Die Rolle der US-Basen in Deutschland

Bundesregierung gibt USA Rückendeckung im Irakkrieg

Von Ludwig Niethammer
5. April 2003

Obwohl die rot-grüne Bundesregierung den Angriffskrieg gegen den Irak offiziell ablehnt, leistet sie den USA und Großbritannien massive logistische und militärische Unterstützung. Sie verstößt damit offen gegen das Grundgesetz und macht sich mitschuldig an diesem äußerst brutal geführten Krieg gegen die irakische Zivilbevölkerung.

Für die amerikanische Kriegsführung ist Deutschland zum wichtigsten militärischen Umschlagplatz geworden. Ein großer Teil der Truppen- und Militärtransporte der US-Armee wird seit Wochen über die US-Militärbasen in Deutschland abgewickelt. Die Bundesregierung gewährt den amerikanischen und den britischen Militärflugzeugen auch nach Kriegsbeginn uneingeschränkte Überflugsrechte. An den Awacs-Aufklärungsflügen in der Golfregion sind die Deutschen nach wie vor mit einem Drittel der Besatzung beteiligt. Der deutsche ABC-Spürpanzer-Einsatz in Kuwait wurde mit weiteren 100 Soldaten verstärkt.

Die deutsche Beteiligung an diesem Krieg ist erheblich. Die 25 größten US-Militärstützpunkte in Deutschland bilden eine entscheidende Militär-Infrastruktur, um die militärischen Operationen gegen den Irak durchführen zu können. Von den über 70.000 in Deutschland stationierten amerikanischen Soldaten erhielten im Februar und März Tausende den Marschbefehl in Richtung Golf. Wichtiges Kriegsmaterial, aber auch die 1. Panzerdivision der U.S. Army wurden z. B. über Vielseck (Bayern) und vor allem aus US-Kasernen aus Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz nach Bremerhaven transportiert und dort verschifft. Ebenso die 1. Panzerdivision der Briten, die hier stationiert ist. Aus dem Militärstützpunkt Wiesbaden folgte die 1. Division samt einem Versorgungskommando. Ein großer Teil des V. Korps, das 40.000 Soldaten umfasst und sein Hauptquartier in Heidelberg hat, wurde zum Aufbau der Nordfront in die Golfregion geschickt. Aus Mannheim wurde z. B. eine Hubschrauberstaffel und eine Feldjägerbrigade nach Kuwait befehligt.

Die US-Airbase Ramstein ist der größte Stützpunkt der US-Luftwaffe außerhalb der USA. Von hier aus wurde schon die Luftversorgung der Soldaten für die Kriege auf dem Balkan und in Afghanistan organisiert. Die 86th Airlift Wing (AW) Germany haben laut Brigadegeneral Erwin F. Lessel die Aufgabe - auch jetzt im Irakkrieg - "Luftbrücken zu bauen für den Transport von Menschen und Material, Hilfs- und Nachschubgüter aus der Luft abzuwerfen und Soldaten im Notfall zu evakuieren".

Ramstein gilt als maßgebliche Drehscheibe im Krieg. Auch Kriegsverbündete wie Großbritannien können diese US-Airbase für ihre Einsätze benutzen. Ganz in der Nähe befindet sich der Militärstützpunkt Baumholder, wo 8.000 US-Soldaten stationiert sind. Diese Base ist für Luftbrücken zwischen dem Nordirak und Deutschland vorgesehen. Sie hatte schon beim Afghanistan-Krieg eine Luftbrücke für Soldaten, Kriegs- und Hilfsmaterial zwischen der Türkei und Deutschland organisiert.

Weiterhin spielt die US-Airbase Spangdahlem in der Eifel eine wichtige militärische Rolle. Der Standort soll bis 2005 so ausgebaut werden, dass er die Rhein-Main-Airbase ersetzen kann. In Spangdahlem gibt es bereits 92 Flugzeugbunker und 70 Munitionsbunker. Von hier aus startet auch der berüchtigte Tarnkappenbomber F-117-A. Das hier stationierte 52. Jagdgeschwader der US-Armee befindet sich ebenso bereits in der Golfregion. Auf dem Militärflughafen sind 5.000 Soldaten stationiert, mit drei Kampfschwadronen und einer Kontrollschwadron.

Maßgeblich beteiligt am Truppentransport in die Golfregion ist auch die Rhein-Main-Airbase in Frankfurt - die zweite große Drehscheibe der US-Airforce. Dort legen die riesigen amerikanischen Miltärtransporter Galaxy und Globemaster ihren Zwischenstopp ein auf dem Weg in die Kriegsregion. Hier sind die mächtigen Tankflugzeuge KC-135 Stratotanker stationiert, die Kampfjets und Transportflugzeuge in der Luft betanken. Nicht auszumalen, was über dem Frankfurter Luftraum passieren würde, wenn eines dieser "Todeskommandos" (Bezeichnung der Crew) schief liefe. Hier starten pausenlos Maschinen direkt an die Kriegsfront - beladen mit Bomben, Kriegsgerät und Soldaten. Auf dem Rückflug bringen sie dutzendweise verwundete Soldaten zurück, die in Wiesbaden oder Landstuhl in US-Krankenhäuser kommen. Für ihre Transporte benutzen die US-Streitkräfte auch zunehmend geleaste zivile Flugzeuge, weil ihnen die Kapazitäten nicht ausreichen.

In Stuttgart befindet sich eine der bedeutendsten US-Kommandozentralen für den Irakkrieg. Der Kommandeur von Eucom (European Command) Joseph Ralston erklärte im vergangenen Herbst, Eucom werde eine "zentrale Rolle" bei den Luftangriffen gegen den Irak spielen. Die TAZ bezeichnet die Eucom als "virtuellen Feldherrenhügel für alle Aktionen der Air Force, der Army und der Navy zwischen Grönland und Kap der guten Hoffnung". Das Eucom-Hauptquartier in Stuttgart dient seit Jahren schon als Schnittstelle für die Bombardements im Norden und Süden des Iraks - bekannt als die sogenannten Kontrollflüge in den von den USA festgelegten Flugverbotszonen. Von hier aus also werden die Militäreinsätze der verschiedenen US-Stützpunkte koordiniert.

Seit Anfang Februar sind ganze Divisionen, Corps und andere Bataillone von den verschiedenen Militärbasen in Deutschland in den Golf verlagert worden. Um nur einige zu nennen: Ansbach, Giessen-Friedberg, Bad Kreuznach, Bamberg, Darmstadt, Büdingen, Hanau, Illesheim, Kitzingen, Schweinfurt, usw..

Anfang des Jahres hat auf dem größten US-Truppenübungsplatz in Europa, in Grafenwöhr, das virtuelles Manöver "Victory Scrimmage" als direkte Kriegsvorbereitung stattgefunden. Dabei hatten 1000 US-Offiziere einen computer-simulierten Angriff auf den Irak geübt. Zusätzlich wurde auf dem riesigen Gelände in Grafenwöhr in der Oberpfalz ein Hightech-Manöver in Vorbereitung auf den Irakkrieg durchgeführt, daran waren 3.000 Soldaten beteiligt. Grafenwöhr diente bereits beim Golfkrieg 1991 als wichtigstes US-Trainingslager in Europa. Hier sollen demnächst alle in Deutschland befindlichen US-Spezialeinheiten zu einer weltweit agierenden "Schnellen Eingreiftruppe" zusammen gelegt werden.

Eine weitere nicht zu unterschätzende Hilfe leistet die Bundesregierung, indem sie 3.800 Soldaten der Bundeswehr zur Bewachung der US-Militäreinrichtungen aufbietet. Die Bundeswehr bewacht insgesamt 95 militärische Objekte. Schröder und Fischer haben damit den ausdrücklichen Wunsch des amerikanischen Verteidigungsminister Rumsfeld erfüllt. Dadurch wird das US-Militär entlastet und kann seine frei werdende Kräfte zur Stärkung der US-Truppen im Irak einsetzen. Die 600 Soldaten der deutschen Marine am Horn von Afrika wurden ebenso zur Vorbereitung des Irakkrieges eingesetzt. Sie gaben den amerikanischen Seestreitkräften und Seetransporten Geleitschutz auf ihrem Weg in den Persischen Golf.

In Geilenkirchen befindet sich die Awacs-Base. Sie ist seit 1982 eine fliegende Kommandozentrale der Nato. An diesem Standort, in der Nähe von Aachen, sind 3000 Soldaten und Zivilangestellte untergebracht. Die Aufklärungsflugzeuge Awacs wurden auch bei den vergangenen Kriegen als "Kommunikationsunterstützung bei Luftoperationen" oder bei der "Luftunterstützung für Bodentruppen" überwiegend für die amerikanische Kriegsführung eingesetzt. Es besteht kein Zweifel, dass dies auch bei diesem Krieg der Fall ist.

Am Wochenende gab das deutsche Verteidigungsministerium bekannt, das die Bundesregierung die Entsendung von drei Schnellbooten der Bundesmarine in die Meerenge von Gibraltar in Erwägung ziehe. Man wolle damit eine entsprechende Bitte der Vereinigten Staaten an die Nato erfüllen. Der Einsatz schließe den Geleitschutz für alliierte Kriegsschiffe ein, die sich auf dem Weg an den Golf befänden. Die deutsche Fregatte "Augsburg" befindet sich bereits im östlichen Mittelmeer und kontrolliert dort für die USA den Schiffsverkehr

Eines ist unbestreitbar, ohne die sehr massive militärische Hilfe von Seiten der Bundesregierung, wäre in der jetzigen kritischen Phase des Krieges die militärische Handlungsfähigkeit der USA stark geschwächt.

Siehe auch:
Sitzblockade vor der Frankfurter Air-Base
(25. Februar 2003)

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