Die palästinensischen Selbstmordanschläge

Briefe an die World Socialist Web Site und eine Antwort der Redaktion

Von der Redaktion
16. April 2002

Ihre Voreingenommenheit und die der WSWS kommen klar und deutlich zum Vorschein! Sie sind zum Sprachrohr Arafats geworden! Wo bleibt Ihre Empörung über die Morde an Unschuldigen, die nur Pizza aßen und an religiösen Feierlichkeiten teilnahmen?... Sie sollten sich schämen!

Hochachtungsvoll

GH, 1. April 2002

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Keine einzige Erwähnung der Selbstmordanschläge in Patrick Martins Artikel [ Israel and Washington debate murder of Arafat, destruction of Palestinian Authority, 1. April 2002]. Spielen die toten Israelis etwa keine Rolle?

JS, 1. April 2002

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An GH und JS,

In Wirklichkeit hat die World Socialist Web Site bei zahlreichen Gelegenheiten ihr Mitgefühl für die unschuldigen Zivilisten zum Ausdruck gebracht, die durch Selbstmordattentate ums Leben kamen, und deutlich erklärt, dass wir Terroranschläge auf Unbeteiligte nicht unterstützen. In unseren Augen schaden solche Taktiken dem Kampf gegen die israelische Besatzung und Unterdrückung. Um eine gerechte, demokratische und gesellschaftlich progressive Lösung des Nahost-Konflikts herbeizuführen, muss unserer Ansicht nach ein politisches Programm erarbeitet werden, das die arabischen Massen und die jüdischen Arbeiter vereint. Gemeinsam müssen sie nicht nur gegen den zionistischen Staat, sondern auch gegen die bürgerlichen arabischen Regime in der Region angehen. Die Zielsetzung eines solchen Kampfs ist eine sozialistische Föderation des Nahen Ostens.

Allerdings haben wir nichts mit denjenigen gemein, die die palästinensischen Selbstmordattentäter verdammen, um damit die Kriegsverbrechen zu rechtfertigen, die die Sharon-Regierung mit Unterstützung der Bush-Administration am palästinensischen Volk begeht. Wenn George W. Bush Selbstmordattentäter als bloße Mörder bezeichnet, dann sollten denkende Menschen, denen das Schicksal der Unterdrückten am Herzen liegt, sich hüten, dies unüberlegt nachzuplappern.

Die Selbstmordanschläge haben tragische Auswirkungen. Aber mit der wahllosen Bombardierung der dicht besiedelten palästinensischen Städte und Flüchtlingslager und mit der Ermordung der politischen Führung der Palästinenser kann man sie nur dann gleichsetzen, wenn man pervertierte und zynische Moralvorstellungen vertritt. Die Verzweiflungstaten von Jugendlichen, die in ihrem Leben nichts als brutale Unterdrückung erfahren haben, stehen nicht auf derselben Stufe wie der Einsatz von modernstem Kriegsgerät zur Vernichtung einer ganzen Bevölkerung. Erstere sind ein - wenn auch politisch fehlgeleiteter - Versuch, sich zu befreien, letzterer dient der Aufrechterhaltung von Unterdrückung. Das ist in der Tat ein Unterschied.

Vor Jahrzehnten betonte Leo Trotzki, dass die Geschichte die Grausamkeit der Unterdrückten und diejenige der Unterdrücker nach verschiedenen Maßstäben messe. "Mögen klägliche Eunuchen uns nicht erzählen, der Sklavenbesitzer, der durch List und Gewalt den Sklaven in Ketten hält, und der Sklave, der durch List oder Gewalt die Ketten zerbricht, seien vor dem Gericht der Moral gleich!" (L. Trotzki, "Ihre Moral und unsere") Wir teilen diese Meinung ohne Vorbehalt.

Viele Menschen sind gerade in den Vereinigten Staaten durch die pausenlose und ausgefeilte Propaganda verwirrt worden, die das israelische Regime als die unschuldige Seite darstellt, die gezwungen sei, auf die palästinensische Gewalt zu reagieren. Die amerikanische Regierung und die US-Medien stellen die Lage einmütig in dieser Weise dar.

Die Berichterstattung in den US-Medien bewegt sich innerhalb eines engen Spektrums im Rahmen der Aussagen "Arafat ist ein Wahnsinniger" und "Israel wurde dazu gezwungen, sich gegen palästinensische Übergriffe zu verteidigen". Es gilt als eisernes, für alle amerikanischen Kommentatoren verbindliches Gesetz, alle israelischen Militärangriffe, wie blutig und wahllos sie auch immer sein mögen, als Reaktionen auf palästinensische Terrorangriffe zu bezeichnen.

Es wird umso schwieriger, dieses Bild aufrechtzuerhalten, je mehr das israelische Militär zivile Wohngebiete mit Raketen beschießt, Wasser-, Strom- und Abwasseranlagen zerstört, Tausende palästinensischer Männer zusammentreibt und Identifikationsnummern auf ihre Arme stempelt, Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht, auf Reporter schießt, um sie davon abzuhalten, die Ergebnisse der israelischen Aktionen der Außenwelt bekannt zu machen - kurz, Methoden anwendet, die daran erinnern, wie Nazi-Deutschland die europäischen Juden behandelt hat.

Doch die amerikanischen Medien tun, was sie können. Ein Artikel von Serge Schmemann in der New York Times ("The Method of This Madness", 7. April 2002) ist ein neueres Beispiel dafür, was als objektive Berichterstattung durchgeht. Schmemann versucht ausgewogen zu erscheinen, aber seine Wortwahl beinhaltet eindeutige Urteile. Er schreibt: "Die Israelis sehen das Abschlachten Unschuldiger als Bestätigung ihrer Ansicht, dass die Araber sie ins Meer treiben wollen. Den Palästinensern gerät die Reaktion des gepeinigten Israel zur Bestätigung dafür, dass es die Sehnsucht der Palästinenser niemals freiwillig erfüllen wird." Die Palästinenser sind hier nicht nur die Initiatoren der Gewalt, sie sind auch kaltblütige Mörder Unschuldiger. Die Israelis hingegen reagieren nur, und zwar als "Gepeinigte".

Gewisse Fakten lassen sich jedoch nicht so einfach vom Tisch wischen. Die Israelis halten illegal palästinensisches Land besetzt, nicht umgekehrt. Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hat den sogenannten Friedensprozess von Anfang an abgelehnt und steht an der Spitze einer ultra-nationalistischen Partei, die behauptet, die Westbank sei das biblische Judäa, also Teil des von Gott verheißenen jüdischen Heimatlandes. Seine militärische und politische Laufbahn wird von Grausamkeiten gegen palästinensische Zivilisten gesäumt, angefangen mit dem Massaker von 1953 im Dorf Qibya auf der Westbank bis hin zur Invasion des Libanon und Besetzung Beiruts 1982, die im Massaker an Hunderten palästinensischer Flüchtlinge in den Lagern von Sabra und Shatila gipfelte - ein Kriegsverbrechen, das Sharons Absetzung vom Posten des israelischen Verteidigungsministers nach sich zog.

In verschiedenen Regierungsämtern trieb Sharon die Konfiszierung palästinensischen Bodens und die Ausdehnung der jüdischen Siedlungen auf die Westbank voran - eine Politik, "die Fakten vor Ort zu verändern", um die israelische Kontrolle über die besetzten Gebiete zu festigen und das palästinensische Streben nach einem unabhängigen Staat zu untergraben.

Sharon provozierte den jüngsten Gewaltausbruch in den besetzten Gebieten im September 2000, als er mit einer Eskorte von tausend bewaffneten israelischen Soldaten einen Besuch von Al-Haram al-Sharif (des Tempelbergs nach israelischer Diktion) in Ostjerusalem inszenierte. Nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten im Februar 2001 leitete er eine Serie von Mordanschlägen ein, die darauf abzielte, die politische Infrastruktur der palästinensischen nationalen Bewegung zu zerstören. Vor diesem politischen Hintergrund entstand das Phänomen der palästinensischen Selbstmordanschläge.

Als weit verbreitete Erscheinung ist es erst neueren Datums. Bis voriges Jahr waren solche Aktionen relativ selten und gingen für gewöhnlich nur von den islamistischen Gruppen aus. Bei den Anhängern der säkularen nationalistischen Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) waren Selbstmordattentate als Methode des Widerstands im Allgemeinen verpönt. Dass sie sich jetzt so sehr verbreitet haben, kann nur ein Ausdruck extremer sozialer und politischer Unterdrückung sein und muss ein allgemeines Gefühl unter palästinensischen Jugendlichen widerspiegeln, dass die alten Methoden und Führungen nicht mehr dazu taugen, einen Ausweg aus der albtraumartigen Existenz zu bieten, die ihnen Israel und die USA aufzwingen.

Die US-Medien, die Bush-Regierung und das zionistische Establishment tun so, als ob die jüngsten Selbstmordanschläge der Auslöser für die Ausweitung des Nahostkonflikts seien. Eine seriöse Beurteilung der Lage kann jedoch nicht von den Ereignissen der Jahre 2002 oder 2001 ausgehen. Um die Krise im Nahen Osten zu verstehen, muss man ihre gesamte Geschichte einbeziehen.

Der Völkermord am europäischen Judentum im Holocaust unter den Nazis schuf das politische Klima, in dem die zionistische Bewegung, bis zum zweiten Weltkrieg eine Minderheitstendenz unter den Juden, die Sympathie von Millionen auf der ganzen Welt gewinnen konnte, unter Juden wie auch Nicht-Juden. Es ist eine tragische Ironie - und sie wurzelt im nationalistischen Programm des Zionismus - dass die als Rettung des jüdischen Volkes dargestellte Errichtung eines jüdischen Staates sich auf die Entwurzelung eines anderen unterdrückten Volkes, der Palästinenser, gründete.

1948 vertrieb das zionistische Regime 700.000 Palästinenser und zerstörte 400 ihrer Dörfer. 1967 besetzten die Israelis weiteres Land. Hundertfünfzig rein jüdische Siedlungen und elf ausschließlich jüdische Wohngebiete Ostjerusalems wurden seit jener Zeit in den besetzten Gebieten aufgebaut. Etwa 400.000 jüdische Siedler (200.000 auf der Westbank, 200.000 in Ostjerusalem) nutzen widerrechtlich Land- und Wasservorräte der Palästinenser.

Seit dem Osloer "Friedens"-Abkommen von 1993 ist die Anzahl der jüdischen Siedler um siebzig Prozent angestiegen. Die israelischen Behörden haben in den letzten fünfzehn Jahren 2.600 palästinensische Häuser zerstört. Hunderttausende Palästinenser leben nach wie vor in Flüchtlingslagern unter elenden Verhältnissen.

Diejenigen, die in den palästinensischen Gebieten auf der Westbank und im Gazastreifen leben, werden seit 35 Jahren der Entwürdigung und Erniedrigung eines besetzten Landes unterworfen - geprägt von Kontrollpunkten, Grenzschließungen und willkürlichen Gewalt- und Unterdrückungsakten. Man verweigert den Palästinensern das "Recht auf Rückkehr", während man zahlreichen jüdischen Einwanderern gestohlenes Land gibt, um sich darauf niederzulassen.

Seit September 2000 hat Israel über die besetzten Gebiete eine fast vollständige Wirtschaftsblockade und ein Reiseverbot verhängt. Hunderttausende Palästinenser wurden dadurch ihrer Lebensgrundlage beraubt, Familien wurden auseinandergerissen und die Westbank und der Gazastreifen in eine Art Gefängnis verwandelt.

Vor diesem Hintergrund musste es zwangsläufig zu palästinensischer Empörung kommen, und sie ist vollkommen berechtigt.

Die besonderen Umstände, die das Phänomen der palästinensischen Selbstmordanschläge hervorbrachten, hängen mit dem Versagen des bürgerlichen Nationalismus zusammen. Selbst in seiner militantesten Form konnte er keine gangbare Perspektive zur Verwirklichung der demokratischen, nationalen und sozialen Bestrebungen des palästinensischen Volkes aufzeigen.

An erster Stelle ist hier die verräterische Rolle der arabischen bürgerlichen Regime zu nennen, die die palästinensische Bewegung isoliert und den Intrigen des US-Imperialismus ausgeliefert haben. Wie alle bürgerlichen herrschenden Klassen in Ländern mit verspäteter kapitalistischer Entwicklung sind die arabischen Eliten organisch unfähig, eine Haltung wirklicher Unabhängigkeit von den imperialistischen Mächten einzunehmen. Eine revolutionäre Bewegung der palästinensischen Massen gegen Israel und den US-Imperialismus ist ihnen zutiefst zuwider, weil eine solche Bewegung Aufstände der Arbeiter und unterdrückten Massen in ihren eigenen Ländern auslösen könnte. Deshalb haben sie wiederholt versucht, den palästinensischen Widerstand zurückzuhalten und ihm die Hände zu binden.

Marksteine in dieser Entwicklung waren der Friedensvertrag von Camp David zwischen Ägypten und Israel im Jahr 1978, als zum erstenmal eine arabische Regierung die Legitimität des zionistischen Staates anerkannte, und die israelische Invasion im Libanon im Jahr 1982, bei der sämtliche arabische Staaten tatenlos zusahen, wie Israel Beirut besetzte und die PLO aus dem Libanon vertrieb.

Diese Akte des Verrats bewiesen allerdings auch die grundlegende Untauglichkeit der nationalistischen Perspektive von Jassir Arafat und der PLO selbst. Der persönliche Mut der PLO-Führer und Kämpfer, auch Arafats, steht außer Zweifel. Die Gründung der PLO und ihre erklärte Absicht, das Land der Palästinenser zurückzugewinnen und einen demokratischen, säkularen Staat zu errichten, begeisterte einst die ganze Region. Die Bewegung gewann Massenunterstützung, besonders unter der Jugend, und nicht nur unter Palästinensern.

Die PLO ist jedoch niemals über die Grenzen des bürgerlichen Nationalismus hinausgegangen. Zuerst verbündete sie sich mit der UdSSR und versuchte, durch Balancieren zwischen dem Imperialismus und dem sowjetischen stalinistischen Regime Konzessionen zu gewinnen. Nachdem die PLO aus dem Libanon vertrieben worden war, wandte sich Arafat an das ägyptische Regime von Hosni Mubarak, damals schon ein treuer Parteigänger des amerikanischen CIA und US-Außenministeriums.

Die Allianz mit Kairo ebnete der PLO den Weg, ihre Opposition gegen den zionistischen Staat aufzugeben und die Zwei-Staaten-Politik - Israel und Palästina - anzunehmen. Dieser Rückzug wurde 1993 im Vertrag von Oslo besiegelt, der den sogenannten "Friedensprozess" einleitete. Der Händedruck zwischen Arafat und dem damaligen israelischen Premier Rabin im Weißen Haus zeigte an, dass sich die PLO nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion unter die Fittiche Washingtons begab.

Der gesamte "Friedensprozess" war eine groß angelegte politische Täuschung. Sein Kern bestand darin, die PLO in eine Polizeitruppe zur Kontrolle der palästinensischen Massen zu verwandeln, während Israel weiterhin seine Siedlungen ausweitete und sicherstellte, dass jeder zukünftige Palästinenserstaat nichts weiter als ein israelisches Protektorat sein würde. Die Unvereinbarkeit des "Friedensprozesses" mit den Bedürfnissen und Erwartungen der palästinensischen Massen zeigte sich während des Gipfels von Camp David im Sommer 2000 in aller Deutlichkeit, als US-Präsident Clinton Arafat unmissverständlich klar machte, dass Washington die Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge in ihre Heimat ebenso wenig zulassen werde wie den Aufbau eines lebensfähigen, vereinten Palästinenserstaates mit dem arabischen Teil Jerusalems unter palästinensischer Souveränität.

Dann kam Sharons Provokation in Ostjerusalem vom September 2000 und die brutale israelische Niederschlagung der darauf folgenden palästinensischen Proteste. Die amerikanische Reaktion auf Israels Taktik war im besten Falle halbherzig - wodurch Israels neue Repressionen und Provokationen in Wirklichkeit den stillschweigenden Segen der USA erhielten.

Die Wut und Verzweiflung der palästinensischen Jugend steigerte sich durch die Entlarvung des "Friedensprozesses" als grausamen Hohn und ihre Enttäuschung über die PLO-Politik. Seit ihrer Gründung nach dem Abkommen von Oslo war die palästinensische Autonomiebehörde niemals in der Lage, das Leben der palästinensischen Massen zu verbessern. Die Bedingungen in den verarmten palästinensischen Gebieten Gazas und der Westbank haben sich eher noch verschlimmert.

Dies sind die Umstände, die zu dem Phänomen der Selbstmordanschläge geführt haben. Solche Taten sind weniger das Ergebnis eines durchdachten Programms des politischen Terrorismus als Akte verzweifelten Widerstands.

Die Klagen der zionistischen Führer über den Terrorismus strotzen geradezu vor Heuchelei. Die jüdische Geschichte enthält zahllose Beispiele von Freiheitskämpfern, die zu terroristischen Taktiken Zuflucht nahmen, um gegen eine feindliche Übermacht zu kämpfen. Neben Moses, Josua, Samson und anderen, die laut dem Alten Testament Zehntausende Unschuldiger töteten, gibt es historische Figuren wie die Makkabäer, die im jüdischen Befreiungskampf, nach den Worten des israelischen Journalisten Uri Avneri, "Terroristen waren und hellenisierte Juden töteten". Die Zionisten selbst legten, wie Avneri ebenfalls ausführt, Bomben in den arabischen Märkten von Jaffa und Haifa, sprengten das King-David-Hotel in die Luft und schossen auf arabische Busse.

Wie hätte die Welt terroristische Akte von Juden beurteilt, die in Nazi-Deutschland oder dem besetzten Europa - selbst gegen zivile Ziele - erfolgt wären? Hätten die Attentäter nicht als Helden gegolten? Wie würden wir heute über die mutigen Bewohner des Warschauer Ghettos denken, wenn sie sich im Aufstand von 1943 einen Durchbruch freigekämpft hätten und dabei deutsche Soldaten, aber auch unschuldige Polen getötet hätten? Im selben Jahr verloren die Nazis tausend Versorgungszüge pro Monat durch Partisanenangriffe. Nicht alle Opfer dieser Anschläge trugen Uniform.

Der jüdische Nationalismus in Form des Zionismus hat einen Albtraum geschaffen - nicht nur für die Palästinenser. Die Beteiligung von Juden an Massenrazzien, Kollektivstrafen, politischen Morden und anderen brutalen Formen der Repression ist eine der schrecklichsten Ironien unserer Zeit. Die demokratischen und freiheitsliebenden Traditionen des jüdischen Volkes werden vom Zionismus in den Schmutz getreten und besudelt. Die gefährlichste Quelle des zeitgenössischen Antisemitismus sind in Wirklichkeit die israelischen Ausschreitungen gegen die Araber, die das ganze jüdische Volk in den Augen von Millionen Menschen rund um die Welt in Misskredit bringen.

Das Sharon-Regime und seine Terrorkampagne haben Israels letzten moralischen Kredit zerstört. Dies ist die reaktionäre Logik jedes Staates, der auf nationaler oder religiöser Ausschließlichkeit beruht - sei er jüdisch, islamisch oder was auch immer. Die Juden stehen heute vor der Frage, wie sie dieser Katastrophe entkommen können.

Wir sind davon überzeugt, dass es in Israel eine breite und wachsende Opposition gegen die Angriffe auf der Westbank gibt, auch wenn darüber in den US-Medien so gut wie nicht berichtet wird. Es gibt israelische Bürger, die die Selbstmordanschläge bedauern und dennoch fähig sind, die eigentliche Ursache für solche Taten in der Politik ihrer eigenen Regierung auszumachen. Viele Tausende haben israelischen Polizisten und Soldaten getrotzt und ihre Opposition zum Ausdruck gebracht, und Hunderte Reservisten verweigern den Dienst in den besetzten Gebieten. Dies allein widerlegt schon die Lüge, dass alle Gegner Sharons auf Seiten der Terroristen und Antisemiten seien.

Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass es keinen Frieden geben kann, bis der Staat und die Ideologie des Zionismus zurückgewiesen werden, bis all die reaktionären, vom Imperialismus gezogenen Grenzen fallen und die Krise der Region durch eine säkulare, demokratische und sozialistische Lösung beigelegt wird.

Die Redaktion 13. April 2002

Siehe auch:
Israel schafft die Voraussetzungen für Massenvertreibungen
(13. April 2002)
Israel richtet in Dschenin ein Massaker an
( 12. April 2002)
Chronologie eines Pogroms
( 10. April 2002)
Israelische Armee belagert Arafats Amtssitz
( 3. April 2002)
(Dieser Artikel ist auch in der gleichheit - September/Oktober 2002 enthalten.)

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