Velupillai Sarawanaperumal (1948-2005)

Langjähriger srilankischer Trotzkist gestorben

Von K. Ratnayake
28. April 2005

SarawanaperumalDas Mitglied der srilankischen Socialist Equality Party, Velupillai Sarawanaperumal, von seinen Genossen und Freunden liebevoll Papa genannt, starb am Morgen des 14. April an Lungenversagen. Sein viel zu früher Tod im Alter von nur 56 Jahren ist ein schwerer Verlust für die SEP in Sri Lanka und die internationale trotzkistische Bewegung. Er hinterlässt seine Frau Saraswathie und seinen 15-jährigen Sohn Paranitharan.

An die Tausend Trauergäste nahmen am 15. April in Wannarpannai in Jaffna an Sarawanaperumals Begräbnis teil - ein Beleg für sein persönliches und politisches Ansehen. Arbeitskollegen, Parteimitglieder und Sympathisanten, seine Familie, Verwandte und Freunde kamen kurzfristig aus den vom Krieg verwüsteten Nordprovinzen, aus Karainagar, Kayts, Nelliady, Vaddukkodai, Kilinochchi, Vavuniya und Jaffna, wie auch aus der srilankischen Hauptstadt Colombo. Ungefähr 80 Kollegen aus seiner Firma, dem Werk Gurunagar der staatlichen Ceynor Corporation in der Nähe von Jaffna, nahmen an der Beerdigung teil.

Das SEP-Zentralkomiteemitglied S. Chandrasekeran sprach auf der Beerdigung und erklärte die Bedeutung von Sarawanaperumals Leben und politischer Geschichte. "Er suchte keine Abkürzung für schwierige politische Probleme. Sarawanaperumal stützte sich auf den wissenschaftlichen Sozialismus und scheute nicht vor einem langwierigen Kampf zurück. Er wollte die Arbeiter politisieren und ihnen sozialistische Politik vermitteln", sagte Chandrasekeran.

1975 wurde Sarawanaperumal Mitglied der Vorläuferorganisation der SEP, der Revolutionary Communist League (RCL), der srilankischen Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (IKVI). Er gab seine Überzeugung nie auf und kämpfte in den folgenden drei Jahrzehnten trotz schwieriger persönlicher Umstände und trotz Asthma- und Bronchitisanfällen unnachgiebig für die Prinzipien des internationalen Sozialismus. Seine Gesundheit, wie die vieler Tamilen im Norden Sri Lankas, wurde durch den langanhaltenden Bürgerkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen.

Sarawanaperumal wurde am 7. September 1948 in Karainagar, ungefähr 25 Kilometer von Jaffna entfernt geboren. Seine Eltern stammten aus einer relativ gutsituierten Bauernfamilie. Sarawanaperumal verlor seine Mutter schon in jungen Jahren. Er wurde am Karainagar Hindu College ausgebildet und erwarb einen Abschluss in Naturwissenschaften. Um einen Arbeitsplatz zu finden, bildete er sich im Fernstudium in Buchhaltung fort und machte eine Ausbildung als Elektriker an der technischen Schule in Jaffna.

Sarawanaperumal begann sich in den siebziger Jahren, einer Periode wachsender politischer Unruhe in Sri Lanka und weltweit, für die RCL zu interessieren. Das politische Klima war stark davon geprägt, dass die Lanka Sama Samaja Party (LSSP) ihre trotzkistischen Gründungsprinzipien aufgegeben hatte und 1964 in die bürgerliche Regierung von Frau Sirimavo Bandaranaike eingetreten war.

Die Weigerung der LSSP, die Arbeiter zu vereinen, führte direkt zum Anwachsen kleinbürgerlich radikaler Bewegungen, die eine kommunalistische Politik vertraten. Im Süden wandte sich die Landjugend der Guerilla-Politik und dem singhalesischen Chauvinismus der Janatha Vimukthi Peramuna (JVP) zu. Im Norden und Osten begann die tamilische Jugend verschiedene separatistische tamilische Organisationen zu unterstützen, darunter die Vorläufer der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE).

Die Maßnahmen, welche die zweite Bandaranaike-Koalitionsregierung von 1970 bis 1977 gegen die Tamilen ergriff, fachte die separatistische Stimmung weiter an. Als Minister der Regierung war LSSP-Führer Colvin R. de Silva für den Entwurf einer neuen Verfassung verantwortlich, die das Singhalesische zur offiziellen Staatssprache und den Buddhismus zur Staatsreligion machte. Die tamilische Jugend reagierte besonders auf die tiefgreifende Diskriminierung bei Ausbildung und Arbeitsplätzen.

Trotz des wachsenden Drucks kommunalistischer Stimmungen wurde Sarawanaperumal von einem Klassenstandpunkt angezogen, der davon ausgeht, Arbeiter zu vereinen, statt sie zu spalten. Er wies vereinfachende radikale Verurteilungen der LSSP zurück und war einer der weitsichtigeren tamilischen Arbeiter, die von der RCL angezogen wurden. Die 1968 gegründete RCL führte den Verrat der LSSP auf deren langjährige Degeneration zurück, die das Ergebnis ihrer Weigerung war, den Kampf des IKVI gegen eine opportunistische Tendenz unter Führung von Michel Pablo und Ernest Mandel zu unterstützen.

Sarawanaperumal arbeitete Anfang der siebziger Jahre in einer Radioreparaturwerkstatt. Dort lernte er die tamilischsprachige Zeitung der RCL, Tholilalar Pathai (Arbeiterweg), kennen und trat schließlich 1975 in die Partei ein. Immer wenn man ihn fragte, warum er in die Partei eingetreten sei, antwortete er, besonders zwei Dinge hätten ihn angezogen: der Kampf gegen den tamilischen Kommunalismus und die marxistische Philosophie des dialektischen Materialismus, die ihn als Naturwissenschaftler besonders ansprach.

Neben seiner Arbeit als Radiotechniker arbeitete Sarawanaperumal noch auf den Reisfeldern seiner Familie in Paranthan, 40 Kilometer südlich von Jaffna. Obwohl seine Eltern erst gegen seinen Eintritt in die RCL gewesen waren, begannen sie später das Programm der Partei zu verstehen und respektierten die Entscheidung ihres Sohns. Während seiner Arbeit in Paranthan baute er dort eine Parteizelle auf.

1977 nahm Sarawanaperumal seine Arbeit als Elektriker bei Ceynor in Karanaigar auf. Der Betrieb, der Fischernetze und Fiberglasboote herstellte, war ein wichtiger Arbeitgeber im Norden Sri Lankas. Die RCL und ihre Zeitung Tholilalar Pathai wurden unter den Ceynor-Beschäftigten recht gut bekannt, die von Sarawanaperumal und anderen RCL-Mitgliedern eine Orientierung im Kampf zur Verteidigung ihrer Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen erwarteten.

Im gleichen Jahr ereignete sich eine bedeutsame Verschiebung in der politischen Situation. Die Tamil United Liberation Front (TULF) - ein Bündnis tamilischer Parteien - wurde gegründet und trat bei der Parlamentswahl von 1977 für das Programm eines separaten tamilischen Staates im Norden und Osten der Insel ein. Mehrere Jugendgruppen unterstützten sie, unter anderem die Gruppe, aus der sich später die LTTE entwickeln sollte.

Die RCL hatte die doppelte Aufgabe, sowohl gegen singhalesischen Chauvinismus, als auch gegen tamilischen Kommunalismus zu kämpfen. Im Jahre 1977 führten Sarawanaperumal und andere RCL-Mitglieder eine entschlossene Kampagne gegen die Perspektive der TULF. Die Partei stellte einen Kandidaten für den Wahlkreis Vaddukkodai auf und forderte die Einheit der singhalesischen und tamilischen Arbeiter auf der Grundlage einer sozialistischen Perspektive. Mehrfach gelang es Sarawanaperumal nur knapp, den Schlägern der TULF zu entkommen.

Im Süden kämpfte die RCL damals gegen die reaktionäre Politik der United National Party (UNP). Nach seinem Sieg über die Bandaranaike-Regierung war Präsident J.R. Jayawardene einer der ersten Führer der Welt, der aktiv mit der Durchsetzung von Marktreformen begann. Um die wachsende Ablehnung und Unzufriedenheit von sich abzulenken, heizte er vorsätzlich den Chauvinismus gegen die Tamilen an, was direkt zum Ausbruch des Bürgerkriegs 1983 führte.

Inmitten all seiner hektischen politischen Arbeit heiratete Sarawanaperumal im Juni 1978. Seine Frau Saraswathie wurde zwar nicht Parteimitglied, unterstützte Sarawanaperumal und die RCL aber jederzeit. Außenstehenden pflegte sie zu sagen: "Dies ist eine Partei von ehrlichen Leuten. Sie gibt eine klare Analyse der Ereignisse." Ihr Haus stand Parteimitgliedern immer offen.

Der Bürgerkrieg

Sarawanaperumal und Saraswathie teilten die Erfahrungen zahlreicher Tamilen im kriegsverwüsteten Norden. In den Augen der srilankischen Soldaten waren sie "der Feind". Die RCL bekämpfte die politische Perspektive der LTTE, verurteilte aber gleichzeitig den Krieg als einen rassistischen Krieg, der die Diskriminierung der Tamilen aufrechterhalten sollte. Die Partei forderte den sofortigen bedingungslosen Rückzug des Militärs aus dem Norden und Osten. Als Folge war die RCL mit Drohungen und Einschüchterungsversuchen sowohl der LTTE, wie auch der Armee konfrontiert.

Im Juli 1987 unterzeichneten die indische und die srilankische Regierung das indo-srilankische Abkommen, das die Grundlage für eine politische Lösung des Krieges bieten sollte. Das Abkommen sah die Entsendung indischer Truppen als "Friedenswächter" in den Norden und Osten des Landes vor. Die RCL war die einzige Partei, die sich vom Standpunkt der Arbeiterklasse gegen dieses Abkommen aussprach. Wie sie erklärte, zielte diese Vereinbarung auf die Unterdrückung der Kämpfe sowohl der tamilischen, als auch der singhalesischen Arbeiter ab.

Während die LTTE das Abkommen unterstützte, mobilisierte die RCL aktiv dagegen und rief die Arbeiter auf, für die Lösung des Kriegs auf einer Klassengrundlage zu kämpfen. Die Partei führte im August 1987 mehrere öffentliche Versammlungen in Jaffna durch, auf denen sie ihre Perspektive für eine Sozialistische Republik von Sri Lanka und Eelam als Teil der Vereinigten Sozialistischen Staaten des Indischen Subkontinents bekannt machte. Sarawanaperumal leitete die zentrale Versammlung in der Nallur-Kulturhalle in Jaffna, über die in den tamilischen Lokalzeitungen ausführlich berichtet wurde.

Schon zwei Monate später bestätigte sich die Analyse der RCL auf tragische Weise. Die indische Armee eröffnete eine brutale Offensive gegen die LTTE, in der Tausende getötet wurden. Die Anwesenheit der indischen Truppen im Norden gab der srilankischen Armee freie Hand gegen die singhalesischen Massen im Süden. 1989 nutzte die UNP-Regierung die gewaltsame chauvinistische Kampagne der JVP gegen das indo-srilankische Abkommen als Vorwand, um eine brutale Unterdrückungskampagne gegen verarmte Landjugendliche zu eröffnen, der schätzungsweise 60.000 Menschen zum Opfer fielen.

Das Abkommen scheiterte, die indische Armee zog sich 1990 zurück und das Land fiel wieder in den Bürgerkrieg zurück. Die Armee besetzte Ceynors Betrieb in Karainagar, der bis heute unter der Kontrolle der Marine steht. Fast alle Häuser in Karainagar wurden bei den Kämpfen zerstört. Dazu gehörte auch Sarawanaperumals Haus. Sarawanaperumals Onkel und Tante, die in unmittelbarer Nachbarschaft wohnten, verbrannten bei einem der Angriffe. Büsche und Sträucher wuchern heute auf dem Gelände.

Trotz dieser schwierigen Bedingungen führten Sarawanaperumal und S. Chandrasekeran, der auch bei Ceynor arbeitete, einen wichtigen politischen Kampf für die Verteidigung der Arbeitsplätze. Nachdem die Belegschaft 1991 von 800 auf 100 dezimiert worden war, gab das Management von Ceynor die Schließung der Firma auf der ganzen Halbinsel von Jaffna bekannt, darunter auch die noch arbeitende Abteilung in Gurunagar. Die Gewerkschaften Ceylon Mercantile, Industrial and General Workers Union (CMU) und Ceylon Engineering Workers Union unterstützten die Pläne der Regierung und stimmten einem "freiwilligen" Abfindungsplan zu.

Sarawanaperumal und Chandrasekeran, die beide Ämter in der Ortsgruppe der CMU innehatten, wandten sich mit 24 anderen Arbeitern gegen den Plan. Ihre Kampagne brachte sie nicht nur in Konflikt mit dem Management, sondern auch mit der CMU-Bürokratie unter Führung von Bala Tampoe. Tampoe, ein früherer LSSP-Führer, hatte sich 1964 gegen den Verrat der LSSP gewandt, aber dessen tiefere politische Wurzeln nicht untersucht. Er versuchte seine eigene opportunistische Politik mit militanter Rhetorik zu überdecken und verurteilte jeden, der in der Gewerkschaft über Politik diskutieren wollte, ganz besonders jeden wirklichen Sozialisten.

Eine von Sarawanaperumal und Chandrasekeran organisierte Delegation reiste nach Colombo, um die CMU-Führung zur Rede zu stellen und von ihr zu verlangen, dass sie um die Arbeitsplätze kämpfe. Diese Arbeiter machten eine bittere Erfahrung. Die CMU-Führung weigerte sich nicht nur, die Arbeitsplätze zu verteidigen, sondern half sogar, einen Kuhhandel auszutüfteln, der den aktuellen Kampf sabotierte. Das Management konnte die 26 Arbeiter zwar nicht entlassen, hielt sie aber mit dem Segen der CMU-Führer bei halbem Lohn in der Schwebe.

1994 gewann Chandrika Kumaratunga die Präsidentschaftswahlen mit dem Versprechen, Frieden zu schaffen. Aber nach dem Zusammenbruch der Gespräche mit der LTTE im Jahre 1995 setzte Kumaratungas Volksallianz (PA) den Krieg noch intensiver fort. Eine massive Militäroffensive zwang Sarawanaperumal und andere RCL-Mitglieder, wie Zehntausende andere, aus Jaffna zu fliehen. Darauf lebten er und seine Familie als Flüchtlinge unter schwierigen Bedingungen an wechselnden Orten, unter anderem in Paranthan und Kilinochchi, und konnten erst 1998 nach Jaffna zurückkehren.

Im Juli 1998 verhaftete die LTTE in der Stadt Kilinochchi, die unter ihrer Kontrolle stand, vier SEP-Mitglieder wegen sozialistischer Propaganda. Sarawanaperumal entging der Verhaftung nur, weil er gerade im Krankenhaus behandelt wurde und sich deshalb im 70 Kilometer weiter südlich gelegenen Vavuniya aufhielt, das von der Regierung kontrolliert wurde. Er war über die Verhaftungen entrüstet und nahm aktiv an der internationalen Kampagne der SEP und der World Socialist Web Site teil, die schließlich im September 1998 zur Freilassung der SEP-Mitglieder führte.

1999 entschied die Regierung, den Betrieb von Ceynor in Gurunagar wieder aufzumachen. Sarawanaperumal war der erste, der im Jahr 2000 wieder eingestellt wurde: Er wurde als Elektriker gebraucht, um die Maschinen wieder in Gang zu bringen. Aufgrund der Kampagne, die die RCL geführt hatte, wurde er zum Vorsitzenden der Ortsgruppe der CMU gewählt. Die Position hielt er bis zu seinem Tod inne.

Sarawanaperumal wurde in Jaffna nicht nur wegen seinem politischen Mut geschätzt, sondern auch wegen seiner Fähigkeiten als Elektriker. In den frühen 1990ern wurde er einmal gerufen, um wichtige elektrische Aggregate eines ausländischen Schiffs zu reparieren, das im Hafen von Galle im Süden auf Reede lag. Er bekam den Status eines Instrumentenelektrikers verliehen. Sein Wissen und seine Fähigkeiten hatten das Wiederanfahren der Anlage von Ceynor ermöglicht.

Sarawanaperumal lebte einfach und war für seine Großzügigkeit bekannt. Mitglieder der SEP erinnerten sich, dass er immer dann, wenn er seinen Monatslohn erhalten hatte, auf dem Heimweg Leuten Geld gab, von denen er wusste, dass sie in Armut lebten. Weil sein Haus in Karainagar zerstört war, wohnte er in Jaffna zur Miete.

Im vergangenen Oktober beteiligte sich Sarawanaperumal, gemeinsam mit anderen SEP-Mitgliedern aus Jaffna, an den öffentlichen Versammlungen mit Bill Van Auken, dem Präsidentschaftskandidaten der amerikanischen Schwesterpartei der SEP. Die Versammlungen machten einen großen Eindruck auf Sarawanaperumal, der anderen Genossen enthusiastisch erklärte, sie hätten ihm geholfen, die politische Situation in den USA und die gemeinsamen Probleme der amerikanischen und srilankischen Arbeiter zu verstehen.

Auf dem letzten Treffen seines SEP-Ortsverbands, an dem er im Februar teilnahm, gab Sarawanaperumal einen Bericht über den Zusammenbruch des Bretton Woods Systems 1971, der die Periode einleitete, in der die Nachkriegsregelungen auseinanderbrachen und der US-Militarismus erneut hervortrat. Es geschah nicht oft, dass er auf Parteitreffen längere Beiträge hielt, aber immer war er bemüht, jüngere Mitglieder und Sympathisanten in seinen festgefügten politischen Prinzipien zu unterweisen. Die Parteimitglieder, wie auch der große Kreis seiner Familie, Freunde und Arbeitskollegen, auf die er starken Einfluss hatte, werden ihn sehr vermissen.

Die SEP würdigt diesen mutigen Kämpfer für den Trotzkismus, dessen Lebenswerk zum Erbe der Partei gehört.

Siehe auch:
Shanmugam Sundaralingam 1956-2003: Viel zu früher Tod eines srilankischen Trotzkisten
(13. August 2003)