Im Norden Sri Lankas: Der Kampf ums Überleben in den Kriegsruinen

Von M. Aravinthan
8. Oktober 2002

Der folgende Artikel ist ein Augenzeugenbericht über die soziale Lage in den kriegszerrütteten nördlichen Gebieten Sri Lankas. Im Februar hat die United National Front-Regierung (UNF) in Colombo mit der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen. Die Medien verkündeten lautstark, dieses Abkommen würde eine neue Friedensära einleiten und einen höheren Lebensstandard bringen. Für die normale arbeitende Bevölkerung auf der Halbinsel Jaffna hat sich die materielle Situation seitdem jedoch nicht grundlegend geändert.

Die Hauptverkehrsstraße A9 von Colombo nach Jaffna führt durch Vavuniya, der am meisten südlich gelegenen Stadt der srilankischen Nordprovinz. Weitere 15 Kilometer nördlich liegt Omanthai und kurz darauf gelangt man in den LTTE-kontrollierten Teil der Wanni-Region mit den Kleinstädten Puliyankulam, Mankulam, Kilinochchi und Paranthan. Anschließend erreicht die A9 den Elefantenpass - das Tor zur Halbinsel Jaffna. Weiter nördlich liegen die Ortschaften Palai und schließlich der vom srilankischen Militär kontrollierte Ort Muhamalai. Bis zur Stadt Jaffna, der größten Stadt im Norden Sri Lankas, sind es noch 30 Kilometer.

Obwohl die Strecke zwischen Omanthai und Muhamalai nicht einmal 100 Kilometer beträgt, braucht man sechs Stunden und länger, um diese Entfernung mit dem Bus zurückzulegen. Die Busse müssen vier Kontrollpunkte passieren, jeweils zwei Kontrollpunkte der Armee und zwei der LTTE. Bei jedem Haltepunkt kommt es zu langen Verzögerungen: die Passagiere müssen die Fahrzeuge verlassen und das Gepäck wird kontrolliert. Das Personal der LTTE verlangt Abgaben für jeden mitgeführten Wertgegenstand.

Das LTTE-kontrollierte Gebiet der Wanni-Region ist die mühsamste Teilstrecke der Reise. Erst vor kurzem (nach dem Waffenstillstandsabkommen) hat man die Straße provisorisch ausgebessert und die zahlreichen Schlaglöcher mit Erde und Sand aufgefüllt. An beiden Seiten der Straße erblickt man in kurzen Abständen an Bäumen oder Stangen befestigte gelbe Stoffstreifen mit Symbolen, die auf die Gefahr von Minen hinweisen.

Auf der 60 Kilometer langen Strecke zwischen Omanthai und Kilinochchi gibt es überhaupt keine Lebenszeichen, denn es existieren keinerlei Einrichtungen mehr, in die Menschen zurückkehren könnten. Kilinochchi war einst eine wichtige Stadt in der Wanni-Region und in seinen Straßen wimmelte es von Menschen. Aber heute sind Marktplatz, Regierungsgebäude, Schulen, Tempel, Kirchen, Läden, Büchereien und viele Häuser völlig zerstört. Der Großteil der Verwüstungen geht auf Luftangriffe und Artilleriebeschuss durch das srilankische Militär zurück.

Auch nördlich vom Elefantenpass, zwischen Mirusuvil und Ariyalai einschließlich der Ortschaften Chavakachcheri und Kaithadi sind die meisten Häuser und öffentlichen Gebäude zerstört. Dieses Gebiet wurde in den heftigen Kampfhandlungen 2000 verwüstet. Damals hatte die LTTE den strategischen Militärstützpunkt Elefantenpass erobert und dann versucht, möglichst schnell in den Norden vorzudringen und sie war nahe daran die Stadt Jaffna einzunehmen. In einem vehementen Gegenangriff hatten die srilankischen Streitkräfte das Gebiet mit Luftangriffen und unter Einsatz von Mehrrohr-Kanonen weitgehend in Schutt und Asche gelegt. In Chavakachcheri wurden die beiden renommierten weiterführenden Schulen Drieberg College und Hindu College sowie der Marktplatz, der Bahnhof und andere Gebäude zerstört.

Eine Frau, die im Krieg aus dem Gebiet bei Chavakachcheri fliehen musste, meinte: "Mein Mann war als Arbeiter in einer Schule beschäftigt. Unser Haus in der Ortschaft Mattuvil South wurde zerstört. Wir hielten dort einige Hühner, um das Einkommen meines Mannes aufzubessern. Nun leben wir zusammen mit vier weiteren Familien in einem kleinen Haus in Nallur, einem Stadtteil von Jaffna. Ich habe zwei Töchter im Schulalter. Mein Mann hat vorübergehend Arbeit in einer anderen Schule. Sein [Monats-]einkommen reicht gerade einmal für zehn Tage. Ja, die Friedensgespräche bringen uns vorübergehend Erleichterung, aber ich glaube nicht, dass eine Chance besteht, dass sich unsere Bedingungen wirklich verbessern."

Tausende von Flüchtlingen

K. Thevarajah erzählte uns Folgendes. "Nach dem Waffenstillstand sind wir aus dem LTTE-kontrollierten Gebiet der Wanni-Region zurückgekehrt, um wieder in unserem Haus in Ariyalai zu leben. Aber die srilankischen Streitkräfte erlaubten uns nicht, dort hin zu fahren. Mein Haus ist zerstört und in dem Gebiet gibt es noch immer Landminen. Ein Bekannter von mir ist von einer Landmine getötet worden. Ich wohne nun im Haus eines Verwandten. 1995, kurz bevor die Armee Jaffna eroberte, hatte die LTTE uns angewiesen, in die Wanni-Region zu fliehen. Wir hatten unser Zuhause verlassen, ohne irgendetwas mitzunehmen und sind dann nach Puthukudiyirippu in der Wanni-Region gegangen, wo wir mit immensen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Tausende von Menschen hatten keinen anderen Schutz als Bäume oder mussten an der Straße leben."

Eine Lehrerin war zusammen mit ihrer Familie unter den Hunderttausenden von Menschen, die die LTTE angewiesen hatte, in der Nacht des 31.Oktober 1995 in die Wanni-Region zu flüchten. Wie sie uns erzählte, rutschte ihre Tochter in den flüchtenden Menschenmassen aus und stürzte in die Navatkuli-Lagune. Sie kam nur knapp mit dem Leben davon, da einige der Flüchtlinge ihr zu Hilfe kamen und sie retteten.

"Der Krieg bringt uns sehr viel Leid", sagte sie. "Wird der Waffenstillstand andauern oder wird er, wie in der Vergangenheit, nur vorübergehend sein? Die Wirtschaft in Jaffna ist am Boden. Viele Familien sind abhängig von den Geldüberweisungen ihrer Söhne und Töchter, die das Land verlassen haben, um dem Schrecken des Krieges zu entkommen. Im Moment gibt es so gut wie keine Beschäftigungsmöglichkeiten."

Tausende Flüchtlinge, die während des Krieges ihre Häuser verlassen mussten, versuchen nun nach Hause zurückzukehren. Seit dem Waffenstillstand sind mehr als 500 Familien aus der Wanni-Region auf die in der Nähe der Stadt Jaffna liegenden Inseln Kayts und Karainagar zurückgekehrt. Sie sind gezwungen in provisorischen Hütten zu hausen oder völlig beengt bei Verwandten oder Bekannten unterzukommen. Aus Dörfern wie Shanthipuram und Thoppukadu auf der Insel Karainagar und aus Paruthiyadaippu auf der Insel Kayts mussten in den 90er Jahren etwa ein Tausend Familien fliehen. Viele können nicht mehr zurückkehren, weil ihre Dörfer besetzt und in Marinestützpunkte verwandelt wurden.

Seit dem Waffenstillstandsabkommen wurden neue Marinestützpunkte in Nähe des Hauptstützpunktes in Karainagar errichtet. Dazu gehört das mit Stacheldraht umzäunte Gebiet Thalavolai und Palavodai in Karainagar wie auch Gebiete auf der Insel Kayts, eines ein bisheriger Stützpunkt einer Wohltätigkeitsorganisation und eines ein ehemaliges Lager der Eelam Peoples Democratic Party.

Wegen der Marinestützpunkte dürfen die einheimischen Fischer nachts nicht auf Fischfang gehen. Das gesamte Gebiet, darunter Kayts, Karainagar, Mandathivu und Delft, wurde zur Hochsicherheitszone erklärt. Die Einheimischen sind arme Bauern, Fischer und Arbeiter. Sie führen ein sehr hartes Leben, da die Nahrungsmittelversorgung und die medizinische Versorgung völlig unzureichend sind. Selbst für Trinkwasser müssen sie weite Entfernungen zurücklegen.

Ein Fischer erzählte uns: "Die Schikanen gegen Fischer halten auch nach dem Waffenstillstandsabkommen weiterhin an. Am 7. August hat die Marine 13 Fischerboote in der Karainagar-Bucht im Seegewässer von Kayts abgefangen und 75 Fischer festgenommen, ich war einer von ihnen. Die Marine wollte uns der Polizeibehörde von Kayts übergeben, musste uns aber freilassen, da die Menschen protestierten."

Der Fischer Alexander erzählte von Fischern, die in einem bestimmten Gebiet ‚Beach Demurs' (eine teuere Meeresdelikatesse) fangen wollten und davon ausgingen, dass die Marine ihnen dort keine Probleme machen würde. "Aber es hat sich nichts geändert, unser Leben ist immer in Gefahr", sagte er.

Keine Arbeitsplätze

Im Jaffna-Distrikt hat es seit jeher immer nur einige wenige Industriebetriebe gegeben. Die meisten sind im Krieg zerstört worden und die wenigen noch bestehenden Fabriken können nicht arbeiten, da sie ohne Stromversorgung sind. Die größte Fabrik auf der Halbinsel Jaffna - die Zementfabrik in Kankesanthurai - musste den Betrieb einstellen, weil das Gebiet zur Hochsicherheitszone erklärt wurde.

Ein in der Stadt Jaffna lebender Arbeiter aus Kankesanthurai sagte: "Über 7.000 Familien aus Palaly, Myliddy, Keerimalai, Thaiyiddy und Maviddapuram und dem Gebiet um Kankesanthurai (im Allgemeinen bekannt als Valligamam North) sind vor 1990 vertrieben worden. Die meisten dieser Menschen leben nun in Flüchtlingslagern in Inuvil, Kantharodai, Maruthana Madam oder kommen bei Bekannten unter. Wir können nicht in unsere Gebiete zurück, weil unsere Dörfer und Kleinstädte zu Hochsicherheitszonen erklärt wurden."

Der wichtigste srilankische Militärstützpunkt der Halbinsel Jaffna befindet sich in Palaly. Man hat alle Häuser von Vasavilan bis Palaly mit Bulldozern in den Boden gestampft, um den Militärstützpunkt auszudehnen. Verteidigungsminister Austin Fernando sagte bei einer Sitzung der Distriktbehörde in Tellipalai im vergangenen Monat, dass sich aus Sicherheitsgründen keine Personen wieder in Valligamam North ansiedeln dürften.

Aufgrund der starken Landverminung liegt das Agrarland auf der Halbinsel Jaffna größtenteils brach. Ein Großteil des fruchtbaren Landes in Gebieten des Jaffna-Distrikts wie Urumpurai, Vasavilan und Tellipalai ist durch den Krieg wieder zum Dschungel geworden. Infolgedessen sind über 75 Prozent der Menschen auf der Halbinsel arbeitslos.

Die Situation für Studenten ist gleichermaßen kritisch. Der Sekretär der Jaffna University Employees Union (Gewerkschaft des Personals der Universität Jaffna), Thavarajah, berichtete: "Die Universität Jaffna hat nur sehr wenige PCs. Im Jaffna-Distrikt ist die Arbeitslosenrate sehr hoch. Etwa 90 Prozent der Studenten sind nach Abschluss ihres Studiums ebenfalls arbeitslos. Nur Medizinstudenten finden Arbeit."

Ein Student meint: "Früher gab es gewisse Chancen einen Job in den USA oder in Europa zu finden. Aber diese Option existiert inzwischen so gut wie nicht mehr."

Unterkunft zu finden ist ein sehr großes Problem in Jaffna. Die meisten Häuser wurden zerstört und viele Gebiete wurden in Minenfelder verwandelt. Regierungsminister T. Maheswaran räumt ein, dass das srilankische Militär momentan etwa 1.500 Häuser im Distrikt bewohnt. Darum ist, wie die tamilische Zeitung Thinakural berichtet, eine Wiederbesiedelung auf 40 Prozent der Distriktfläche aus Sicherheitsgründen nicht möglich.

Die Straßen und Bahnwege im Distrikt sind fast völlig zerstört. Die Bahnstrecke von Thandikulam (nahe Vavuniya) bis Kankesanturai - eine Strecke von etwa 160 Kilometern - ist wie ausradiert: Die srilankische Armee und die LTTE haben die Gleise und Schwellen zum Bau von Bunkern verwendet. Die Hauptverkehrsstraßen werden seit über zwanzig Jahren nicht mehr systematisch gewartet und sind voller Schlaglöcher. Es gibt einige private und öffentliche Busse, aber man muss Stunden warten, um mit einem dieser Busse zu fahren. Sie sind in schlechtem Zustand und es kommt sehr häufig zu Pannen. Schüler müssen lange Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen, um zu ihren Schulen zu gelangen. Ein Trikshaw (Motorroller-Taxi) verlangt für eine Strecke von fünf Kilometern etwa 150 Rupien (etwa 1,50 Euro), mehr als der Tageslohn eines Arbeiters.

Die Armee hält noch immer mehrere Schulen besetzt. Andere Schulen liegen inmitten großer Militärstützpunkte. Die Schule Velanai Madya Maha Vidyalayam in Kayts befindet sich in einem 10 Hektar großen Marinestützpunkt. Täglich müssen die Schüler ihre Namen an einem bestimmten Wachtposten registrieren lassen. Das Hartley College in Point Pedro, nördlich der Stadt Jaffna, liegt ganz in der Nähe eines Militärgebäudekomplexes und Lehrer wie Schüler müssen einen Kontrollpunkt der Armee passieren. Die Schule Thoppukadu Sampan in Karainagar ist geschlossen, weil sie in einer Hochsicherheitszone liegt. Die Schule Velanai Iynar Vidyalayam wurde durch Luftbombardierungen zerstört.

Ein Arbeiter der Zementfabrik von Kankesanthurai erklärte: "In diesem Gebiet [nördlich der Stadt Jaffna] hat man über 25 Schulen geschlossen. Das Nadeswara College in Kankesanthurai hält die Armee noch immer besetzt. Das Tellippali Union College hat [die Armee] vergangenen Monat geräumt, aber Eltern ist der Zutritt nicht erlaubt. Das Tellippali Krankenhaus wurde verlegt. Trotz des Waffenstillstandsabkommens müssen wir sehr viel Leid ertragen."

Ungenügende Gesundheitsversorgung

In den meisten Krankenhäusern auf der Halbinsel Jaffna herrscht ein sehr großer Mangel an Ärzten, Krankenpersonal und Medikamenten. Die Warteschlange ambulanter Patienten im zentralen Krankenhaus in der Stadt Jaffna, dem Jaffna General Hospital, umfasst täglich bis zu 500 Personen. Patienten mussten sterben, weil benötigte Medikamente nicht verabreicht werden konnten.

Mehrere Krankenschwestern erzählten den Reportern der WSWS: "Wir haben die größten Schwierigkeiten, das Leben unserer Patienten zu retten, da nicht genügend Ärzte und Medikamente vorhanden sind. Das Krankenhaus-Tiefkühlgerät (für Operationszwecke) wurde 1995 von der britischen Regierung gespendet, ist aber erst 2002 an seinem Bestimmungsort eingetroffen. Nun haben wir keine Techniker, um das Gerät anzuschließen. Wir haben keine entsprechenden Transportmittel, um Patienten zur Behandlung nach Colombo oder an andere Orte zu bringen.

Die einzige Einrichtung zur Behandlung der Tuberkulose ist das Krankenhaus in Myiliddy. Das Krankenhaus ist jedoch nun geschlossen, weil dieses Gebiet ebenfalls in der Hochsicherheitszone liegt. Das Regierungskrankenhaus in Kayts hat 48 Betten, einen 80jährigen Arzt, der Teilzeit arbeitet, und drei Krankenschwestern. Die Patienten werden meist in das 20 Kilometer entfernte Krankenhaus in der Stadt Jaffna transportiert. Aber für Kayts und weitere Gebiete wie Punguduthivu, Nainathivu und Velanai steht nur ein Krankenwagen zur Verfügung.

Loganayahi ist Beschäftigter des Krankenhauses Velanai. Er schilderte uns die Schwierigkeiten wie folgt: "In unserem Krankenhaus können nur einfache Krankheiten wie Fieber oder Husten behandelt werden. Wenn ein Patient eine Verletzung hat, müssen wir Verbandsmaterial von anderswo beschaffen. Im Krankenhaus arbeitet nur ein Arzt. Er kommt dienstags und freitags. An den anderen Wochentagen betreut er das Krankenhaus Punguduthivu. Es gibt keine Transportmittel oder Kommunikationsmöglichkeiten. Eine schwangere Frau ist im vergangenen Jahr gestorben, weil kein Transportmittel vorhanden war."

Steuern und hohe Preise

Die Schwierigkeiten, mit denen die normale arbeitende Bevölkerung zu kämpfen hat, werden durch die Handlungen von Regierung und LTTE noch verschärft. Nach dem Waffenstillstandsabkommen hat die LTTE begonnen in ganz Jaffna Büros zu eröffnen und nutzt ihre Kontrolle der Hauptverkehrsstraße A9, um Steuern und Abgaben einzuziehen.

Auf jeden Artikel, der nach Jaffna mitgeführt wird, erhebt die LTTE eine Steuer von 25 Prozent und mehr. Für ein Trikshaw, das in Colombo für etwa 150.000 Rupien erworben wird, verlangt die LTTE beispielsweise Steuern in Höhe von 65.000 Rupien. Auf jeden Apfel wird eine Steuer von einer Rupie erhoben. Ein Angelgerät, das zum Fangen von ‚Beach Demurs' benötigt wird, kostet zum Beispiel 2.500 Rupien und wird mit 250 Rupien besteuert.

Die LTTE hat auch versucht, den Handel mit verschiedenen Waren einzuschränken. Bauern müssen Steuern für den Export von landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Chilis, Bananen, Tabak, Zwiebeln usw. bezahlen. Fischer, die Garnelen für Exportzwecke fangen, sind angehalten, ihr Produkte für 700 Rupien pro Kilogramm an die LTTE zu verkaufen. Die gleichen Krebse werden dann für 1.650 Rupien in Colombo verkauft.

Ein Bauer aus dem LTTE-kontrollierten Gebiet der Wanni-Region erzählte uns: "Die LTTE besteuert die Bauern sehr hoch. Für Dünger, Pestizide und andere Güter, die Bauern benötigen, werden hohe Preise verlangt. Die Preise hier sind dreimal so hoch wie die Preise in Colombo. Bauern können sich diese hohen Kosten nicht leisten, und viele Reisfelder werden über lange Zeiträume hinweg gar nicht bestellt und werden wieder zu Ödland."

Er fuhr fort: "Meine einzige Tochter hat sich der LTTE angeschlossen und wurde in einem Kampf mit den srilankischen Streitkräften getötet. Mein Sohn ist ebenfalls bei der LTTE und die LTTE hat unsere Familie zur Heldenfamilie erklärt! Die LTTE verlangte aber dennoch Steuern von mir und das lehnte ich ab."

Bemerkungen wie diese sind Ausdruck einer allgemeinen Stimmung von Misstrauen, Ablehnung und Feindschaft gegenüber allen Parteien, die unter den Tamilen im Norden Sri Lankas herrscht. Sie richtet sich sowohl gegen die Parteien in Colombo, die beinahe zwei Jahrzehnte lang einen brutalen Krieg gegen die tamilische Minderheit führten, als auch gegen die LTTE, die ihre eigene Willkürherrschaft errichtet hat und demokratische Grundrechte schonungslos mit den Füßen tritt.

Siehe auch:
LTTE beugt sich dem internationalen Kapital
(25. September 2002)
Augenzeugenbericht über die Situation in den LTTE-kontrollierten Gebieten in Sri Lanka
( 23. Juli 2002 )

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