäft ( Hedge Funds) bekannt gegeben.

Letzten Freitag verkündete Soros, dass seine beiden Finanzmanager, Stanley Druckenmiller und Nick Roditi, in Kürze ihre Posten aufgeben würden, während er selbst seinen Quantum Fund in mehrere kleinere Fonds umgruppieren werde, die auf weniger riskanten Strategien beruhen sollten.

Diese Veränderungen erfolgen im Kielwasser großer Verluste im jüngsten Zusammenbruch der Technologieaktien. Man geht davon aus, dass der Quantum Fund ein Fünftel seines Wertes eingebüßt hat, was weitgehend auf den Zusammenbruch der Anteile an Technologieaktien zurückzuführen ist. Dieses Absinken um zwanzig Prozent vernichtete nahezu drei Milliarden US-Dollar der Aktivposten des Fonds, die sich auf 8,2 Milliarden US- Dollar belaufen.

Soros‘ Ankündigung folgt der Schließung der Tiger Management LLC auf dem Fuße, dem zweitgrößten Unternehmen im Bereich der Kurssicherungsgeschäfte unter Führung von Julian Robertson. Als Robertson die Schließung letzten Monat bekannt gab, sagte er, seine Methode zu investieren - Aktien zu ihrem Wert zu kaufen und gleich die überbewerteten Aktien zu verkaufen - könne auf dem gegenwärtigen, von ihm als "irrational" bezeichneten Markt gar nicht erfolgreich sein.

Der Tiger Fund, der von 1980 bis 1997 Investitionsgewinne von durchschnittlich 32 Prozent pro Jahr brachte, erlitt die letzten 18 Monate einen Verfall seiner Immobilienwerte um 16 Mrd. Dollar, zum großen Teil infolge des Einbruchs an der Technologiebörse.

Als Soros den Grund für seinen Rücktritt erläuterte, sagte er, er verstehe vielleicht den Markt nicht richtig.

"Wir werden uns konservativer verhalten, uns weniger dem Markt aussetzen und geringere Erträge akzeptieren, weil wir das Risikoprofil senken wollen... Die Märkte sind außerordentlich riskant, und ich glaube, in gewisser Hinsicht hat die Musik schon zu spielen aufgehört - nur dass die meisten Menschen noch weiter tanzen."

Druckenmiller, der seinen Rücktritt ankündigte, verwies auf die Auswirkung des Einbruchs an der Technologiebörse: "Ich hätte nie gedacht, dass der NASDAQ innerhalb von fünfzehn Tagen um 35 Prozent sinken könnte. Dieses Geschäft ist ein wenig wie eine Droge. Solange man sich gut fühlt, ist es schwer aufzuhören."

Über den von Soros verwalteten Fond, der über eine Milliarde Pfund Profit gemacht hatte, als er anlässlich der Abwertung der britischen Währung von 1992 "die Bank von England knackte", wird außerdem gesagt, er habe Milliarden verloren, weil er darauf spekuliert habe, dass der Euro gegenüber dem Dollar ansteigen und der japanische Yen fallen werde. Das Gegenteil traf ein, als besonders der US-Dollar gegenüber dem Euro hart blieb.

Die Entscheidungen von Soros und Robertson sind ein sicheres Anzeichen dafür, dass große Investoren sich zurückziehen, weil sie einen Kollaps vorausahnen und die Verluste den Millionen kleiner Investoren überlassen wollen.

Soros‘ Verluste waren das Thema einiger entlarvender Bemerkungen eines anderen milliardenschweren Investors, des Amerikaners Warren Buffet, Chef des Berkshire Hathaway Investment Fund, und seines stellvertretenden Vorsitzenden, Charlie Munger. Munger äußerte sich über ihre Entscheidung, keine weiteren Investitionen mehr in Technologieaktien zu riskieren: "Soros konnte letzten Endes nicht mit ansehen, wie andere durch Technologieaktien Geld verdienten. Wenn wir jedoch etwas nicht verstehen, dann ist es uns egal, wie viele Menschen damit eine Menge Geld verdienen - ohne uns." Als Antwort auf die Frage eines Aktionärs auf der Jahreshauptversammlung dieses Fonds im letzten Monat, warum denn Hathaway nicht in Internetaktien investiert habe, sagte Buffet: "Wir werden niemals etwas kaufen, das wir nicht durchschauen."

Und er fügte einen Hinweis hinzu, der sich wie eine Warnung vor einem möglichen Supergau anhört: "Es hat am Markt immer wieder wahre Spekulationsorgien gegeben, bis schließlich wieder die Korrektur erfolgte. Wenn man zurückschaut, sieht man dies als ein enormes Umschlagen von Vermögen, bei dem die Investoren im Ganzen aber nichts gewinnen. Es ist das gleiche Prinzip wie bei den Kettenbriefen."

Anders ausgedrückt, sobald einmal der Strom aus den Fonds, der die überbewerteten Aktien finanziert, austrocknet, werden kleine Investoren das selbe Schicksal erleiden wie die Opfer der Schneeball- oder Pyramidensysteme.