Die Demonstration in Brüssel

Von unserem Reporterteam
18. Februar 2003

Bis zu 100.000 Menschen demonstrierten am Samstag auf den Straßen der belgischen Hauptsstadt Brüssel gegen den bevorstehenden Krieg. Zu der Demonstration hatten die beiden Gruppierungen "Stop USA" und "Gegen den Irakkrieg" aufgerufen. Das führte dazu, dass der Antikriegsprotest mit zwei Kundgebungen auf zwei verschiedenen Plätzen der Stadt endete.

Die Organisatoren hatten ursprünglich darauf gedrängt, die Demonstration als eine "Bürgeraktion" zu gestalten, und die politischen Parteien aufgefordert, sich nicht in den Vordergrund zu drängen. Trotzdem nahmen Vertreter der Regierungsparteien - einer Koalition aus Sozialistischer Partei, den Grünen und Liberalen - zum Teil unter ihren eigenen Transparenten an der Demonstration teil.

Die sozialistische Parteidelegation wurde mit Eiern beworfen, weil die belgische Regierung die amerikanische Kriegsmaschine in Kuwait und Katar logistisch unterstützt und sich durchaus eine europäische Intervention unter UN-Ägide in der Region vorstellen kann. Ein Teil der Demonstranten verurteilte diese Heuchelei.

An dem Protest nahmen NGO's, christliche Gruppen, Fraueninitiativen, Gewerkschaften und ökologische Gruppen sowie lokale belgische Friedensinitiativen teil. Auch Attac war anwesend. Familien mit Kindern, unorganisierte Jugendliche und Arbeiter machten einen großen Teil aus. Auch eine beträchtliche Anzahl Belgier arabischer Abstammung beteiligten sich. Auf den Transparenten in flämischer, französischer, englischer und arabischer Sprache stand: "Kein Krieg für Öl", "Wer ist der Diktator?", "Kein Blut für Öl", "Nein zur amerikanischen Diktatur", "Regimewechsel beginnt zu Hause" und "Stoppt die israelische Besetzung". Viele Demonstranten trugen Baseballkappen mit der Aufschrift: "Not in our name" [Nicht in unserem Namen].

Zahlreiche junge Teilnehmer kamen aus den nahen Grenzgebieten Frankreichs und Deutschlands. Außerdem nahmen deutsche Gewerkschaftsdelegationen von Ver.di und IG Metall an der Protestaktion teil.

Auf einer der beiden Kundgebungen verurteilten Sprecher die Kriegspläne der Bush-Regierung mit den Worten: "Terrorismus ist kein Argument für Krieg." Ein Gewerkschafts-
sprecher forderte ein Verbot des Transports militärischer Güter durch Belgien, was die Regierung erlaubt hatte. Ein anderer Redner forderte die Menschen auf, weiße Tücher als Symbol ihrer Opposition gegen den Krieg aus den Fenstern zu hängen. Roberto D'Orazio, ein militanter Gewerkschafter, verurteilte "Krieg in all seinen Formen, auch Embargos, die genau so viele Menschen getötet haben, wie der Krieg selbst." Ein weiterer Redner sagte: "Zu Beginn des 21. Jahrhunderts erleben wir die gleichen Kolonialkriege, wie zu Beginn des letzten. Der einzige Unterschied besteht darin, dass sie heute mit Waffen von enormer Zerstörungskraft geführt werden."

Die World Socialist Web Site war auf der Demonstration mit einem Informationstisch mit politischem Material präsent, das auf großes Interesse stieß. Eintausend Flugblätter mit der Erklärung der Redaktion der WSWS zum Krieg wurden verteilt. Im Gegensatz zu Friedensdemonstrationen vor zehn oder zwanzig Jahren war die Haltung der Teilnehmer viel ernsthafter und nachdenklicher. Die meisten, mit denen wir sprachen, waren den Analysen und Erklärungen der WSWS zur internationalen Lage und zu den Aufgaben der Antikriegsbewegung gegenüber offen.

Es gab einige Illusionen, dass die Haltung der belgischen Regierung Anlass zur Hoffnung gebe, der Krieg könne doch noch vermieden werden. Die belgische "Regenbogen"-Koalitionsregierung hatte die Opposition Frankreichs und Deutschlands gegen vorbereitende Schritte der Nato zur Verteidigung der Türkei im Konflikt mit dem Irak unterstützt. Dies sahen einige als Opposition gegen Krieg an. Ein junger Demonstrant, Bruno, meinte, dass die Suche nach einer Lösung im "Rahmen der politischen Institutionen" noch praktikabel sei, und dass man die Chancen ausschöpfen müsse. Zur Regierung sagte er: "Solange ihr Vorgehen den Krieg aufhält, muss man sie unterstützen. Ich bin hier, um den Politikern zu sagen, dass wir sie im Auge behalten."

Ein junger Elektriker, Brecht, der sagte, er lese die WSWS regelmäßig, nahm eine andere Position ein und beurteilte die Opposition der Regierungen Belgiens, Frankreichs und Deutschlands gegen Bush als "opportunistisch" und nicht wirklich als eine Haltung gegen Krieg. Er sagte, er schätze die WSWS vor allem wegen ihrer umfangreichen Berichterstattung über die Situation in Amerika.

Insgesamt gab es auf der Demonstration kaum nationalistische Töne. Viele Demonstranten betonten, dass ihre Wut sich gegen Bush richte, und nicht gegen die Amerikaner insgesamt.

(Dieser Artikel ist auch in der gleichheit - März/April 2003 enthalten.)

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