Protest in Kopenhagen gegen Bushs und Rasmussens Krieg im Irak

Von einem Korrespondenten
15. April 2003

Mehr als 2.000 Menschen gingen am Samstag in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen auf die Straße, um gegen den Krieg im Irak zu protestieren. Die Demonstration begann vor der amerikanischen Botschaft und zog dann durch die Innenstadt zum Schlossplatz am Parlamentsgebäude Christiansborg, wo sie mit einer Kundgebung abgeschlossen wurde.

Der Protest richtete sich nicht nur gegen die Bush-Regierung, unter deren Führung die Invasion und Einnahme des Irak stattfindet, sondern auch gegen die dänische Regierung unter Premierminister Anders Fogh Rasmussen, die der so genannten "Koalition der Willigen" angehört. Die rechte Rasmussen-Regierung hat zur Unterstützung der militärischen Invasion Truppen an den Persischen Golf entsandt und ist mit dem dänischen Diplomaten Hendrik Olesen direkt an der zukünftigen Regierung in Bagdad beteiligt, die von dem pensionierten amerikanischen General Jay Garner geleitet werden wird.

Die Demonstration setzte sich aus Menschen jeden Alters und verschiedener sozialer und nationaler Herkunft zusammen, aber junge Leute und Einwanderer machten den größten Teil aus. Während diverse linke und radikale Organisationen vor Ort waren, zeigte die große Mehrheit der Teilnehmer keine Bindung an diese Gruppen.

Veranstalterin des Protests war die Organisation Ingen krig mod Irak, ein breites Antikriegsbündnis, das aus vielen verschiedenen Gruppen, Parteien, Initiativen und Einzelpersonen besteht. Auf der Kundgebung sprachen unter anderem Hanne Reintoft, eine ehemalige Parlamentsabgeordnete der Sozialistischen Volkspartei, der Schriftsteller und Bühnenautor Stig Dalager, Anneliese Ebbe für Ingen krig mod Irak und Tor Aage Eikerapen, der das norwegische Antikriegsbündnis repräsentierte.

Sprecher bei der Kundgebung vertraten die Ansicht, dass die Antikriegsproteste auf der ganzen Welt das Ziel haben sollten, die jeweiligen nationalen Regierungen unter Druck zu setzen, so dass diese eine oppositionelle Haltung gegenüber den Vereinigten Staaten einnehmen. Gegenüber Reportern der WSWS erklärte Tor Aage Eikerapen: "Ich hoffe, dass Europa sich zunehmend von den Vereinigten Staaten distanzieren wird, aber ich fürchte, dass die meisten europäischen Regierungen sich nun um eine Normalisierung der Beziehungen bemühen werden."

In Opposition zu einer solchen Orientierung auf nationale Regierungen und den bürgerlichen Staat verteilten Unterstützer der World Socialist Web Site Hunderte von Flugblättern, mit denen eine revolutionäre Perspektive auf der Basis einer unabhängigen Mobilisierung und internationalen Vereinigung der Arbeiterklasse verbreitet wurde. Die Demonstrationsteilnehmer zeigten allgemein ein großes Interesse an der WSWS -Erklärung "Politische Lehren aus dem Irakkrieg" und viele suchten die Diskussion. Eine Reihe von Demonstranten kannten und lasen bereits die WSWS.

Viele derjenigen, mit denen das WSWS -Team sprach, brachten ihr Bedauern zum Ausdruck, dass an diesem Protest viel weniger Menschen teilnahmen als am 15. Februar, als etwa 30.000 durch Kopenhagen marschiert waren. Sie wiesen auf die Rolle der Massenmedien hin, die in ihrer Berichterstattung über den Krieg einhellig die Sichtweise der von Amerika geführten "Koalition der Willigen" übernommen und dadurch Unterstützung für die Invasion mobilisiert hatten.

Demonstrationsteilnehmer betonten, dass der Krieg im Irak - im Gegensatz zur Darstellung in den Medien - noch nicht zu Ende ist. Sie zogen einen Vergleich zu dem Krieg in Afghanistan, der anhält und weiterhin seine Toten fordert, über den in den Medien aber praktisch nicht mehr berichtet wird.

"Ich fürchte, dass der Irak zu einem zweiten Palästina, zu einem Land im permanenten Kriegszustand werden könnte", sagte Maj, eine 19-jährige Kindergärtnerin. "Und selbst wenn ein ‚Frieden‘ erreicht würde, wäre er doch nur oberflächlich hergestellt. Die gesamte politische Entwicklung bringt den Weltfrieden ernsthaft in Gefahr."

Stinus, ein 16-jähriger Schüler, erklärte: "Der Krieg ist nicht vorbei und die Vereinigten Staaten werden dem Irak keine Demokratie sondern nur einen neuen Diktator bringen. Dänemark hat sich dem amerikanischen Krieg angeschlossen, weil sie sich gewaltige Profite und Vorteile beim Wiederaufbau des Iraks versprechen."

"Was wir gerade erleben, ist ein grundlegender, struktureller Bruch in der Weltgeschichte", sagte Rolf, 58, der an der Universität lehrt. "Ein Ausdruck dieser Entwicklung ist, dass die Vereinigten Staaten sich nicht länger an internationale Einrichtungen wie die Vereinten Nationen gebunden fühlen. Dies ist das Ende der Weltordnung, die aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen war."

Siehe auch:
Hunderttausende demonstrieren in Rom
(15. April 2003)
10.000 protestieren in Berlin
( 15. April 2003)
Kundgebung gegen den Krieg in Rotterdam
( 15. April 2003)
Weitere Berichte über die weltweiten Antikriegsdemonstrationen

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