Die Aktualität Leo Trotzkis

Von Peter Schwarz
6. Oktober 2000

Die folgende Rede hielt Peter Schwarz am 23. September in Berlin anlässlich einer Gedenkveranstaltung zum 60. Todestag von Leo Trotzki. Schwarz ist Sekretär des Internationalen Komitees der Vierten Internationale und Mitglied der Redaktion des World Socialist Web Site.

Leo Trotzki, der vor 60 Jahren heimtückisch ermordet wurde, wird als herausragender Marxist des 20. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen. Er entstammt einer Generation von sozialistischen Revolutionären, zu der auch Lenin, Rosa Luxemburg, Christian Rakowski und andere gehören, die tief in den Traditionen des Marxismus verwurzelt war. Aber niemand sonst hat ein Lebenswerk hinterlassen, das so umfassend, so weitsichtig und so vielschichtig ist. Wenn man die großen Fragen des 20. Jahrhunderts verstehen will - die beiden Weltkriege, den Faschismus, den Stalinismus - dann kommt man nicht um Trotzkis Analyse herum.

Vor allem aber: Wenn man sich den großen gesellschaftlichen und politischen Fragen unseres Jahrhunderts zuwendet - der Globalisierung, der komplexen Entwicklung von Technologie und Wissenschaft und den gesellschaftlichen Problemen und Verwerfungen, die sich daraus ergeben, dann kann man keine fortschrittliche Antwort darauf geben, ohne auf Trotzki zurückzugreifen.

Anders gesagt: Man kann heute nicht ernsthaft Sozialist sein, ohne an Trotzki und die Tradition, die er verteidigt und gelegt hat, anzuknüpfen. Alle anderen politischen Tendenzen, die im Laufe des 20. Jahrhunderts im Namen des Sozialismus oder Kommunismus aufgetreten sind - Stalinisten, Maoisten, diverse nationale Befreiungsbewegungen - haben sich restlos diskreditiert. Das ist eine objektive Frage: Man kann mit Sicherheit voraussagen, dass die Auseinandersetzung mit Trotzki in dem Maße in den Vordergrund treten wird, wie die Diskussion über die großen Probleme unserer Gesellschaft - die soziale Ungleichheit, die wachsenden internationalen Spannungen - an Intensität gewinnt.

Was unterscheidet Trotzkis Sozialismus von den anderen "Sozialismen" des 20. Jahrhunderts? Genauer ausgedrückt: Was unterscheidet den unverfälschten Marxismus - den Trotzki vertreten hat - von den zahlreichen reformistischen, stalinistischen oder nationalistischen Strömungen, die sich zeitweilig als "sozialistisch" oder "kommunistisch" bezeichnet haben oder noch bezeichnen?

Man kann auf diese Frage eine sehr lange, komplexe und umfangreiche Antwort geben. Aber der Kernpunkt ist folgender: Für Trotzki war die Verwirklichung einer sozialistischen Perspektive - sowohl die Vorbereitung der sozialistischen Revolution als auch der Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft - untrennbar verbunden mit der Hebung des kulturellen Niveaus der Massen, mit der Erweckung ihres kreativen Potentials.

Schon 1906, als ihm als Vorsitzender des Petersburger Sowjets der Prozess gemacht wurde, hatte der 27-jährige den Richtern die Worte entgegengeschleudert: "Ein Aufstand der Massen, meine Herren Richter, wird jedoch nicht gemacht. Er macht sich selbst. Er ist das Ergebnis sozialer Verhältnisse und Bedingungen und nicht papierener Entwürfe. Ein Aufstand des Volkes kann nicht inszeniert werden. Man kann ihn nur voraussehen."

Trotzki vertrat kein spontaneistisches Konzept. Er war sich der ungeheuren Bedeutung des subjektiven Faktors bewusst - von politischen Führern und Parteien, von revolutionärer Initiative und Tatkraft. Aber der subjektive Faktor konnte letztlich nur erfolgreich sein, wenn es ihm gelang, all das zu überwinden, was die Massen knechtet, in Vorurteilen und Unwissenheit gefangen hält, was ihre Kreativität und Schöpferkraft bremst.

Das ist keine pädagogische Aufgabe, sondern eine politische. Nur eine politische Perspektive, die sich auf die fortschrittlichsten Errungenschaften von Wissenschaft, Technik und der Beherrschung der Natur einschließlich seiner eigenen durch den Menschen stützt, eine Perspektive, die von den höchsten Errungenschaften der Kultur ausgeht, eine Perspektive, die die Dinge beim Namen nennt, Halbheiten scheut und vor Konsequenzen nicht zurückschreckt, kann diese Aufgabe erfüllen.

Trotzki lehnte jeden anderen Wege zum Sozialismus ab, weil er wusste, dass er nicht zum Ziel führen kann und letztlich kontraproduktiv ist. Deshalb stützte er sich im Kampf gegen die Stalin-Fraktion nicht auf die Rote Armee - weil die Logik dieses Schritts die Massen zurückgeworfen und unweigerlich zu einer Militärdiktatur geführt hätte. Deshalb hatte er gegenüber Stalins Theorie, man könne den Sozialismus isoliert in einem Land aufbauen, nur Verachtung übrig - weil sie den ebenso utopischen wie reaktionären Versuch darstellte, die Produktivkräfte, die schon im Kapitalismus über die Grenzen des Nationalstaats hinausgewachsen waren, zurückzuzerren. Und deshalb lehnte er alle Versuche ab, den schwierigen und langwierigen Weg des Aufbaus einer sozialistischen Arbeiterpartei zu umgehen, indem man sich - wie Mao Tsetung - auf Bauernarmeen stützt oder auf Guerillaarmeen, die vom Land her die Städte erobern.

Trotzkis Sozialismus beruhte auf einer umfassenden Vision des menschlichen Fortschritts und knüpfte in dieser Hinsicht an die Traditionen der bürgerlichen Revolutionen an. In den bürgerlichen Revolutionen des 18. und 19, Jahrhunderts hatten erstmals die Massen als aktiver und bewusster Faktor in die Geschichte eingegriffen. In den vorangegangenen Jahrhunderten war die Geschichte vorwiegend von Dynastien, Feldherren und Söldnerheeren gemacht worden. Diesen Revolutionen war - und das bildete letztlich ihre Voraussetzung - eine enorme Entwicklung und Verbreiterung des menschlichen Wissens vorangegangen.

Wir feiern in diesem Jahr auch den 600. Geburtstag von Johannes Gutenberg, dem Erfinder des Buchdrucks, und es steht außer Zweifel, dass Gutenbergs Erfindung die entscheidende Voraussetzung dafür war, dass Wissen und Kultur aus einem Monopol von Klerus und Adel zum Eigentum der Massen wurden. Sie hatte eine wahre Explosion des Wissens zur Folge. Das Lesen verbreitete sich wie ein Buschfeuer und ließ sich nicht mehr stoppen.

1456 druckte Gutenberg seine erste Bibel in einer Auflage von 180 Stück. Sechs Drucker waren zwei Jahre lang damit beschäftigt, dass über tausend Seiten dicke Werk herzustellen. 50 Jahre später waren bereits 40.000 gedruckte Exemplare der Bibel im Umlauf. Hinzu kamen zahlreiche andere Bücher. Weitere zehn Jahre später nagelte Luther seine Thesen an die Tür der Kirche von Wittenberg - ein Akt, dessen Folgen wir alle kennen und dessen Wirkung ohne Gutenbergs Erfindung kaum vorstellbar gewesen wäre.

Die bürgerliche Revolution hat, wie wir wissen, eine neue Klassengesellschaft geschaffen. Sie konnte ihre Ideale von Gleichheit und Freiheit nur für eine Minderheit verwirklichen. Marx und Engels zogen daraus den Schluss, dass die Befreiung der Arbeiterklasse nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein kann, und dass sie ihre politische Emanzipation vom Bürgertum und Kleinbürgertum voraussetzt. Dieser Aufgabe - der politischen Emanzipation und Erziehung der Arbeiterklasse - widmete sich eine ganze Generation von Marxisten, die Marx und Engels oft noch persönlich kannten oder mit ihnen korrespondierten: Wilhelm Liebknecht, August Bebel, Karl Kautsky, Franz Mehring, Georgi Plechanow, Antonio Labriola und andere mehr. Trotzkis Generation - zu der auch Lenin und Rosa Luxemburg gehören - wuchs in dieser Tradition auf. Trotzki verkörpert sie in der herausragendsten Weise.

Trotzkis Konzeption des Sozialismus brachte ihn in Konflikt zur Bürokratie in Staat und Partei, die jede spontane Regung von unten intuitiv als Bedrohung empfand. Sie erblickte in Trotzki zu Recht den bewusstesten Vertreter der Arbeiterklasse, deren Macht sie usurpiert hatte und von der die Hauptgefahr für ihre Privilegien ausging. Aber der fanatische Hass, mit dem die Sowjetbürokratie Trotzki Zeit seines Lebens und noch Jahrzehnte nach seinem Tod verfolgte, hat auch eine psychologische Komponente. Das kreative Potential der Massen, das in Trotzkis Auffassung des Sozialismus eine so zentrale Rolle spielt, erschien der Bürokratie als Inbegriff von Unruhe und Unordnung, die Hebung der Kultur als Angriff auf ihre Spießermoral und Mittelmäßigkeit. Ähnlich hatte schon die deutsche Gewerkschaftsbürokratie und der rechte Flügel der Sozialdemokratie auf Rosa Luxemburg reagiert und schließlich mitgeholfen, sie zu ermorden.

Diese Frage - die Förderung der Initiative der Massen und der Parteimitgliedschaft gegen die bürokratischen Tendenzen des Apparats - war von Anfang an ein zentraler Aspekt des Kampfs der Linken Opposition gegen den Bürokratismus. In dem Brief "Der Neue Kurs" vom Dezember 1923, der die erste massive Kampagne gegen Trotzki auslöste, schreibt dieser: "Der neue Kurs ... ist gerade dadurch charakterisiert, dass der Hauptakzent, der beim alten Kurs fälschlich auf den Apparat gelegt wurde, jetzt auf die Aktivität, die kritische Selbsttätigkeit, die Selbstverwaltung der Partei als der organisierten Avantgarde des Proletariats verlagert werden muss." Und: "Der Bürokratismus tötet die Selbsttätigkeit und behindert dadurch eine Anhebung des allgemeinen Niveaus der Partei."

Das Trotzki sich in den folgenden Jahren verstärkt Fragen der Kultur und des Alltagslebens zuwandte - die Schriften "Fragen des Alltagslebens" und "Literatur und Revolution" entstanden in dieser Zeit -, war keine Wegwendung von der Politik, wie viele seiner Kritiker behaupten sollten. Vielmehr verstand Trotzki zu einem sehr frühen Zeitpunkt, worum es bei der Auseinandersetzung mit Stalin tatsächlich ging. Der Kampf gegen die Bürokratie - deren Interesse Stalin formulierte - konnte nur gewonnen werden, wenn es gelang, das kulturelle Niveau der Massen zu heben und das Erbe der russischen Rückständigkeit zu überwinden. Das erforderte wiederum eine internationale Orientierung, ein Zugang zur höher entwickelten Technik und Kultur des Westens auf revolutionärer Grundlage.

Der Kampf gegen Bürokratismus und für Parteidemokratie bildete so den einen, die internationale Orientierung den anderen Pol der Oppositionsarbeit. Hinzu kam das Eintreten für eine korrekte Wirtschaftspolitik, die es erlaubte, die Arbeitsproduktivität so schnell wie möglich zu steigern, ohne die soziale Grundlage des Sowjetstaats zu gefährden. Die Hebung des allgemeinen Lebensniveaus war eine Voraussetzung für die Hebung der Kultur. Der Sieg der Bürokratie über die Linke Opposition, Stalins über Trotzki, besiegelte letztlich auch das Schicksal der Sowjetunion. Nur eine politische Revolution, der Sturz der Bürokratie durch die Arbeiterklasse, hätte ihren Untergang verhindern können, wie Trotzki schon in den dreißiger Jahren voraussagte.

Die Unterdrückung der revolutionären Initiative der internationalen Arbeiterklasse durch die stalinistische und reformistische Bürokratie, die zu den verheerenden Niederlagen der zwanziger und dreißiger Jahre führte und in der Ermordung Leo Trotzkis gipfelte, bildet den Schlüssel zum Verständnis der heutigen Weltlage.

Diese ist durch eine tiefe soziale Krise gekennzeichnet. Vom Aufschwung der vergangenen Jahre hat nur eine kleine Minderheit profitiert. Alle entsprechenden Statistiken sprechen in dieser Hinsicht eine unmissverständliche Sprache. 500 Milliardäre besitzen heute gleich viel Vermögen, wie die ärmere Hälfte der Menschheit zusammengenommen. Das Anwachsen von Armut, Arbeitslosigkeit und Stress kennzeichnet nicht nur die verarmten, sondern auch die reichen Länder der Welt. Neue Seuchen wie AIDS oder alte wie Tuberkulose breiten sich aus und raffen Millionen dahin. Ein Drittel der Menschheit hat keinen Zugang zu frischem Trinkwasser. Am schlimmsten ist der gesellschaftliche Verfall in der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa, wo ein Gemisch aus Mafia, Geheimdienst und ehemaligen Bürokraten die Macht an sich gerissen hat und die Länder hemmungslos ausplündert.

Diese soziale Krise hat aber bisher nicht zu einer Wiederbelebung revolutionärer, sozialistischer Traditionen geführt. Die Arbeiterklasse hat, abgesehen von verzweifelten und meist fruchtlosen Protesten, nicht darauf reagiert. Stattdessen haben vorwiegend rechte Tendenzen von der gesellschaftlichen Krise profitiert. Der Grund dafür ist die jahrzehntelange Vorherrschaft der reformistischen und stalinistischen Bürokratie über die Arbeiterbewegung. Sie hat die einst starken sozialistischen Traditionen verschüttet. Die relative Ruhe an der politischen Oberfläche ist kein Zeichen von Stabilität. Sie zeigt nur, dass die Arbeiterklasse bisher noch keinen Weg sieht, auf dem sie für einen fortschrittlichen Ausweg aus der gesellschaftlichen Krise kämpfen kann.

Das erklärt das Anwachsen der Rechten. Trotzki hat den Faschismus einmal als "Partei der Verzweiflung" und den Sozialismus als "Partei der Hoffung" bezeichnet. Solange es keine Hoffung gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt, kann die Partei der Verzweiflung Boden gewinnen. Der Kampf gegen die Rechten fällt daher untrennbar mit der Überwindung der Krise der Arbeiterbewegung zusammen; mit der Wiederbelebung der marxistischen Traditionen, für die Trotzkis Leben steht.

Welche Grundlagen gibt es dafür?

Die heutige Gesellschaft ist durch einen Widerspruch gekennzeichnet: die soziale Stagnation wird von einer ungeheuren technologischen Revolution begleitet. Die Einführung von Computertechnologie in jeden Bereich von Produktion und Verwaltung und die Revolution der Kommunikationstechnologie verändert jeden Bereich des menschlichen Lebens und der Gesellschaft.

Wie wir gesehen haben lag die Bedeutung von Gutenbergs Erfindung - des Drucks mit beweglichen Lettern - darin, dass das Wissen seiner Zeit erstmals breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht werden konnte. Wenn wir eine der wichtigsten technischen Entwicklungen der Neuzeit betrachten, das Internet, dann bestehen offensichtliche Parallelen zur Erfindung der Druckkunst. Im Hinblick auf die Verbreitung von Informationen und Wissen bedeutet es einen wahren Quantensprung in der menschlichen Entwicklung.

Ich kann aus eigener, journalistischer Erfahrung ein Lied davon singen. Ich erinnere mich noch gut, wie schwierig, zeitaufwendig und teuer es vor zwanzig Jahren war, an internationale Zeitungen oder an Informationen zu kommen, die in örtlichen Bibliotheken nicht zu erhalten waren. Heute steht uns ein großer Teil des menschlichen Wissens im eigenen Wohnzimmer oder auf dem Laptop auf Mausklick zur Verfügung. Oder wie oft sind wir spät nachts noch zum Bahnhof gerannt, damit ein Artikel rechtzeitig die Redaktion erreicht. Und dann hat es trotzdem Tage gedauert, bis die Zeitung gesetzt, gedruckt und ausgeliefert war. Heute steht ein Artikel wenige Minuten nach Fertigstellung einer weltweiten Leserschaft zur Verfügung.

Das Internet ist zweifellos das demokratischste - und in diesem Sinne das subversivste und revolutionärste Medium - das seit der Druckkunst erfunden wurde. Es verschafft nicht nur Millionen von Menschen Zugang zu Wissen; es verschafft ihnen auch zu relativ niedrigen Kosten die Möglichkeit, sich einem internationalen Publikum mitzuteilen. Dadurch unterscheidet es sich grundlegend von dem Massenmedium, das die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts dominiert hat: dem Fernsehen. Das Betreiben einer Fernsehstation ist derart kostspielig und aufwendig, dass es automatisch ein Monopol des Staates und der mächtigsten und kapitalkräftigsten Medienkonzerne blieb.

Das Internet hat sich in explosionsartigem Tempo verbreitet. Noch vor zehn Jahren war sein Name nur einer kleinen Schar Eingeweihter bekannt. Heute wird es weltweit von 300 Millionen Menschen genutzt. Es ist auch längst kein Monopol einer intellektuellen Elite oder der reichen Länder mehr. Auf einem Seminar, das wir diesen Sommer in einem deutschen Ferienort durchgeführt haben, hat sich ein tamilischer Teilnehmer bitter beklagt, dass man im ganzen Ort kein Internetcafé finden könne, während sich im indischen Madras an jeder Straßenecke eines befinde.

Natürlich spiegelt auch das Internet die Probleme unserer Zeit wider. Es wird jede Menge Rückständigkeit - Pornografie, Mystizismus und Aberglaube - darin verbreitet. Auch Rechte und Faschisten haben es als Kommunikationsmedium entdeckt. Aber wer deshalb nach staatlicher Kontrolle und Zensur ruft, ist - entschuldigt den harten Ausdruck - ein hoffnungsloser Reaktionär. Dahinter steht ein Element von Maschinenstürmerei.

Betrachtet man Trotzkis Erbe, seine Konzeption des Sozialismus, dann ist es kein Zufall, dass gerade das Internationale Komitee der Vierten Internationale die Möglichkeiten dieses Mediums erkannt hat und zu nutzen versteht. Natürlich verfügt heute jede politische Organisation über eine eigene Homepage. Aber in der Regel ist dies nur ein Archiv für alte Ausgaben ihrer Zeitung oder Pinwand zur Ankündigung von Aktivitäten. Nur das Internationale Komitee hat mit dem World Socialist Web Site das Potential dieses Mediums erfasst und seine Arbeit vollständig darauf konzentriert.

Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass sich die Krise der Arbeiterbewegung nicht mittels taktischer Initiativen und Aktionismus überwinden lässt. Die ungeheuren sozialen Spannungen und Gegensätze werden ohne Zweifel zu Protesten, Streiks und sozialen Kämpfen führen. Unsere Aufgabe besteht darin, diesen Bewegungen eine Perspektive und eine Orientierung zu geben. Das World Socialist Web Site ist dazu ein ideales Medium.

Die wachsende Zahl seiner Leser zeigt, dass es dafür ein zunehmendes Interesse gibt. Während wir früher mit gedruckten Zeitungen bestenfalls einige Zehntausend Leser, oft aber nur einige Tausend erreicht haben, liest inzwischen jeden Monat ein Vielfaches dieser Zahl das World Socialist Web Site. Sein Inhalt nimmt ständig an Vielfalt zu. Im Mittelpunkt stehen marxistische Analysen politischer Ereignisse, die die Aufgabe haben, eine politische Orientierung zu geben. Hinzu kommen Artikel zu kulturellen Themen, zur Geschichte, Polemiken und vieles mehr. Das World Socialist Web Site ist so zu einem internationalen Zentrum der marxistischen Kultur geworden.

Die technologische Revolution hat noch eine andere Folge: Nie zuvor war die Weltwirtschaft derart eng integriert, haben sich die Existenzbedingungen der Arbeiterklasse rund um die Welt derart angeglichen. Die Bourgeoisie hat sich an dieser Entwicklung ungeheuer bereichert. Aber ihren sozialen und politischen Folgen steht sie ratlos gegenüber. Verwirrung und Perplexität kennzeichnen überall das politische Establishment. Man sucht vergeblich nach einem Politiker, der so etwas wie eine gesellschaftliche Vision hat. Die Politik beschränkt sich darauf zu reagieren und entfernt sich immer weiter von den Bedürfnissen der Massen.

Unter diesen Bedingungen müssen und werden neue politische Parteien entstehen. Die entscheidende Frage ist dabei nicht, wie viel Einfluss sie gestern hatten oder heute haben - sondern die Stärke ihrer Ideen, ihre Fähigkeit, die Lage zu verstehen und eine Antwort darauf zu geben. In dieser Hinsicht befindet sich die Vierte Internationale in einer starken Ausgangsposition und kann mit Zuversicht in die Zukunft schauen.

Siehe auch:
Trotzkis "Europa und Amerika" neu erschienen
( 5. Oktober 2000)
Leo Trotzki und das Schicksal der Sowjetunion - Redebeitrag von Wladimir Wolkow
(7. Oktober 2000)
Erfolgreiche Veranstaltungen in Berlin und London
(28. September 2000)
Weitere Literatur von Leo Trotzki im Arbeiterpresse Verlag

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