Ted Grant 1913 - 2006

Eine politische Würdigung des ehemaligen Führers der britischen Militant-Tendenz

Von Ann Talbot
19. Oktober 2006

Dies ist der erste Teil eines zweiteiligen Nachrufs.

Als Ted Grant, der Gründer der britischen Militant-Tendenz, im Juli mit 93 Jahren starb, wurde er von Gegnern wie Anhängern gleichermaßen als lebenslanger Verfechter der Ideen Leo Trotzkis gefeiert. Der Nachruf in der Times erklärte ihn zu einem "eingefleischten trotzkistischen Revolutionär alter Schule". Die Financial Times gab den Tod eines "seit mehr als siebzig Jahren führenden Trotzkisten" bekannt. Diese Auffassung stimmte mit Grants eigener Selbsteinschätzung überein.

In der Woche vor seinem Tod wurde Grant, der schon einen Schlaganfall erlitten hatte, auf das Podium einer Versammlung der International Marxist Tendency geführt, wo er erklärte, die Organisation stehe "entschieden zu Trotzkis Ideen". Es war ein bemerkenswerter Auftritt für einen schon vom Tod gezeichneten Menschen, der seine physische Kondition und sein unbeirrbares politisches Engagement belegte. Grant war einer der letzten überlebenden Repräsentanten einer Generation, deren politisches Bewusstsein in einer Zeit geprägt wurde, in der Trotzkis Kampf gegen die Bürokratie, die in der Sowjetunion die politische Macht an sich gerissen hatte, ihren Höhepunkt erreichte.

Nur wenige der jungen Menschen, die in den Jahrzehnten nach 1917 die russische Revolution als Beispiel und Inspiration für die Zukunft der Menschheit sahen, waren in der Lage, der revolutionären Politik ihr ganzes Leben lang prinzipiell treu zu bleiben und dem Druck der Erschütterungen und Umwälzungen des zwanzigsten Jahrhunderts standzuhalten. Unseren Respekt verdienen alle, die erkannten, dass Trotzki die Kontinuität des Marxismus und der revolutionären Tradition des Bolschewismus repräsentierte. Aber die höchste Anerkennung, die wir ihrem jugendlichen Engagement für die Revolution zollen können, besteht darin, ihre nachfolgende politische Laufbahn einer objektiven historischen Analyse zu unterziehen.

Es muss gleich gesagt werden, dass Grant nicht als Trotzkist gestorben ist und es auch zu Lebzeiten nicht sehr lange gewesen ist. Das gilt jedenfalls, wenn wir unter dem Begriff Trotzkist einen revolutionären Marxisten verstehen, der die Grundprinzipien des sozialistischen Internationalismus verteidigt, wie sie in der russischen Revolution von 1917 verkörpert sind. Es mag unhöflich wirken, einem toten alten Mann das Attribut abzuerkennen, das er sich im Leben so sehr gewünscht hat. Aber Grants Politik war nicht bloß eine persönliche Angelegenheit. Sie war typisch für eine Epoche, in der bürokratische Apparate die Arbeiterklasse beherrschten und großenteils als legitime Führung der Arbeiterklasse galten.

Die Organisation in Großbritannien, die Grant führte - intern Revolutionary Socialist League und öffentlich Militant-Tendenz genannt - vermittelte jungen Menschen die reformistische politische Weltanschauung der Labour Party. Der Anspruch von Militant, den revolutionären Sozialismus zu vertreten, beschränkte sich immer nur auf Reden und historische Artikel. Laut ihrer Perspektive konnte der Sozialismus erreicht werden, indem eine Labour-Regierung im Parlament ein Ermächtigungsgesetz zur Verstaatlichung der zirka 200 größten Monopole verabschiedet und damit die Grundlage für eine geplante und öffentlich kontrollierte Wirtschaft legt.

Typisch für Militant war eine Form des taktischen Opportunismus, der sich immer den spontanen Protestbewegungen in der britischen Arbeiterklasse anpasste und sicherstellte, dass diese nicht über die Grenzen der offiziellen Arbeiterbewegung - der Labour Party und der Gewerkschaften - hinausgingen.

So in den frühen 1980er Jahren in Liverpool, als Militant die Mehrheit im Labour-Stadtrat erringen konnte. Bekanntermaßen traf sie eine opportunistische Abmachung mit der konservativen Regierung, durch die ein Kampf des städtischen Personals von Liverpool gegen die Angriffe auf kommunale Dienstleistungen abgewürgt wurde. Die Abmachung trug auch zur Isolation des Bergarbeiterstreiks von 1984-85 bei, die durch den Gewerkschaftsdachverband und die Labour Party unter Neil Kinnock erzwungen wurde. So leistete Grant seinen Beitrag zu einer der schlimmsten Niederlagen der britischen Arbeiterklasse in den letzten Jahrzehnten.

In einer Zeit intensiver Klassenkonflikte leitete diese Organisation die revolutionären Bestrebungen vieler Jugendlicher und Arbeiter in reformistische Kanäle. Ein Beispiel war ihre Kampagne gegen die Kopfsteuer Anfang der 1990er Jahre, ein anderes ihre Unterstützung für den schottischen Separatismus, der zu einer Abspaltung von Militant und zur Gründung der Scottish Socialist Party führte.

In den 1980er Jahren behauptete Militant, die größte selbsternannte trotzkistische Partei in Großbritannien zu sein. Dies war die Zeit von Grants größten öffentlichen Erfolgen, aber sie erwies sich als Vorspiel zu seinem Niedergang. Die Jugendlichen, die Militant beitraten, waren radikalisiert durch ihre Erfahrung mit der Thatcher-Regierung, deren Kennzeichen Massenarbeitslosigkeit, soziale Kürzungen und eine Rückkehr zu imperialistischen Kriegen war. Viele richteten ihre Hoffnung am Anfang auf die Labour Party, wo sie Militant kennen lernten, aber die politische Stoßrichtung dieser jungen Arbeiter ging nach links, während sich Grants Organisation nach rechts bewegte. Sie trafen sich im Vorübergehen, gingen jedoch in entgegengesetzte Richtungen weiter.

Grants Rhetorik konnte sie nicht in der Labour Party festhalten, weil die Dynamik der internationalen politischen Situation die objektive Grundlage für diese Art Politik untergraben hatte. Die Zeit, als es Labour noch möglich war, ein Reformprogramm und sozialstaatliche Maßnahmen anzubieten, ging schnell zu Ende. In der Sowjetunion geriet die stalinistische Bürokratie, die so vielen anderen bürokratischen Apparaten als Vorbild und Inspiration gedient hatte, in eine Krise, von der sie sich niemals mehr erholte.

Grants gesamte politische Perspektive seit dem Ende des zweiten Weltkriegs basierte auf der Annahme, die Kreml-Bürokratie, die sozialdemokratischen Parteien und Gewerkschaften im Westen und die nationalen Bewegungen in den ehemaligen kolonialen und halbkolonialen Ländern würden ihre politische Vorherrschaft für immer behalten. Aber 1992, als Grant aus der Militant-Gruppe ausgeschlossen wurde, entpuppten sich die Charakteristika der politischen Landschaft, die er für dauerhaft genommen hatte, als recht kurzlebig. Sie waren das Ergebnis von Übereinkünften, die nach dem zweiten Weltkrieg von den Großmächten getroffen worden waren, um einem revolutionären Aufstand wie 1917 zuvorzukommen.

Grant gründete mit Alan Woods zusammen eine neue Gruppe, die den Namen ihrer Zeitung Socialist Appeal annahm. Die Mehrheit unter Führung von Peter Taaffee gründete die Organisation Militant Labour, die spätere Socialist Party. Grants International Marxist Tendency gehört neben vielen anderen Radikalen zu den begeistertsten Bewunderern des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez. Sie stellt ihn als revolutionären Führer dar, der es gewagt hat, die Macht der USA herauszufordern, und der die venezolanische Gesellschaft in eine sozialistische Richtung führt.

Obwohl der Unterdrückungsapparat des venezolanischen Staates immer noch existiert und transnationale Konzerne dort weiterhin ihre Profite machen, behaupten Grants Anhänger, die kapitalistische Klasse sei nicht mehr an der Macht. Damit bereiten sie nur eine Niederlage von einem Ausmaß vor, die noch größer sein wird als die der britischen Arbeiterklasse. Die Erfahrung hat gezeigt, dass linke Bewegungen, die in Lateinamerika an die Macht kommen und den existierenden Staatsapparat nicht zerstören, sondern den Kapitalismus intakt lassen, zum Wegbereiter einer blutigen Unterdrückung werden können, wie Pinochet sie in Chile organisiert hat. [1]

Grants Ruf als Marxist und lebenslanger Verfechter der Ideen von Leo Trotzki spielt weiterhin eine wichtige Rolle für die Fähigkeit dieser Organisationen, unter Arbeitern und Jugendlichen Unterstützung zu gewinnen. Seine Anhänger kultivieren fleißig das Bild, er sei ein urmarxistischer Denker und große politische Persönlichkeit in der trotzkistischen Bewegung gewesen. Alan Woods schrieb in einem Artikel zum Jahrestag der Gründung der Zeitung von Grants Gruppe, Socialist Appeal : "Mit der Person von Genosse Ted Grant stehen wir für die Fortsetzung der Ideen Trotzkis. Dieses Jahr ist auch der fünfundsiebzigste Jahrestag des Ausschlusses Leo Trotzkis und der Linken Opposition aus der Russischen Kommunistischen Partei. Genosse Grant war von Anfang an Mitglied in Trotzkis internationaler Linken Opposition. Er repräsentiert die ununterbrochene Kette, die uns mit den besten Traditionen des Bolschewismus-Leninismus und der Oktoberrevolution verbindet."

Feindschaft gegen die Vierte Internationale

Je genauer man Grants Geschichte untersucht, desto schwieriger wird es, darin eine Periode zu finden, in der er tatsächlich ein klares Verständnis der Prinzipien des Marxismus oder der Bedeutung von Trotzkis politischem Kampf hatte.

Die wichtigste politische Lehre, die Trotzkis Schriften und sein Kampf gegen die stalinistische Bürokratie vermitteln, besteht in der Bedeutung des Internationalismus. Grants politische Karriere mag vielleicht in der Linken Opposition begonnen haben, aber seine Weltanschauung blieb sein ganzes Leben lang entschieden national. Für Grant war Trotzkis politisches Programm ein Mittel, um sich unter den fortgeschrittensten Arbeitern politisches Gehör zu verschaffen, aber niemals verstand oder akzeptierte er die internationale Perspektive, die ihm zugrunde lag.

Grant emigrierte 1934 aus Südafrika nach Großbritannien. Im zweiten Weltkrieg gewann die Gruppe, der Grant angehörte, die Workers International League (WIL), neue Mitglieder, weil die Labour Party, die Kommunistische Partei Großbritanniens sowie die Gewerkschaftsführer, die sich mit diesen Parteien verbündeten, Streikaktionen unterdrückten und im Interesse der Kriegsführung die Forderungen der Arbeiter abwürgten. Die WIL veröffentlichte das Gründungsprogramm der Vierten Internationale und organisierte sich selbst nach dem Beispiel der Socialist Workers Party in Amerika, die sich unter dem Einfluss Trotzkis herausgebildet hatte. Aber die WIL weigerte sich kategorisch, der Vierten Internationale beizutreten, die 1938 gegründet wurde.

Auf diesen Umstand war Grant außerordentlich stolz. In seinen Memoiren "A History of British Trotskyism" erzählt er, wie die WIL-Mitglieder den Vorschlag zurückwiesen, die verschiedenen trotzkistischen Gruppen in England in der Vorbereitung auf die Gründungskonferenz der Vierten Internationale zusammenzuschließen. Grant erinnert sich, wie er ausgerufen hatte: "Selbst wenn Genosse Trotzki persönlich hierher käme, hätten wir nicht anders gehandelt."

Grants Ausruf war ein Beispiel für sein hartnäckiges Festhalten am Nationalismus, das sich als sein politisches Kennzeichen erweisen sollte. Die WIL weigerte sich, einer Vereinigung mit den anderen Gruppen zuzustimmen, weil sie sich über die Arbeit innerhalb der Labour Party nicht einigen konnten. Trotzki hatte seinen Gesinnungsgenossen in Großbritannien geraten, innerhalb der Independent Labour Party und später in der Labour Party zu arbeiten, was jedoch nie mehr als eine Taktik war. Die WIL erhob es jedoch zu einem strategischen Prinzip, das gegenüber der grundlegenden Frage der Gründung einer neuen Internationale den Vorrang erhielt. Letztere war notwendig, um die Dritte Internationale zu ersetzen, die dem Aufstieg Hitlers keinen Widerstand geleistet und die Interessen der Arbeiter auf der ganzen Welt verraten hatte.

Fragen wie der Entrismus in die Labour Party hätten innerhalb der vereinigten britischen Sektion der neuen Internationale diskutiert werden können, wo sie im Rahmen einer internationalen Perspektive ihren angemessenen Platz eingenommen hätten. Die Weigerung der WIL, der Vierten Internationale beizutreten, widerspiegelte den gewaltigen politischen Druck, der im ältesten kapitalistischen Land der Welt auf die britische Arbeiterbewegung ausgeübt wurde.

Trotzki war in dieser Frage zu keinem Kompromiss mit der Gruppe bereit, denn das hätte das wichtigste Prinzip der Internationale untergraben. Er warnte die Genossen der WIL: "Sie werden auf einen Weg der prinzipienlosen Cliquenpolitik geleitet, der sie nur in den Morast führen kann. Eine revolutionäre politische Gruppe von ernsthafter Bedeutung zu erhalten und zu entwickeln, ist nur auf der Grundlage großer Prinzipien möglich. Eine nationale Gruppe kann einen konsequenten revolutionären Kurs nur halten, wenn sie fest in eine Organisation mit Gesinnungsgenossen in der ganzen Welt eingebunden ist und eine konstante politische und theoretische Zusammenarbeit mit ihnen pflegt. Nur die Vierte Internationale ist eine solche Organisation. Alle rein nationalen Gruppen, alle, die internationale Organisierung, Kontrolle und Disziplin ablehnen, sind im Wesen reaktionär." [2]

Schließlich wurde die WIL nach dem zweiten Weltkrieg Teil einer vereinigten britischen Sektion der Vierten Internationale. Dies war den Bemühungen einer internationalistischen Fraktion unter Führung von Gerry Healy und dem Eingreifen der Socialist Workers Party in den Vereinigten Staaten zu verdanken. Die Vereinigung wurde gegen die erbitterte Opposition des WIL-Führers Jock Haston durchgesetzt, dem Grant als loyaler Knappe diente. Selbst nach der Vereinigung und der Gründung der Revolutionary Communist Party als britischer Sektion der Vierten Internationale verhielten sich Haston und Grant gegenüber der Internationale zutiefst feindlich und schlossen sich einer nach rechts driftenden Oppositionstendenz um Albert Goldman und Felix Morrow an, die das "unveränderliche Programm" der Vierten Internationale verurteilten. [3]

Grants Anhänger behaupten heute noch, das Programm des Trotzkismus sei durch die Ereignisse nach dem Krieg widerlegt worden, als revolutionäre Bewegungen durch die Stalinisten abgewürgt wurden. Laut Grant widerlegte die Tatsache, dass der Kapitalismus nicht überwunden wurde und der Stalinismus in der Sowjetunion im Sattel blieb und seine Herrschaft auf Osteuropa ausdehnte, "die ursprüngliche Perspektive der Kriegszeit. Diese war entweder von einer Restauration des Kapitalismus in der UdSSR ausgegangen oder von einer politischen Revolution und einer revolutionären Krise, die die alten Parteien unterminieren und den Weg für den Aufbau von trotzkistischen Massenparteien bereitet hätte. In Trotzkis Worten:,Von den alten Organisationen würde nicht ein Stein auf dem anderen bleiben und die Vierte Internationale zur vorherrschenden Kraft auf dem Planeten werden.’ Aber die Trotzkisten waren viel zu schwach, um sich die revolutionäre Situation nach dem Krieg zunutze machen zu können. Die Macht fiel den stalinistischen und reformistischen Führern in die Hände, die, wie 1918, die Bewegung verrieten und die Macht der Bourgeoisie übergaben." [4]

Die Meinung, Trotzki habe versprochen, es werde zu einem revolutionären Sturz des Kapitalismus und in der Sowjetunion zu einer politischen Revolution kommen, ist völlig falsch. Kein Marxist würde behaupten, es sei möglich, den Ausgang eines komplexen politischen Prozesses mit vollendeter Genauigkeit vorherzusagen, oder annehmen, der Marxismus könne einen genauen Zeitplan für die Revolution offerieren. Grant und viele andere glaubten ohne Frage, Trotzki habe sie enttäuscht, und bewiesen damit, dass sie das Wesen einer wissenschaftlich-marxistischen politischen Analyse nie verstanden hatten. [5]

Glaubt man seinen Anhängern, so war Grant als einziger in der trotzkistischen Bewegung fähig, eine Analyse der neuen politischen Realitäten, der stalinistischen Expansion und der Stabilisierung des Imperialismus, zu entwickeln. In Wirklichkeit stand die Führung der RCP mit ihren Ansichten keineswegs alleine da. Schon im Jahr 1939 hatten Max Shachtman und James Burnham sowie die Johnson-Forrest-Tendenz Trotzkis Analyse der Sowjetunion abgelehnt. Später entwickelte sich die Opposition von Morrow und Goldman. Michel Pablo und Ernest Mandel, die damaligen Führer der Vierten Internationale, die anfangs gegen diese Tendenzen gekämpft hatten, sollten bald behaupteten, die stalinistische Bürokratie könne eine progressive Rolle spielen und auf bürokratische Weise, mittels Militärgewalt und Verstaatlichungen, ohne revolutionäre Umwandlung der Gesellschaft Arbeiterstaaten schaffen.

Grant war nicht der einzige, aber er war einer der ersten, die in der Nachkriegszeit eine solche Rechtswende vollzogen. Jimmy Deane, Grants Gesinnungsgenosse in der RCP, bestätigte die Übereinstimmung ihrer Ideen mit denen von Pablo, als er im Juni 1950 an Grant schrieb: "Pablo ist übergewechselt! Was für eine Entwicklung." Und Deane klagte: "Erst führt er einen Kampf gegen uns, und dann landet er mehr oder weniger bei unserem Standpunkt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er argumentiert, es gebe in ganz Osteuropa Arbeiterstaaten." [6]

Als sich in den kolonialen und halbkolonialen Ländern Kämpfe entwickelten, gingen Pablo und Mandel so weit zu behaupten, die kleinbürgerlich-nationalen Bewegungen könnten Arbeiterstaaten schaffen, ohne dass die bewusste Teilnahme der Arbeiterklasse, die Existenz einer marxistischen Partei oder der revolutionäre Sturz des existierenden Staates und der Eigentumsverhältnisse nötig seien. Also gab es keine Notwendigkeit, revolutionäre Parteien in diesen Ländern aufzubauen, und die Rolle der Marxisten bestand darin, nationalistischen Führern wie Ben Bella in Algerien oder Castro in Kuba als Berater zu dienen.

Im Jahr 1953 veröffentlichte James P. Cannon, der Führer der amerikanischen Socialist Workers Party, einen Offenen Brief, der die zentralen politischen Fragen zusammenfasste, um die es im Kampf gegen den Pablismus ging. Cannon schrieb: Die Fraktion um Pablo "arbeitet jetzt bewusst und vorsätzlich darauf hin, die historisch geschaffenen Kader des Trotzkismus in den verschiedenen Ländern aufzulösen, zu spalten und auseinander zu brechen und die Vierte Internationale zu zerstören." [7]

Cannon formulierte erneut die grundlegenden Prinzipien, auf denen die Vierte Internationale gegründet worden war. Der Offene Brief wurde ein Sammlungspunkt für all jene, die sich noch zu ihnen bekannten und Pablos Liquidatorentum und seine Kapitulation vor dem Stalinismus zurückwiesen. Noch im selben Jahr wurde das Internationale Komitee der Vierten Internationale auf der Grundlage einer Resolution gegründet, die ihre Übereinstimmung mit Cannons Offenem Brief bekräftigte.

Pablo reagierte auf den Offenen Brief, indem er alle ausschloss, die ihm zustimmten. Als sein Vertreter in Großbritannien, John Lawrence, seinen Kurs bis seinem logischen Schluss fortsetzte und in die Kommunistische Partei eintrat, hatte Pablo in Großbritannien keine Organisation mehr. Grant ergriff die Gelegenheit, sich mit Pablo zusammenzutun, dessen Organisation unter dem Namen Vereinigtes Sekretariat bekannt wurde. Man kann Grants gesammelte Werke von vorne bis hinten durchforsten, aber man wird keine Erwähnung des Offenen Briefes finden. Er beantwortete ihn durch sein Handeln, als er Pablos Organisation beitrat, aber er fühlte sich nie veranlasst, auf diese historische Erklärung proletarisch-internationalistischer Prinzipien anderweitig zu reagieren.

1964 spaltete Grant vom pablistischen Vereinigten Sekretariat. Aber in jeder grundlegenden Hinsicht stimmte seine politische Perspektive mit der von Pablo und Mandel überein. Grants Politik könnte als Pablismus ohne Pablo bezeichnet werden. Seine Gruppe imitierte sogar das pablistische Komitee "Fair Play für Kuba" indem sie eine Organisation "Hände weg von Venezuela" gründete, die als Frontorganisation für eine Kampagne zur Unterstützung von Hugo Chavez dient.

Fortsetzung folgt

Anmerkungen:

1) Siehe: Internationale Redaktionskonferenz der WSWS: Bericht über die Perspektiven in Lateinamerika (http://www.wsws.org/de/2006/mai2006/bv2-m12.shtml).

2) Documents of the Fourth International, New York: Pathfinder Press, 1973, S. 270 (aus dem Englischen).

3) SWP Internal Bulletin, Bd. 8, No. 8, Juli 1946, S. 28-29; zitiert in David North: Das Erbe, das wir verteidigen, Ein Beitrag zur Geschichte der Vierten Internationale, Essen, 1988, S. 105.

4) Ted Grant, A History of British Trotskyism, Einführung, www.marxist.com/hbt/ (aus dem Englischen).

5) Siehe: David North, Marxismus, Geschichte und Wissenschaft der Perspektive, (http://www.wsws.org/de/download/pdf/summerschool2005_v4.pdf).

6) Brief von Deane an Grant, Jimmy Deane Archive, 24 Juni 1950 (aus dem Englischen).

7) Zitiert in Das Erbe das wir verteidigen, S. 231.

Siehe auch:
50 Jahre Internationales Komitee der Vierten Internationale
(16. Dezember 2003)
Neuausgabe von Trotzkis "Verteidigung des Marxismus"
( 8. September 2006)

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