Shanmugam Sundaralingam 1956-2003

Viel zu früher Tod eines srilankischen Trotzkisten

Von der Socialist Equality Party (Sri Lanka)
13. August 2003

Shanmugam Sundaralingam, ein Mitglied der Socialist Equality Party (SEP) in Sri Lanka, ist am 1. August überraschend gestorben. Er war ein ehemaliger tamilischer Plantagenarbeiter - ein Angehöriger der unterdrücktesten Schicht der srilankischen Arbeiterklasse - und seit zehn Jahren Mitglied der SEP.

Sundaralingam brach vergangenen Freitag in einem Laden in der Nähe seiner Wohnung zusammen - einem winzigen "Reihen"-Zimmer an den Aislaby Plantations in der Gegend von Bandarawela, 200 Kilometer von Colombo entfernt. Er wurde sofort in die kleine Pflegestation der Teeplantage gebracht, war jedoch schon tot, als er dort ankam.

Sundaralingam, geboren am 9. August 1956, wurde nur 47 Jahre alt. Er hinterlässt seine Frau Kamala Sundaralingam, ebenfalls eine Plantagenarbeiterin und Sympathisantin der SEP. Sein Tod ist für die SEP ein großer Verlust und schmerzt seine Genossen sehr.

Sundaralingams Beerdigung fand drei Tage später auf der Teeplantage statt, wo er gearbeitet hatte. Fast 300 Plantagenarbeiter, Jugendliche und Dorfbewohner nahmen daran teil, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Auf der Beerdigung, die unter einer SEP-Fahne abgehalten wurde, sprachen die SEP-Vorstandsmitglieder R. M. Gunatilake, Nanda Wickramasinghe, Pani Wijesiriwardana und Iranganee Weerasinghe.

Seit er im Jahre 1993 der SEP beitrat, kämpfte Sundaralingam mutig für Arbeiterrechte und internationale sozialistische Prinzipien. 1997 wurde er von der Direktion herausgegriffen und fristlos entlassen, um auf diesem Wege seine politische Tätigkeit zu unterbinden. Im gleichen Jahr erlitt er einen Schlaganfall, der ihn teilweise lähmte. Erst nach monatelanger medizinischer Behandlung war er wieder in der Lage zu sprechen, doch gehen konnte er nur noch mit Hilfe eines Stocks.

Bis zu seinem Tod erhielt Sundaralingam Medikamente gegen Bluthochdruck und die Spätfolgen seines Schlaganfalls. Die ärmlichen Verhältnisse, unter denen er lebte, sowie seine Entlassung aus politischen Gründen trugen ohne Zweifel zu seinem viel zu frühen Tod bei. Die Schwierigkeiten, mit denen er konfrontiert war, erwuchsen aus der gnadenlosen Ausbeutung, der die Tee- und Gummiplantagenarbeiter überall in Sri Lanka unterworfen sind.

Sundaralingam stammte aus einer sechsköpfigen Familie, die ihre Wurzeln in Südindien hatte, von wo die britischen Kolonialherrscher seit dem späten neunzehnten Jahrhundert Hunderttausende armer Tamilen rekrutierten, um sie auf Sri Lankas Plantagen erst Kaffee, später Tee anbauen zu lassen.

Von Anfang an waren die Plantagenarbeiter mit entsetzlichen Bedingungen konfrontiert. Sie durften sich nur innerhalb der Plantagen bewegen, wodurch sie von anderen Arbeitern isoliert waren, und erhielten nur Hungerlöhne. Nachdem sie anfangs in elenden Lagern hausen mussten, erhielt später jede Familie einen winzigen "Reihen"-Raum - eine einfach abgeteilte Parzelle in einer langen Baracke. Auch heute noch leben die meisten Plantagenarbeiter in solchen Unterkünften, die aus der Kolonialzeit stammen.

1948, nur wenige Monate nach der Unabhängigkeit und acht Jahre vor Sundaralingams Geburt, führte die Regierung der United National Party (UNP) das Bürgerschaftsgesetz ein, das die gesamte, auf den Plantagen lebende tamilische Bevölkerung der Bürgerrechte, einschließlich des Wahlrechts, beraubte. Trotz der Tatsache, dass viele Familien seit Generationen in diesem Land lebten, wurden sie zu einer Art staatenloser Bürger zweiter Klasse erniedrigt.

Dieser antidemokratische Angriff verfolgte das Ziel, die srilankische Arbeiterklasse zu schwächen, indem ein ethnischer Keil zwischen die Singhalesisch und Tamilisch sprechenden Arbeiter getrieben wurde. Die trotzkistische Lanka Sama Samaja Party (LSSP), die im Kampf gegen die britische Kolonialherrschaft eine führende Rolle gespielt hatte, bezog energisch Stellung gegen das Bürgerschaftsgesetz. Ihre Perspektive, die Arbeiterschaft unabhängig von ethnischer Herkunft, Sprache oder Religion zu vereinigen, fand einen mächtigen Widerhall in der Arbeiterklasse, auch unter den Plantagenarbeitern. Bedeutend war dabei, dass die tamilischen Eliten das Bürgerschaftsgesetz unterstützten.

Doch unter dem Einfluss der Nachkriegsordnung begann die LSSP in zunehmenden Maße, die revolutionäre marxistische Perspektive zurückzuweisen, die auf der politischen Unabhängigkeit der Arbeiterklasse basierte, und passte sich der chauvinistischen Politik an, die die srilankische Bourgeoisie und ihre kleinbürgerlichen Agenturen vertraten. Im Jahre 1964 erreichte die politische Degeneration der LSSP ihren Höhepunkt, als die Partei mit dem Trotzkismus brach und der bürgerlichen Regierung von Frau Sirima Bandaranaike beitrat.

Dieser Verrat sollte für die Arbeiterklasse in Sri Lanka und international gewaltige Konsequenzen haben. Er führte direkt zum Auftreten von radikalen Parteien der Mittelklasse, die sich auf eine kommunalistische Politik gründeten - der separatistischen Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) unter Tamilen im Norden und der Janatha Vimukthi Peramuna (JVP) unter singhalesischen Jugendlichen im Süden der Insel. Die Dominanz der chauvinistischen und Singhalesen bevorzugenden Politik in der Hauptstadt Colombo und der Rückgriff der Regierung auf antidemokratische Maßnahmen gegen Tamilen führten zum Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahre 1983.

Sundaralingams Leben war mit diesen turbulenten Ereignissen stark verbunden. Er war erst acht Jahre alt, als die LSSP ihren Verrat beging. Eine unmittelbare Konsequenz war das berüchtigte Sirima-Shastri-Abkommen, das Bandaranaike mit dem indischen Premierminister Lal Bahadur Shastri schloss. Unter der Vereinbarung wurden Hunderttausende Plantagenarbeiter zur Rückkehr nach Indien gezwungen, während einigen der Verbliebenen die Bürgerrechte gewährt wurden. Die LSSP unterstützte die Verfolgung nicht, aber ihr Verhalten stärkte den Einfluss der konservativen Gewerkschaften samt ihrer politischen Parteien auf die tamilischen Plantagenarbeiter, so etwa den Ceylon Workers Congress (CWC) und den Democratic Workers Congress (DWC).

Im Jahre 1964 wurden Sundaralingam Vater von einer anderen Plantage auf die Aislaby Plantation überstellt. Als lokaler Führer des DWC war er in der Lage, seinem Sohn eine Schulausbildung bis zur sechsten Klase zu sichern. Die meisten Kinder auf den Plantagen verlassen die Schule weitaus früher oder besuchen sie erst gar nicht.

Sundaralingam war noch sehr jung, als ein Vater starb, was seiner Ausbildung ein Ende setzte und ihn zwang, eine Arbeit zu suchen, um seine Familie zu unterstützen. Er konnte in der Hauptstadt Colombo und in Jaffna im Norden Sri Lankas nur schlechte Jobs finden und kehrte nach Aislaby zurück, wo er im Jahre 1974 als Saisonarbeiter eingestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte eine neue Regierungskoalition unter Bandaranaike mit Unterstützung der LSSP die großen Besitzungen verstaatlicht - dieser Schritt verschärfte die ethnischen Spannungen noch weiter dadurch, dass sich die Arbeits- und Lebensbedingungen der tamilischen Arbeiter verschlechterten und die leitenden Posten auf den Gütern an Singhalesen vergeben wurden.

Sundaralingam benannte öffentlich die Ungerechtigkeiten gegenüber den Plantagenarbeitern und wurde dafür bei verschiedenen Gelegenheiten bestraft. So wurde er einfach über Tage hinweg nicht beschäftigt, wodurch er und seine Familie kaum wussten, wie sie überleben sollten. Er blieb Mitglied im DWC, wurde aber immer unzufriedener mit der Partei, die gegenüber der Regierung politisch manövrierte und die Rechte der Arbeiter nicht verteidigte.

Sundaralingam trat 1993, inmitten großer Unruhen auf den Plantagen, der Revolutionary Communist League (RCL), dem Vorläufer der SEP, bei. Im Jahre 1992 hatte die UNP-Regierung begonnen, die Plantagen zu privatisieren, was zu einer enormen Steigerung der Arbeitsbelastung führte und wachsenden Zorn unter Arbeitern hervorrief.

Der CWC-Führer Harry Chandrasekera teilte der Zeitung der RCL Kamkaru Mawatha ("Arbeiterweg") damals nervös mit: "Es könnte einen Aufstand der Arbeiter [in den Plantagen] geben. Es entwickelt sich eine Situation, die wir nicht kontrollieren können." Um dieser wachsenden Opposition die Spitze zu nehmen, überredeten die Gewerkschaftsführer die Plantagenleitungen zu einer geringen Lohnerhöhung und beendeten jede andere Kampagne.

Ein Teil der Arbeiter war vom Verhalten des CWC und anderer Gewerkschaften abgestoßen und begann sich neu zu orientieren. Sundaralingam wandte sich der RCL zu. "Gewerkschaften sind mir jetzt ein Gräuel. Ich bin der DWC beigetreten, als ich sah, da sie militanter als der CWC war. Später hat sich das auch geändert. Darum habe ich begonnen, diese Zeitung zu lesen", sagte er gegenüber Mitgliedern der RCL. Für Sundaralingam öffnete sich mit dem Lesen der tamilischsprachigen Zeitung der RCL Tholilalar Pathai eine neue Welt.

Im Laufe der Diskussionen mit Parteimitgliedern verstand Sundaralingam die politische Bedeutung, die der Verrat der LSSP nicht nur für die Plantagenarbeiter sondern für die Arbeiterklase als Ganze hatte. Er war angezogen vom Programm der RCL, das sich auf die Einheit aller - tamilischer und singhalesischer - Arbeiter gründet und jede Form des Nationalismus und Chauvinismus zurückweist. Eine besondere Anziehungskraft übten die Analysen des Internationalen Komitees zu Weltereignissen auf ihn aus.

Nachdem er der RCL beigetreten war, setzte er sich mutig und unermüdlich unter tamilischen Plantagenarbeitern und unterdrückten Singhalesen in den benachbarten Dörfern für die Perspektiven der Partei ein. Er erklärte immer, warum es nötig ist, den antitamilischen Chauvinismus zu bekämpfen, der von extremistischen singhalesischen Organisationen verbreitet wird, um tamilischen Arbeitern die Schuld daran zu geben, dass die singhalesischen Dorfbewohner mit Problemen wie Landlosigkeit und Arbeitslosigkeit konfrontiert sind.

Es ist von höchster Bedeutung, dass eine Reihe singhalesischer Dorfbewohner zu Sundaralingams Beerdigung kamen und gemeinsam mit tamilischen Plantagenarbeitern sein Grab vorbereiteten. Es ist unüblich, dass singhalesische Dorfbewohner an der Beerdigung eines unterdrückten tamilischen Plantagenarbeiters teilnehmen, und ein starkes Zeugnis Sundaralingams prinzipieller Haltung. Ein Dorfbewohner äußerte sich folgendermaßen: "Wir kannten ihn als einen Menschen, der über die Revolution spricht. Er brachte uns die Veröffentlichungen der Partei und sprach mit uns über Weltereignisse."

Sundaralingam spielte eine führende Rolle in den Kämpfen der Plantagenarbeiter und stellte sich gegen den schädlichen Einfluss der CWC und anderer Gewerkschaftsführer. Er hatte ebenfalls erheblichen Anteil an den Kampagnen der Partei zur Freilassung junger Plantagenarbeiter, die unter der drakonischen Sicherheitsgesetzgebung des Landes als "LTTE-Verdächtige" ohne Prozess festgehalten wurden.

Als Reaktion auf den wachsenden Einfluss der SEP unter Plantagenarbeitern wurde Sundaralingam 1997 entlassen - weil er seinen Arbeitplatz für ein paar Minuten verlassen hatte, um einen Schluck Wasser zu trinken. Er ging gerichtlich gegen die Entlassung vor, aber der Prozess wurde aus vorgeschobenen Gründen immer wieder verschleppt. Zum Zeitpunkt seines Todes - sechs Jahre nach der Entlassung - war immer noch kein Urteil gefällt worden.

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Umstände, unter denen er lebte, und seiner angeschlagenen Gesundheit blieb Sundaralingam der Partei treu ergeben. "Er war ein sehr guter Mensch. Er wollte an der Politik teilhaben und über Politik sprechen. Er hatte kein anderes Vermögen oder Eigentum als diese Dinge in diesem kleinen Schrank", sagte seine Frau Kamala. Im Schrank befanden sich seine Bücher und Fotografien von Lenin, Trotzki und dem RCL-Gründer Keerthi Balasuriya, der 1987 starb.

Auf der Beerdigung wurde das Andenken an Sundaralingam hoch gehalten. Eine Gruppe von Arbeitern erklärte: "Er sprach immer über die Partei. Er gab sich große Mühe, uns die Politik der Partei zu erklären. Seine Partei war anders als andere Parteien. Er erzählte uns von ihrem Programm für die Arbeiterklasse, Arbeiterrechten und der politischen Weltsituation. Er bestand immer darauf, dass wir uns nicht beschränken sollen und Weltentwicklungen studieren müssen."

Andere merkten an: "Wir sind sehr betrübt über seinen Tod. Nun haben wir hier niemanden, der uns die weltweiten Entwicklungen erklärt. Wir erfuhren von ihm über die Weltsituation, auch wenn wir sie nicht mit unseren Augen sehen konnten. Sein Ableben ist ein großer Verlust für uns."

"Wir respektierten ihn als einen gebildeten Mann. Zu denjenigen von uns, die nicht mit seiner politischen Haltung übereinstimmten, sagte er immer: ‚Es macht nichts, dass ihr unsere politische Haltung jetzt nicht akzeptiert. In der kommenden Periode werdet ihr sie akzeptieren müssen.' Er hatte ein solches Vertrauen zu seinem politischen Programm. Er sagte immer zu uns: ‚Unser derzeitiger Kampf für diese sozialistische internationalistische Perspektive ist ein Beitrag für die Zukunft unserer Kinder.'"

Die SEP trauert über Sundaralingams viel zu frühen Tod und ehrt diesen mutigen Kämpfer für den Sozialismus.

Siehe auch:
Die SEP von Sri Lanka gedenkt des 15. Todestags von Keerthi Balasuriya
(10. Januar 2003)
(Dieser Artikel ist auch in der gleichheit - September/Oktober 2003 enthalten.)

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