USA lügen und morden im Irak: Die Ermordung von Generalmajor Mowhoush

Am Mittwoch vergangener Woche veröffentlichte die Washington Post einen Bericht über die Folterung und Ermordung eines gefangenen irakischen Generals der Republikanischen Garden im November 2003 durch das US-Militär. Der Artikel des Washington Post -Journalisten Josh White mit der Überschrift "Dokumente belegen brutale Improvisationen von GIs" zeigt auf der Grundlage von Militärgerichtsakten, Interviews und durchgesickerter vertraulicher Dokumente die brutale Behandlung und letztendliche Ermordung von Generalmajor Abed Hamed Mowhoush in allen Einzelheiten auf.

Das US-Militär hielt Mowhoush für eine zentrale Figur im bewaffneten Widerstand gegen die amerikanische Besatzung im nordwestlichen Irak. Im Verlauf seiner Befragung wurde er von irakischen Paramilitärs mit dem Kodenamen Scorpions, die mit den Verhörspezialisten der CIA und der Armee zusammenarbeiteten, immer wieder brutal geschlagen. Am 26. November 2003 wurde er von einem Vernehmungsoffizier und einem Wachsoldaten in einen Schlafsack gesteckt und mit einem Elektrokabel verschnürt. In diesem Schlafsack starb der General, während der Armeevernehmer auf ihm stand.

Es lohnt sich, den Anfang des Washington Post -Artikels zu zitieren, der das Verbrechen in beklemmender Kürze schildert:

"Der irakische Generalmajor Abed Hamed Mowhoush gab seinen amerikanischen Bewachern nicht nach, und auch wiederholte heftige Prügel und kreative Verhörmethoden reichten nicht, um seinen Willen zu brechen. Am Morgen des 26. November 2003 ergriffen ein Vernehmer der US-Armee und eine Militärwache einen grünen Schlafsack, stopften Mowhoush hinein, umwickelten ihn mit einem Elektrokabel, legten ihn auf den Boden und begannen, ihn zu bearbeiten. Immer wieder.

Der 56-jährige Gefangene tat in diesem Schlafsack auf dem Boden des Verhörraum Nr. 6 in der Wüste des irakischen Westens mit gebrochenen Rippen seinen letzten Atemzug, während ein amerikanischer Soldat auf ihm stand. Zwei Tage vorher hatte eine von der CIA unterstützte Gruppe irakischer Paramilitärs in Zusammenarbeit mit Verhörspezialisten der Armee Mowhoush mit Fäusten, einem Knüppel und einem Gummischlauch bewusstlos geprügelt, wie Geheimdokumenten zu entnehmen ist."

Der Artikel der Washington Post vertritt die Ansicht, die Folterung und Ermordung von Mowhoush könne nicht als das Werk von einigen schwarzen Schafen mit niedrigem Dienstgrad bei Armee und CIA abgetan werden. Die Folter- und Misshandlungsmethoden, die zu seinem Tod führten, waren von Militärkommandeuren gebilligt worden, die sich dabei ihrerseits auf eine Politik stützten konnten, die von hohen Vertretern des Pentagon und des Weißen Hauses gebilligt wird. Sie orientierten sich an Methoden, wie sie im Gefangenenlager von Guantanamo Bay, im Gefängnis von Abu Ghraib und in US-Einrichtungen in Afghanistan praktiziert werden.

In den Monaten vor Mowhoushs Festnahme, heißt es in dem Artikel, hatten Vertreter der militärischen Aufklärung im Irak "Verhörpraktiken diskutiert und den Wunsch geäußert, die Gangart zu verschärfen und die erlaubten Methoden auszuweiten, damit auch härtere Mittel wie Schläge, die keine dauerhaften Schäden hinterlassen, möglich würden. Außerdem wollten sie die Furcht der Gefangenen vor Hunden oder Schlangen ausnutzen, wie von der Armee freigegebene Dokumente belegen."

In dem Artikel heißt es weiter: "Beamte in Bagdad schrieben am 14. August mehrere Emails an Verhörer im Einsatz, in denen es hieß, dass ‚die Zurückhaltung aufgegeben wird’, und in denen sie um ‚Wunschlisten’ von Methoden gebeten wurden, die sie gerne einsetzen möchten."

Der Artikel merkt an, dass das gleiche amerikanische und irakische Personal, dass Mowhoush in der Wüste nahe der syrischen Grenze verhörte, auch 350 irakische Gefangene verhört hat, die bei einer Reihe von umfangreichen Razzien festgenommen worden waren, bei denen US-Truppen mehr als 8.000 Häuser in drei Städten durchsucht hatten.

Über das sogenannte Hotel Schmiede, wo diese Gefangenen festgehalten und von Teams von Soldaten der Special Forces und der CIA verhört wurden und wo Mowhoush getötet wurde, weiß die Washington Post zu berichten:

"Es gab dort ein zweigliedriges Verhörsystem. Befrager der Armee waren die erste Stufe. Wenn die Bemühungen der Armee keine nützlichen Ergebnisse erbrachten, wurden die Gefangenen den Mitgliedern der Operationsabteilung Alpha 531, Soldaten der 5. Gruppe der Special Forces, der CIA oder allen dreien übergeben. ‚Das Personal war in Zivil und trug Balaclava-Mützen, um seine Identität zu verbergen’, wie es in einem Bericht für den Kommandeur der 82. Luftlandedivision vom 18. Januar 2004 hieß.

Wenn die Verhörspezialisten nicht bekamen, was sie erwarteten, übergaben sie die Gefangenen an ein kleines Team von CIA-gesponserten irakischen Paramilitärs mit dem Kodenamen Scorpions, wie eine mit der Operation vertraute militärische Quelle berichtet. ...

Manchmal drohten Soldaten oder Geheimdienstler nur mit der Existenz der paramilitärischen Einheit, um Gefangene zum Reden zu bringen, sagte ein Armeesoldat aus. ‚Die Gefangenen wussten, dass ihnen Schlimmes bevorstand, wenn sie in die Hände dieser Leute fielen’, sagte der Soldat. ‚Sie wurden als Zungenlöser benutzt. Niemand hatte Lust, mit den maskierten Männern zu gehen’."

Der Artikel bestätigt, dass die gegen Mowhoush angewandten Methoden auch häufig gegen andere Gefangene eingesetzt wurden. Er berichtet, dass der Oberstabsfeldwebel Lewis E. Welshofer Jr. bei einer Vorvernehmung dreier am Tod von Mowhoush beteiligter Soldaten im März aussagte, dass der Einsatz des Schlafsacks ein "geeignetes Mittel" sei, das er auch selbst angewandt habe, wie auch das Einsperren in Spinden, gegen die dann geschlagen und getreten werde.

Oberst David A. Teeples, der damals das 3. gepanzerte Artillerieregiment befehligte, sagte dem Gericht, er habe geglaubt, die "Klaustrophobietechnik sei sowohl erlaubt als auch effektiv gewesen. "Mit der Verhörabteilung vertraute Quellen berichteten, dass diese Technik schon vor und auch noch eine Zeitlang nach Mowhoushs Tod eingesetzt wurde", berichtet die Post.

Der Tod Mowhoushs, einer bekannten Figur in Saddam Husseins Militärapparat, konnte von den USA nicht unter den Teppich gekehrt werden. Das trifft aber nicht auf Hunderte von Menschen zu, die ebenfalls US-Verhören im "Hotel Schmiede" unterzogen wurden. Kann man glauben, dass nur ihm als einzigem ein solches Schicksal widerfuhr?

Der Bericht in der Washington Post dokumentiert weiterhin die Lügen und Versuche des Militärs, die tatsächlichen Ursachen des Tods von Mowhoush und die Rolle der CIA und ihrer irakischen Einheit zu verschleiern.

Er hält fest, dass innerhalb von Stunden nach Mowhoushs Tod Sprecher des Militärs eine Presseerklärung herausgaben, er sei eines natürlichen Todes gestorben, nachdem er über Übelkeit geklagt habe. Weiter heißt es, der Totenschein habe als Todesursache "Ersticken aufgrund eines Drucks auf der Brust" angegeben, die Autopsie vom 2. Dezember 2003 jedoch, "die in geheimen Dokumenten zitiert und mit Schwärzungen veröffentlicht wurde", habe gezeigt, dass Mowhoush "Prellungen und Quetschungen am ganzen Körper" und sechs gebrochene Rippen hatte.

"Untersuchungsbeamte waren der Ansicht", schreibt Autor Josh White, "Mowhoush sei mit einem ‚langen, scharfen Gegenstand’ und mit einem ‚Objekt wie der Schaft eines M-16 Gewehres’ bearbeitet worden."

Der Artikel erklärt, dass US-Soldaten während des Verhörs zwei Tage vor seinem Tod "hörten, wie Mowhoush ‚mit einem harten Gegenstand geschlagen wurde’ und ihn in der Halle unten ‚schreien’ hörten; so nachzulesen im Bericht des Kommandeurs der Militärpolizei vom 18. Januar 2004. In diesem Bericht heißt es, dass vier Armeewachen Mowhoush in seine Zelle zurücktragen mussten."

Über die Rolle der CIA und ihrer Scorpions erklärt der Artikel: "Die CIA war sehr darum bemüht, die Existenz der Scorpions zu verschleiern. Für die Geheimhaltungseinstufung verantwortliche CIA-Beamte haben die gerichtlichen Voruntersuchungen intensiv beobachtet und das Gericht gedrängt, aus Gründen der nationalen Sicherheit die Öffentlichkeit vom größten Teil der Anhörungen auszuschließen. Zensierte Niederschriften wurden erst veröffentlicht, als Anwälte der Denver Post gegen die Entscheidungen des Gerichts vorgingen.

Der übliche Autopsie-Untersuchungsbericht des pathologischen Armeeinstituts über Mowhoushs Tod wurde manipuliert, um die Verwicklung der CIA zu verschleiern. ... Unter ‚Todesursachen’ heißt es in dem Formular: ‚Dieser irakische [gelöscht] starb in US-Haft. Die Einzelheiten der Situation zum Todeszeitpunkt sind geheim’."

Eine weitere Lüge des Militärs verschleierte einen Aspekt des Falls Mowhoushs, der die Brutalität seiner Häscher unterstreicht. Das Militär hatte der Presse ursprünglich mitgeteilt, Mowhoush sei im Verlauf einer Razzia festgenommen worden. "In Wirklichkeit", erklärt der Artikel, "war er am 10. November 2003 in die Basis des Vorpostens ‚Tiger’ in Qaim gekommen, weil er hoffte, mit US-Kommandeuren über die Freilassung seiner Söhne zu sprechen, die elf Tage vorher bei einer Razzia festgenommen worden waren."

Zwei Armeeoffiziere des 3. gepanzerten Kavallerieregiments in Fort Carson, Colorado, werden der Tötung Mowhoushs beschuldigt, indem sie ihn in den Schlafsack steckten, und auf dem Stützpunkt Colarado Springs ist ein zum Teil öffentliches Militärgerichtsverfahren eröffnet worden. Getrennte Militärgerichtsverfahren gegen den Untersuchungsoffizier Oberstabsfeldwebel Welshofer und den Nachrichtendienstanalysten Oberstabsfeldwebel Jeff Williams sollen im Oktober bzw. November beginnen.

Zwei weitere Personen waren bei der Tötung von Mowhoush noch zugegen: Spezialist Jerry L. Loper, der Wachhabende, der Mowhoush in den Schlafsack steckte, und Obergefreiter William Sommer, ein anwesender Übersetzer. Beide sind nicht angeklagt worden und haben eventuell außergerichtlicher Sanktionen zu gewärtigen.

Der Generalinspekteur der CIA hat gegen mindestens einen CIA-Agenten ein Verfahren eingeleitet, der sich den Soldaten gegenüber lediglich als "Brian" zu erkennen gab. Der Washington Post zufolge belegen vertrauliche Emails und Berichte, dass "Brian", ein Veteran der Spezialeinheiten, als CIA-Agent mit den Skorpionen zusammengearbeitet hat.

Diese Männer verdienen für ihre Verbrechen streng bestraft zu werden. Aber sie sind für Mowhoushs Ermordung nicht die Hauptverantwortlichen, und seine Folterung und Ermordung sind kein Fehltritt. Die gegen ihn angewandten Methoden zeigen das Wesen des illegalen, imperialistischen Kriegs im Irak.

Der Bericht der Washington Post ist nur die jüngste, ekelerregende Enthüllung der Nazi-ähnlichen Verbrechen, die vom amerikanischen Militär und der CIA in Guantanamo, Afghanistan und im Irak begangen werden. Er sticht hervor, weil er ein so detailliertes und konkretes Bild der Gräueltaten abgibt, die im Namen des amerikanischen Volkes begangen werden.

Siehe auch:
Bushs Rede zum Irak: Angst Lügen und Verzweiflung
(30. Juni 2005)
Das Wall Street Journal entschuldigt Nazi-ähnliche Verbrechen im Irak
( 28. Mai 2005)
Der verbrecherische Krieg im Irak geht in das dritte Jahr
( 22. März 2005)
Bushs "Folter GmbH" in Guantanamo
( 4. Dezember 2004)
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