Blair und Murdoch verteidigen Bushs verhalten während des Hurrikans Katrina

Von Chris Marsden
29. September 2005

Rupert Murdoch erwies der Öffentlichkeit einen ungewollten Dienst, indem er öffentlich über einen Angriff des britischen Premierministers Tony Blair auf die BBC plauderte. Blair hatte gesagt, die Berichterstattung der BBC über Hurrikan Katrina sei "voller Hass" gegen Amerika.

Zunächst zeigte sich daran einmal mehr die enge Beziehung zwischen Blair und Murdochs Medienkonzern. Sie arbeiten in einer Weise Hand in Hand, die zu jeder anderen Zeit einen politischen Skandal bis hin zum Sturz der Regierung hervorgerufen hätte. Darüber hinaus warf die Bemerkung Licht auf die Befürchtung Blairs, Hurrikan Katrina könnte für seinen engsten Verbündeten, die Bush-Regierung, politische Konsequenzen haben.

Murdoch sprach auf einem Seminar in New York, das der frühere US-Präsident Bill Clinton ausrichtete. Dessen Clinton Global Initiative ist ein Forum, das angeblich der Diskussion von Konzernchefs über ihren Beitrag zur Lösung der Weltprobleme dient.

Zwar macht sich Murdoch nicht allzu viele Sorgen über die Weltprobleme, geschweige denn über die von Katrina verursachten Leiden. Dagegen nutzte er die Gelegenheit, um die staatliche und öffentlich finanzierte BBC anzugreifen, in der er ein Hindernis für die Konsolidierung seiner eigenen Vorherrschaft über die britischen Medien und einen Affront gegen seine Auffassung von Marktwirtschaft sieht.

Murdoch, der nicht nur das Satelliten-Fernsehen Sky Television, sondern auch die Zeitungen Sun, Times und News of the World besitzt, beschimpfte die BBC als "das Ding im Besitz der Regierung".

Er fuhr fort und kicherte dabei wie jemand, der sich absichtlich unartig zeigt: "Vielleicht sollte ich diese Unterhaltung nicht wiedergeben." Darauf erklärte er, er habe Blair zuvor in New York getroffen, der ihm bei dieser Gelegenheit gesagt habe, er habe die Berichterstattung von BBC World über Hurrikan Katrina verfolgt: "Und er sagte, das sei einfach voller Hass auf Amerika und hämischer Freude über unsere Probleme gewesen." Auf der ganzen Welt seien die Menschen neidisch auf die USA, und der Antiamerikanismus sei in ganz Europa verbreitet, fügte er hinzu.

Die Tatsache, dass diese Konversation überhaupt stattfand, ist an sich bemerkenswert. Blair vertraut Murdoch, weil seine Regierung politisch von ihm abhängig ist. Er teilt nicht nur Murdochs rechte Auffassungen über Wirtschaft und Soziales, sondern er glaubt auch, er hätte es nie geschafft, Premierminister zu werden, wenn es ihm nicht gelungen wäre, die britischen Blätter der News Corporation zu seiner Unterstützung zu gewinnen.

Umgekehrt ist Blair nur allzu gern bereit, Maßnahmen durchzuführen, die Murdoch gutheißt, und sogar die offizielle Politik der Regierung danach auszurichten, was für den Medienmogul akzeptabel ist. Die in Auszügen erfolgte Vorabveröffentlichung der Tagebücher des ehemaligen Labour-Beraters Lance Price, die in der Ausgabe der Mail on Sunday vom 18. September erschien, kam Blair dabei sehr ungelegen. So schreibt Price an einer Stelle in seinem Tagebuch: "Wir gaben News International [Murdochs britischer Tochtergesellschaft] das Versprechen, keine Änderungen an unserer Europapolitik vorzunehmen, ohne uns vorher mit ihm abzusprechen."

Wie Mail on Sunday berichtet, bestand Blairs Büro darauf, die Price-Tagebücher an dieser Stelle zu zensieren, und der Passage mit folgenden Worten einen etwas harmloseren neuen Sinn zu geben: "News International geht davon aus, dass wir keine Änderungen vornehmen, ohne sie zu fragen."

Blairs Angriffe auf die BBC werden ihn sicherlich in Murdochs Ansehen aufwerten. Außerdem teilt der Premierminister dessen Feindschaft gegen die BBC.

Die Regierung befindet sich mit der BBC auf Kriegsfuß, seit die Sendung "Today" von Radio Four Aussagen des Waffeninspektors Dr. David Kelly sendete, der über das Unbehagen der Sicherheitsdienste berichtete, dass Geheimdienstdossiers über den Irak "aufgepeppt" worden waren.

Kelly wurde am 17. Juli 2003 tot aufgefunden, nachdem er von der Regierung als Informant entlarvt und von zwei parlamentarischen Untersuchungsausschüssen befragt worden war. Während der folgenden gerichtlichen Untersuchungskommission von Lord Hutton lenkte die Regierung von ihren Lügen über den Irak und ihrer eigenen Rolle bei Kellys Tod ab, indem sie die BBC angriff. Hutton spielte das Spiel mit und sein Bericht im Januar 2004 führte zum Rücktritt des "Today"-Reporters Andrew Gilligan, von BBC Generaldirektor Grg Dyke und des Aufsichtsratsvorsitzenden Gavyn Davies.

Die Fehde dauert bis heute an, weil die Regierung nichts lieber hätte, als eine Situation wie in den USA, wo rechte Nachrichtenkanäle wie Fox News dominieren. Murdoch weiß das genau. Es ist wohl kaum ein Zufall, dass er seine Bemerkung über die Sichtweise des Premierministers einen Monat vor dem Budgetantrag der BBC für die Jahre 2007 bis 2016 fallen ließ.

Ein großer Teil der Berichterstattung in den Medien beschäftigte sich mit Blairs Beziehungen zu Murdoch. Aber die meisten Kommentare ignorierten seine noch wichtigere Beziehung zu Präsident George W. Bush.

Am vielleicht scharfsinnigsten und treffendsten warf Jonathan Freedland im Guardian diese Frage auf.

Er schrieb am 19. September: "Die Tatsache, dass Blair überhaupt eine Voreingenommenheit der BBC sah, ist der zweite auffallend Aspekte bei Murdochs Indiskretion. Was sagt das über Blair aus, wenn seine Reaktion auf die Bilder von Verzweifelung und Leid in New Orleans nicht Verwunderung über den Zustand des modernen Amerika war, sondern ein Wutausbruch gegen die BBC? Wie erfrischend wäre es gewesen, hätte er sich gemeinsam mit Murdoch, natürlich ganz privat, gefragt, warum eine so reiche Gesellschaft so wenig für ihre Armen getan hatte. Oder warum eine technologische und militärische Supermacht sich als so langsam bei der Rettung ihrer eigenen Leute erweisen konnte. Oder wie es sein konnte, dass die Opfer von Hurrikan Katrina, die von ihren Hausdächern um Hilfe flehten oder leblos in den Fluten trieben, offenbar in erster Linie Farbige waren und die Weißen entkommen waren.

Aber nein. Nicht dies ließ Blair in seinem Zimmer im Hotel Delhi zornig seinen Kopf schütteln. Was er bei der BBC sah, machte ihn wohl zornig. Aber es war der Bote, der seinen Zorn erregte, nicht die Botschaft."

Wohl gesprochen. Aber man muss fragen, warum das so ist. Als Katrina am 29. August zuschlug, weilte Blair auf einem Luxusurlaub in der Karibik. Aber er kam am 31. August nach Großbritannien zurück, als das volle Ausmaß der Katastrophe und das Versagen der Bush-Regierung, darauf zu reagieren, schon klar wurde - was in den USA und weltweit Schock und Empörung auslöste.

Blairs Reaktion auf die weitere Entwicklung war Schweigen - eine Haltung, die auch von seinem Kabinett geteilt wurde. Er fand die Zeit, eine Sondereinheit zu bilden, die sich mit der mangelnden Disziplin und dem unsozialen Verhalten an den Schulen beschäftigen sollte. Und er fand die Zeit, nach China zu fahren, wo er über das "ehrliche Engagement und das Verständnis" der herrschenden Elite für die Notwendigkeit "von mehr politischer Freiheit und Fortschritt in Menschenrechtsfragen" sprach. Aber über die Verwüstungen in New Orleans - vollkommenes Schweigen.

Blair machte sich nicht nur Sorgen, dass Katrina seinem wichtigsten strategischen Verbündeten politischen Schaden zufügte, sondern auch darüber, dass der Sturm die ganz realen Folgen seiner eigenen rechten ökonomischen Rezepte bloßlegte, für die er in Großbritannien eintritt. In Blairs Augen bestand das Verbrechen der BBC darin, über die schreckliche soziale Ungleichheit berichtet zu haben, die die ungebändigten Kräfte des so genannten freien Markts geschaffen haben, und über die kaum vorstellbare Gleichgültigkeit Bushs und seiner Entourage gegenüber dem Leiden der Armen. Er ist nicht so dumm, dass er nicht verstünde, dass die Schlussfolgerungen, die Millionen von Menschen aus diesen Ereignissen ziehen, gefährliche Konsequenzen nicht nur für Bush, sondern für seine eigene Regierung haben könnten.

Aus diesem Grund tat er sich hinter den Kulissen mit Bush und Murdoch zusammen, den zwei Erzrepräsentanten der Finanzoligarchie, die Blair auf der anderen Seite des Atlantik vertritt, um die wirklichen Lehren aus dem Hurrikan Katrina zu verschleiern.

Siehe auch:
Das Profitsystem steht dem Wiederaufbau New Orleans im Wege
(20. September 2005)
Hurrikankatastrophe zeigt Scheitern des Profitsystems
( 10. September 2005)