Ericsson: Auslagerung der Handy-Produktion bedroht weltweit 11.000 Arbeitsplätze

Von Steve James
6. Februar 2001

Ericsson, Schwedens größtes Elektronik- und Telekommunikationsunternehmen, gab Ende Januar bekannt, es werde die Produktion von Handys einstellen. In vier Ländern sollen 10.800 Stellen gestrichen werden. Mobilfunktelefone der Marke Ericsson, bisher weltweit der drittgrösste Hersteller von Handys, werden in Zukunft von dem in Singapur ansässigen amerikanischen Hersteller Flextronics gefertigt, der alle Bereiche des vielschichtigen Produktionsprozesses, abgesehen von der Designgebung, übernehmen wird. Andere Arbeiten werden an taiwanesische Firmen wie Arima und GVC vergeben.

Momentan hat Ericsson 103.000 Arbeiter und Angestellte, davon 41.000 in Schweden. Bis Ende 2001 will das Unternehmen die Anzahl der Beschäftigten in seiner Sparte Konsumentenprodukte von heute 16.800 auf 7.000 reduzieren. Bis heute hat Ericsson nur die Entlassung von 600 Arbeitern bestätigt, doch ein viel stärkerer Abbau ist wahrscheinlich, wovon mindestens 1.700 Arbeitsplätze in Basingstoke in Großbritannien betroffen sind.

Ericssons Entscheidung, mit der der ehemals lukrative Mobilfunk-Markt Nokia, Siemens und Motorola überlassen wird, erfolgt nach einem Geschäftsjahr, in dem die Sparte Konsumentenprodukte 1,2 Mrd. Dollar Verlust einfuhr. Insgesamt erzielte Ericsson im letzten Vierteljahr noch einen Gewinn von 223 Millionen Dollar, nachdem im letzten Quartal 1999 noch 655 Millionen Dollar eingefahren wurden. Ericsson konnte mit den Handys seiner Rivalen, vor allem dem finnischen Konzern Nokia, in puncto Design und Preis nicht mehr konkurrieren.

Der Mobilfunkmarkt ist außerdem nicht so schnell wie erwartet gewachsen. Alle Hersteller korrigieren ihre Markteinschätzungen beständig nach unten. Dennoch setzte Ericsson im Jahr 2000 noch 43.3 Millionen Handys ab und erwartet in diesem Jahr 50 Millionen zu verkaufen. Ericsson litt auch unter dem hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Verkauf von sogenannten WAP-Handys, die begrenzten Zugang zum Internet ermöglichen und eine E-Mail-Funktion besitzen.

Ericsson rutschte aus der Gewinnzone, weil die Konkurrenz ihre Produktion offensichtlich schnell aus Europa und Nordamerika in kostengünstigere Regionen der Welt verlagert hat. Flextronics, das den Großteil der Produktion für Ericsson übernehmen wird, stellt bereits Telefone für Siemens, Motorola und Nokia her. Die Firma nahm ihre Aktivitäten in Amerika 1969 als Hersteller von kleinen Elektronikkomponenten auf. 1981 begann sie erstmals im Ausland - in Singapur - zu produzieren. Heute gehört sie zu den weltweit führenden Handy-Produzenten und stellt auch eine breite Palette elektronischer Produkte her - von Server-Speicherplatten und Magnetbandspeichern bis zu Modems nach dem Hayes-Standard.

Bis in die frühen neunziger Jahre blieb Flextronics mit einem großen Teil seiner Produktionskapazitäten in den USA. 1995, nach einem Abschwung des Marktes in den USA, begann das Unternehmen die meisten seiner amerikanischen Niederlassungen zu schließen. Auf seiner Webseite prahlt das Unternehmen, dass es 13 Rechtsanwaltskanzleien einschaltete, um die Firmen in den USA zu schließen ohne für die Schließung mit Kosten belastet zu werden. Dies gelang, indem die asiatischen Firmen als eigenständige Unternehmen ausgegeben wurden, obwohl sie das gleiche Management hatten. Flextronics frohlockend: "Die Komplexität und der Erfolg dieser Aktion könnte als Lehrmaterial in Wirtschaftsschulen dienen."

Seit 1998 operiert der Konzern wieder global und stützt seine Aktivitäten auf "Niedriglohn-Standorte". Er beschäftigt 27.000 Mitarbeiter in vier Kontinenten. Im allgemeinen errichtet der Konzern so genannte Industrieparks, die für den Einsatz billiger Arbeitskräfte konzipiert sind, wo alle Bereiche der Produktion zusammengefasst sind, ehe die fertigen Produkte an die Auftraggeber verschifft werden - wie etwa Ericsson, Microsoft, Cisco, IBM.

Man erwartet, dass die Aufträge von Ericsson in China ausgeführt werden. Zwei der Industrieparks von Flextronics befinden sich im Verwaltungsbezirk Doumen in der Sonderwirtschaftszone von Zhuhai am Südchinesischen Meer nahe Macao. Die anderen Industrieparks von Flextronics befinden sich in Ungarn (drei), Tschechien, Polen, Brasilien und Mexiko. Im Jahr 2000 verzeichnete das Unternehmen einen Zuwachs des Betriebsgewinns um 93 Prozent. Der Umsatz im letzten Quartal 2000 wurde mit 3.2 Mrd. Dollar angegeben.

Die Bekanntgabe der Entscheidung Ericssons führte zu einem 13prozentigen Kursverlust der Ericsson-Aktie, vor allem, weil Börsenbeobachter davon ausgegangen waren, das Unternehmen würde die Handy-Sparte vollständig aufgeben, um sich auf Telekommunikations-Infrastrukturen und Telefonnetzwerke zu konzentrieren. In diesen Bereichen bleibt Ericsson weiterhin ein Weltmarktführer. Ericsson gehört zu den Pionieren der sogenannten Bluetooth-Funktechnologie, ein Standard zur drahtlosen Datenübertragung zwischen unterschiedlichen Kommunikationsgeräten.

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