Leserbriefe zu den Anschlägen in den USA

26. September 2001

Der Redaktion der WSWS möchte ich hiermit meine ausdrückliche Hochachtung ausdrücken. Die Erklärung zu den Attentaten des 11. September ist das beste und vernünftigste, was man hierzu gegenwärtig lesen und hören kann. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass antiarabische und antiislamische Hetze sowie Kriegstreiberei nun zunehmen werden, erscheint diese prinzipielle Erklärung als ein Fels in der Brandung.

J.N., 14. September 2001

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Liebe Redaktion,

Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass meine e-mail an Sie "abgehört" wird möchte ich Ihnen schreiben.

Mich hat der Anschlag auf das World Trade Center und das Pentagon sehr schockiert, und ich empfinde ebenfalls tiefe Trauer für die Opfer und Ihre Hinterbliebenen. Der Ruf nach Krieg schockiert mich allerdings noch mehr, da seine Folgen auch für unser Land unabsehbar sind.

Heidelberg ist mit einer irakischen Stadt (ich glaube Mosul) vor ein paar Monaten eine Städtepartnerschaft eingegangen. Eine Delegation von Ärzten war aus diesem Anlass im Irak. Sie beschrieb, dass infolge des Embargos gegen den Irak etwa 1.7 Millionen Menschen umgekommen sind. (Nachzulesen im Heidelberger Stadtanzeiger). Leider werden die Bilder der dort sterbenden Menschen nicht via CNN 24 Stunden am Tag übertragen. Dieses Leid und das Leid des Palästinensischen Volkes bildet wohl einen guten Nährboden für grausige Anschläge.

Ich denke auch an die vielen Einmischungen, die eine Lösung bringen sollten und doch nur die Probleme vertieft haben: die Aufrüstung Irans als westlichen Außenposten, die Aufrüstung Iraks gegen Iran, die Bombardierung Iraks und das Ausbleiben der neuen Weltordnung, die Aufrüstung in Ladens gegen die Sowjetunion, die Unterstützung der Hamas durch Israel gegen die PLO, die Intervention in Somalia etc.

Ich glaube nur, das jetzt eine Schwelle überschritten werden soll, die die Welt auf dramatische Weise polarisieren kann. Die Rüstungsausgaben werden wohl noch mehr steigen, das Raketenabwehrprogramm wird wohl forciert, begleitet von Angriffen auf andere Länder. Es wird vielleicht nur eine Frage der Zeit sein, bis ganz andere Mächte unsere Gegner sein werden, die sich dem Westen momentan noch aus wirtschaftlichen Gründen anschließen.

Irgendwo scheint derjenige, der sich als unser Arzt ausgibt, selbst ein Patient zu sein. Der Gleichklang der Medien macht mir Angst. Unsere demokratischen Freiheiten werden wohl eingeschränkt werden: Videoüberwachungen mit Profilerkennungssoftware wird wohl bald nicht nur an Flughäfen Routine sein, systematische Überwachung des Internets und des Handyverkehrs und so weiter, alles im Namen des Schutzes vor Terrorismus. Ich merke, wie meine Freunde ratlos werden, ihre Kritikfähigkeit aufgeben, um nicht aufzufallen.

Ich schreibe Ihnen, nicht weil ich Ihrer Partei angehöre, sondern weil ich auf Ihre Analyse im Internet gestoßen bin, die Gegenpunkte zu dem jetzigen Medienbombardement bringt. Ich habe das Gefühl, das viele Menschen, die die Dinge etwas zweiseitiger sehen, eine Plattform bilden sollten, um gemeinsam weiter zu diskutieren. Vielleicht stehen wir an einem Scheidepunkt, wir sollten unser Schicksal nicht den Politikern überlassen, die an ihr politisches Überleben denken. Ich glaube, es geht wirklich um unser aller Überleben.

Machen Sie weiter, lassen Sie sich nicht einschüchtern.

Ihr EW, 17. September 2001

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Dass die USA und auch Israel durch ihre antiarabische Politik dazu beigetragen haben, das ungünstige politische Klima in den islamischen Ländern zu schaffen, sei unbestritten.

Aber: Sind die arabischen Staaten daran unschuldig?

Nein! Die Eliten der arabischen Staaten egal welcher politischen Couleur, die arabischen Monarchien also genauso wie die sogenannten Sozialisten (z.B. Irak oder Syrien) haben nichts für die Eingliederung ihrer "Glaubensbrüder" in ihre Gesellschaft getan.

Einige Flüchtlinge sitzen seit 53 Jahren in Flüchtlingslagern und hoffen immer noch auf die Rückkehr in ihr ehemaliges Heim.

Die entsprechende Propaganda macht aber nur die Israelis für die Situation verantwortlich (und natürlich ihren verlängerten Arm, die Vereinigten Staaten).

Die arabischen Führer haben kein Interesse diese Menschen in ihr Land einzugliedern, weil es Arme sind. (Blicken wir mal nach Jordanien, sehen wir: Palästinenser die es geschafft haben, sich eine gesicherte soziale Existenz aufzubauen, wohnen nicht mehr in den Lagern.) Es erübrigt sich zu sagen, dass diese Armen ein revolutionäres Potential darstellen würden, würde man sie in die "Gastgeberländer" eingliedern. Stattdessen macht man ihnen Hoffnung auf Rückkehr. Die ist aber erst möglich, wenn "die Israelis zurück ins Meer getrieben sind".

So gelten in den Lagern die Israelis und die Amerikaner als die allein Schuldigen an ihrer Misere. Das baut natürlich statt revolutionärem Potential nationalistisches und religiös-fundamentalistisches Potential auf. Woher kommen denn in der Regel die Selbstmordattentäter? Eben aus den Lagern. Sie haben nichts mehr zu verlieren.

Es wäre also jetzt an der Zeit statt militärische Gegenschläge zu unternehmen Verhandlungen zu führen mit den arabischen Ländern, Europa, den USA und Israel. Israel müsste sich verpflichten, die besetzten Gebiete weitgehend zu räumen, auch die Siedler daraus zu vertreiben, und die arabischen Staaten müssten sich gegen wirtschaftliche Unterstützung aus Europa und den USA dazu verpflichten, die Lager aufzulösen und die Palästinenser in ihre Gesellschaft einzugliedern.

Das ganze wäre natürlich keine sozialistische sondern eine kapitalistische Lösung, aber wahrscheinlich in diesem die Beste. Leider wird es eine Utopie bleiben, weil die USA und Israel und auch einige arabische Staaten einfach die falsche Regierung haben.

Mit freundlichen Grüßen,

A.B., 16. September 2001

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So unfair die ganze Angelegenheit, auch durch westliche Länder, gewesen sein mag, es rechtfertigt nicht den Terror, der in diesen Regionen an der Tagesordnung ist, und schon gar nicht den Terror gegen Unbeteiligte (s. jüngster Anschlag auf das WTC N.Y.). Frieden wird niemals durch Krieg und Terror erreicht werden. Man wird nur Erfolg haben, wenn man sich zusammensetzt und in Ruhe über die Probleme und verschiedene Ansichten diskutiert.

Islam, Judentum und Christentum dürfen sich nicht bekämpfen. Die Religion ist für den Menschen da. Sie soll das Leben der Menschen menschenwürdiger machen. Die Menschen müssen sich in ihren eigenen Glaubensgemeinschaften dafür einsetzen, dass die Achtung vor der Persönlichkeit des Menschen, dazu gehört auch die Religionsfreiheit, von den Mitbrüdern- und Schwestern gewahrt wird. Und zwar in jeder Religion. Extremisten dürfen in diesen Gemeinschaften keine Unterstützung finden, denn ihre Methoden verursachen nur neues Leid, noch mehr Trennung und Krieg.

Wir haben eine Verantwortung unserer Welt gegenüber. Und wir alle haben einen Gott, dem wir irgendwann Rechenschaft über unser Handeln ablegen müssen. Was soll aus Krieg und Hass entstehen? Lösungen werden damit nicht geschaffen. Auch wenn sich jeder im Recht sieht, man wird Kompromisse eingehen müssen, auf jeder Seite, damit wir weiterleben können und unsere Kinder eine Zukunft haben.

Das, was ein jeder von uns dazu beitragen kann, ist, Überzeugungsarbeit dafür zu leisten, dass nur durch Toleranz und Objektivität ein dauerhafter Frieden zwischen den Kulturen erreicht werden kann. Dazu gehört in jedem Falle die freie Meinungsäußerung, keine Zensur durch die Obrigkeit, freie Berichterstattung, denn daran ist die eigene persönliche Meinungsbildung gebunden, Projekte, bei denen die verschiedenen Religionsgemeinschaften, bzw. Interessengemeinschaften zusammen Vorschläge zu Kompromissen erarbeiten, sowie endlich der sofortige Stop alle kriegerischen und terroristischen Handlungen.

S.M., 17. September 2001

Siehe auch:
Die politischen Wurzeln der Terroranschläge in New York und Washington
(13. September 2001)
Weshalb die Regierung Bush einen Krieg will
( 16. September 2001)
Anti-Amerikanismus: Der "Anti-Imperialismus" von Dummköpfen
( 23. September 2001)

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