Achter Vortrag: Die 1920er Jahre - Weg zu Depression und Faschismus

Teil 1

Von Nick Beams
28. Dezember 2005

Dies ist der erste Teil des Vortrags "Die 1920-er Jahre - Weg zu Depression und Faschismus" von Nick Beams. Beams ist der nationale Sekretär der Socialist Equality Party in Australien und Mitglied der WSWS-Redaktion. Er hielt seinen Vortrag im Rahmen der Sommerschule der Socialist Equality Party/WSWS, die vom 14. bis 20. August in Ann Arbor stattfand. Wir veröffentlichen den Vortrag als fünfteilige Serie in den kommenden Tagen.

Nach dem Ersten Weltkrieg: Revolutionäre Zustände in Europa

Gegen Ende des Vortrags über den Ersten Weltkrieg haben wir uns mit einigen Ansichten von Professor Neil Harding beschäftigt. Der Hauptvorwurf, den er gegen Lenin und den Marxismus im Allgemeinen vorbringt, lautet, es gebe keine "Wissenschaft der Revolution" und könne diese auch gar nicht geben. Daher sei auch "die Suche nach einer eindeutigen Anleitung im Hinblick auf die ‚objektiven’ Grenzen des Handelns, insbesondere in traumatischen revolutionären Zeiten, zum Scheitern verurteilt" [1]. Wenn dies zuträfe, dann müssten wir das Scheitern des Marxismus konstatieren, der doch - wie Lenin betonte - vor allem eine Anleitung zum Handeln ist.

Harding bezieht sich dabei auf Anmerkungen von Engels im Vorwort zu Marx’ Die Klassenkämpfe in Frankreich. Engels bemerkte, dass es in einer gegebenen politischen Situation nicht möglich sei, die zugrunde liegenden wirtschaftlichen Prozesse und Veränderungen in ihrem vollen Umfang zu kennen. "Es ist selbstredend, daß diese unvermeidliche Vernachlässigung der gleichzeitigen Veränderungen der ökonomischen Lage, der eigentlichen Basis aller zu untersuchenden Vorgänge, eine Fehlerquelle sein muß. Aber alle Bedingungen einer zusammenfassenden Darstellung der Tagesgeschichte schließen unvermeidlich Fehlerquellen in sich; was aber niemanden abhält, Tagesgeschichte zu schreiben." [2]

Dies trifft auf die Revolution sogar in noch weit höherem Maße zu. Hardings Ansicht nach ist der Marxismus unverantwortlich, wenn nicht sogar kriminell, weil er die Massen ermutigt, "ihr Leben im Bürgerkrieg aufs Spiel zu setzen", ohne sich der Veränderungen der zugrunde liegenden ökonomischen Situation bewusst zu sein, die zu Fehleinschätzungen führen müssen. Während Engels meinte, die von ihm genannten Probleme hinderten niemanden am Schreiben zeitgenössischer Geschichte, so ist es laut Harding eine ganz andere Sache, wenn es darum geht, Geschichte mittels einer Revolution zu machen.

"Genau dieselbe Kritik", so fährt er fort, "kann gegen Lenins Imperialismustheorie (die ökonomische Konstante seiner gesamten Analyse) und seine daraus abgeleitete Staatstheorie vorgebracht werden." [3]

Sein Hauptargument gegen die Imperialismustheorie, die die theoretische Grundlage der bolschewistischen Machteroberung bildete, lautet, sie habe das Schicksal des Weltkapitalismus nicht eindeutig beantworten können.

"Lenin bedrängte seine Gefolgsleute mit der Sicherheit eines Ideologen. Daraus folgte, dass er die methodischen Unbestimmtheiten im Zentrum seiner Analyse ignorieren musste. Das bedeutet nicht, dass Lenin der marxistischen Logik Gewalt antat, als er zur Oktoberrevolution inspirierte und sie anführte. Es bedeutet lediglich, dass der Marxismus niemals in der Lage ist, im Voraus genaue Angaben über die notwendigen und hinreichenden Bedingungen für eine erfolgreiche sozialistische Revolution zu machen. Die marxistisch-revolutionäre Aktion kann sich nur auf eine Reihe von mehr oder weniger gut hergeleiteten Voraussagen bzw. auf Schlussfolgerungen aus mehr oder weniger akkuraten Analysen einer zeitlich entfernten sozioökonomischen Struktur stützen. Ihre ‚Rechtfertigung’ erfolgt daher immer nach und nicht vor dem Ereignis. Sie ist dann, aber nur dann gerechtfertigt, wenn ihre Vorhersagen sich als zutreffend erweisen. Genau darin lag der gewichtige Unterschied zwischen dem Machen und dem bloßen Schreiben von Geschichte. Im Ergebnis bewahrheitete sich keine der Voraussagen, auf denen das ganze Unternehmen der Russischen Revolution beruhte. Das Land wurde durch seine ruinierten Ressourcen und sein niedriges Kulturniveau bezwungen. Unter diesen Umständen musste das Regime degenerieren - wie sogar Lenin zuzugeben bereit war. Doch nie wurde eingestanden, dass Lenin (und die Bolschewiki) eine gewaltige Verantwortung für das Wagnis der totalen Umgestaltung trugen, die sich schließlich als Katastrophe erwies, als sich die Vorhersagen, auf denen sie beruhte, als falsch erwiesen. Menschen können ohne Zweifel von Ideen zu heldenhaften und selbstlosen Taten ermutigt werden, doch dieselben Ideen können zu einem Vorgehen ermutigen, das - vielleicht unabsichtlich - in die Barbarei führt. In diesem Sinne sind Ideologien niemals unschuldig; sie tragen stets das Kainszeichen auf ihrer Stirn." [3]

Mit anderen Worten: Die Russische Revolution war ein "Sprung ins Ungewisse", ein gigantisches Glücksspiel, ein verbrecherisches Wagnis, dessen Fehlschlagen tragische Folgen hatte. Die Verantwortung für den Stalinismus liegt letztlich bei Lenin und den Bolschewiki. Selbst wenn sie vielleicht in Opposition zu Stalin und dem von ihm geleiteten bürokratischen Apparat standen, hatten sie dennoch die Revolution angezettelt, und zwar in einer Situation, in der - wie die weiteren Ereignisse zeigen sollten - die Bedingungen für ihre weitere Ausbreitung nicht existierten. Sie begannen einen revolutionären Kampf unter Bedingungen, unter denen sie sein Ergebnis nicht voraussehen konnten - daher sind sie verantwortlich für alles, was danach kam.

Daraus folgt nicht nur, dass die Russische Revolution falsch war, sondern auch, dass man niemals wieder den Weg der Revolution beschreiten darf: Denn es ist niemals möglich, das Ende vorauszusehen, da man nicht mit absoluter Sicherheit sagen kann, ob die ökonomischen Bedingungen schon reif genug sind.

Der Machteroberung der Bolschewiki lag die theoretische Analyse zugrunde, dass - wie Lenin es ausdrückte - die Kette des Imperialismus an ihrem schwächsten Glied gebrochen war. Doch nicht nur dieses eine Glied, die ganze Kette war gebrochen. Russland war lediglich der fortgeschrittenste Ausdruck der revolutionären Situation, die sich in ganz Europa entwickelte.

Dies war nicht nur Lenins Analyse. Sie wurde mehr oder weniger von den Führern des europäischen Imperialismus und US-Präsident Woodrow Wilson geteilt.

Wilsons berühmte "14 Punkte" vom Januar 1918 waren eine direkte Antwort auf die Russische Revolution, besonders auf den Aufruf der Bolschewiki, die Verhandlungen mit der deutschen Heeresleitung in Brest-Litowsk sollten zum Ausgangspunkt eines allseitigen Friedensvertrages werden. Auf einen Appell Trotzkis, die Völker Europas sollten die Zusammenkunft einer allgemeinen Friedenskonferenz erzwingen, reagierte US-Außenminister Lansing, indem er dazu riet, den Aufruf zu ignorieren.

In einem Memorandum an Wilson attackierte er die "grundlegenden Irrtümer" des Appells und warnte, die Bolschewiki wendeten sich "an eine Klasse und nicht an alle Klassen der Gesellschaft, und zwar an eine Klasse, die über kein Eigentum verfügt, aber hofft, sich einen Anteil daran zu sichern, und zwar nicht durch persönlichen Unternehmergeist, sondern durch Regierungshandeln." Lansing stellte deutlich seine Auffassung der biologischen Überlegenheit zur Schau, die damals in den herrschenden Eliten so weit verbreitet war, und verurteilte das Dokument als "Appell an die Unwissenden und geistig Minderbemittelten, die sich durch ihre bloße Zahl zur Herrschaft berufen fühlen. Mir scheint hier eine reale Gefahr hinsichtlich der momentanen sozialen Unruhen zu liegen."

Die Gefahr des Aufrufs lag darin, wie er schrieb, dass "er den Durchschnittsmenschen durchaus ansprechen könnte, der seine grundlegenden Irrtümer nicht durchschaut". Zusätzlich zu ihren Angriffen auf das Eigentum unterminierten die Bolschewiki den Nationalismus, indem sie "Anschauungen vertreten, die die Klasse über das allgemeine Konzept der Nationalität stellen. [...] Eine solche Theorie wäre zutiefst destruktiv für das politische Fundament der Gesellschaft und würde in permanentem Aufruhr und Umbruch enden. Wenn die gesellschaftliche Ordnung und die Stabilität der Regierung aufrechterhalten werden sollen, kann man das einfach nicht zulassen." [5]

Doch Wilson wusste sehr wohl, dass man den Aufruf der Bolschewiki nicht einfach ignorieren konnte. Je mehr die Unzufriedenheit der Massen wuchs, desto gefährlicher wurde die Situation für die Regierungen der Alliierten. In einer Diskussion mit dem scheidenden britischen Botschafter legte er am 3. Januar seine Bedenken dar.

Ein Bericht über das Treffen hielt folgendes fest: "Er selbst [der Präsident] wandte sich mit der vollen Unterstützung des amerikanischen Volkes und dessen ausdrücklicher Billigung hinter dem Rücken der deutschen Regierung an das deutsche Volk. Die russischen Bolschewiki haben sich nun eben diese Politik zu eigen gemacht. Sie haben sich mit einem Aufruf an alle Nationen der Welt gewandt - an die Völker, nicht an die Regierungen. Gegenwärtig verfüge er über keine oder zumindest keine gesicherten Informationen, wie dieser Aufruf aufgenommen worden sei. Doch gebe es Belege dafür, dass er mit Sicherheit in Italien und wahrscheinlich auch in England und Frankreich nicht ohne Wirkung geblieben sei. In den Vereinigten Staaten finde eine aktive Agitation statt. Es sei noch zu früh, um mit Sicherheit sagen zu können, wie erfolgreich diese gewesen sei. Doch klar sei: Wenn man den Aufruf der Bolschewiki unbeantwortet lasse, wenn man nichts tue, um ihm entgegenzuwirken, dann würden die Auswirkungen bedeutend sein und weiter an Bedeutung gewinnen." [6]

Schon vor Ausbruch des Krieges hatten die Klassenspannungen zugenommen. In allen großen europäischen Hauptstädten war vor einer nahenden vorrevolutionären Situation gewarnt worden. In Österreich hatten offizielle Kreise hieraus geschlossen, die einzige Alternative zum Bürgerkrieg bestehe in einem gesamteuropäischen Konflikt. In Russland entwickelte sich 1913/14 eine Streikwelle, die noch größer war als jene, die mit der Revolution von 1905 einhergegangen war. In Deutschland war es besonders nach dem Sieg der SPD in den Wahlen von 1912 zu Spekulationen und Diskussionen in herrschenden Kreisen gekommen, ob nicht ein äußerer Konflikt dazu dienen könnte, die sich im Inneren aufbauenden Spannungen zu entschärfen. Von Bülow schrieb in seinen Memoiren: "Ende 1912 hörte ich aus Düsseldorf, dass Kirdorf, einer der größten Industriellen des Rheinlandes, [...] erklärt habe, wenn das noch drei Jahre so weiterginge, dann würde Deutschland bis dahin in Krieg oder Revolution stecken."

In Italien waren die Monate vor dem Kriegsausbruch stark von Aufständen und Streiks geprägt. In vielen Städten wurden lokale Republiken errichtet. Über der Stadthalle von Bologna wurde die rote Fahne gehisst. In Frankreich wuchs die Militanz der Arbeiterklasse. 1913 kam es zu 1.073 Streiks, an denen sich eine Viertelmillion Arbeiter beteiligten - darunter auch Beschäftigte der Post und des Telegraphenwesens, die bis dahin als staatstreu galten. Streiks von Landarbeitern endeten oft in Aufständen, bei denen die Häuser der Grundbesitzer verbrannt wurden.

In Großbritannien war die Periode unmittelbar vor dem Krieg eine Zeit zunehmender Gewalttätigkeit. George Dangerfield berichtet, dass "Feuer, die lange im geistigen England geschwelt hatten, mit einem Male aufloderten, so dass Ende 1913 das liberale England in Schutt und Asche lag". Der langjährige Labour-Politiker Emanuel Shinwell schreibt in seinen Memoiren: "Die Unzufriedenheit unter den Massen wuchs als ein Ausdruck der Millionen gewöhnlicher Menschen, die von dem industriellen Wachstum und dem großspurigen Imperialismus des viktorianischen Zeitalters wenig oder gar nichts abbekommen hatten."

Dem Diplomaten und Politiker Harold Nicolson zufolge hatten die zunehmenden Erhebungen der Industriearbeiter, die von einem "revolutionären Geist" gekennzeichnet waren, gemeinsam mit der Krise um die Herrschaft über Irland das Land "an den Rand des Bürgerkrieges" gebracht. Im Buckingham Palast warnte George V. im Juli 1914 während einer Konferenz: "Das Geheul des Bürgerkriegs liegt auf den Lippen der verantwortlichsten und nüchternsten meiner Untertanen." Der Historiker Halevy beschreibt die industriellen Unruhen als "zeitweise der Anarchie nahekommend" und schließt daraus, es habe sich um "eine Revolte nicht nur gegen die Autorität des Kapitals, sondern auch gegen die Disziplin der Gewerkschaften" gehandelt.

Und jetzt war die Drohung, die die herrschenden Klassen Europas schon lange in ihrem Nacken spürte - dass die so genannte "soziale Frage" eines Tages in eine Revolution münden würde - in Gestalt der Russischen Revolution zur Wirklichkeit geworden. Am 4. November notierte Beatrice Webb, eine führende Vertreterin der Fabian Society und strikte Befürworterin des Parlamentarismus, in ihrem Tagebuch die Ängste der herrschenden Eliten ganz Europas: "Stehen wir einem neuen Russland in Österreich oder gar Deutschland gegenüber - einem Kontinent in zügelloser Revolution?" [7]

Als die Alliierten in Paris zusammenkamen, um den Vertrag zu entwerfen, den sie Deutschland vorzulegen gedachten, war die sowjetische Regierung nicht eingeladen. Doch während der Monate vielschichtiger Verhandlungen, in denen die Alliierten ihre Konflikte untereinander zu lösen versuchten, war die Revolution stets gegenwärtig. "Das kommunistische Russland", schrieb Herbert Hoover, der zu jener Zeit mit der Verteilung der amerikanischen Lebensmittellieferungen nach Europa betraut war, "war ein Gespenst, das fast täglich auf der Friedenskonferenz umging." [8]

Der Journalist Ray Stannard Baker, ein enger Vertrauter Wilsons, wies auf den Kontrast zwischen dem Wiener Kongress nach der Niederlage Napoleons 1815 und den Verhandlungen von Versailles hin: "Zu jedem Zeitpunkt und bei jeder Wende dieser Verhandlungen baute sich das Gespenst des Chaos vor uns auf wie eine schwarze Wolke aus dem Osten, die die Welt zu überwältigen, zu verschlingen drohte. In Wien hatte kein Russland an die Türen geklopft, man hatte die Revolution offensichtlich sicher hinter sich gelassen; in Paris war sie stets anwesend." [9] Nur wenige, so merkte er an, nahmen wahr, "wie explosiv die Situation während der Konferenz in ganz Europa war. Jede Regierung war instabil; es hätte nur eines kleinen Fehltritts von Lloyd-George, Clemenceau oder Orlando bedurft, und sie wären mit ihren Ämtern untergegangen." [10]

Während der Konferenz schrieb der britische Premierminister Lloyd-George einen Brief an den französischen Präsidenten Clemenceau, in dem er seine Befürchtungen darlegte: "Ganz Europa ist erfüllt vom Geist der Revolution. Unter den Arbeitern besteht ein tiefes Gefühl nicht nur von Unzufriedenheit, sondern von Wut und Erhebung gegen die Vorkriegsbedingungen. Die gesamte bestehende Ordnung wird in politischer, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht von den Volksmassen vom einen Ende Europas bis zu anderen in Frage gestellt." [11]

Die Friedenskonferenz trat unter dem Banner von Wilsons Vierzehn Punkten zusammen - das Schlussdokument jedoch brach alle darin enthaltenen Grundsätze. Als William C. Bullitt, ein Mitglied der amerikanischen Delegation, aus Abscheu vor den Friedensbedingungen, die Deutschland auferlegt werden sollten, seinen Rückzug von den Verhandlungen ankündigte und erklärte, Wilson hätte sich über die Köpfe der Regierungen hinweg an die Volksmassen Europas wenden sollen, erklärte Wilsons engster Berater Edward M. ‚Colonel’ House, warum das nicht möglich gewesen war.

Es bestehe kein Zweifel, sagte er, dass, "wenn der Präsident seinen Einfluss bei den liberalen und arbeitenden Klassen zur Geltung gebracht hätte, er damit möglicherweise die Regierungen [einiger der Alliierten] gestürzt hätte". Doch dies hätte zu einer scharfen Wendung nach links in ganz Europa geführt und zu Bedingungen, die den "Bolschewismus" hätten stärken können. Eben darum habe Wilson Recht gehabt, sich nicht von der Konferenz zurückzuziehen. Andernfalls hätte es "in jedem Land Europas eine Revolution gegeben. [...] Der Präsident war nicht bereit, diese Verantwortung auf sich zu nehmen." [12]

Diese Zitate - und ebenso die tatsächlichen Ereignisse - zeigen, dass in der Zeit nach dem Krieg in ganz Europa eine revolutionäre Situation bestand. Dass diese Situation nicht zu einer wirklichen sozialistischen Revolution führte, lag an den sozialdemokratischen Führern der Arbeiterklasse, besonders in Deutschland. Hier bildeten die SPD-Führer eine Allianz mit dem Oberkommando der Armee, um den Staatsapparat Deutschlands intakt zu halten. Zu diesem Zweck bedienten sie sich der Freikorps, Vorläufer der Nazi-Sturmtruppen, die die während der revolutionären Erhebungen vom Oktober-November 1918 geschaffenen Arbeiterräte zerschlugen und die wichtigsten Revolutionäre ermordeten, insbesondere Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.

Doch trotz der unstrittigen Existenz einer objektiven revolutionären Situation in der Zeit nach dem Krieg stellt sich uns immer noch die Frage nach den langfristigen Entwicklungen. War diese revolutionäre Periode lediglich ein vorübergehender historischer Moment, eine Art Ausgeburt des Krieges, auf den die baldige Restabilisierung folgen sollte, in der dann die kapitalistische Klasse wie zuvor die Kontrolle übernehmen würde? Oder bestanden tiefe Widersprüche im Herzen des kapitalistischen Wirtschaftssystems, die zu weiteren Eruptionen führen würden? Diese Frage - die alle von Harding aufgeworfenen Probleme berührt - kann nur ein Studium der politischen Ökonomie der Nachkriegsperiode beantworten.

Wird fortgesetzt.

Anmerkungen:

[1] Neil Harding, Leninism, Basingstoke 1996, S. 115 (aus dem Englischen).

[2] Friedrich Engels, Einleitung zu "Die Klassenkämpfe in Frankreich ", MEW Bd. 22, S. 510.

[3] Harding, a.a.O., S. 111.

[4] Ebd., S. 112.

[5] Zit. nach: Lloyd C. Gardner, Safe for Democracy, S. 161 (aus dem Englischen).

[6] Zit. nach: George F. Kennan, Russia Leaves the War, Princeton 1989, S. 249 (aus dem Englischen).

[7] Zit. nach: Arno Mayer, Politics and Diplomacy of Peacemaking, New York 1967, S. 8 (aus dem Englischen).

[8] Zit. nach: William Appleman Williams, Die Tragödie der amerikanischen Diplomatie, Frankfurt/Main 1973, S. 127.

[9] Mayer, a.a.O., S. 10.

[10] John M. Thompson, Russia, Bolshevism and the Versailles Peace, Princeton 1966, S. 14 (aus dem Englischen).

[11] Zit. nach: E. H. Carr, The Bolshevik Revolution, 1917-1923, Bd. 3, S. 135-136 (aus dem Englischen).

[12] Mayer, a.a.O., S. 800-801.

Siehe auch:
Weitere Vorträge der SEP-Sommerschule