Terroristische Bombenanschläge in London:

Ein politisches Verbrechen

Von der Redaktion
9. Juli 2005

Die World Socialist Web Site verurteilt vorbehaltlos die terroristischen Bombenanschläge in London, die Dutzende Menschen getötet und Hunderte verletzt haben. Den Familien der Toten und Verletzten und all denen, die durch das Erlebte schockiert und traumatisiert wurden sprechen wir unsere tief empfundene Anteilnahme aus.

Einmal mehr ist die Welt Zeuge der Horrorszenen geworden, bei denen einfache Menschen, die keinerlei Schuld an den Verbrechen ihrer Regierungen tragen, Opfer von Tod, Zerstörung und Leid werden. Der Zeitpunkt der Detonationen war mitten in die Hauptverkehrszeit gelegt, um unter all den Menschen, die auf dem Weg zur Arbeit waren, ihre Kinder zur Schule brachten oder sich auf einen Stadtbummel begaben, möglichst viele Todesopfer und eine maximale Anzahl an Verwundeten und Verstümmelten zu erzielen.

Noch ist die abschließende Zahl an Toten und Verletzten nicht bekannt, aber sie nimmt ständig weiter zu.

In schneller Folge detonierten am 7. Juli von 8:51 Uhr an nacheinander vier Bomben. Drei Sprengkörper explodierten in der Londoner Untergrundbahn und ein weiterer in einem voll besetzen Doppeldeckerbus. Züge wurden betroffen, die sich gerade auf der Strecke zwischen Aldgate und Liverpool Street, zwischen Russell Square und King’s Cross und in der U-Bahnstation Edgware befanden. In einem Linienbus auf der Strecke von Hackney nach Marble Arch war die Explosion so stark, dass der obere Teil und das Dach weggesprengt wurden.

In den ersten offiziellen Angaben war von 35 Personen die Rede, die in der Untergrundbahn getötet wurden, zwei starben bei der Explosion im Bus und ein Mensch erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Mindestens 700 Menschen wurden verwundet, 45 davon befinden sich in kritischem Zustand. Einigen wurden Glieder abgerissen und andere erlitten starke Verbrennungen. Seit diesen ersten Bekanntgaben ist die Zahl der Opfer weiter deutlich gestiegen.

Wie US-Sprecher gegenüber ABC News erklärten, hat die britische Polizei nach den vier Detonationen zwei weitere, nicht gezündete Bomben gefunden.

Der kriminelle Charakter dieser Gräueltaten wird zusätzlich dadurch unterstrichen, dass sie ausgerechnet in der Stadt verübt wurden, in der zahlreiche Proteste gegen Imperialismus und Krieg stattgefunden haben. Im Februar 2003 demonstrierten über eine Million Menschen in London gegen die geplante Invasion von USA und Großbritannien im Irak.

Sollte sich herausstellen, dass die Bombenanschläge von einer islamistischen Terrororganisation verübt wurden, wäre dies ein weiteres blutiges Zeugnis für den reaktionären und politisch bankrotten Charakter dieser Gruppen. Der Terrorismus stellt für den Imperialismus kein Hindernis dar. Im Gegenteil, er erzeugt Angst, Wut, Verwirrung und politische Desorientierung - alles Faktoren, die in die Hände der politischen Elite in London und Washington spielen und von ihren willfährigen Medien ausgenutzt werden.

Dessen ungeachtet ist es zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich zweifelsfrei festzustellen, wer diese Anschläge verübt hat. Eine Gruppe, die sich "Die Heilige Organisation von Al-Qaida in Europa" nennt, hat sich auf einer islamischen Website zu dem Anschlag bekannt und erklärt, die Explosionen seien eine Vergeltung für das britische Engagement im Irak und in Afghanistan. Aber von dieser Gruppe hat man bisher noch nie etwas gehört, und es gibt Experten, die die Authentizität der Erklärung in Frage stellen.

Die bisher sehr spärlichen Informationen über den Tathintergrund haben den britischen Premierminister Tony Blair, US-Präsidenten George Bush und die anderen Staatsoberhäupter, die sich zum G8-Gipfel in Schottland versammelt haben, nicht daran gehindert, die Gräueltaten für ihre Zwecke zu vereinnahmen und damit ihre Politik von Krieg und Angriffen auf demokratische Grundrechte zu rechtfertigen.

Blair und Bush konnten es kaum erwarten, aus ihrer luxuriösen Umgebung von Gleneagles heraus die Bombenanschläge für ihre eigenen politischen Absichten zu instrumentalisieren. Abgesehen von einigen Phrasen hielt sich Blair nicht mit Beileidsbekundungen gegenüber den Opfern oder Annerkennung der Qualen ihrer Familien auf, sondern bestand darauf, den G8-Gipfel fortzusetzen. Laut Blair waren die Bombenanschläge vor allem deshalb "besonders barbarisch", weil sie "sich an einem Tag ereigneten, als die Völker sich trafen, um zu versuchen, den Problemen der Armut in Afrika sowie den langfristigen Problemen des Klimawandels und der Umwelt beizukommen".

US-Präsident Bush hob außerdem den Unterschied hervor, der angeblich zwischen den Terroristen - dem "Bösen" - und den G8-Führern bestehe, die "daran arbeiten, die Armut zu erleichtern, der Welt bei der Beseitigung der AIDS-Epidemie (sic) zu helfen und Wege zu einer sauberen Umwelt zu finden".

"Der Gegensatz könnte nicht klarer sein zwischen den Absichten und den Herzen derjenigen von uns, die tief über die Menschenrechte und die menschliche Freiheit besorgt sind, und denen, die töten, denen, die solches Übel in ihrem Herzen tragen, dass sie die Leben unschuldiger Menschen fordern", fuhr er fort, ehe er erklärte: "Der Krieg gegen den Terror geht weiter."

In einem offiziellen Kommuniqué der G8-Tagumg wurde betont, die versammelten Staatsoberhäupter hielten fest an "unserer Absicht, eine bessere Welt zu schaffen.... Hier auf diesem Gipfel streben die Führer der Welt danach, die Weltarmut zu bekämpfen und das menschliche Leben zu retten und zu verbessern."

Diese Erklärungen wurden von der internationalen Presse sofort aufgegriffen und bis zum Erbrechen wiederholt.

Zu einem Zeitpunkt, zu dem Hunderte Menschen schwer verletzt waren und Familien die schreckliche Nachricht vom Tod ihrer Lieben erhielten, waren diese selbstgefälligen Plattitüden der Meisterzyniker und Heuchler der G8 das Letzte, was man hören wollte.

Siehe auch:
Mindestens 192 Tote durch Terroranschläge in Madrid
(12. März 2004)
11. September - offizielle Version und Wirklichkeit
( 21. September 2004)