Aufstieg und Fall "unseres Mannes in Lima"

Vladimir Montesinos

Von Bill Vann
3. Oktober 2000

Die jüngsten Berichte über Vladimir Montesinos' Rolle bei der Bestechung eines peruanischen Abgeordneten und beim Schmuggel von Gewehren für die kolumbianische Guerilla sind nur die Spitze des Eisbergs. Seine ganze Vergangenheit besteht aus kriminellen Machenschaften, die er in Übereinstimmung mit peruanischen und amerikanischen Führungskräften begangen hat.

Der entlassene Hauptmann der peruanischen Armee hat es dank seiner lebenslangen Verrätereien, Intrigen und Rachefeldzügen geschafft, zu einer der mächtigsten politischen Figuren des Landes zu werden. Gleichzeitig hat er eine der brutalsten Repressionskampagnen der jüngsten Geschichte Lateinamerikas entfesselt.

Es spricht alles dafür, dass der Chef des peruanischen Geheimdienstes enge Verbindungen zur amerikanischen CIA unterhält. Ähnlich wie Panamas General Manuel Noriega in den achtziger Jahren, war Montesinos jahrelang ein Schlüsselagent in Washingtons Anti-Drogen- und Anti-Guerilla-Operationen in der Region, was ihm jedoch auch Schmähungen wegen seiner berüchtigten Korruptions- und Unterdrückungsmethoden einbrachte, sobald er nicht mehr auf der Linie der CIA lag.

Vladimir Iljich Montesinos wurde in eine Familie peruanischer Kommunisten hineingeboren (zwei seiner Cousins brachten es in der Moskau treuen stalinistischen Partei bis zum Generalsekretär). 1966 trat er in die peruanische Armee ein. Zwei Jahre später stand General Juan Velasco Alvarado an der Spitze eines Militärputschs, der die "Revolutionäre Regierung der Bewaffneten Streitkräfte" an die Macht brachte. Das Militärregime nahm eine links-nationalistische Haltung ein und versuchte, von der Sowjetunion Waffen zu kaufen. Das eine wie das andere erregte Washingtons Besorgnis und die erhöhte Wachsamkeit des amerikanischen Geheimdienstes.

In Peru laufen Berichte um, Montesinos habe sich in dieser Zeit mit einem russischen KGB-Agenten in Lima getroffen und ihm angeboten, Dokumente über die strategischen Beziehungen zwischen Peru, Chile und Ecuador zu besorgen. Einige seiner Militärkollegen vermuteten, diese Annäherung sei eine Provokation von Seiten der CIA mit dem Ziel gewesen, einen Waffenhandel zu unterbinden.

Nach einem Putsch 1975, in dem General Francisco Morales Bermudez General Velasco stürzte und ein Regime an die Macht brachte, das sich unmittelbarer an Washingtons Bedürfnissen orientierte, vollzog Montesinos, damals im Rang eines Hauptmanns, seine eigene noch schärfere Wendung. Er beteiligte sich an Passfälschungen, erhielt dadurch einen falschen Pass und flog damit nach Washington, wo er sich mit Sicherheitsbeamten der CIA traf.

Als er zurückkehrte, veröffentlichte das peruanische Außenministerium eine Protestnote. Montesinos wurde verhaftet, sein Haus durchsucht. Das Militär sperrte ihn ein und bereitete eine Anklage gegen ihn wegen "Vaterlandsverrat" vor, ein Vergehen, auf dem die Todesstrafe steht. Stattdessen intervenierten jedoch hochrangige Militärs, und er wurde nur der unerlaubten Entfernung von seinem Posten, des Ungehorsams und der Dokumentenfälschung angeklagt. Er wurde aus der Armee ausgestoßen und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Nach seiner Entlassung arbeitete Montesinos kurze Zeit als Taxifahrer und erreichte es dann, eine Anwaltslizenz zu erhalten. Seine Spezialität war die Verteidigung von Drogenhändlern, besonders hochrangiger Persönlichkeiten des peruanischen und kolumbianischen Kokainkartells. Er arbeitete mit einem Netz von korrupten Richtern, Staatsanwälten und Polizeibeamten, und es gelang ihm, Klienten vor dem Gefängnis zu retten, selbst wenn sie mit großen Drogenmengen geschnappt worden waren.

Seine Drogenbeziehungen brachten Montesinos in Kontakt mit führenden Regierungskreisen und er wurde Chefberater des obersten Staatsanwalts. Auf diesem Posten betraute man ihn mit den Untersuchungen über Massaker des Militärs an Zivilisten während des blutigen Kriegs gegen den "Leuchtenden Pfad". Er arbeitete nicht nur an der systematischen Vertuschung dieser Verbrechen, sondern richtete es so ein, dass er die Namen und Adressen der Zivilisten, die dem Justizministerium über Grausamkeiten berichteten, sowie auch der Angehörigen von "Verschwundenen" an den SIN (den Nationalen Geheimdienst) weiterleiten konnte.

Während der Wahl von 1990 leistete Montesinos Alberto Fujimori nützliche Dienste, indem er Anklagen unterdrückte, die den Präsidentschaftskandidaten der Hinterziehung von Grundstückssteuern in mehreren Fällen beschuldigten.

Obwohl er in der neuen Regierung keinen formellen Posten bekleidete, wurde Montesinos der neue Chefberater des Präsidenten. Sein vorrangiges Ziel war eine Säuberung der höchsten Ränge in der Armee und Polizei, wobei er vor allem seine Intimfeinde aufs Korn nahm. Gleichzeitig arbeitete er an einer Ausweitung der Macht des Geheimdienstes SIN, der nun alle anderen Geheimdienste kontrollierte.

Der SIN rechtfertigte seine immer brutaleren Repressionsmethoden mit dem Bürgerkrieg gegen den "Leuchtenden Pfad". Unter Montesinos Führung wurde eine Todesschwadron aufgebaut, die "Colina Gruppe", die Massaker an Arbeitern und Studenten verübte.

Im April 1992 wurde der Kampf gegen die Guerillabewegung außerdem als Vorwand benutzt, um das Parlament aufzulösen und das Gericht nach Hause zu schicken. In der allgemeinen Repressionswelle, die diesen Putsch begleitete, sorgte der ehemalige Hauptmann dafür, dass Geheimdienstleute einen der bekanntesten Journalisten Perus, Gustavo Gorriti, entführten, aus Rache dafür, dass dieser sieben Jahre zuvor einen Artikel über Montesinos fragwürdige Vergangenheit geschrieben hatte.

Nachdem das Parlament einmal "reformiert" war, wurde es ein willenloses Werkzeug Fujimoris. 1996 stimmte es eine Resolution nieder, die die Bildung einer Untersuchungskommission über Montesinos forderte, sowie eine weitere Resolution, die im wesentlichen die Regierung aufforderte, Montesinos Position im SIN zu überprüfen.

Im gleichen Jahr wurde Demetrio Chavez, ein berüchtigter Drogenhändler, verhaftet und des Drogendelikts beschuldigt. Nachdem er enthüllte, dass er für seine Protektion monatlich 50.000 Dollar an Montesinos bezahlt hatte, wurde er der Kollaboration mit der Guerilla beschuldigt, und sein Fall wurde an die Militärgerichte übergeben. Als er später mit offensichtlichen Folterspuren vorgeführt wurde, wiederrief er seine frühere Beschuldigung gegen Fujimoris Berater.

Kurze Zeit später enthüllte ein peruanischer Fernsehsender, dass Montesinos 1995 ein Einkommen von 700.000 Dollar bezog, das Vielfache seines offiziellen Gehalts. Regierungssprecher erklärten, der Berater habe das Geld von "ausländischen Quellen" erhalten, eine Phrase, unter der die meisten Beobachter den amerikanischen Geheimdienst CIA verstanden.

Nachdem der gleiche Fernsehsender über Zwischenfälle berichtete, bei denen ehemalige SIN-Agenten ermordet oder gefoltert worden waren, weil sie Informationen durchsickern ließen, wurde sein Besitzer, Baruj Ivcher, seiner peruanischen Staatsangehörigkeit beraubt, sein Eigentum beschlagnahmt und der Sender in eine Propagandastimme der Regierung umgewandelt. Eine weitere, Ende letzten Jahres veröffentlichte Recherche fand heraus, dass Montesinos auf einem einzigen Bankkonto über zwei Millionen Dollars besaß. Und wieder erklärten Regierungssprecher, dieses Geld stamme aus ausländischen Quellen.

Als vergangene Woche der Sprecher des Weißen Hauses, Joe Lockhart, gefragt wurde, was er zu den Berichten über Montesinos Beziehungen zur CIA zu sagen habe, verweigerte er jeden Kommentar.

Siehe auch:
Peru - Das Fujimori-Regime zerfällt
(3. Oktober 2000)