LTTE stößt weitere Drohungen gegen SEP-Mitglieder in Sri Lanka aus

Von Nanda Wickramasinghe
17. Januar 2003

Örtliche Vertreter der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) haben ihre Belästigungen und Drohungen gegen Mitglieder der Socialist Equality Party (SEP) auf der Insel Kayts im Norden Sri Lankas in den letzten Wochen fortgesetzt. Am 3. Januar brachten sie während einer Versammlung, von der die LTTE fälschlicherweise behauptete, dass sie von der Fischergewerkschaft von Ampihainagar organisiert sei, neue Drohungen vor.

Vergangenen September hatte der örtliche LTTE-Führer Semmanan Todesdrohungen gegen die SEP ausgestoßen, nachdem die Fischergewerkschaft, bei deren Gründung die SEP maßgeblich beteiligt war, sich geweigert hatte, Gelder für den Bau einer lokalen LTTE-Zentrale zu spenden. Am 8. Oktober griff das LTTE-Mitglied Karthikesu Amirthalingam das SEP-Mitglied Nagaraja Kodeeswaran unprovoziert an und verletzte ihn schwer an Kopf, Nacken und Schultern.

Weil es ihr nicht gelungen ist, die SEP einzuschüchtern, versucht die LTTE, die Fischergewerkschaft mit antidemokratischen Methoden unter Druck zu setzen. Die Versammlung vom 3. Januar war in erster Linie eine Zusammenkunft von LTTE-Mitgliedern und -Sympathisanten. Die LTTE rief zu dieser Versammlung auf, obwohl sie die polizeiliche Auflage erhalten hatte, bis zur Beilegung des Konflikts keine weiteren Schritte zu unternehmen.

Um Unterstützung von offizieller Seite zu erhalten, lud die LTTE auch zwei Regierungsvertreter ein - den Fischfang-Inspektor der Region und den Zuständigen für dörfliche Angelegenheiten. Prominenter Sprecher war Thevan, der als drittwichtigster Mann in der LTTE-Hierarchie der Insel Kayts gilt.

Während der Versammlung wurden Fragen an die Sprecher auf dem Podium gerichtet, was denn aus den alten Führern der Gewerkschaft geworden sei. Da brach das LTTE-Mitglied Sinniah Sihada Sundaralingam (Sundaran) in eine verbale Attacke gegen die SEP aus. Er denunzierte das Mitglied der SEP, Thiruchelvam Chandrasekaran, als "ein schlechtes Element" und beschuldigte ihn, dahinter zu stecken, dass vier der Gewerkschaftsführer, die der SEP angehören, die Gewerkschaft verwirrt hätten.

In einer weiteren provokativen Erklärung beschuldigte der ehemalige Gewerkschaftspräsident und LTTE-Sympathisant Muththiah Velmurugan fälschlicherweise zwei SEP-Mitglieder, Chandrasekaran und Rasendran Sudarshan, sie hätten ihm mit einem Gerichtsprozess gedroht. "Für den Fall, dass mir irgend etwas zustoßen sollte, möchte ich, dass diese Versammlung weiß, dass jene zwei Personen dafür verantwortlich sind", sagte er.

Sundaran und andere LTTE-Mitglieder riefen die Anwesenden dazu auf, die Häuser der vier SEP-Mitglieder zu zerstören und ihre Fischerboote auf das Meer hinaus zu stoßen, falls sie sich weigern sollten, ihre Gewerkschaftsbücher abzugeben.

Am 23. Dezember wurde das Fischernetz des SEP-Mitglieds Nadarajah Vimaleshwaran gestohlen. Am 1. Januar wurden einem weiteren SEP-Mitglied, Muththulingam Muruhananthan, ebenfalls Fischernetze gestohlen und seine restlichen Netze zerschnitten. Der Verlust beläuft sich auf Tausende Rupieen. Am Tag der Versammlung war sein Boot verschwunden; es war bei Nacht aus seiner Verankerung gelöst worden. Schließlich wurde das frei treibende Boot wieder aufgefunden und unter Schwierigkeiten beigeholt.

Die SEP und die World Socialist Web Site führen schon seit September eine internationale Kampagne, um von der LTTE-Führung zu fordern, dass sie sich von den Todesdrohungen gegen die SEP distanziert und der Partei das Recht garantiert, ihre legitime politische Arbeit in der Region auszuüben.

Dies hat dazu geführt, dass die Polizei sich endlich gezwungen sah, Anklage gegen das LTTE-Mitglied Amirthalingam zu erheben, welches das SEP-Mitglied Kodeeswaran verletzt hatte. Die nächste gerichtliche Anhörung wird am 14.Januar im Magistratsgericht von Kayts stattfinden. Auf Antrag von Kodeeswarans Anwalt ordnete der Richter bei der ersten Anhörung an, die Polizei müsse einen umfassenden gerichtsmedizinischen Bericht vorlegen, um die Schwere des Angriffs zu dokumentieren.

Fast vier Monate, nachdem die SEP offiziell Beschwerde eingelegt hatte, hat die Polizei endlich Anklage gegen den örtlichen LTTE-Führer Semmanan wegen dessen Todesdrohungen gegen SEP-Mitglieder erhoben. Semmanan erschien am 3. Januar, als diese Frage verhandelt wurde, nicht vor Gericht. Der Richter verschob den Fall auf den 7. Februar und ordnete an, dass die Polizei Semmanan vorladen müsse.

Die neuen LTTE-Drohungen scheinen eine Reaktion auf die wachsende Unterstützung für die WSWS -Kampagne zu sein. Die sogenannte Gewerkschaftsversammlung der LTTE vom 3. Januar wurde genau auf den Termin des Gerichtsverfahrens gegen Semmanan gelegt. Es geht nicht nur darum, wer in der Fischergewerkschaft von Ampihainagar das Sagen hat, sondern um grundsätzliche demokratische Rechte der SEP und der Arbeiterklasse als Ganzer.

Die LTTE führt zur Zeit Friedensgespräche mit der Regierung von Sri Lanka, um den seit langem wütenden Bürgerkrieg zu beenden. Jedes Abkommen zur Aufteilung der Macht wird die LTTE an der Durchsetzung von Sparmaßnahmen beteiligen, wie sie von Weltbank und IWF gefordert werden, und wird zwangsläufig dazu führen, dass Arbeiter und Arme sich dagegen auflehnen werden. Die Drohungen gegen die SEP-Mitglieder auf Kayts sind eine ernste Warnung, welche Methoden die LTTE anzuwenden beabsichtigt, wenn sie auf irgendwelche Opposition gegen eine solche Notstandspolitik stoßen wird.

Wir fordern alle unsere Leser auf, die WSWS -Kampagne zu unterstützen und Protestbriefe an die LTTE-Führung zu schicken, um von ihr zu fordern, dass sie ihre Drohungen zurücknimmt und das Recht der SEP garantiert, ihre politische Arbeit auszuüben, ohne dabei behindert, eingeschüchtert oder physisch angegriffen zu werden. Die SEP bittet außerdem dringend um Spenden für ihren 50.000 Rupien (500 Euro) Verteidigungsfonds, um legale und andere Kosten der Kampagne decken zu können.

Im folgenden ein Auszug aus den Unterstützungsbriefen, die wir in letzter Zeit erhielten:

Vier junge Teeplantagenarbeiter aus der Region Hatton - S. Udayakumar, P. Chandran, P. Saravana Kumar und T. Savarimuttu - schrieben: "Wir fordern die LTTE-Führung auf, die Angriffe auf die Mitglieder der Socialist Equality Party auf der Insel Kayts in der Nordprovinz von Sri Lanka zu verurteilen. Das Recht der SEP, ihre politische Arbeit in dieser Gegend auszuführen, muss verteidigt werden."

Diese Vier waren von der Armee wegen "Verdachts auf LTTE-Mitgliedschaft" verhaftet und ohne Prozess dreieinhalb Jahre lang inhaftiert worden, ehe man sie letztes Jahr nach einer langen Kampagne der WSWS und der SEP endlich auf freien Fuß setzte. Der Staatsanwalt hatte sich schließlich gezwungen gesehen, zuzugeben, dass ihre Geständnisse, die das einzige waren, was sie belastete, unter Folter erpresst worden waren.

"Die SEP und die WSWS haben weltweit systematisch und über längere Zeit für die Freiheit der politischen Gefangenen gekämpft. Wir waren selbst in Kalutara, Sri Lanka, als angebliche Unterstützer der tamilischen Befreiungsorganisation eine lange Zeit im Gefängnis. Wir wurden nur freigelassen, weil die SEP eine solche Kampagne führte und uns juristische Hilfe verschaffte. Wir fordern, dass alle Angriffe auf die SEP gestoppt werden," heißt es in ihrem Brief.

Ein Protestbrief wurde außerdem aus Westbengalen in Indien an das LTTE-Büro in Jaffna geschickt. Die Unterzeichner waren: D.P.S., der im Namen der Arbeiter der Jutefabrik von Kharda und Titagar unterschrieb; N.S., ein ehemaliger Erzieher in Kalkutta und Verantwortlicher für die Gesamtbengalische Lehrergewerkschaft; Frau G.S. von der Vereinigung westbengalischer Eltern und Lehrer; und G.D., ein Beamter im Ruhestand, der seit den vierziger Jahren in der Arbeiterbewegung aktiv ist und damals in der trotzkistischen Bolschewistisch-Leninistischen Partei von Indien (BLPI) Mitglied war. Die Unterzeichner schrieben:

"Wir, die wir unterschiedliche Lebenserfahrungen in Westbengalen gemacht haben, verurteilen die Todesdrohungen des LTTE-Vertreters auf Kayts, Semmanan, der auf einer Versammlung der Fischergewerkschaft von Ampihainagar sagte, die LTTE würde diese Art Arbeiterpartei nicht zulassen, und von der Fischerkooperative die Aushändigung einer beträchtlichen Geldsumme an die LTTE verlangte. Wir verurteilen solch undemokratische Todesdrohungen gegen die Fischer und die SEP-Mitglieder und fordern [von der LTTE], das demokratische Recht der SEP anzuerkennen, ihre Arbeit ohne Behinderungen und Einschüchterungen fortzusetzen."

D.A.S., ein Arbeiter aus der Schuhfabrik Bata, schrieb: "Die SEP kämpft, um die singhalesisch- und tamilischsprachigen Arbeiter im Kampf für eine sozialistische Republik zu vereinen. Die LTTE ist dafür verantwortlich zu machen, wenn den SEP-Mitgliedern irgend etwas an Leib und Leben zustößt." Er bestand darauf, dass es der SEP möglich sein müsse, ungehindert politisch zu arbeiten. "Die Angriffe auf die SEP-Mitglieder auf der Insel Kayts sind ein Angriff nicht nur auf die SEP, sondern auf die ganze Arbeiterklasse."

Weitere Briefe und Erklärungen sind an folgende Adressen zu schicken:

Jaffna

Ilamparithi LTTE Jaffna Office Potpathy Road, Kokuvil Jaffna

Colombo

LTTE c/- Sri Lanka Monitoring Mission PO Box 1930 Galle Road Colombo 3 E-mail: slmm-hq@mfa.no

London

The LTTE c/- Eelam House 202 Long Lane London SE1 4QB United Kingdom Telefon: 0044 / 171 /403 4554 Fax: 0044 / 201 / 403 1653

Bitte schickt Kopien aller Erklärungen und Briefe an die WSWS :

E-Mail: editor@wsws.org Fax: (0049) 030 / 308 72 620

Siehe auch:
Die SEP von Sri Lanka gedenkt des 15. Todestags von Keerthi Balasuriya
(10. Januar 2003)
Verteidigt die demokratischen Rechte der Socialist Equality Party (Sri Lanka)!
( 8. Oktober 2002)

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