Der Regisseur und Satiriker Billy Wilder starb im Alter von 95 Jahren

Von David Walsh
24. April 2002

Der Regisseur Billy Wilder, dessen Filme wegen ihres Humors, ihres Zynismus und ihrer satirischen Aspekte berühmt waren, starb am 27. März im Alter von 95 Jahren in Beverly Hills, Kalifornien. Wilder, der in Österreich geboren wurde, aber seit 1934 in den USA lebte, führte 1981 bei seinem letzten Film Regie. Zu seinen bekanntesten Werken gehören "Frau ohne Gewissen" (1944), "Boulevard der Dämmerung" (1950), "Stalag 17" (1953), "Manche mögen's heiß" (1959), und "Das Appartement" (1960).

Obwohl ich glaube, dass es durchaus berechtigt ist, Vorbehalte gegenüber Wilders Werk zu haben, hat er sich auf jeden Fall einen Platz in der Geschichte des amerikanischen Kinos erobert. Wie Philip French im Observer feststellte, war er "der letzte lebende Vertreter dieser großen Generation von Filmemachern, die ihren bissigen Humor, ihre soziale Kultiviertheit und ihr visuelles Talent mit nach Hollywood brachten, nachdem sie von den Nazis aus Deutschland vertrieben worden waren". Zu dieser Generation, die durch das kulturelle und politische Leben in Deutschland und Österreich vor und nach dem Ersten Weltkrieg geprägt worden war, gehören viele bemerkenswerte Talente. Man muss da nur an Namen von Regisseuren wie Fritz Lang, Fred Zinnemann, Otto Preminger, Douglas Sirk, Edgar Ulmer, Robert Siodmak und Max Ophüls denken.

Wilder wurde 1906 in Sucha geboren, einer Stadt, die damals zum österreichisch-ungarischen Kaiserreich gehörte (jetzt liegt es in Süd-Polen). Sein Vater war in der Hotellerie beschäftigt, und seine Mutter, die schon mal in den USA gelebt hatte, liebte alles Amerikanische; sie gab ihrem Sohn den Spitznamen "Billy" nach Buffalo Bill Cody. Die Familie Wilder zog nach Wien. Zur Zeit des Zusammenbruchs des Habsburger Reichs und der ungarischen Revolution war Billy ein Jugendlicher. Nachdem er 1924 für kurze Zeit Jura studiert hatte, zog er zwei Jahre später nach Berlin und machte schließlich Bekanntschaft mit Leuten aus Filmkreisen. Mit "Menschen am Sonntag" (1930) begann er eine ernsthafte Karriere als Drehbuchschreiber. Die Co-Regisseure des Films waren Robert Siodmak, Curt Siodmak, Fred Zinnemann und Edgar Ulmer, das Drehbuch stammte von Wilder, und der Kameramann war Eugen Schüfftan; sie alle sollten ein paar Jahre später an bedeutender Stelle in Hollywood arbeiten.

Wilder war Jude und traf am Tag nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 Vorbereitungen, Deutschland zu verlassen. Mitglieder seiner Familie, die zurückblieben - seine Mutter, sein Stiefvater und sein Großvater - wurden später von den Nazis in Auschwitz ermordet. Nach seiner Abreise aus Deutschland legte Wilder einen kurzen Zwischenaufenthalt in Paris ein, reiste dann aber weiter in die USA und nach Hollywood, da er mit Columbia Pictures einen Sechs-Monats-Vertrag unterzeichnet hatte. Als der Vertrag auslief, war er zwei Jahre lang arbeitslos und teilte ein Zimmer mit dem ebenfalls im Exil lebenden Schauspieler Peter Lorre (Peter Lorre hatte in Deutschland mit dem linken Dramatiker Bertold Brecht gearbeitet). Wilder war entschlossen, Amerikaner zu werden. Später erzählte er einem Journalisten, der ihn interviewte, im Unterschied zu den meisten Flüchtlingen, die insgeheim hofften, nach Deutschland zurückkehren zu können "hatte ich nie solche Gedanken. Dies war meine Heimat... Ich hatte eine ganz klare Vorstellung:,Hier werde ich sterben.'"

1936 ging Wilder eine langwährende künstlerische Beziehung mit dem Schriftsteller Charles Brackett ein, einem Romanautor und früheren Theaterkritiker. Die beiden schrieben eine Reihe von erfolgreichen Drehbüchern für verschiedene Regisseure, darunter Ernst Lubitsch, Howard Hawks und Mitchell Leisen. Abgestoßen von Leisens Verhalten, das er als Kapitulation vor dem Schauspieler Charles Boyer während der Dreharbeiten zu "Das goldene Tor" ansah, entschloss sich Wilder, selber Regie zu führen. Sein erster Versuch (nach einem Drehbuch, das er und Brackett zusammen geschrieben hatten) war "Major und das Mädchen", ein unterhaltsamer Film, in dem Ginger Rogers sich als 12jährige ausgibt, um Fahrgeld für den Zug zu sparen, und das Interesse von Ray Millands auf sich zieht. Die Lolita-ähnlichen Implikationen sind dem Zensor offensichtlich nicht aufgefallen. Von Anbeginn an gibt es ein gegen die Regeln opponierendes Element in Wilders Filmen; in diesem Fall noch relativ mild ausgeprägt.

Die erste Arbeit, mit der er einen tiefen Eindruck hinterließ, war "Frau ohne Gewissen". Der Film basiert auf einem Roman von James M. Cain, einer der außergewöhnlich "hart gesottenen" Romanschriftsteller dieser Zeit, und untersucht die Lieblingsthemen des Autors - Ehebruch, Gier, Mord und die typische amerikanische Lebensart, den "American way of life". Und nicht nur das - Wilder schaffte es auch, dass der bekannte Krimi-Autor Raymond Chandler mit ihm zusammen das Drehbuch schrieb. Die Erfahrung war für beide nicht angenehm. Chandler war ein furchtbarer Trinker und Menschenhasser. Die Geschichte des Films handelt von einem Versicherungsvertreter, der sich mit einer bösartigen und unglücklichen Ehefrau zusammentut, um ihren Ehemann zu ermorden und die Versicherung zu kassieren. Natürlich geht am Ende alles schief. Der Film hat seine Schwächen - weder Walter Neffs (Fred MacMurray) Verwandlung vom schäbigen Vertreter zum kaltblütigen Mörder noch die Beziehung zwischen Neff und Phyllis Dietrichson (Barbara Stanwyck) wird voll entwickelt oder untersucht - aber er hat auch heute noch Bestand und enthält Augenblicke von wirklicher hartherziger Genialität. Es ist eine kleine amerikanische Tragödie. Edward G. Robinson ist besonders unvergesslich als Leiter der Versicherungs-Schadensabteilung, der Betrug wittert.

Der Film "Boulevard der Dämmerung", eine Kritik am Opportunismus, Selbstbetrug und Wahnsinn Hollywoods, wird unter Wilders Werken allgemein besonders hoch eingeschätzt. Der Leiter des Studios, Louis B. Mayer, war Berichten zufolge so erbost über den Film, der die verhängnisvolle Beziehung zwischen einem zynischen Drehbuchschreiber (William Holden) und einer alternden Diva der Stummfilmzeit (Gloria Swanson) erzählt, dass er aus einer Vorführung stürmte und brüllte: "Wir sollten diesen Wilder auspeitschen, wir sollten ihn aus dieser Stadt werfen! Er hat Schande über die Stadt gebracht, die ihn ernährt!"

Dieser Film war die letzte gemeinsame Arbeit von Wilder und Brackett. Wilder fand später einen Partner in I. A. L. Diamond, mit dem er fast 25 Jahre zusammenarbeitete und neben anderen Filmen "Ariane - Liebe am Nachmittag " (1957), "Manchen mögen's heiß", "Das Appartement" und "Küss mich - Dummkopf" (1964) machte.

Der nächste Film, bei dem Wilder Regie führte (und den er zum ersten Mal auch selber produzierte), nach dem viel bejubelten "Boulevard der Dämmerung", war "Reporter des Satans" (1951) - einer seiner bissigsten Filme. Ein intriganter Reporter (Kirk Douglas) verwandelt die Suche nach einem Mann, der in einer Höhle eingeschlossen ist, in eine Medienaufführung und nutzt die "ergreifende" Seite der Geschichte für seine eigenen Zwecke aus. Er verzögert absichtlich die Rettungsaktion, um die Spannung zu steigern, und der Mann stirbt. Dieser Angriff auf die Boulevardpresse auf dem Höhepunkt der McCarthy-Periode wurde nicht sehr freundlich aufgenommen.

Wilder machte, zumindest in der Öffentlichkeit, ein Geheimnis aus seinen politischen Überzeugungen. Ein Kommentator bemerkt: "Obwohl er [Wilder] ein,Sozialdemokrat' im europäischen Sinne und ein sozialistischer Sympathisant war, war er gleichzeitig weder ein Mitläufer, noch eine Anhänger oder ein Mann, der Versammlungen besuchte und der Parteilinie folgte. Selbst wenn er mit einer bestimmten Sache politisch übereinstimmte (z. B. war er einer Meinung mit den,feindlichen Zeugen', die sich weigerten, während der Hexenjagden des Kongresses in den späten 40er und 50er Jahren die Namen von Kommunisten zu nennen), konnte er es nicht lassen, Witze auf ihre Kosten zu reißen."

Wilder war einer derjenigen, die zusammen mit John Ford, John Huston, William Wyler und Richard Brooks den Präsidenten des Regisseursverbands, Joseph Mankiewicz, auf dem tumultartigen Treffen im Oktober 1950 unterstützten, als Letzterer durch eine Abstimmung abberufen werden sollte; diese Aktion war von dem rechten Cecil B. DeMille organisiert worden. Mankiewicz hatte sich geweigert, den Plan DeMilles zu unterstützen, wonach jedes Mitglied des Verbands gezwungen werden sollte, einen Treueeid zu unterzeichnen. Dies war der Höhepunkt von Wilders Opposition gegen die Hexenjagd, und das galt ebenso für die anderen eben erwähnten Regisseure. Genau wie sie akzeptierte er in den folgenden Jahren mehr oder weniger die Beschränkungen der amerikanischen Studio-Filmproduktion der Nachkriegszeit.

In dem Film "Stalag 17", der in einem deutschen Kriegsgefangenenlager spielt, wird ein durch und durch zynischer US-Unteroffizier (wieder von Holden gespielt) beschuldigt, ein Nazi-Spion zu sein, bevor er den Spieß in Bezug auf seine Peiniger umdreht. Ist es Zufall, dass Wilder als Reaktion auf die Hexenjagd McCarthys einen Film mit verschwommenen patriotischen Inhalten drehte? Vielleicht nicht. Er wurde mit Sicherheit mehr als einmal beschuldigt, sich an die vorherrschenden Strömungen in Hollywood anzupassen.

Etwa zu dieser Zeit (genau gesagt zu der Zeit, als "Sabrina" 1954 herauskam) schrieb Francois Truffaut einen einflussreichen Artikel in der französischen Filmzeitung Cahiers du cinéma, in dem er Wilder als Künstler zwar ein geringes humoristisches Talent zugestand, ihm aber die Fähigkeit zu ernsthafteren Filmen grundsätzlich absprach. Von dieser Zeit an verschlechterte sich Wilders Ruf bei den Kritikern.

Andrew Sarris, ein amerikanischer Kritiker, tat Wilder in seinem 1968 erschienenen "American Cinema" als Regisseur ab, der "zu zynisch ist, um seinen eigenen Zynismus ernst zu nehmen". Er erwähnt die Szene in "Stalag 17", in der die von Holden gespielte Figur "den Freunden im Gefangenenlager auf recht zynische Art und Weise Lebewohl sagt. Er beugt sich für einige Sekunden in den Fluchttunnel, taucht dann sehr schnell wieder auf, völlig unpassend, mit einem jungenhaften Lächeln und freundlichem Winken, und verschwindet dann endgültig. Holdens sentimentale, vergeudete Geste in einem zeitlich dicht inszenierten Melodram zeigt das Entwertungs-Prinzip in Wilders Kino."

Er kritisiert, dass Wilders "Konzept der politischen Verfeinerung" zu einer "Reihe von geschmacklosen Gags, zur Hälfte gegen links und zur Hälfte gegen rechts gerichtet", geführt habe. Sarris erklärt weiter, dass selbst die besten Filme Wilders "getrübt sind durch die Vorliebe des Regisseurs für grobe Karikaturen, besonders bei Nebenrollen. Sämtliche Filme Wilders sehen rückblickend schlechter aus, wegen visueller und struktureller Mängel." Später änderte Sarris bekanntlich seine Meinung ins Gegenteil. In seinem jüngsten Werk zollt er Wilder entschuldigend Tribut, wobei er bemerkt, er habe "Billy Wilder extrem unterbewertet, vielleicht mehr als jeden anderen amerikanischen Regisseur". Ich meine, dass Sarris Wilder 1968 unterbewertet hat und heute sein Werk überbewertet.

Der Film, der Wilder die höchsten Zuschauerzahlen brachte, war "Manche mögen's heiß", die Geschichte zweier Musiker in den 20er Jahren, die Zeuge eines Mords im Gangstermilieu werden und sich deshalb als Mitglieder eines Frauenorchesters ausgeben müssen, um sich vor den Gangstern, die sie verfolgen, zu verstecken. Der Film wurde zum größten Kassenschlager im Genre Komödie, den die Geschichte bis dahin gesehen hatte. Das Drehbuch ist unterhaltend und einfallsreich; aber der Film profitiert vor allem von der glücklichen Rollenbesetzung mit Jack Lemmon, Tony Curtis und Marilyn Monroe, die hier besonders hinreißend ist, zusammen mit Joe E. Brown, George Raft und anderen. "Manche mögen's heiß" trieb eine Entwicklung voran, die für eine tolerantere Einstellung gegenüber Sexualität in amerikanischen Filmen sorgte, und erschien zu einer Zeit, als die gesellschaftliche Stimmung sich änderte und die Zensurvorschriften, die seit den 30er Jahren galten, zusammenbrachen.

Möglicherweise durch seinen Erfolg ermutigt, wandte sich Wilder in dem Film "Das Appartement", einer Satire über die Geschäftswelt, wieder kritischerem Material zu. Lemmon spielt einen kleinen Angestellten, der auch deshalb in der Firma aufsteigt, weil er seinen Vorgesetzten sein Appartement für ihre außerehelichen Affären zur Verfügung stellt. Der Film nimmt auf recht grimmige Art und Weise den Konformismus, Opportunismus und die Korruption unter die Lupe, die im amerikanischen Geschäftsleben verbreitet sind.

Ganz nach Wilder-Art ließ er dem "Appartement", der wegen seiner Attacke auf die "kapitalistische" Wirtschaft gelobt wurde, den Film "Eins, zwei, drei" (1963) folgen, der sowohl die ostdeutschen als auch die amerikanischen Unternehmen satirisch darstellt. Weder "Küss mich - Dummkopf" noch "Der Glückspilz" (1966) sind wirklich beeindruckend, außer wegen ihres Zynismus. "Das Privatleben des Sherlock Holmes" (1970) war so etwas wie die Rückkehr zur Form; und der Film "Extrablatt" (1974) enthält nette Episoden, aber sie sind wie auch die später gedrehten "Fedora" (1978) und "Buddy, Buddy" Teil eines generellen Niedergangs.

Was aber nach Ansicht der Hollywood-Studios noch wichtiger war - Wilder, der sechs Oscars gewonnen hatte, war kein garantierter Kassenerfolg mehr. Wie Gavin Millar 1980 erklärte: "Auch Satiriker werden, in dem Land, das sie satirisch darstellen, nicht geehrt, und Wilder blieb nur durch den finanziellen Erfolg seiner Film die ständige Verurteilung erspart."

In den letzten zwanzig Jahren ging Wilder offensichtlich ganz regelmäßig jeden Tag in sein Büro und hoffte immer noch, dass ihm die Möglichkeit geboten werde, wieder einen Film zu machen. Er bekam die Gelegenheit nicht. (Zeitweilig war er daran interessiert, die Rechte für "Schindlers Liste", zu bekommen.) Verständlicherweise war Wilder aufgebracht über seine Untätigkeit und die stillschweigende Respektlosigkeit. In den 80er Jahren wurden ihm von der "Academy of Motion Picture Arts and Sciences", dem "American Film Institute" und ähnlichen Einrichtungen eine Reihe von Auszeichnungen verliehen, die er "Schnell-bevor-sie-abkratzen"-Preise nannte.

Wilder hatte eine eindeutige Meinung über den Niedergang der Filmindustrie. Im Januar 2000 erklärte er gegenüber einem Journalisten: "Heutzutage ist es viel schwieriger, Regie zu führen. Die Geldleute bestimmen alles; sie diktieren, was getan wird. Als ich Filme machte, da gingen wir ins Chef-Büro und sagten ihnen, was wir tun wollten, und dann taten wir es."

Die verschiedensten Einwände können gegen Wilder vorgebracht werden. Kritiker haben ihm ständig seinen ausgeprägten Zynismus vorgeworfen, wie auch seine schon oben erwähnte Tendenz, seine Filme - oder zumindest deren Ende - auf die Marktbedürfnisse zuzuschneiden. 1960 erwiderte Wilder darauf ziemlich scharf: "Ich engagiere mich, ich bin nicht hinter dem schnellen Geld her. Ich wollte zeigen [in "Das Appartement"] wie korrupt wir sind, wie geld-geil wir sind... ich denke, das ist das Thema aller meiner Filme. Vielleicht ist meine Philosophie zynisch, aber ich muss zu dem stehen, was ich empfinde." Sarris erklärt, eins der "sich wiederholenden Themen" sei das "des erbärmlichen Opportunisten, der sehnsüchtig nach Erlösung sucht".

Millar kommentiert: "Die Wahrheit ist, niemand kommt in einem Film von Wilder gut weg. Diese Weigerung, Sympathie zu zeigen oder moralische Urteile abzugeben, wurden ihm als Kälte, Bitterkeit und Verachtung gegenüber dem Publikum oder, noch allgemeiner, gegenüber der Menschheit ausgelegt; und gleichzeitig haben seine Kritiker es meistens geschafft, Wilder schlechten Geschmack vorzuwerfen... Es trifft allerdings viel häufiger zu, dass er einfach nur beschimpft wurde, weil er die Wahrheit über einen unangenehmen Bereich menschlichen Verhaltens gesagt hat."

Obwohl das ganz allgemein richtig ist, ist es vielleicht doch ein bisschen zu wohlwollend, genauso wie die Kehrtwende in der Kritik von Sarris. Zweifellos haben viele, die Wilders Zynismus kritisierten, sich einfach nicht die Mühe gemacht, sich die Institutionen oder Gewohnheiten genauer anzuschauen, die der Filmemacher satirisch aufs Korn nahm. Dafür verdient Wilder Anerkennung. Es gibt keinen Grund sich in Bezug auf den Zustand der Lebensverhältnisse oder der Moral in Amerika zurückzuhalten.

Damit ist die Sache aber noch nicht geklärt. In fast allen seinen Filmen fehlen gewisse Elemente, Mitgefühl zum Beispiel und ein Sinn für eine Alternative zur existierenden Realität, selbst eine moralisch oder gefühlsmäßig geprägte. Zum Teil erscheinen seine Angriffsziele ein bisschen zu offensichtlich, das Werk als ganzes ein wenig zerbrechlich, wie ein helles, glänzendes Objekt im Wasser, das nahe an oder unter der Oberfläche bleibt. Im Großen und Ganzen fehlt es den Filmen an herausragender Resonanz, Gehalt und Tiefe, zumindest im Vergleich mit den wirklich großen Filmen.

Es ist erwähnt worden, dass Wilder wahrscheinlich der bekannteste Regisseur ist, der Familienmitglieder im Holocaust verloren hat. Es ist möglich, dass es deshalb Gefühle gibt, die zu schmerzhaft sind, um ihnen auf den Grund zu gehen, Gefühle, die er durch ein Zuviel an nicht ganz überzeugendem höhnischen Spott überkompensierte.

Vielleicht sollte man sich letztendlich nicht soviel mit dem beschäftigen, was in Wilders Werk fehlt, und das schätzen, was vorhanden ist. Innerhalb der Grenzen der kommerziellen Filmindustrie, verkörperte er die Prinzipien von Satire und Ironie; sie sind berechtigt und fehlen in der zeitgenössischen Kinowelt gänzlich. Er ist ein Gigant im Vergleich zu fast allen, die heute in Amerika Filme machen.

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