60 Jahre nach seiner Ermordung

Die Aktualität des Lebens und des Werkes von Leo Trotzki

Veranstaltungen in Berlin und London

8. September 2000

Anlässlich des 60. Jahrestages des Mords an Leo Trotzki laden das World Socialist Web Site und das Internationale Komitee der Vierten Internationale zu Veranstaltungen am 23. September in Berlin und am 24. September in London ein.

Wer mehr über Geschichte und Perspektiven des World Socialist Web Site erfahren möchte, dem bietet sich hier eine ausgezeichnete Gelegenheit zur umfassenden Information.

Als Hauptredner spricht David North. North leitet die Redaktion des World Socialist Web Site und ist Vorsitzender der Socialist Equality Party in den USA. Auf Vortragsreisen, die ihn rund um die Welt führten, hat North bereits vor einem breitgefächerten Publikum zu Fragen der Geschichte und Prinzipien des Marxismus gesprochen sowie Programm und Perspektiven der Vierten Internationale vorgestellt. Er ist Autor zahlreicher Publikationen, darunter die Titel "Das Erbe, das wir verteidigen - ein Beitrag zur Geschichte der Vierten Internationale", "Trotzkismus gegen Stalinismus", "Verteidigung der Russischen Revolution", "Antisemitismus, Faschismus und Holocaust", "Gleichheit, Menschenrechte und Sozialismus", "Sozialismus und historische Wahrheit: Die Krise des politischen Denkens in den USA".

Am 20. August 1940 wurde Leo Trotzki in Coyoacan, seinem mexikanischen Exil, von einem stalinistischen Agenten erschlagen. Der gedungene Mörder zertrümmerte ihm mit einem Eispickel den Schädel. Dieses barbarische Verbrechen diente einem politischen Zweck. Es sollte den konsequentesten marxistischen Gegner der stalinistischen Bürokratie ausschalten. Die neuen Herrscher in Moskau hatten die Grundsätze aufgegeben, die der Arbeiterklasse in der russischen Revolution vom Oktober 1917 als Leitlinie gedient hatten.

Vier Jahre vor dem Mord an Trotzki hatten die berüchtigten Moskauer Prozesse gegen führende Bolschewiki begonnen. Seither verfolgten Stalin und seine Henker jede sozialistische Opposition, die sich gegen die Usurpation der Macht seitens der Bürokratie richtete, mit den Methoden des Terrors, der Verhaftung und Ermordung. Doch die Vernichtung der Bolschewistischen Partei Lenins blieb unvollständig, so lange Trotzki noch am Leben war - der weitsichtigste revolutionäre Denker seiner Zeit. Trotzki hatte gemeinsam mit Lenin die russische Revolution geführt und war Gründer der sowjetischen Roten Armee gewesen. Er hatte als erster erkannt, dass sich die Bürokratisierung der sowjetischen Partei und des Staatsapparates zu einer immer größeren Bedrohung der Oktoberrevolution auswuchs. Er reagierte darauf mit einem politischen Kampf zur Verteidigung der innerparteilichen Demokratie und wandte sich gegen den gefährlichen wirtschaftlichen und politischen Kurs der Bürokratie und ihres Führers, Josef Stalin.

Trotzki gründete die Linke (marxistische) Opposition, um gegen die stalinistische Degeneration der Bolschewistischen Partei anzugehen. Er warnte davor, dass das Anwachsen einer relativ privilegierten Bürokratie und die Aushöhlung der innerparteilichen Demokratie den Bestand der Sowjetunion gefährdete. Das Lebenslicht der sozialistischen Kultur, die den Oktober ermöglicht hatte, sei die freie Diskussion gewesen. Sie müsse gefördert und ausgeweitet werden, wenn der Sozialismus auf Weltebene den Sieg davontragen solle.

Der Behauptung der Bürokratie, sie erbaue den "Sozialismus in einem Land", hielt Trotzki entgegen, dass ein selbstgenügsamer sozialistischer Staat im rückständigen Russland nicht lebensfähig sei. Eben so wie Lenin begriff Trotzki die russische Revolution als Auftakt zur sozialistischen Weltrevolution und vertrat die Auffassung, dass alle Sozialisten diesem Ziel ihre ganze Kraft widmen müssten. Denn der Sozialismus könne nur auf Weltebene errichtet werden, unter Einsatz der fortgeschrittensten Produktionstechniken, die im Kapitalismus entwickelt worden waren.

Trotzki widersetzte sich der internationalen Politik des stalinistischen Regimes, die in den zwanziger Jahren zu schweren Niederlagen der sozialistischen Arbeiterbewegung in Deutschland, China, Großbritannien und anderen Ländern führte. Besonders entscheidend war der Kampf der Linken Opposition für eine Einheitsfront der deutschen Arbeiterbewegung gegen Hitlers Nationalsozialisten. Stalins spalterische Politik führte dazu, dass die reformistische SPD ihren Einfluss über breite Arbeiterschickten behielt und der Faschismus 1933 die Macht übernehmen konnte.

Aus diesen Ereignissen schloss Trotzki, dass die stalinisierten Kommunistischen Parteien endgültig in das Lager der Konterrevolution übergegangen waren. Es war nun notwendig, alle sozialistischen Kräfte der Welt in einer neuen Weltpartei zusammenzuschließen. Die verbleibenden Jahre seines Lebens widmete Trotzki dem Aufbau dieser Partei, der Vierten Internationale, die 1938 gegründet wurde.

Dieser Kampf, der viele Tausende - und auch sämtliche Kinder Trotzkis - das Leben kostete, erhielt die Kontinuität des revolutionären Marxismus aufrecht. Doch für Stalins Vernichtungsfeldzug musste die Welt einen Preis bezahlen, der weit über die Festigung der bürokratischen Herrschaft in der Sowjetunion hinausging. Der Zweite Weltkrieg und der Holocaust waren lediglich die ersten, schrecklichsten Folgen des Versagens der Arbeiterklasse, der es nicht gelungen war, dem Kapitalismus ein Ende zu setzen und eine neue, sozialistische Welt zu schaffen.

Auf den Veranstaltungen des World Socialist Web Site sollen die Bedeutung des folgenschweren Kampfes zwischen Trotzkismus und Stalinismus erklärt und seine Implikationen für die heutige Zeit aufgezeigt werden. Um sich der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts anzunähern, muss man begreifen, welche Niederlagen Stalin dem revolutionären Marxismus beibrachte, und wie deren Folgen die politischen Ereignisse bis heute prägen.

Zwar ist die stalinistische Bürokratie heute weltweit als politische Kraft diskreditiert. Unter den Erben Stalins in der UdSSR, Gorbatschow, Jelzin und Putin, wurden mit der Wiedereinführung des Kapitalismus Millionen in ein soziales Elend gestürzt, wie man es bisher nur in Kriegszeiten kannte. Auch die Parteien und Gewerkschaften im Westen - seien sie nun sozialdemokratisch oder stalinistisch orientiert -, die früher, und sei es zu Unrecht, über eine breite Anhängerschaft mit sozialistischen Bestrebungen verfügten, treten heute offen für den freien Markt ein und verteidigen die Interessen der Unternehmer. Nutznießer dieser Entwicklung waren bisher die herrschenden Klassen weltweit, die mit einigem erfolg Nutzen aus der politischen Desorientierung der Arbeiterklasse zogen.

Nur wenn Arbeiter, Intellektuelle und Jugendliche wieder mit einer sozialistischen Perspektive und Kultur vertraut gemacht werden, wird ein neuer politischer Aufbruch möglich werden. Diese Aufgabe stellt sich das World Socialist Web Site. Es bemüht sich um einen kritischen Blick auf alle Aspekte des politischen, intellektuellen, gesellschaftlichen und künstlerischen Lebens. Die Verbreitung einer marxistischen Perspektive unter den politisch fortgeschrittensten und weitsichtigsten Menschen wird die Mitstreiter der internationalen sozialistischen Partei zusammenbringen, die Trotzki zu schaffen bestrebt war.

Wir laden alle unsere Leser zu den bevorstehenden Veranstaltungen in Berlin und London ein, um über die brennenden Fragen zu diskutieren, vor denen die Menschheit am Beginn des neuen Jahrtausends steht.

Siehe auch:
Schriften von David North im Arbeiterpresse Verlag
Meetings in Berlin and London draw appreciative audience

Kämpft gegen Googles Zensur!

Google blockiert die World Socialist Web Site in Suchergebnissen.

Kämpft dagegen an:

Teilt diesen Artikel mit Freunden und Kollegen