Die WSWS antwortet auf den Vorwurf des Antisemitismus in der Berichterstattung zum amerikanisch-israelischen Krieg im Libanon

29. Juli 2006

An: Van Auken

Sie sind ein abscheulicher Antisemit, was daran abzulesen ist, mit welchen Worten Sie Israel als zionistische Einheit beschreiben. In Wirklichkeit geht es Schwachköpfen wie Ihnen darum, dass die Muslims sich gegenseitig übertreffen, um ihre Vorherrschaft zu sichern, indem sie sich beweisen, wer mehr Israelis und Juden töten und hassen kann. Die Schiiten im radikal-islamischen Staat Iran wollen Hegemonie über den Nahen Osten, und wie könnten sie besser als Retter des Islam erscheinen als durch das Töten von Juden? Man bemerke, dass die radikalen Islamfaschisten niemals nur über Israelis sprechen, sondern über die Ermordung aller Juden. Sie sind ein kompletter Schwachkopf, der nichts aus der Geschichte gelernt hat, auch wenn Sie sich Sozialist nennen. Die Sozialisten haben sich in den Nazitagen im Zweiten Weltkrieg der falschen Seite angeschlossen und nun verbünden sie sich mit den moderaten Muslimen. Wo sind sie, wenn israelische Zivilisten grundlos getötet und Grenzen angegriffen werden, nachdem sich Israel aus dem Gazastreifen und Libanon zurückgezogen hatte?

Ich schätze, Idioten wie Sie brauchen erst eine Katjuscha-Rakete im Rücken, die Ihre Kinder und Familie tötet, bevor Sie verstehen, dass Israel der einzige Freund ist, den wir im Nahen Osten haben und der in abgemilderter Form an unsere Werte erinnert und unsere Grundüberzeugungen vertritt. Benutzen Sie das richtige Wort, Arschloch, Islamfaschisten und nicht Terroristen. Wenn der Libanon und seine Bevölkerung zu ängstlich sind, um sie zu entfernen (d.h. Hisbollah), dann sind sie für jegliche und sämtliche Vergeltungsschläge verantwortlich, die stattfinden. Sie hätten offenbar mehr Sympathie für die Deutschen während der Bombardierung von Dresden im Zweiten Weltkrieg gehabt als für die sechs Millionen und mehr Juden, die starben, während 98 Prozent der deutschen Bevölkerung zusahen oder wegsahen. Sie waren ebenfalls verantwortlich.

Name: MO

Adresse: Geht Sie zum Teufel nichts an, Sie Antisemit

***

MO,

bevor ich auf den Inhalt ihrer Email eingehe, ist es notwendig, etwas zu ihrem Ton zu sagen. Die World Socialist Web Site ist sehr vertraut mit den spezifischen Charakteristika hasserfüllter Briefe von Rechten. Im Allgemeinen zeichnen sie sich durch zwei Eigenschaften aus: schamlose Dummheit und eine vulgäre, sogar obszöne Sprache.

Grobe Beleidigungen, eine derbe Sprache und persönliche Diffamierung des politischen Gegners sind alles Kennzeichen der extremen Rechten und des Faschismus.

Historisch waren die Juden mit dem Kampf für menschliche Würde und gesellschaftlichen Fortschritt und gegen alle Formen des Rassismus, der Rückständigkeit und Unterdrückung verbunden. Ein tragisches Ergebnis des Zionismus besteht darin, dass ein Teil der jüdischen Bevölkerung nun Methoden und Ideologien übernimmt, die von denen der Faschisten und Antisemiten nicht zu unterscheiden sind. Hiermit sollen all diejenigen eingeschüchtert werden, die Israels Verbrechen gegen die libanesische und palästinensische Bevölkerung ablehnen.

Ihr abscheulicher Vorwurf, ich sei ein Antisemit, gründet sich allein auf die Opposition von mir und der Socialist Equality Party gegen den amerikanisch-israelischen Krieg im Libanon. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass diese Opposition von vielen Juden in den Vereinigten Staaten und einem wachsenden Teil der israelischen Bevölkerung selbst geteilt wird, ganz zu schweigen von der überwältigenden Mehrheit der Weltbevölkerung.

Der plumpe Versuch, eine solche Opposition mit Antisemitism us gleichzusetzen, ist typisch für den Zionismus in den Vereinigten Staaten und weltweit. Diese Taktik kommt zum Einsatz, um jegliche und sämtliche Gewalttaten gegen die Menschen in Palästina und im Libanon zu verteidigen und zu rechtfertigen und um linke Gegner der israelischen Regierungspolitik zu verunglimpfen. Sie wird gleichermaßen benutzt, um der beträchtlichen Opposition gegen diese Verbrechen in Israel und unter jüdischen Menschen weltweit jede Berechtigung abzusprechen, indem diese als "jüdischer Selbsthass" abgetan wird.

Diese Verleumdung entbehrt sowohl einer historischen Grundlage wie auch jeder wirklichen politischen Logik, wenn man nicht gerade der rechten Politik des rassischen und religiösen Nationalismus folgt. Durch dieses Prisma betrachtet ist jede Handlung Israels gegen seine Feinde einwandfrei und jede Opposition gegen diese Taten mit Nazismus gleichzusetzen.

Wenn wir das Gemetzel an libanesischen Zivilisten, die meisten von ihnen Frauen und Kinder, verurteilen, soll dies als Beweis dafür gelten, dass wir "offenbar mehr Sympathie für die Deutschen während der Bombardierung von Dresden im Zweiten Weltkrieg gehabt [hätten] als für die sechs Millionen und mehr Juden, die starben".

Welche verdrehte Logik ist hier am Werk? Waren die Libanesen Komplizen des Dritten Reichs? Ist die Regierung im Libanon für einen neuen Holocaust an den Juden verantwortlich? Wann und wo hat dies stattgefunden?

Ein Charakteristikum faschistischer Ideologie und reaktionären Denkens im Allgemeinen besteht darin, verschiedene Entwicklungen und politische Tendenzen zu einem gemeinsamen "Feind" zu verquicken. An Stelle eines Versuchs, ihre wahre, objektive Basis zu ergründen, werden sie zu einem Amalgam vermischt. In diesem Fall werden vollkommen verschiedene und gegensätzliche Kräfte in einen Topf geworfen, um damit einen angeblichen universellen Judenhass zu beweisen.

Es ist eine Tatsache, dass zehnmal mehr Libanesen als Israelis getötet wurden und die libanesischen Todesopfer fast ausschließlich Zivilisten, die israelischen Toten dagegen größtenteils Soldaten sind, die bei den Einfällen israelischer Truppen in libanesisches Gebiet ihr Leben verloren.

Das ungleiche Verhältnis zwischen libanesischen und israelischen Opferzahlen erinnert zudem an die bitteren Erfahrungen der libanesischen Bevölkerung bei den Angriffskriegen, die Israel in den Jahren 1978 und 1982 gegen das Land begonnen hatte und die zehntausenden Libanesen das Leben kosteten.

Wenn man historische Parallelen zwischen der derzeitigen Situation und der Naziära ziehen will, so liegt eine klar auf der Hand: Die zwischen Hitlers Wehrmacht und der israelischen Armee, die eine massive Kampagne "ethnischer Säuberung" durchführt und Hunderttausende, wenn nicht Millionen von verarmten libanesischen Schiiten mit Bomben und Granaten aus ihren Häusern und Dörfern vertreibt.

Es ist ihrem Brief deutlich zu entnehmen, dass Sie dieses militärische Vorgehen begrüßen, das nach jeder objektiven Auslegung der Genfer Konventionen ein Kriegsverbrechen darstellt. Sie wünschen sich in Bezug auf die Hisbollah, dass sie "entfernt" wird - die Hisbollah ist eine der größten Parteien im Libanon, die 14 von 128 Sitzen im Parlament innehat und in den vorwiegend von Schiiten bewohnten Gebieten des Libanon praktisch die gesamte Infrastruktur unterhält, von Schulen über Krankenhäuser bis hin zur Müllabfuhr. Ihre Forderung läuft somit darauf hinaus, eine ganze Bevölkerungsgruppe zu vernichten.

Sie schreiben, ich habe "nichts aus der Geschichte gelernt" und "die Sozialisten haben sich in den Nazitagen im Zweiten Weltkrieg der falschen Seite angeschlossen und nun verbünden sie sich mit den moderaten Muslimen".

Von welchen "Seiten" sprechen Sie? In der Periode nach dem Aufstieg des Nazismus in Deutschland standen die Sozialisten in Amerika und insbesondere die trotzkistische Bewegung allein mit ihrer politischen Forderung und Kampagne, die antisemitische Ablehnung und Nichtaufnahme von Juden auf der Flucht vor dem Faschismus zu beenden. Die Zionisten standen dieser Haltung feindselig gegenüber, da sie die Ansicht vertraten, dass die europäischen Juden ausschließlich nach Palästina auswandern sollten.

Im Kampf gegen den Faschismus setzten sich Sozialisten für die Einheit der Arbeiterklasse ein, die auch die Juden einschloss, die bekanntermaßen immer einen überdurchschnittlichen Anteil an der Führung wie Mitgliedschaft der marxistischen Bewegung ausmachten. Auf welcher "Seite" stand die zionistische Bewegung? Zu der gleichen Zeit arbeitete sie mit dem Naziregime und insbesondere Adolph Eichmann zusammen - auf der Grundlage der gemeinsamen Überzeugung, dass die Vertreibung der deutschen Juden nach Palästina sowohl Hitlers "Endlösung" der europäischen Judenfrage erleichtern als auch zur Schaffung eines jüdischen Staats führen würde.

Was letztlich die Niederlage des Dritten Reiches betrifft, so ist es eine historische Tatsache, dass trotz der Verbrechen des Stalinismus und seines Verrats an den Prinzipien der Russischen Revolution die Sowjetunion den überwältigenden Teil der Bürde trug, das deutsche Militär und die Mordmaschine der Nazis zu zerschlagen.

Während Sozialisten die unnachgiebigsten Gegner des Nazismus - und ebenso seine ersten Opfer - waren, sympathisierte ein bedeutender Teil der herrschenden Elite Amerikas, darunter auch die Vorfahren des derzeitigen US-Präsidenten, der ein großer "Freund Israels" ist, offen mit Hitler und betrachteten seine Politik als politische Inspiration und Profitquelle.

Welche politischen Kräfte sind heute dort zu finden, wo sie die "richtige Seite" der Geschichte sehen - d.h. politisch auf der Seite des Zionismus? In den Vereinigten Staaten finden sich die bekanntesten und vernehmbarsten Unterstützer des Zionismus unter der rechten christlichen Wählerschaft der Republikanischen Partei, innerhalb der so genannten christlich-zionistischen Bewegung. Diese Elemente - die Christian Coalition, Moral Majority etc. - sind von Antisemitismus durchdrungen. Sie betrachten Israels Kriege als Erfüllung einer biblischen Prophezeiung und unterstützen die Sammlung aller Juden in Israel als Voraussetzung für Armageddon, wenn nach ihrer verdrehten Logik die Juden entweder konvertieren oder ausgelöscht werden.

In Europa suchte sich die israelische Regierung Verbündete unter solch rechten und notorisch antisemitischen Elementen wie den Erben Mussolinis. Vermutlich meinen Sie diese "rechte Seite", der sich die Sozialisten nicht angeschlossen haben.

Im Libanon selbst war Israel über Jahre hinweg mit der libanesischen faschistischen Bewegung verbündet. Die israelische Regierung schmiedete engste Beziehungen mit der libanesischen Phalange, eine Bewegung, die in der Tradition des europäischen Faschismus der 1930er Jahre stand. Der ehemalige israelische Verteidigungsminister und Ministerpräsident Ariel Scharon war, wie ein israelisches Gericht feststellte, in das Massaker der Phalangisten 1982 an tausenden Palästinensern in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila verwickelt.

Das ist die Logik des Zionismus. Wenn man sich nicht mit den rechten Antisemiten verbündet, die Israel unterstützen, gilt man als "abscheulicher Antisemit".

Ihr pauschaler Vorwurf, alle Muslime und Schiiten seien entschlossen "mehr Israelis und Juden [zu] töten und [zu] hassen" erinnert an die Art von Verleumdung gegen eine ganze Menschengruppe, die ein Kennzeichen des Antisemitismus ist.

Tatsächlich hat die Massenopposition der arabischen und islamischen Welt gegen Israel ihre historischen Wurzeln in der nationalistischen Bewegung, die in der Region gegen den britischen und französischen Imperialismus entstand. Das zionistische Projekt wurde von den arabischen Massen nicht zu Unrecht als Instrument des Imperialismus betrachtet, mit dem sie unterdrückt und ihres Landes beraubt wurden. Beinahe sechs Jahrzehnte anhaltenden Krieges und immer stärkerer Unterdrückung gegen die Palästinenser haben diese Überzeugung nur bestärkt.

Dass diese antiimperialistische Stimmung ohne Erfolg blieb und enttäuscht wurde - zum Teil wegen der israelischen Militärgewalt, zum Teil wegen der Unterwürfigkeit, Verlogenheit und Verdorbenheit der bürgerlichen Regime in der gesamten arabischen Welt - hat zweifellos den Weg für rechte islamistische Fundamentalisten frei gemacht, die Antisemitismus als eine Form populistischer Agitation vertreten, um den sozialen Kämpfen der arabischen und islamischen Arbeiter und Unterdrückten eine andere Richtung zu geben. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass die israelische Regierung historisch die Entwicklung solcher Kräfte gefördert hat, besonders im Fall der Hamas, die als Gegengewicht zu säkularen nationalistischen Bewegungen wie der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) dienen sollte.

Der jetzige Zweifrontenkrieg gegen diese islamistischen Bewegungen, in dem die überwältigende Mehrheit der Opfer Zivilisten sind, die keinem einzigen Israeli irgendetwas getan haben, zeigt anschaulich, in welcher Sackgasse das zionistische Projekt steckt. Seine Ursprünge liegen in der gewaltsamen Vertreibung eines anderen Volkes und es konnte nur durch eine Politik des Kriegs und der ständigen Unterdrückung gegen die Palästinenser in den Besetzten Gebieten wie auch durch Diskriminierung und soziale Ungleichheit in Israel selbst aufrechterhalten werden.

Unabhängig von seinen spezifischen Eigenschaften ist das Scheitern des Zionismus Teil des allgemeinen Zusammenbruchs all jener Bewegungen, die sich auf den Nationalismus stützen. Im Falle Israels ist der offene Kollaps bislang hauptsächlich durch die massiven Subventionen von Seiten der Vereinigten Staaten abgewendet worden, die Israel als Instrument ihrer eigenen imperialistischen Pläne im ölreichen Nahen und Mittleren Osten betrachten.

Unsere Perspektive, die wir sowohl dem Zionismus als auch den bürgerlichen arabischen Regimes entgegenstellen, besteht darin, die arabischen und jüdischen Arbeiter im gemeinsamen Kampf gegen den Imperialismus und für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft zu vereinen, die die gewaltigen Reserven der Region und der Welt zum Nutzen Aller einsetzt. Wir sind fest davon überzeugt, dass dies das einzige Mittel ist, um die palästinensische Bevölkerung aus ihrer Unterdrückung zu befreien und dabei dem jüdischen Volk eine weitere historische Katastrophe zu ersparen. Diese Perspektive als antisemitisch zu brandmarken, zeugt von politischer Unaufrichtigkeit und Gewissenlosigkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Bill Van Auken

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