Die SEP von Sri Lanka gedenkt des 15. Todestags von Keerthi Balasuriya

Von unserem Reporter
10. Januar 2003

Die Socialist Equality Party (Sri Lanka) organisierte am 21. Dezember eine gutbesuchte öffentliche Versammlung in Colombo, um des 15. Todestag von Keerthi Balasuriya zu gedenken. Balasuriya war Generalsekretär und Gründer ihrer Vorläuferorganisation Revolutionary Communist League (RCL). Sein viel zu früher Tod am 18. Dezember 1987 infolge eines Herzschlags im Alter von nur 39 Jahren war ein tragischer Verlust für die internationale trotzkistische Bewegung.

Arbeiter, Jugendliche und Studenten - sowohl Singhalesen als auch Tamilen - kamen aus vielen Teilen der Insel, um der Versammlung beizuwohnen. Wije Dias, der Generalsekretär der SEP, hielt die Ansprache und Vilani Peiris, Keerthis Lebensgefährtin und Mitglied des SEP-Parteivorstands, leitet die Versammlung. Zwei weitere Sprecher waren das Parteivorstandsmitglied Nanda Wickramasinghe und Aravindan, der auf Tamilisch sprach.

Peiris sagte, die SEP habe diese Versammlung zum 15. Todestag von Keerthi organisiert, um die Bedeutung seiner politischen Arbeit für Arbeiter und Jugendliche von heute zu erklären. Sie erklärte, er sei ein hervorragender Vertreter des Trotzkismus der Nachkriegszeit gewesen, der über breite Kenntnis der marxistischen Theorie und Geschichte verfügt habe. Als junger Mann sei er durch seine Liebe zur Kunst auf Werke von Trotzki gestoßen, aber schnell habe er sich in Trotzkis politische Schriften vertieft und sich von der Richtigkeit des Programms der Vierten Internationale überzeugt.

Selbst unter schwierigen Umständen, sagte Peiris, habe Keerthi in seinen politischen Überzeugungen nicht geschwankt. Sie beschrieb die schwierigen Bedingungen der frühen siebziger Jahre, als die neu gegründete RCL mit staatlicher Repression konfrontiert war und gleichzeitig politisch von der langjährigen britischen Führung des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (IKVI) untergraben wurde.

"Keerthi verlor niemals sein Vertrauen in den Trotzkismus", sagte sie. Er war zuversichtlich, dass die schwierigen Bedingungen, wenn sie auch lange währten, sich schließlich doch ändern würden, wenn die Widersprüche des Weltkapitalismus reifen und Arbeiter dazu zwingen würden, einen Ausweg zu suchen. Keerthi bestand darauf, dass nur der Trotzkismus das politische Programm für die sozialistische Emanzipation der Menschheit sein könne.

Wije Dias, der auf der Versammlung das Hauptreferat hielt, erklärte, dass die entscheidende Erfahrung in Keerthis politischer Entwicklung der Eintritt der Lanka Sama Samaja Party (LSSP) in die Regierung von Frau Bandaranaike im Jahr 1964 gewesen sei. Die Entscheidung der LSSP, einer kapitalistischen Regierung beizutreten, stellte einen vollkommenen Verrat an dem Programm und den Prinzipien des Trotzkismus dar, die sie früher verteidigt hatte, und wurde damals in der Jugend heiß diskutiert.

Diejenigen, die gegen den Eintritt der LSSP in die Bandaranaike-Regierung waren, brachen mit der LSSP und gründeten die LSSP (Revolutionär), aber sie hatten keinen Weg vorwärts anzubieten. "Während dieser Zeit der politischen Konfusion und Unruhe trat eine Gruppe junger Leute aus, die von den früheren prinzipiellen Positionen der LSSP inspiriert und mit der Politik der LSSP-R unzufrieden war, und gründete die Gruppe Shakthi (Stärke), um den Trotzkismus wieder zu beleben. Weniger als zehn Monate später zeigte sich deren zentristischer Charakter, als eine Mehrheit wieder in die LSSP eintrat."

"Was sollte man von diesem zweiten oder dritten Verrat des Trotzkismus halten?" sagte Dias. "Warum war er geschehen? Wie konnte diese politische Krise überwunden werden? Dies waren die Fragen, die uns alle beschäftigten, die wir, wie auch Keerthi, geblieben waren. Wir waren entschlossen, überzeugende Antworten zu finden."

Während dieser kritischen Periode tat das IKVI den entscheidenden Schritt und intervenierte in Sri Lanka. Tony Banda, ein führendes Mitglied der britischen Socialist Labour League (SLL), besuchte die Insel Ende 1966, um unabhängig von der LSSP-R eine Gruppe aufzubauen. Seinem Besuch vorangegangen war die entscheidende Intervention des SLL-Sekretärs Gerry Healy. Dieser war nach Sri Lanka gekommen, um gegen die Entscheidung der LSSP zu kämpfen, als diese auf ihrer Konferenz von 1964 beschloss, in die Bandaranaike-Regierung einzutreten.

Pablistischer Opportunismus

Durch Banda, sagte Dias, "kamen diejenigen von uns, die es abgelehnt hatten, der LSSP wieder beizutreten, in Kontakt mit dem langjährigen Trotzkisten Wilfried Pereira, Genosse Spike, der gegen die Politik der LSSP und auch der LSSP-R aufgetreten war." Die Gruppe studierte Healys Broschüre "Der große Verrat", in der erklärt wurde, dass die Wurzeln des Verrats der LSSP nicht in Colombo, sondern in Paris lagen. Damit meinte Healy, dass die hauptsächliche politische Verantwortung für die Degeneration der LSSP bei der opportunistischen Politik ihrer Mentoren im Vereinigten Sekretariat der Vierten Internationale (VS) in Frankreich lag.

"Keerthi begann, den Kampf des IKVI gegen die vom Vereinigten Sekretariat verkörperte opportunistische Tendenz intensiv zu studieren. Er gehörte zu den regelmäßigsten Besuchern von Genossen Spikes’ Bücherei und verbrachte lange Stunden mit dem Studium der IKVI-Dokumente, die sich mit der Entwicklung einer revisionistischen Strömung befassten, die sich unter der Führung von Michel Pablo und Ernest Mandel nach dem zweiten Weltkrieg in der Vierten Internationale entwickelt hatte."

Dias erklärte, der pablistische Revisionismus sei als impressionistische Reaktion auf die scheinbare Stärke des Weltimperialismus und der stalinistischen Bürokratien nach der Stabilisierung des Kapitalismus in den späten vierziger Jahren entstanden. Die Pablisten, die alles Vertrauen in die revolutionären Fähigkeiten der Arbeiterklasse verloren hatten, passten sich im Namen der "Integration in die wahre Massenbewegung" an die reaktionären Kräfte an, die die Arbeiterbewegung in jedem Land beherrschten - an den Stalinismus, den Reformismus und, in den halb-kolonialen Ländern, an die verschiedenen bürgerlich-nationalistischen Führungen. 1953 wurde das IKVI gegründet, um das Programm und die Prinzipien der trotzkistischen Bewegung zu verteidigen.

"Keerthi zog weitreichende Lehren aus seinem Studium der IKVI-Dokumente und vermittelte sie uns allen. Er war von der Überzeugung durchdrungen, dass die Arbeiterklasse keinen revolutionären Weg finden konnte, ohne sich auf die historischen Lehren aus dem Kampf der Marxisten für den Aufbau einer internationalen revolutionären Bewegung der Arbeiterklasse zu stützen."

Dias sagte, die Tatsache, dass die LSSP die Ideen der Bandaranaikes in radikalen und sogar revolutionären Farben malte, habe ihre theoretischen und politischen Wurzeln im pablistischen Revisionismus gehabt, der sowohl Castros Kuba, als auch die stalinistischen Bürokratien in Moskau und Peking als Wege zum Sozialismus hinstellte. Er erklärte, dass Keerthis Studium der IKVI-Dokumente ihn in die Lage versetzte, die RCL, die 1968 als Sektion des IKVI gegründet wurde, von zahlreichen kleinbürgerlichen Jugendbewegungen abzugrenzen, die in Sri Lanka nach dem Verrat der LSSP entstanden waren und sich auf Castro, Che Guevara, Mao oder sogar Nordkoreas Kim Il Sung bezogen. Sie alle waren von Nationalismus und Rassismus durchdrungen.

"Indem Keerthi die Lehren aus dem Kampf des IKVI gegen Revisionismus zog, unterwarf er die Politik all dieser Gruppen, besonders diejenige der Janatha Vimukthi Peramuna (JVP) vom Standpunkt des sozialistischen Internationalismus einer vernichtenden Kritik. Seine Kritik der Bewegung der Naxaliten in Indien wurde im News Letter, dem Organ der britischen SLL, veröffentlicht."

Die SLL wird rückfällig

Dias erklärte, dass Keerthis intensive theoretische Arbeit die RCL in die Lage versetzt habe, dem Druck der politischen Degeneration der britischen SLL zu widerstehen, als diese sich Anfang der siebziger Jahren an den gleichen Klassendruck anzupassen begann, dem schon die Pablisten nachgegeben hatten. 1971 schrieb Keerthi an die SLL und begründete seine Ablehnung einer Erklärung, die diese im Namen des IKVI ohne Rücksprache veröffentlicht hatte. Sie unterstützte darin die Intervention der indischen Armee in den nationalen Befreiungskampf in Ostbengalen gegen die pakistanische Vorherrschaft.

Keerthi schrieb in einem Brief an den Sekretär des IKVI, Cliff Slaughter: "Indiens Krieg gegen Pakistan ist kein Befreiungskrieg.... Es ist nicht möglich, den nationalen Befreiungskampf des bengalischen Volkes und die freiwillige Vereinigung Indiens auf sozialistischer Grundlage zu unterstützen, ohne sich gegen den indisch-pakistanischen Krieg zu wenden. Ohne Opposition gegen den Krieg aus dem Innern Indiens und Pakistans ist es völlig absurd, über ein vereintes sozialistisches Indien zu sprechen, welches allein in der Lage ist, das Selbstbestimmungsrecht der zahlreichen Nationen des indischen Subkontinents zu sichern." (Vierte Internationale, Jg.14, Nr. 1, S.51ff)

Dias merkte an, dass die RCL im Gegensatz zur SLL die Teilung des indischen Subkontinents von 1948 nach kommunalistischen Gesichtspunkten als die historische Wurzel des Konflikts in Ostpakistan erklärt hatte. Die Partei hatte die Arbeiter aufgerufen, den Anspruch Indiens zurückzuweisen, "der Befreier Ostbengalens" zu sein, und warnte, dass die indische Armee eingegriffen habe, um die Kämpfe des bengalischen Volkes zu unterdrücken. Als Lösung der Krise bezeichnete sie die Vereinigung der Arbeiterklasse in Indien, Pakistan und Sri Lanka mit dem Ziel, der kapitalistischen Herrschaft und imperialistischen Zerstückelung der Region ein Ende zu setzen.

Die RCL sah sich jedoch gezwungen, ihre Erklärung zurückzuziehen. Keerthi schrieb in seinem Brief an Slaughter: "Wir glauben, dass unsere Verteidigung der IK-Erklärung in der Arbeiterklasse große Verwirrung hervorrufen wird. Wir brauchen nicht zu betonen, dass es schwierig ist, die IK-Erklärung zu verteidigen. Trotzdem ist Klarheit in der Internationale wichtiger als alles andere, weil es für uns unmöglich ist, eine nationale Sektion aufzubauen, ohne für den Aufbau der Internationale zu kämpfen." (A.a.O.)

Dias erklärte, dass die Führung der SLL andere IKVI-Sektionen nicht einmal über die ernsten politischen Differenzen informierte, die die RCL aufgebracht hatte, geschweige denn eine internationale Diskussion organisierte. Im Verlauf der darauf folgenden zehn Jahre hatte die opportunistische Degeneration der SLL, der späteren Workers Revolutionary Party (WRP), immer zerstörerischere Auswirkungen auf die Arbeit der RCL in Sri Lanka und auf dem indischen Subkontinent.

"1972 bekämpfte die SLL vehement die Verteidigung der demokratischen Rechte der unterdrückten tamilischen Minderheit durch die RCL. Dies geschah unter Bedingungen, als die Bandaranaike-Koalitionsregierung eine rassistische Verfassung einführte, um die Arbeiterklasse nach kommunalistischen Richtlinien zu spalten und die anti-tamilische Diskriminierung zu verschärfen. Das Ergebnis davon war, dass kleinbürgerlich-radikale Bewegungen, die sich auf den Kommunalismus gründeten, sowohl unter singhalesischen als auch tamilischen Jugendlichen und Armen auf dem Land erstarkten.

In den vier Jahren vor 1972 hatte die RCL einen ständigen Kampf gegen diese gefährliche Entwicklung im Süden wie auch im Norden geführt und sich bemüht, die kleinbürgerlichen Massen im Kampf für eine sozialistische Republik auf die Seite der Arbeiterklasse zu gewinnen. Keerthis Broschüre "The Politics and Class Nature of the JVP" (Politik und Klassencharakter der JVP), die 1970 veröffentlicht wurde, hatte eine wichtige Rolle gespielt, die JVP als eine rassistische, kleinbürgerliche Organisation unter der singhalesischen Jugend zu entlarven. Der Kampf der RCL unter Tamilen hatte ebenfalls beträchtliche Unterstützung gewonnen. Aber die Stellung der Partei wurde durch die politischen Positionen der SLL ernsthaft beeinträchtigt."

Erst nach der Spaltung von der WRP 1985-86 konnten die RCL und das IKVI ihre revolutionäre, auf Leo Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution gestützte Perspektive klären. Dias zitierte aus der IKVI-Erklärung vom November 1987, die sich mit dem indo-srilankischen Pakt und der Intervention der indischen Armee in den Norden Sri Lankas befasste - dem letzten Dokument, an dem Keerthi vor seinem Tod gearbeitet hat.

"Trotz des Verrats der LSSP ist die einzige Perspektive, die einen Ausweg aus der Sackgasse des bürgerlichen Nationalismus bietet, die des vereinten Kampfs der tamilischen und srilankischen Arbeiterklasse. Die indische Besatzung, die die Klassengrundlage für die Unterdrückung der tamilischen Nation und der singhalesischen Massen im Süden bloßgelegt hat, wirft erneut die dringende Notwendigkeit auf, den nationalen Kampf unter der Hegemonie der singhalesisch- und tamilisch-sprachigen Arbeiterklasse mit dem Klassenkampf zu verbinden. Konkret bedeutet das die Forderung nach den Vereinten Sozialistischen Staaten von Tamil Eelam und Sri Lanka." (Vierte Internationale, Jg. 15, Nr.1, S.27)

Die Zeit nach der Spaltung von der WRP waren die glücklichsten Tage in Keerthis politischem Leben, als er mit seinen Gesinnungsgenossen im IKVI eng an der Entwicklung der politischen Perspektive zusammenarbeiten konnte. Dias schloss seinen Beitrag mit einem Zitat aus der Würdigung Keerthis durch David North, den Vorsitzenden der WSWS -Redaktion, im Vorwort seines Buchs "Das Erbe, das wir verteidigen":

"Bei der Erarbeitung und Niederschrift dieses Buchs zog der Autor unermesslichen Nutzen aus zahlreichen Diskussionen mit einem der brillantesten und unversöhnlichsten Trotzkisten der Zeit nach dem II. Weltkrieg - Keerthi Balasuriya, einem Führer des Internationalen Komitees der Vierten Internationale und Generalsekretär der Revolutionary Communist League in Sri Lanka....

Als furchtloser Gegner des Opportunismus spielte Genosse Balasuriya im Kampf zur Verteidigung des Internationalen Komitees gegen die Angriffe der Workers Revolutionary Party eine entscheidende Rolle. Er stärkte diesen Kampf durch sein umfassendes, tiefgehendes Wissen über die Geschichte der Vierten Internationale und sein scharfes Verständnis über die Implikationen des jahrzehntelangen Kampfes gegen den pablistischen Revisionismus." (David North, "Das Erbe, das wir verteidigen", Essen 1988, S. 7-8)

Am Ende der Versammlung spendeten die Teilnehmer großzügig für den Fond der Parteikampagne gegen die Todesdrohungen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) gegen SEP-Mitglieder auf der Insel Kayts. Viele blieben noch, um weiter zu diskutieren. Zwei Schwestern von Keerthi waren anwesend und erklärten, wie sehr sie es zu schätzen wussten, dass die Sprecher die Bedeutung seines Werks für die internationale Arbeiterklasse erklärt hatten. Einige der Anwesenden sagten, sie seien besonders davon beeindruckt, dass Keerthis Studien der Geschichte des IKVI so wichtig für die Schaffung einer festen politischen Grundlage für die RCL gewesen waren.

Siehe auch:
Verteidigt die demokratischen Rechte der Socialist Equality Party (Sri Lanka)!
(8. Oktober 2002)
Eine sozialistische Plattform für die Wahlen in Sri Lanka 2001
( 4. Dezember 2001)
Warum die Socialist Equality Party die Einladung der srilankischen Präsidentin Kumaratunga zu Allparteiengesprächen abgelehnt hat
( 17. Mai 2000)
(Dieser Artikel ist auch in der gleichheit - März/April 2003 enthalten.)

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