Terex übernimmt europäische Baumaschinenhersteller

8. Mai 2003

Den folgenden Beitrag erhielten wir von einem Leser, der als Angestellter bei einem Baumaschinenhersteller arbeitet.

Der Terex-Konzern, einer der größten amerikanischen Baumaschinenkonzerne, bemüht sich seit einigen Jahren intensiv darum kleinere bis mittlere Firmen in Europa zu kaufen, die vor dem Abgrund der Insolvenz stehen. In Deutschland waren das etwa Fuchs, Schaeff, Peiner, Demag, in Frankreich PPM. An solcher Strategie ist an sich nichts neues, neu ist für die betroffenen Arbeiter und Angestellten die Management-Methodik.

Die beiden für Rationalisierungsaufgaben in Europa zuständigen Terex-Manager, der emigrierte Bulgare Fil Filipov und sein Sohn, überlassen nach Übernahme der Geschäftsleitung in der Regel ein rundes Drittel der Belegschaft der Straße. Einen Sozialplan, bei dem nach Alter, Familie etc. unterschieden würde, gibt es hierbei nicht. Es genügt eine einzige Widerrede, um noch am selben Tag seine Papiere abholen zu dürfen. Gerade erst eingestellte Lehrlinge wurden wieder entlassen. Vom ersten Tag an verbreitet die neue Geschäftsleitung durch brutales Abmähen bewusst eine Atmosphäre der Einschüchterung und der Angst. Die Reaktionen der Betriebsräte laufen dabei oft auf eine Art Selbstbespeiung hinaus.

Darauf angesprochen, dass durch willkürliche Entlassungen der Betrieb an Trägern von Know-How ausblute und darunter auf Dauer die Qualität leide, lautete der Kommentar Filipov’s: "Qualität ist einzig eine Sache der Führung." Im Zusammenhang mit der beschriebenen Führungsmethode kann damit nur Intensivierung der Arbeit durch Angst vor dem Existenzverlust gemeint sein. Dies wird flankiert durch die pauschale Einführung der 35-Stundenwoche bei unverändertem Arbeitsaufkommen: sprich weniger Lohn bei proportional gesteigerter Arbeitshetze. Der Kommentar Filipov’s hierzu: "Die Leute sollen sich vertraut machen mit dem, was auf sie zukommt: harte, sehr harte Arbeit."

Der tiefere Zusammenhang der ‚Produktivitätssteigerung’ durch Intensivierung der Arbeit liegt aber nicht in ‚amerikanischen’ Managementmethoden, sondern in der weltweiten Stockung tatsächlich neuer, innovativer Produktionstechnologien im Verbund mit sich hartnäckig sperrenden Märkten. An diesem periodisch und immer heftiger wiederkehrenden Punkt angelangt, lässt sich der dadurch bewirkte beschleunigte Fall der relativen Gewinne nur aufhalten bzw. verlangsamen, wenn radikal Kosten gesenkt werden. Ein gewisser Umfang an Betriebsvermögen und Halbzeugen, zugekauften Baugruppen, Energie etc. ist jedoch zur Produktion auf gegebenem Niveau unabdingbar, so dass der ökonomische Druck quasi eins zu eins auf die Nerven und Knochen der Mitarbeiter geleitet wird. Kapitalverwertung ist somit objektiv immer weniger ohne immer offenere Konfrontation mit den Arbeitern möglich.

Der positive Aspekt dahinter ist, dass im Zuge dieser allgemeinen Entwicklung politische Organisationen sich zunehmend dem Zwang gegenübersehen, zu zeigen auf wessen Seite sie konkret stehen. Jede, stets mit staatsmännisch gefalteter Miene oder priesterhaftem Tonfall vorgetragene Phrase von nationalen Interessen ("es muss ein Ruck durch Deutschland gehen..." usw.) entlarvt sich immer deutlicher als das, was sie ist: ein Tarnkäppchen für die Kapitalverwertungsinteressen der oberen Schichten. Die Reaktion der offiziellen ‚linken’ Parteien auf ihr Dilemma ist eine Kombination aus schnellerer Rotation um eine eindeutig nationalistische Achse, und parallel dazu Lobhudeleien und Versprechungen an den bankrottierenden Mittelstand. Dieser wird als "das Rückgrat der deutschen Wirtschaft" gepriesen, obwohl klar ist, dass die Wirtschaftskraft mit den großen Produktionseinheiten steht und fällt, und der Mittelstand mitsamt den besser gefütterten Teilen der Arbeiter und Angestellten vielmehr das Rückgrat der bürgerlichen Demokratie und damit stabiler Kapitalverwertungsbedingungen ist.

Dieser wachsende Widerspruch ist auf der Basis reformistischer Politik nicht lösbar. Eine Verschiebung der staatlichen Begünstigungen von den Konzernen zum Mittelstand schwächt auf Dauer die wirtschaftliche und damit politische Position, jede Vertiefung konzernfreundlicher Politik zulasten kleinerer Unternehmen untergräbt den bürgerlichen Zusammenhalt. Unter dieser Maßgabe bleibt den offiziellen Parteien nur der entschlossene Tritt nach unten.