Die "freie Presse" in den USA und die Kriegsmaschinerie des Pentagon

Von Bill Vann
16. November 2002

Die unzähligen Leitartikel, die Anfang der Woche in nahezu jeder großen Zeitung die Invasionspläne der USA für den Irak beschrieben, beriefen sich stets auf nicht näher benannte "Quellen im Militär", "hohe Regierungsbeamte" oder "Pentagon-Strategen".

Ein Artikel der "Washington Post" vom 10. November ging allerdings weiter und bot seinen Lesern einen flüchtigen Einblick in die wirklichen Beziehungen zwischen den angeblich unabhängigen Medien und der Kriegsmaschinerie Washingtons.

"Dieser Artikel wurde in den vergangenen Tagen mit mehreren hohen Vertretern aus der zivilen und der militärischen Abteilung des Verteidigungsministeriums diskutiert", berichtete die "Post". "Auf ihren Wunsch hin werden einige Aspekte des Plans der Öffentlichkeit vorenthalten. Diese Aspekte betreffen den Zeitpunkt bestimmter Militäraktionen, die Auslöser weiterer Schritte, einige Taktikentwürfe und die Einheiten, die zu ihrer Umsetzung bestimmt wären."

Weiter heißt es, dass die Vertreter des Ministeriums die Veröffentlichung der übrigen Informationen für "strategisch nützlich" hielten. Denn mit ihnen sollte der öffentlichen Meinung suggeriert werden, dass das Pentagon bemüht sei, die Zahl der zivilen Opfer gering zu halten, obwohl es gegenwärtig Truppen in überwältigender Stärke zusammenzieht, um jeglichen irakischen Widerstand zerschlagen zu können.

Kurz gesagt, der Artikel wurde den Zensoren der Militärbehörde zur Durchsicht vorgelegt, und die Zeitung akzeptiert ohne jede Scham ihre Rolle als Sprachrohr für Kriegspropaganda.

Der Artikel der "Washington Post" unterschied sich nur dadurch von den Berichten der "New York Times", der "USA Today" und anderer Publikationen, dass er die Beteiligung des Pentagon an seiner Abfassung offen eingestand. Der Leser fühlt sich unwillkürlich an die Warnung auf Zigarettenwerbung erinnert: "Regierungspropaganda schadet Ihrem Denkvermögen. Ein Artikel dieser Zeitung enthält 50 Prozent Lügenmärchen und 50 Prozent Halbwahrheiten."

Bei den Kriegsvorbereitungen gegen den Irak haben sich die Medien erneut als Propaganda-Abteilung der Bush-Regierung und des Pentagon erwiesen. Die Kabelsender, die Tageszeitungen und weitere Massenmedien stellen sich bereitwillig der Kampagne zur Verfügung, mit der das Weiße Haus, wie seine Mitarbeiter selbst sagen, der Bevölkerung den Krieg "verkauft".

Fernsehkommentatoren und Zeitungsjournalisten stellen sich mit wenigen Ausnahmen der Desinformationskampagne der Regierung zur Verfügung. Nahezu alle beschreiben den Irak - ein kriegsverwüstetes Land, das die eigene Bevölkerung nicht ernähren kann - als schwere Bedrohung für die USA und die ganze Welt. Die Anschuldigungen der Regierung Bush, das arabische Land produziere in großem Stil "Massenvernichtungswaffen", werden als Tatsachenbehauptungen verbreitet, ohne dass der geringste Versuch unternommen würde, selbst einmal zu recherchieren, ob es solche Waffen dort überhaupt gibt. Das langjährige strategische Ziel des US-Imperialismus, die Ölfelder des Persischen Golfs zu beherrschen - das nahezu im gesamten Ausland als Kriegsgrund erkannt wird - wird praktisch nicht erwähnt.

Stattdessen basteln die großen Medienkonzerne an Meinungsumfragen, die den Erwartungen der Regierung entsprechend eine breite Unterstützung für den Krieg zeigen. Auf diese Weise versuchen sie den Eindruck zu erwecken, als ob jeder Widerstand gegen die Pläne der Regierung, des Pentagon und der Ölmonopole vergeblich sei.

Dennoch ist all dies erst die Generalprobe für den Moment, in dem die Schlächterei tatsächlich beginnt. Anfang des Monats wurde gemeldet, dass die Kriegsberichterstatter als Vorbereitung auf die Begleitung der US-Invasionstruppen in sogenannte "Boot Camps" - Erziehungslager für militärischen Drill - geschickt werden. Nie zuvor hat es ein solches gemeinsames Programm von Medien und Militär gegeben, das darauf abzielt, die Journalisten an militärische Disziplin zu gewöhnen. Die Teilnehmer sollen sich den Anordnungen der Militärzensur willig beugen und der Öffentlichkeit mit keiner Andeutung zu erkennen geben, dass sie jede Information unterdrücken, die Amerika in einem ungünstigen Licht erscheinen lässt.

Die Methoden, die bereits im letzten Golfkrieg perfektioniert wurden, werden diesmal zweifellos noch verfeinert werden. Das Pentagon wird ein sogenanntes "Pool-System" erzwingen. Dabei werden aus Tausenden Journalisten täglich einige wenige ausgewählt, um von speziell beauftragten Militärs zu den Schauplätzen geführt zu werden, die für die Öffentlichkeit geeignet sind. Ihre Informationen "poolen" sie dann mit ihren Kollegen im Hinterland, so dass jedes größere Nachrichtenmedium am Ende dieselbe kontrollierte Story verbreitet.

Die Entwicklung dieses Systems basiert auf den Lehren, die das Militär aus dem Vietnamkrieg gezogen hat. Damals führten die Fernsehbilder über Gräueltaten gegen Zivilisten und Aufnahmen von US-Soldaten in Leichensäcken zu einem scharfen Umschwung in der öffentlichen Meinung und mobilisierten die amerikanische Bevölkerung gegen den Krieg.

Heute kann sich das Militär auf die millionenschweren Besitzer der Privatsender und ihre fürstlich entlohnten Kriegskorrespondenten verlassen. Sie werden keine Berichte über das Hinmorden irakischer Zivilisten bringen und ihre Berichterstattung auf Presse-Erklärungen des Pentagons beschränken. Die Schuld an jeglichem Blutvergießen wird immer den Irakern zugeschrieben werden. Sollten sich unabhängige Medien wie beispielsweise der arabische Sender "Al Jazeera" dieser Selbstzensur entziehen, dann ist es durchaus möglich, dass ihre Einrichtungen von Präzisionswaffen der USA getroffen werden.

Siehe auch:
Bush greift in der Vorbereitung auf einen Irak-Krieg zu Lügen und Manövern
(29. Oktober 2002)
Amerikanische Medien stimmen die Öffentlichkeit auf ein Gemetzel im Irak ein
( 3. Oktober 2002)
US-Presse wirbt für Irakkrieg
( 1. Oktober 2002)
(Dieser Artikel ist auch in der gleichheit - Januar/Februar 2003 enthalten.)

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