Aufruf der LTTE SEP-Mitglieder im Norden Sri Lankas "auszulöschen"

Von K. Ratnayake
12. Februar 2003

Am Vorabend der Eröffnung zweier Prozesse gegen Mitglieder der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) hat die Organisation ihre Drohungen gegen Mitglieder der Socialist Equality Party (SEP) auf der Insel Kayts im Norden Sri Lankas verschärft. Montag Nacht wurden an mehreren Stellen der Insel Aushänge angebracht, die "alle Menschen" aufrief, "sie und die Aktivitäten ihrer Partei von der Insel auszulöschen".

In dem Aushang wurden vier SEP Mitglieder und Sympathisanten namentlich genannt - Muthulingham Murugananthan, Nadaraja Vimaleswaran, Nagaraja Kodeeswaran, Rasalingam Thilakeswaran und Kirushnapillai Sithirakumar. Sie wurden verurteilt, weil sie "sich gegen die LTTE ausgesprochen" hätten und "gegen den Vorstand, die Mitglieder und Aktivitäten der Kooperativen Fischergewerkschaft von West-Velanai Ampihainagar tätig" gewesen seien.

Der Aushang wurde auf einem Computer erstellt und mit "Bewohner von West-Velanai Ampihainagar" unterzeichnet. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass die LTTE die Drohung autorisiert hat. Die Organisation ist für die Anwendung physischer Gewalt gegen ihre politischen Gegner berüchtigt.

Im September letzten Jahres stieß der LTTE-Gebietsleiter auf Kayts, Semmanan, Todesdrohungen gegen die SEP aus, nachdem die Kooperative Fischergewerkschaft von Ampihainagar, deren Gründung maßgeblich von der SEP beeinflusst worden war, es abgelehnt hatte, Geld für den Bau des LTTE-Gebietsbüros zu spenden. Am 8. Oktober griff das LTTE-Mitglied Karthikesu Amirthalingam unprovoziert das SEP Mitglied Nagaraja Kodeeswaran an und verletzte es schwer an Kopf, Hals und Schultern.

Die SEP und die World Socialist Web Site haben in einer internationalen Kampagne von der LTTE-Führung verlangt, ihre Leute auf Kayts zur Ordnung zu rufen und das demokratische Recht der Partei zu garantieren, ihren legitimen politischen Aktivitäten nachzugehen. Die LTTE hat mit einer Ausweitung ihrer Drohungen gegen die SEP reagiert. Der jüngste Aushang erfolgte unmittelbar vor zwei Gerichtsterminen, die am 7. Februar vor dem Amtsgericht in Kayts fällig waren - beim ersten geht es um die ursprünglichen Todesdrohungen Semmanans, bei dem anderen um den Angriff Amirthalingams.

In beiden Fällen erhob die Polizei erst Anklage, nachdem die Kampagne der WSWS durch Protestbriefe aus der ganzen Welt unterstützt worden war. Bei einer ersten Anhörung im Fall von Amirthalingam legte der Anwalt von SEP-Mitglied Kodeeswaran Beschwerde gegen die relativ geringfügige Anklage ein, die die Polizei erhoben hatte. Auf seinen Antrag hin forderte der Vorsitzende Richter die Polizei auf, einen vollständigen Bericht des Gerichtsmediziners vorzulegen, um die Schwere von Kodeeswarans Verletzungen bestimmen zu können.

Die Aushänge von Kayts enthalten zwei dreiste Lügen. Die Überschrift lautete: "Verjagt die Leute, die keinen Frieden wollen und das Geld der Arbeiter stehlen." Die Unterstellung, die SEP stehle das Geld der Arbeiter oder handle gegen die Kooperative Fischergewerkschaft von Ampihainagar stellt die Wirklichkeit auf den Kopf. Die Gewerkschaft wurde auf Initiative von SEP-Mitgliedern gegründet und ist bekannt für ihre Kampagnen zur Verteidigung der Rechte der Fischer, besonders gegen die Übergriffe der srilankischen Marine.

Alle vier SEP Mitglieder und Sympathisanten, die in dem Aushang genannt werden, sind demokratisch gewählte Mitglieder des Gewerkschaftsvorstands. Nachdem der Vorstand die Forderung der LTTE abgelehnt hatte, Geld für den Bau ihres Büros zu geben, versuchte die LTTE die Gewerkschaft unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie ernannte undemokratisch einen Vorstand, der aus LTTE-Sympathisanten besteht, besetzte gewaltsam das Gewerkschaftsbüro und machte es den SEP-Mitgliedern unmöglich, ihren rechtmäßigen Aktivitäten als Gewerkschaftsfunktionäre nachzugehen.

Jetzt setzt die LTTE die lokalen Behörden unter Druck, damit sie ihre Schwindelgewerkschaft anerkennen, bedrängt die Fischer ihr beizutreten und versucht, die SEP-Vorstandsmitglieder zu zwingen, die Unterlagen und das Geld der Gewerkschaft herauszugeben. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, ist sie so kühn und beschuldigt die SEP, "das Geld der Arbeiter zu stehlen".

Die zweite Anschuldigung, die SEP Mitglieder seien "gegen den Frieden", ist genau so verlogen. Die SEP (und ihr Vorgänger, die Revolutionary Communist League) ist in ganz Sri Lanka für ihre prinzipielle und mutige Haltung gegen den brutalen Krieg bekannt, den die verschiedenen Regierungen in Colombo zur Unterdrückung der demokratischen Rechte der tamilischen Minderheit des Landes geführt haben. Während des ganzen 19-jährigen Kriegs haben die srilankischen Trotzkisten unnachgiebig den bedingungslosen Rückzug der srilankischen Armee aus dem Norden und Osten der Insel verlangt und entschlossen gegen die Unterdrückung der Tamilen gekämpft.

Die SEP ist nicht gegen Frieden, sondern gegen das üble Abkommen, das die LTTE mit der srilankischen Regierung bei "Friedensgesprächen" hinter verschlossenen Türen geschlossen hat, die von den Großmächten und der Großindustrie gesponsert wurden. Beide Seiten missbrauchen den gerechtfertigten Wunsch der einfachen Menschen nach einem Ende des Krieges, um eine Machtteilung zwischen den singhalesischen, tamilischen und muslimischen herrschenden Eliten zu erreichen.

Die SEP hat beständig gewarnt, dass sich eine solche Vereinbarung gegen die Arbeiterklasse und die unterdrückten Massen richten werde - gegen die Singhalesen genauso wie gegen die Tamilen. Bei der ersten Runde der Friedensgespräche in Thailand erklärte der Chefunterhändler der LTTE, Anton Balasingham, die Bereitschaft der LTTE, gemeinsam mit der srilankischen Regierung daran zu arbeiten, "die Insel in eine erfolgreiche Tigerwirtschaft zu verwandeln". Die Bemerkung war ein gezieltes Signal an internationale Investoren, dass die LTTE die Anstrengungen Colombos unterstützen werde, die Umstrukturierungsforderungen des IWF durchzusetzen.

Um die Stabilitätsmaßnahmen des IWF durchzusetzen, wird die srilankische Regierung die Opposition der Arbeiter gegen die Zerstörung ihrer Arbeitsplätze, Arbeits- und Lebensbedingungen unterdrücken müssen. Die LTTE hat bereits angedeutet, dass sie bereit ist, Seite an Seite mit den srilankischen Sicherheitskräften als Polizei für die Politik Colombos zu dienen. Balasingham erklärte vergangenen Monat in einem Interview mit dem Sunday Leader : "Wir fordern nicht die Abrüstung der Armee, der Kasernen und Militärkomplexe... Wir fordern nicht den Rückzug der Armee." Dabei hat diese Armee fast zwei Jahrzehnte lang im Norden und Osten ein Terrorregime ausgeübt. Sie hat Zehntausende aus ihren Häusern vertrieben und ist für den Tod und die Verstümmelung vieler weiterer verantwortlich.

Die SEP grundlegende Meinungsverschiedenheiten mit den politischen Perspektiven der LTTE, die bestens bekannt sind. Aber die LTTE ist ebenso wenig in der Lage, die Einwände der SEP gegen ihr pro-kapitalistisches Programm zu beantworten, wie sie den Fischern von Kayts ihre wirklichen Ziele offen darlegen kann. Stattdessen greift sie zu Schlägermethoden und Lügen.

Seit die WSWS vor drei Monaten ihre Kampagne begann, hat die LTTE-Führung weder eine Erklärung veröffentlicht noch einen der zahlreichen Briefe aus aller Welt beantwortet, die von ihr fordern, dass sie ihre Untergebenen zurecht weist und das Recht der SEP garantiert, ihre politische Arbeit frei von Drohungen zu verfolgen.

Vergangenen Monat reagierte die LTTE, indem sie ihre Leute auf Kayts belohnte. Semmenan, der die ersten Drohungen ausgestoßen hatte, wurde zum stellvertretenden Leiter des Distrikts Jaffna befördert. Sein Stellvertreter und eine anderes führendes Mitglied, Thevan, wurden zum Gebietsleiter auf Kayts bzw. zu seinem Stellvertreter ernannt.

Der Versuch der LTTE, die SEP auf Kayts "auszulöschen", ist die schärfste Warnung an die srilankische Arbeiterklasse, mit welchen Methoden sie das Machtteilungsabkommen mit Colombo nötigenfalls durchsetzen wird. Es gibt viele Anzeichen, dass die LTTE entschlossen ist, die SEP zu unterdrücken, weil sie befürchtet, die Partei könne beträchtlichen Einfluss unter Tamilen gewinnen, die zunehmend ablehnend und feindlich auf die LTTE reagieren. Die Organisation setzt dieselben Einschüchterungsmethoden ein, um Schulkinder als Kämpfer zu "rekrutieren", und bei kleinen Händlern Steuern einzutreiben, wodurch die Preise nach oben schnellen.

Die SEP hegt keine Zweifel über die Bedeutung der jüngsten Drohungen der LTTE: das Leben unserer Mitglieder auf Kayts ist in akuter Gefahr. Wir rufen Arbeiter, Intellektuelle und die Jugend auf, erneut unsere Kampagne zu unterstützen, Protestbriefe zu schicken und die Aktionen der LTTE zu verurteilen. Wir appellieren an unsere Leser, uns bei der Finanzierung unserer Kampagne und der juristischen Kosten zu helfen und für unseren 50.000-Rupien-(500 Euro) Verteidigungsfond zu spenden.

Protestbriefe können an folgende Adressen geschickt werden:

Jaffna

Ilamparithi LTTE Jaffna Office Potpathy Road, Kokuvil Jaffna

Colombo

LTTE c/- Sri Lanka Monitoring Mission PO Box 1930 Galle Road Colombo 3 Email: slmm-hq@mfa.no

Sie können auch mit der Post oder Per Fax geschickt werden an:

London

The LTTE c/- Eelam House 202 Long Lane London SE1 4QB United Kingdom Telephone: 44-171-403-4554 Fax: 44-201-403-1653

Bitte Kopien aller Briefe auch an die WSWS schicken:

Email: editor@wsws.org Fax: United States: 248 967 3023 Britain: 0114 244 0224 Australia: 02 9790 3501

Spenden bitte an:

Account Number 1472834301 at the Kirullapona Branch of the Commercial Bank of Ceylon 94A Pamankada Road Kirullapona Colombo Sri Lanka

Siehe auch:
LTTE stößt weitere Drohungen gegen SEP-Mitglieder in Sri Lanka aus
(17. Januar 2003)
Gewaltsamer Angriff der LTTE auf einen Sozialisten in Sri Lanka
( 15. Oktober 2002)

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