Die unausweichliche Logik der US- Unterdrückung im Irak

Von Richard Phillips
15. April 2004

Die Bush Regierung antwortet auf den Volksaufstand gegen die Besatzer des Irak, indem sie blutige Repressionsmaßnahmen ergreift. Hubschrauber, Kampfflieger, Panzer und schwerbewaffnete Soldaten haben einen Belagerungsring um Fallujah im sunnitischen Dreieck gelegt, während Sadr City in Bagdad und andere schiitische Gebiete militärisch angegriffen wurden. Hunderte unschuldiger Iraker, Männer, Frauen und Kinder wurden getötet und verwundet. Das US-Militär zerstörte Häuser, Fabriken und Moscheen.

Die Medien feuerten die Regierung zu noch brutaleren Angriffen an. George Will erklärte vergangene Woche in der Washington Post : "Im Krieg gegen die Milizen wird jede Tür, die von amerikanischen Soldaten durchtreten, jeder unbeteiligte Zivilist, der getötet wird - es werden viele sein - die Sache für eine gewisse Zeit schlimmer machen. Dennoch muss die Besatzung als erstes die vorrangige Aufgabe des Staates sicherstellen: Das Errichten eines Gewaltmonopols."

In dasselbe Horn stießen David Rivkin und Lee Casey, ehemalige Mitglieder der Regierungen Bush und Reagan. Sie forderten die Einrichtung von Militärgerichten im Irak, um strenge Strafen - auch Hinrichtungen - gegen irakische Aufständische zu verhängen. Alles andere, erklärten sie in der Washington Post, würde als Schwäche ausgelegt werden und den "Terrorismus" stärken.

Solche Forderungen wecken Erinnerungen an die Repressionsmaßnahmen, die der französische Imperialismus von 1957 bis 1962 in Algerien einsetzte und die etwa einer Million Menschen das Leben kosteten. Sie weisen in die Richtung von Repressionen, wie sie die Nazis gegen die Zivilbevölkerung anwandten.

Die Bush-Administration ist kein faschistisches Regime. Jedoch ist Washingtons Absicht, die dauerhafte Kontrolle über die Ölreserven des Iraks zu erlangen und den Mittleren Osten im Sinne der amerikanischen Konzerne zu reorganisieren, dauerhaft nur mit militärischem Terror zu verwirklichen. Derartige koloniale Abenteuer folgen einer unausweichlichen Logik. In dem Maße wie der Widerstand gegen die ausländischen Besatzer wächst, antwortet die Besatzungsmacht mit wachsender Gewalt und zunehmendem Blutvergießen. Eher früher als später wird Washington sich gezwungen sehen, zu Methoden zu greifen, wie sie die Nazis im besetzten Europa des Zweiten Weltkrieges gegen die Zivilbevölkerung anwendeten.

In den Anfangsjahren dieses Kriegs wurden viele zivile Mitglieder des Widerstands nach Deutschland gebracht und vor Spezialgerichte gestellt. Als jedoch die Opposition wuchs und die Anzahl der Menschen in den Konzentrationslagern anschwoll, ergriffen die Besatzer zunehmend barbarische Methoden.

Der britische Historiker Mark Mazower schreibt in seinem Buch "Inside Hitler's Greece": "Da die Wehrmacht über keine stimmige militärische Strategie gegen die Widerstandskämpfer verfügte, stützte sie sich hauptsächlich auf Befehle und Maßnahmen gegen die Zivilbevölkerung... Eine Grundannahme der deutschen Besatzungspolitik lautete, dass man ‚Terror mit Terror beantworten' müsse, um die Bevölkerung zu zwingen, ihre Unterstützung des Widerstands aufzugeben. Obwohl sich Vergeltungsmaßnahmen oft aus der instinktiven Reaktion isolierter, verängstigter und schießwütiger Soldaten im Gefecht ergeben, nahm das Konzept der ‚Vergeltung' unter den Grundsätzen der Militärjustiz einen Sonderplatz ein. Die Vergeltung war Bestandteil der gesellschaftlichen Auffassungen des Dritten Reiches und wurde vom Führer selbst mit der vollen Autorität seines Amtes verlangt."

Um es mit anderen Worten zu sagen: Kaltblütiger Mord wurde zur Regierungspolitik, um ganze Regionen und Länder zu unterjochen. In einer deutschen Militäranweisung heißt es: "Jeder Zivilist, welcher die deutsche Armee behindert oder zum Behindern dieser aufruft, ist als Widerstandskämpfer zu behandeln."

Meinen das Pentagon und das Weiße Haus dasselbe, wenn sie erklären, sie planten den gesamten irakischen Widerstand zu eliminieren ?

Wilhelm Keitel, der in Nürnberg zum Tode verurteilte Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, versinnbildlichte in einem Befehl die Vergeltungspolitik der Nazis: "Dieser Kampf hat nichts mit ‚soldatischer Ritterlichkeit' oder der Genfer Konvention zu tun. Wenn dieser Krieg... nicht mit den brutalsten Mitteln geführt wird, werden die verfügbaren Kräfte ... nicht länger ausreichen, um diese Plage zu bekämpfen. Die Truppen sind berechtigt und verpflichtet, ohne Nachsicht alle Maßnahmen - auch gegen Frauen und Kinder - solange anzuwenden, bis sie erfolgreich sind."

Das deutsche Oberkommando gab Mindestquoten heraus. 50 bis 100 Geiseln seien für jeden Angriff auf einen Soldaten oder für den Tod eines deutschen Soldaten zu erschießen. Zehn seien hinzurichten, wenn ein deutscher Soldat verwundet würde. Diese Zahlen wurden oft verdoppelt oder verdreifacht.

Eines der zahlreichen Kriegsverbrechen der Nazis ereignete sich nach dem Attentat auf Hitlers Statthalter Reinhard Heydrich im Mai 1942 in der Tschechoslowakei. Hitler ordnete blutiges Durchgreifen an. Zwei Dörfer, Lidice und Lezaky, wurden für die Bestrafung ausgesucht.

Die Dörfer wurden durch deutsche Truppen umstellt und die gesamte männliche Bevölkerung wurde exekutiert. Die Frauen und Kinder wurden bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls ermordet. Die Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht. Dieses Vorgehen wurde zum Modell für das weitere Vorgehen gegen den Widerstand in den besetzten Ländern.

Im Mai 1941 besetzten Nazitruppen Kreta und antworteten auf lokale Opposition mit "Racheoperationen". Diese bestanden aus Erschießungen, dem Niederbrennen von Dörfern und der Ausrottung der männlichen Bevölkerung in Teilen der Insel. "Alle Operationen sind mit höchstem Tempo, unter Verzicht auf alle Formalitäten und ohne Gerichtsverfahren durchzuführen... Sondergerichte sind für Tiere und Mörder nicht nötig," erklärte ein Deutscher Kommandeur.

Im Juli 1943 instruierte General Lohr seine erste Panzerdivision, die "strengsten Maßnahmen" gegen jedes Zeichen der Feindschaft zu ergreifen, und warnte, jeder Kommandeur, der dies nicht befolge, würde mit strengen Maßnahmen rechnen müssen, einschließlich dem Kriegsgericht.

Ein Jahr später, im August 1944, wurde den Nazitruppen auf Kreta befohlen, "energische Maßnahmen" zu ergreifen, "...um unseren Willen gegenüber der griechischen Bevölkerung durchzusetzen und um zu beweisen, dass wir unsere Macht auf der ganzen Insel behaupten können." Weiter heißt es in dem Befehl: "Daher ist es unmöglich, noch länger Nachsicht gegenüber unschuldigen Männern, Frauen und Kindern zu üben."

Obgleich die Bush-Regierung und das Pentagon die amerikanischen Truppen noch nicht angewiesen haben, vorsätzlich gegen Frauen und Kinder vorzugehen, haben sie letzten Endes nur eine Antwort auf die wachsende Opposition innerhalb der Bevölkerung: Mehr militärische Gewalt und Terror. Ein hochrangiger britischer Offizier im Irak beklagte sich am Wochenende, dass das US-Militär die Iraker als "Untermenschen" ("subhumans") ansehe, ein Begriff, den Hitler für alle benutzte, die er als rassisch minderwertig ansah - Juden, Slawen und Roma.

Siehe auch:
Verteidigt die irakischen Massen
(10. April 2004)
Stoppt den Krieg gegen die irakische Bevölkerung!
( 8. April 2004)

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