Internationale Kampagne gegen Angriffe auf Sozialisten in Sri Lanka

Die "Asian Tribune" veröffentlicht die Antwort der WSWS auf einen Verteidiger der LTTE

Von der Redaktion
19. Oktober 2002

Die "Asian Tribune", eine von Tamilen in aller Welt viel gelesene Zeitung, veröffentlichte am 12. Oktober eine Antwort von David North, dem Vorsitzenden der WSWS-Redaktion, auf eine ausfallende Kritik an der WSWS-Kampagne zur Verteidigung der Socialist Equality Party (SEP) in Sri Lanka. Der Hintergrund: Offizielle Vertreter der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) auf der Insel Kayts im Norden Sri Lankas haben Mitglieder der SEP bedroht, und am 8. Oktober wurde ein SEP-Mitglied, das auch in der Fischergewerkschaft von Kayts eine Funktion hat, von einem bekannten LTTE-Mann angegriffen.

Am 6. Oktober hatte die "Asian Tribune" die Erklärung, die am Vortrag auf der WSWS erschienen war, im vollen Wortlaut veröffentlicht. Sie schildert im Einzelnen die Drohungen der LTTE und ruft zu einer internationalen Kampagne auf, um die demokratischen Rechte der SEP zu verteidigen. Am 7. Oktober veröffentlichte die "Tribune" dann die Zuschrift eines tamilischen Journalisten, V. Thangavelu, der eine Attacke gegen die WSWS-Kampagne ritt und der srilankischen SEP vorwarf, sie habe die Drohungen der LTTE gegen ihre Mitglieder frei erfunden. V. Thangavelu hatte diesen Brief am 5. Oktober an die WSWS geschickt und der "Tribune" eine Kopie zukommen lassen.

Der Herausgeber der "Tribune", K. T. Rajasingham, bat die Redaktion der WSWS um eine Stellungnahme zu V. Thangavelus Vorwürfen. Am 12. Oktober schickte David North eine Antwort, und die "Tribune" veröffentlichte sie noch am selben Tag unter der Überschrift: "Redaktion der World Socialist Web Site klärt die Sachlage zu unserer vollsten Zufriedenheit". Unter Norths Brief folgte noch einmal bekräftigend: "Die Erklärung der Redaktion der World Socialist Web Site hat uns überzeugt und zufrieden gestellt."

Wir veröffentlichen an dieser Stelle den Brief V. Thangavelus und die Antwort von David North.

Sehr geehrte Redaktion,

Ihre SEP fischt eindeutig in trüben Gewässern. Nur durch Web-Seiten kann man überhaupt etwas über die SEP und ihre Aktivitäten erfahren. Nach allem, was man so hört, ist die SEP ganz klar eine Splittergruppe, die die armen tamilischen Fischer in Kayts ausnutzt. Nicht zum ersten Mal vergießen hier Trotzkisten krampfhaft Krododilstränen für die "arme tamilische Arbeiterklasse". Das haben vor Ihnen schon N. M. Perera, Colvin R. de Silva und Konsorten versucht, aber vergebens!

Ich kann einfach nicht glauben, dass die LTTE Ihre Splittergruppe ernst nimmt. Die Todesdrohungen sind offenbar Ihrer Einbildung entsprungen, besonders die Unterstellung, Semmanan habe den Namen Rajiv Gandhis aufs Tapet gebracht! Bitte nennen Sie mir die Namen der Funktionsträger der Fischer-Kooperativ-Gewerkschaft, damit ich den Wahrheitsgehalt Ihrer Vorwürfe überprüfen kann.

Thangavelu

* * *

Sehr geehrter Herr Rajasingham,

Danke für Ihren Brief.

Die Glaubwürdigkeit der Erklärungen, die auf der World Socialist Web Site zu dieser Frage erschienen sind, steht außer Frage. Die LTTE hat Mitglieder der Socialist Equality Party auf der Insel Kayts, im Norden Sri Lankas bei Jaffna, tatsächlich bedroht. Unsere Berichte lassen an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Wir nennen den LTTE-Funktionär, der die Drohungen gegen die SEP vorgebracht hat, sowie den Zeitpunkt, den Ort und die Umstände dieser Äußerungen. Wir nennen auch den Namen des Killers, der vor drei Tagen versucht hat ein SEP-Mitglied zu ermorden.

Thangavelu dagegen versucht nicht einmal, die Tatsachen zu widerlegen. Er führt lediglich seine eigene subjektive Einschätzung an: "Ich kann einfach nicht glauben, dass die LTTE Ihre Splittergruppe ernst nimmt." Was er glauben möchte oder nicht, bleibt natürlich ihm überlassen, Tatsache ist jedoch, dass die LTTE bereits früher Anhänger und Mitglieder der SEP im Norden Sri Lankas angegriffen hat. Im Jahr 1998 wurden vier Mitglieder der SEP von der LTTE verhaftet. Drei von ihnen blieben nahezu zwei Monate lang eingesperrt, der vierte 13 Tage. Erst eine internationale Kampagne zur Verteidigung der Verschleppten sorgte schließlich für ihre Freilassung.

Thangavelus haarsträubende Behauptung, die jüngsten Todesdrohungen gegen SEP Mitglieder seien lediglich unserer "Einbildung entsprungen", ist inzwischen durch die ernsten Wunden widerlegt, die ein LTTE-Attentäter am 8. Oktober Nagarajah Kodeeswaran bei einem Mordversuch mit einem Messer beigebracht hat. Möchte Thangavelu nun vielleicht behaupten, dass Genosse Kodeeswaran sich selbst verletzt hat?

Thangavelus Anspruch auf Objektivität wird durch seine Sprache zunichte gemachte. Er bezeichnet die SEP als "Splittergruppe", um diejenigen zu verwirren, die sich in der srilankischen Politik nicht auskennen. Tatsache ist, dass die SEP als politische Partei auf eine Geschichte von mehr als 30 Jahren zurückblickt. Zu ihrer Führung gehören hoch angesehene, führende marxistische Sozialisten wie Generalsekretär Wije Dias, der seit mehr als 40 Jahren in der Arbeiterbewegung von Sri Lanka aktiv ist. Gerade die tiefe historische Verwurzelung der SEP in der srilankischen und internationalen sozialistischen Bewegung stößt bei Thangavelu auf Widerwillen und Ressentiments. "Nicht zum ersten Mal vergießen hier Trotzkisten krampfhaft Krododilstränen für die ‚arme tamilische Arbeiterklasse’. Das haben vor Ihnen schon N. M. Perera, Colvin R. de Silva und Konsorten versucht, aber vergebens!", schreibt er.

Diese Sätze werfen ein deutliches Licht auf die chauvinistische Politik, die Thangavelus Hass auf die SEP zugrunde liegt. Sein Angriff auf N. M. Perera und Colvin R. de Silva bezieht sich auf die mutigen Bemühungen der LSSP aus der Zeit vor 1963, die singhalesische und die tamilische Arbeiterklasse im Kampf für den Sozialismus gegen die nationale Bourgeoisie zusammenzuschließen. Der große, mit Massendemonstrationen verbundene Generalstreik zu Beginn der fünfziger Jahre war der historische Höhepunkt dieser starken sozialen Bewegung der singhalesischen und tamilischen Massen. Später, nach ihrer tragischen Entscheidung zum Eintritt in die Koalitionsregierung mit Bandaranaike im Jahr 1964, verriet die LSSP die internationalistischen Prinzipien, auf denen der Kampf für die Einheit von Singhalesen und Tamilen basiert hatte.

Die Revolutionary Communist League (Vorläuferorganisation der SEP) ging aus dem Kampf gegen diesen Verrat hervor. In den nächsten Jahrzehnten führte die RCL/SEP eine unermüdliche Kampagne zur Verteidigung der demokratischen Rechte des tamilischen Volkes in allen Teilen Sri Lankas. Sie bekämpft seit eh und je jede Form des singhalesischen Chauvinismus, lehnt aber zugleich die politisch bankrotte und reaktionäre separatistische Perspektive der LTTE ab.

Nun, da sich die LTTE - in den zynischen Ausführungen ihres Cheftheoretikers Anton Balasingham - zu dem Eingeständnis genötigt sieht, dass sie mit ihrer langjährigen separatistischen Perspektive Schiffbruch erlitten hat, drischt sie auf diejenigen ein, deren Kritik sich bestätigt hat. Es ist bekannt, dass die LTTE regelmäßig zu prinzipienlosen und terroristischen Methoden greift.

Thangavelu heuchelt Empörung über die Erklärungen der SEP, als ob es abwegig wäre zu behaupten, dass die LTTE gegen ihre politischen Gegner Gewalt anwendet. Aber jeder, der die Geschichte der LTTE kennt, weiß, dass es so ist. Zwar trägt Prabakharan jetzt lieber einen Frack als seine alte Dschungeltracht, doch die politischen Methoden ändern sich nicht mit der Kleidung.

Anstatt Angriffe auf Sozialisten zu rechtfertigen, die seit langem die demokratischen Rechte des tamilischen Volkes verteidigen, täte Thangavelu besser daran, eine offene und unzweideutige Erklärung abzugeben, die den Einsatz physischer Gewalt gegen politische Gegner von Seiten der LTTE verurteilt.

Hochachtungsvoll

David North

Vorsitzender der WSWS-Redaktion

* * *

Die WSWS und die SEP rufen nochmals alle Verteidiger demokratischer Rechte auf, von die LTTE zu fordern, die Todesdrohungen gegen die SEP-Mitglieder zu widerrufen und das Recht der SEP zu garantieren, ihre politische Arbeit frei von jeglicher Schikane und Einschüchterung durchzuführen.

Briefe und Erklärungen bitte an folgende Adressen schicken oder über E-Mail versenden:

Jaffna

Ilamparithi
LTTE Jaffna Office
Potpathy Road, Kokuvil
Jaffna

Colombo

LTTE
c/- Sri Lanka Monitoring Mission
PO Box 1930
Galle Road
Colombo 3
E-mail: slmm-hq@mfa.no

London

The LTTE
c/- Eelam House
202 Long Lane
London SE1 4QB
United Kingdom
Telefon: 0044 / 171 /403 4554
Fax: 0044 / 171 / 403 1653

Bitte schickt Kopien aller Erklärungen und Briefe an die WSWS :

E-Mail: editor@wsws.org
Fax: (0049) 030 / 308 72 620

Siehe auch:
Verteidigt die demokratischen Rechte der Socialist Equality Party (Sri Lanka)!
(8. Oktober 2002)
Gewaltsamer Angriff der LTTE auf einen Sozialisten in Sri Lanka
( 15. Oktober 2002)
(Dieser Artikel ist auch in der gleichheit - November/Dezember 2002 enthalten.)

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