Amerikanische Medien stimmen die Öffentlichkeit auf ein Gemetzel im Irak ein

Von Bill Vann
3. Oktober 2002

Im Rahmen der Kampagne für eine Invasion des Irak, haben die Bush-Administration und die Medien begonnen, die öffentliche Meinung auf ein Blutbad unter unschuldigen irakischen Zivilisten und auf beträchtliche Verluste des amerikanischen Militärs vorzubereiten.

Die Bush-Regierung und die Medien stellen eine Invasion weitgehend so dar, als handele es sich nur darum, Saddam Hussein "auszuschalten" und ein dankbares irakisches Volk zu "befreien". Dies, so behaupten sie, werde ihnen mit Hilfe satellitengesteuerter Präzisionsbomben gelingen, die einige Paläste und Bunker des Präsidenten zerstören und die Zivilbevölkerung weitgehend vor Verlusten bewahren.

Einige hohe pensionierte Offiziere, die damit sicherlich ernsthafte Befürchtungen innerhalb der militärischen Führung zum Ausdruck brachten, haben versucht, dieses Szenario in Frage zu stellen, und vor der Möglichkeit eines anhaltenden und verlustreichen Krieges gewarnt. General Joseph Hoar, der nach dem Golfkrieg von 1991 Oberbefehlshaber der US-Armee im Nahen Osten war, sagte in einer Anhörung vor dem Militärausschuss des Senats am 23. September, dass die amerikanischen Invasoren möglicherweise 100.000 irakischen Soldaten gegenüberstünden, die mit Tausenden Artilleriegeschützen Bagdad verteidigen würden.

Hoar bestätigte, dass die US-Truppen letztlich die Stadt erobern würden, fuhr dann aber fort: "Doch zu welchem Preis? Und was wird der Preis sein, wenn der Rest der Welt zusieht, wie wir dicht besiedelte Viertel bombardieren und unter Artilleriebeschuss nehmen?"

Im Häuserkampf, so seine Warnung, "kann an einem Tag auch mal ein ganzes Bataillon aufgerieben werden." Er fügte hinzu, ein derartiger Kampf würde "den letzten 15 Minuten von Saving Private Ryan ähneln".

Artikel in drei der einflussreichsten nationalen Zeitungen der USA griffen das "Albtraum-Szenario" einer Kriegsführung in den irakischen Städten auf. Während die Bush-Regierung den Einsatz der größten Militärmaschinerie, die die Welt je gesehen hat, gegen ein zurückgebliebenes und relativ wehrloses Land vorbereitet, äußerten sich alle drei Zeitungen bemerkenswert ähnlich: sollte es zu einem Blutbad kommen, dann sind die Iraker daran schuld.

Ein Artikel in USA Today berief sich auf Quellen im Pentagon und nannte Pläne für einen "Blitzkrieg" gegen den Irak, mit massiven Luftangriffen, Fallschirmspringern, die Schlüsseleinrichtungen besetzen, und einer Kapitulation des irakischen Militärs auf der ganzen Linie. Der Verfasser warnt jedoch, "möglicherweise versucht die irakische Führung, ihre Gegner in Straßenkämpfe zu verwickeln."

Auch die Washington Post warnt: "Iraks Militär würde angesichts einer amerikanischen Invasion versuchen, die US-Streitkräfte nach Bagdad und in andere Bevölkerungszentren zu locken. Dort sind die irakischen Soldaten nach Ansicht ihrer Befehlshaber besser vor Luftangriffen geschützt, und nach Meinung wichtiger hiesiger Regierungsbeamter und Diplomaten wären die Zivilisten eher bereit, für die Regierung zu kämpfen."

Die Vorstellung, die irakische Führung schaffe "die Bedingungen für Straßenkämpfe" oder wolle "die Amerikaner nach Bagdad locken", ist, vorsichtig ausgedrückt, etwas merkwürdig. Die Bush-Regierung fordert lautstark die Zustimmung der UN und des Kongresses für eine unprovozierte "präventive" Invasion des Irak mit dem Ziel, seine Regierung zu stürzen und seinen Präsidenten zu ermorden. Diese Ziele können offensichtlich nicht erreicht werden, ohne Bagdad und andere größere Städte zu stürmen, zu besetzen und in die Knie zu zwingen.

Die Post behauptet, die Gefahr eines Kriegs in den Städten rühre von einer neuen "Strategie", die das irakische Militär nach den Erfahrungen des Golfkriegs von 1991 entwickelt habe. "In diesem Krieg konnten US-Streitkräfte die irakischen Soldaten mühelos überrennen, deren Schützengräben und Bunker kaum Schutz vor amerikanischen Bomben und Artillerie boten. Irakische Führer haben angekündigt, dass sie den Krieg ganz anders führen wollten. Sie wollen ihre Soldaten in Städten in Stellung bringen, um sie so zu schützen und die amerikanischen Truppen in sehr riskante Kämpfe in den Städten verwickeln."

Die irakischen Generäle wären sicher verantwortungslos, wenn sie ihre Truppen in der Wüste aufstellen würden, wo sie aus der Luft abgeschlachtet werden könnten. Doch der wirklich wichtige Strategiewechsel seit dem ersten Golfkrieg ergibt sich aus den militärischen Zielen der USA. 1991 führten die USA einen Krieg mit dem vorgeblichen Ziel, die irakischen Truppen aus Kuwait zu vertreiben. Der Krieg, den sie jetzt vorbereiten, dient der Eroberung des Irak, der Errichtung eines amerikanischen Protektorats und der Kontrolle seines Ölreichtums. Ein solcher "Regimewechsel" ist ohne Krieg in den Städten nicht vorstellbar.

Im Folgenden zitiert der Artikel einen nicht namentlich genannten Diplomaten mit der Äußerung, die irakische Armee wolle in den Städten bleiben, um "sich unter die Zivilbevölkerung zu mischen". Der Diplomat fügte hinzu: "Wenn Soldaten aus dem Hinterhalt aus Wohnblöcken feuern, in denen sich viele Menschen befinden, was können dann die Amerikaner tun? Sie können ja nicht die Häuser in die Luft sprengen."

Damit wird nahegelegt, das irakische Militär sei bereit, die Bevölkerung Bagdads als "menschlichen Schutzschild" zu benutzen und die angebliche Abneigung des Pentagons auszunutzen, die Zivilbevölkerung zu schädigen.

Ähnliche Aussagen finden sich in einem Kommentar von Nicholas Kristof, der am selben Tag in der New York Times unter der Überschrift "Kampf um jede Straße" erschien. "Amerikas Zurückhaltung ist der Trumpf des Irak im Krieg", schreibt Kristof. "Der Irak weiß, dass die USA nicht Schulen, Moscheen und Wohnviertel bombardieren können, so dass genügend Verstecke für die irakische Armee bleiben. Im letzten Golfkrieg konnten wir einen Feind vernichten, der sich draußen in der Wüste befand, doch diesmal scheint der Irak die Sache anders angehen zu wollen."

Ins gleiche Horn blies ein Bericht des Fernsehsenders NBC am Abend. Ein ehemaliger General warnte, dass Saddam Hussein plane, 15.000 Soldaten der Republikanischen Garde für den Straßenkampf nach Bagdad zu verlegen. Ein Reporter sagte voraus, Tausende tote Iraker, Soldaten wie Zivilisten, seien in einem solchen Kampf unvermeidlich, ebenso hohe Verluste bei den Amerikanern.

Das ist ungeschminkte Kriegspropaganda. Diejenigen, die das schreiben, wissen, dass sie die Realität auf den Kopf stellen, um die räuberischen Ziele der US-Regierung zu unterstützen.

Wo steht geschrieben, dass die USA "nicht Schulen, Moscheen und Wohnviertel bombardieren" können oder dass amerikanische Einheiten, die aus Wohnblöcken beschossen werden, diese nicht "einfach in die Luft sprengen"? Den Tod von zahlreichen Zivilisten um jeden Preis zu verhindern, ist nicht Teil der militärischen Strategie des Pentagon, Opfer in den eigenen Reihen zu vermeiden dagegen schon.

Bei jeder größeren amerikanischen Militärintervention ist es zu absichtlichen Angriffen auf Zivilisten gekommen. Der US-Krieg in Vietnam hat zwei Millionen Menschenleben gekostet; die meisten waren unbewaffnete Zivilisten. Besonders berüchtigt waren die Bombenteppiche auf Hanoi und das Massaker von My Lai. Bei der Invasion von Panama 1989 - die, so unglaublich das klingt, von amerikanischen Politikern als Modell für den "Regime-Wechsel" zitiert wird, den sie im Irak erreichen wollen - wurden viertausend Zivilisten getötet, als die USA dicht bewohnte Arbeiterviertel bombardierten.

Bei den Nato-Bombardements von Jugoslawien 1999 wurden Tausende Zivilisten getötet und verwundet. Personenzüge, Bauerndörfer und nicht-militärische Fabriken waren Ziele von Bombenangriffen.

Im letzten Golfkrieg wurde ein Luftschutzpunker im Bagdader Stadtteil Al-Amariya bombardiert; dabei kamen 288 Zivilisten ums Leben, die meisten Frauen und Kinder. Und bei der jüngsten Invasion von Afghanistan gab es zahlreiche Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung.

Zweifellos werden in den ersten Tagen eines Angriffs auf Bagdad trotz aller Bemühungen des Militärzensors Bilder von verzweifelten Menschen auf die Bildschirme kommen, die in den Trümmern von Wohnhäusern nach ihren Familien graben, die durch amerikanische Bomben und Granaten zerstörte worden sind.

Die jetzt in der Presse erscheinenden Berichte sollen schon jetzt auf das Entsetzen und die Abscheu vorbereiten, die das Blutbad, das eine Invasion des Irak unvermeidlich begleiten wird, in den USA und auf der ganzen Welt auslösen wird. Die Presse versucht die Bevölkerung schon jetzt zu überzeugen, sie solle nicht glauben, was sie mit eigenen Augen sehen wird - einen von amerikanischem Militär begangenen Massenmord an irakischen Zivilisten.

Wenn dieses Morden einsetzt, dann werden das Weiße Haus, das Pentagon und die Medien unisono verkünden, dass alles Saddam Husseins Schuld ist, nicht die der amerikanischen Invasoren. Die Zivilisten seien gestorben, weil sie als "menschliche Schutzschilde" missbraucht worden seien. Oder es seien überhaupt keine amerikanischen Bomben gewesen, sondern fehlgelenkte Skud-Raketen und Luftabwehrgranaten, die die Zerstörungen angerichtet hätten. Jeder weiß, dass "amerikanische Zurückhaltung" solche Grausamkeiten niemals zulassen würde, und dass im Gegensatz dazu "die Iraker Menschenleben nicht so hoch einschätzen, wie wir". Das sind die ausgeleierten und rassistischen Lügen, wie sie in jedem Aggressionskrieg eingesetzt werden.

Die Medien täuschen die Öffentlichkeit in jeder Frage, von den wirklichen Zielen, die mit den Kriegsvorbereitungen gegen den Irak verfolgt werden - Öl, und nicht "Massenvernichtungswaffen" -, bis zu den kriminellen Methoden, mit denen sie erreicht werden sollen. Diese Lügen- und Täuschungskampagne ist das sicherste Zeichen, dass der Krieg, den die Bush-Regierung führen will, nur der herrschenden Wirtschaftselite nützen wird und nicht der großen Mehrheit der arbeitenden Menschen in den USA und darüber hinaus.

Siehe auch:
US-Presse wirbt für Irakkrieg
(1. Oktober 2002)

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