Verteidigt die demokratischen Rechte der Socialist Equality Party (Sri Lanka)!

Von der Redaktion
8. Oktober 2002

Die World Socialist Web Site (WSWS) und die Socialist Equality Party (SEP) von Sri Lanka wenden sich an alle WSWS -Leser, Arbeiter- und Menschenrechtsorganisationen und all jene, die sich für demokratische Grundrechte einsetzen: Verurteilt die Todesdrohungen der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gegen Mitglieder der SEP!

Diese Drohungen stammen von örtlichen Vertretern der LTTE auf der Insel Kayts, die im Norden Sri Lankas gelegen ist. Die SEP setzt sich seit langem konsequent für die Interessen und Grundrechte der dort ansässigen Fischer und ihrer Familien ein und kämpft gegen die Plünderungen von Seiten des srilankischen Militärs, des Regimes in Colombo und seiner lokalen Statthalter.

Mit dieser Politik kam sie jedoch den Interessen der LTTE in die Quere, die gerade dabei ist, sich in den Juniorpartner der srilankischen Regierung für den Norden des Landes zu verwandeln. Die erste Todesdrohung gegen die SEP erfolgte nur zwei Tage, nachdem die srilankische Regierung das Verbot der LTTE aufgehoben hatte, und nur zehn Tage vor der Eröffnung von Friedensgesprächen zwischen Colombo und der LTTE in Thailand.

Nach ihrem erbitterten und langen Bürgerkrieg gegen den rassistischen singhalesischen Staat versucht die LTTE-Führung zur Zeit, sich in Colombo und bei den Westmächten hoffähig zu machen. Als Gegenleistung für ihre offizielle politische Anerkennung und einen Platz an den Schalthebeln der Macht würde sie bereitwillig die liberale Wirtschaftspolitik unterstützen, die der IWF und die Weltbank verlangen, und mit jeder Opposition aus der Arbeiterklasse und den unterdrückten Massen kurzen Prozess machen.

Das ist der Grund, warum die LTTE Drohungen gegen Leib und Leben der SEP-Mitglieder äußert und warnt, sie werde die politische Arbeit der Partei unterbinden.

Der Angriff auf die SEP und ihre demokratischen Rechte ist eine Warnung an alle tamilischen Arbeiter. Sie zeigt, was von der LTTE im Rahmen der neuen amtlichen Rollenverteilung zu erwarten ist, die in Colombo und Thailand hinter verschlossenen Türen ausgehandelt wurde.

Die erste Todesdrohung sprach Semmanan, der LTTE-Vertreter auf Kayts, am 6. September auf einem Treffen der Fischergewerkschaft der Kooperative von Ampihainagar aus, einer Organisation, die von der SEP ins Leben gerufen wurde. Semmanan erklärte auf der Versammlung, dass die LTTE "diese Art Partei" nicht zulassen werde. Er warnte, die SEP müsse mit einer ähnlichen Behandlung rechnen wie der indische Premierminister Rajiv Gandhi, der 1991 von einem Selbstmordattentäter umgebracht wurde. "Was ist Rajiv Gandhi zugestoßen, der Armeen nach Sri Lanka entsandt hatte? Sehr bald werden wir die Krankheit benennen und die geeignete Medizin dagegen verschreiben."

Dies beinhaltet die klare Aussage, dass auch die SEP in das politische Einflussgebiet der LTTE "eingedrungen" sei und entsprechend behandelt werden müsse.

Semmanan behauptete, im Namen der LTTE-Führer zu sprechen, und erklärte weiter, diese seien "sehr zornig, und sie haben uns gesagt, dass sie die SEP-Mitglieder hinauswerfen werden, in den Süden von Sri Lanka".

Diese bemerkenswerten Aussprüche sind die Antwort auf die Weigerung der Fischerkooperative, der LTTE Geld auszuhändigen, nachdem diese versucht hatte, eine beträchtliche Summe (etwa vier bis fünf Monatslöhne eines Durchschnittsarbeiters) einzutreiben, um den Bau ihres neuen Büros zu finanzieren.

Während der darauffolgenden zwei Wochen versuchte Semmanan willkürlich zwei Treffen der Kooperative einzuberufen, um diese Entscheidung rückgängig zu machen. Aber die überwiegende Mehrheit der Mitglieder boykottierte beide Treffen. Ganz offensichtlich erzürnt über diese Reaktion entsandte Semmanan am 27. September seinen Stellvertreter, Arunthavan, um in einer ordentlichen Gewerkschaftsversammlung zu intervenieren. In einem fünfminütigen Redebeitrag wiederholte Arunthavan Semmanans Todesdrohungen gegen die SEP-Mitglieder und sagte erneut, dass jede Partei, die der LTTE im Wege stehe, "hinausgeworfen" würde, unabhängig davon, ob sich jemand darüber bei der Polizei, den Norwegischen Friedenshütern oder selbst bei der LTTE-Führung beschweren würde.

Weil es der LTTE nicht gelungen ist, die Gewerkschaft ihren Forderungen gefügig zu machen, zielen die wiederholten Drohungen darauf ab, die SEP einzuschüchtern und der Fischerkooperative und den einfachen Menschen auf Kayts klar zu machen, dass man keinerlei weitere Opposition mehr dulden werde.

Die WSWS und die SEP fordern eine sofortige Klarstellung von Seiten der LTTE. Handelt Semmanan, wie er behauptet, im Namen der LTTE? Waren seine Drohungen von der LTTE-Führung autorisiert? Unterstützt ihn die LTTE? Wenn nicht, werden Semmanan und sein Stellvertreter zur Ordnung gerufen und diszipliniert werden?

Wir rufen alle tamilischen Organisationen in Sri Lanka und weltweit dazu auf, unsere dringenden Forderungen zu unterstützten: Die LTTE muss öffentlich und bedingungslos die verachtungswürdigen Drohungen ihres lokalen Vertreters zurückweisen. Sie muss ihre Angriffe auf die demokratischen Rechte der SEP einstellen und darf sie nicht weiter in ihrer politischen Arbeit im Norden behindern.

Dies ist nicht das erste Mal, dass die LTTE die Socialist Equality Party ins Visier nimmt. Im Juli 1998 verhaftete und verschleppte die LTTE vier SEP-Mitglieder in der nördlichen Region von Kilinochchi. Die SEP-Mitglieder hatten unter tamilischen Arbeitern für das SEP-Programm geworben: für den sofortigen Rückzug der srilankischen Truppen aus dem Norden und Osten der Insel; für die Einheit von tamilischen und singhalesischen Arbeitern; für die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Sri Lanka und Eelam und gegen die separatistische Perspektive der LTTE. Anfangs weigerte sich die LTTE Führung zwar zuzugeben, dass sie die vier in ihrer Gewalt hatte, doch schließlich sah sie sich aufgrund der internationale Kampagne, die die SEP und das Internationale Komitee der Vierten Internationale über die World Socialist Web Site führten, gezwungen, sie wieder freizulassen.

Dies ist auch nicht das erste Mal, dass die SEP in Kayts attackiert wird. Bereits im März 2000 griffen lokale Repräsentanten der Demokratischen Volkspartei von Eelam (EPDP) Mitglieder und Anhänger der SEP tätlich an. Die SEP-Mitglieder führten damals den Kampf der örtlichen Fischer gegen die ständigen Schikanen und Übergriffe des srilankischen Militärs an. Der bösartige und feige Angriff der EPDP zeigte schließlich, dass ihre Vertreter als gedungene Söldner und Schläger der Regimes in Colombo auftraten.

Die jüngsten Todesdrohungen gegen die SEP beweisen, dass sich die LTTE darauf vorbereitet, eine ähnliche Rolle zu spielen. Die srilankischen Trotzkisten von der SEP werden sich durch das Gangstertum der LTTE nicht einschüchtern lassen. Die kriminellen Drohungen von Seiten dieser Organisation demonstrieren nur ihre Feindschaft gegen die Arbeiterklasse - die tamilische und singhalesische gleichermaßen - und unterstreichen die Notwendigkeit, eine unabhängige Bewegung in Sri Lanka aufzubauen, um die Arbeiter im Norden und Süden gegen ihre gemeinsamen Unterdrücker zu vereinen.

Die WSWS und die SEP rufen nochmals alle Verteidiger demokratischer Rechte auf, von die LTTE zu fordern, die Todesdrohungen gegen die SEP-Mitglieder zu widerrufen und das Recht der SEP zu garantieren, ihre politische Arbeit frei von jeglicher Schikane und Einschüchterung durchzuführen.

Briefe und Erklärungen bitte an folgende Adressen schicken oder über E-Mail versenden:

Jaffna

Ilamparithi
LTTE Jaffna Office
Potpathy Road, Kokuvil
Jaffna

Colombo

LTTE
c/- Sri Lanka Monitoring Mission
PO Box 1930
Galle Road
Colombo 3
E-mail: slmm-hq@mfa.no

London

The LTTE
c/- Eelam House
202 Long Lane
London SE1 4QB
United Kingdom
Telefon: 0044 / 171 /403 4554
Fax: 0044 / 171 / 403 1653

Bitte schickt Kopien aller Erklärungen und Briefe an die WSWS :

E-Mail: editor@wsws.org
Fax: (0049) 030 / 308 72 620

Siehe auch:
LTTE beugt sich dem internationalen Kapital
(25. September 2002)
Eine sozialistische Plattform für die Wahlen in Sri Lanka 2001
( 4. Dezember 2001)
Internationale Kampagne zur Freilassung der tamilischen Sozialisten aus den Händen der LTTE
( 12. September 1998)
(Dieser Artikel ist auch in der gleichheit - November/Dezember 2002 enthalten.)

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