"Forbes"-Liste

Hemmungslose Bereicherung am obersten Ende der Gesellschaft

Von Dietmar Henning
15. März 2007

Die Reichsten werden immer reicher. Letzte Woche veröffentlichte das US-Magazin Forbes seine Liste mit den Milliardären der Welt. Mittlerweile zählen 946 Personen zu diesem Club der Superreichen. 2006 waren es noch 793. Sie besitzen gemeinsam 3,5 Billionen Dollar oder 2,7 Billionen Euro. Eine Billion, das sind 1.000 Milliarden oder 1.000.000.000.000, eine 1 mit 12 Nullen!

Anders als die arbeitende Bevölkerung konnten die Milliardäre ihr Vermögen um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöhen.

Unverändert steht Bill Gates, Chef des Microsoft-Konzerns, an der Spitze der Superreichen mit seinem Vermögen von 56 Milliarden Dollar (42,6 Milliarden Euro).

Forbes hat unter den reichsten Menschen der Welt immerhin 55 Deutsche ausgemacht. Damit liegt Deutschland hinter den USA (418 Superreiche) auf Platz zwei. Die 55 Milliardäre besitzen ein geschätztes Vermögen von insgesamt über 235 Milliarden Dollar oder rund 180 Milliarden Euro. Auch wenn man die deutschen Milliardäre abzieht, die nicht in Deutschland, sondern in der Schweiz, in Österreich oder in den USA leben, hat man immer noch ein Vermögen von rund 154 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Der deutsche Bundeshaushalt belief sich 2006 auf knapp 262 Milliarden Euro. Für Arbeit und Soziales gab Deutschland im letzten Jahr rund 120 Milliarden Euro aus, für Bildung 8 Milliarden und für Entwicklungshilfe 4 Milliarden Euro. Alle Hartz-IV-Empfänger zusammengenommen, die monatlich mit je 345 Euro auskommen müssen, erhielten 2006 nicht einmal 30 Milliarden Euro.

Noch haben die meisten der Reichen in Deutschland ihr Vermögen ererbt. Sie sind die Nachfahren der Gründer von BASF, BMW oder der Allianz-Versicherung. Mit wenigen Ausnahmen haben sie ihren Reichtum in traditionellen Branchen und nicht auf den neuen Märkten des Internet-Zeitalters oder überhaupt ausschließlich an der Börse erwirtschaftet. Entsprechend wenig Bewegung ist in der Liste. Mit Albert von Thurn und Taxis stellt Deutschland zwar den jüngsten Milliardär, aber auch er hat sein Vermögen geerbt.

Auch ist das Protzen mit Reichtum in Deutschland noch nicht derart verbreitet wie in den USA. Mehrere deutsche Milliardäre fehlen in der Forbes -Liste. So listet das Manager Magazin jährlich die deutschen Superreichen auf und platziert unter anderem auch die Besitzer der Lebensmittelkette "Lidl" und von Porsche ganz vorn in ihrem Ranking. In der Forbes-Liste fehlen sie, weil die Milliarden der Familien nicht einzelnen Personen zuzuordnen sind.

Doch während die alten Erben sich eher dem Understatement verpflichtet fühlen, ist es vor allem die Schicht der Neureichen, die durch Börsenspekulationen und andere Gewinnmacherei zu Reichtum gekommen ist, die immer stärker auftrumpft und die Abschaffung aller Schranken der Bereicherung fordert. Es ist diese Schicht der Superreichen, die stark wächst.

So prognostizierte eine Studie der britischen Bank Barclays sowie des Londoner Instituts Economist Intelligence Unit (EIU) im Dezember 2006, dass in keinem anderen großen Industrieland die Zahl der Vermögensmillionäre in den kommenden zehn Jahren so stark ansteigen wird wie in Deutschland. Die Zahl der Haushalte mit einem reinen Finanzvermögen von mehr als 1 Mio. US-Dollar wird in Deutschland von derzeit 285.000 bis zum Jahre 2016 auf 1,02 Millionen Haushalte ansteigen. Das bedeutet einen Zuwachs um 257 Prozent, mehr als in jeder anderen führenden Industrienation.

Andere Statistiken gehen davon aus, dass in der Bundesrepublik die Zahl der Euro-Millionäre bereits jetzt 760.000 beträgt und sich das private Geldvermögen auf mindestens viereinhalb Billionen Euro summiert.

So erreicht nun auch ein Trend Europa, der jenseits des Atlantiks schon seit langem üblich ist: das Reisen in privaten Luxusjets. Der größte europäische Betreiber von Privatmaschinen der Superlative "Netjets Europe" absolvierte mit 62.000 Flügen rund 30 Prozent mehr Starts und Landungen als noch 2005, sagte Netjets-Deutschlandchef Steffen Fries dem Handelsblatt. Netjets Europe ist eine Tochter des amerikanischen Konsortiums Berkshire Hathaway, das wiederum dem Investor Warren Buffett gehört. Buffett ist mit einem geschätzten Vermögen von 52 Milliarden US-Dollar zweitreichster Mann der Welt.

In Deutschland kooperiert seit 2005 die Lufthansa mit Netjets. Auch hier entwickelte sich das Geschäft prächtig. Die Zahl der Flüge von und nach Deutschland stieg im vergangenen Jahr um 45 Prozent auf 9.200. "Ein ähnlich gutes Ergebnis erwarten wir auch für das laufende Jahr - auch wenn 2006 stark vom Sondereffekt Fußball-Weltmeisterschaft, geprägt war ", sagte Fries. Allein zum Finale in Berlin seien 200 Netjets-Flüge gestartet.

Und auch in diesem Jahr erwartet das Unternehmen noch mal eine Steigerung um 14 Prozent. "Natürlich ist das ein Nischenprodukt im Vergleich zu unserem normalen Flugangebot", so Lufthansa-Sprecherin Amelie Lorenz, "aber die Nachfrage in diesem Premium-Segment wächst und wächst."

Sozialabbau für die Bereicherung der Reichen

Die enorme Bereicherung und Verschleuderung von Geld ist ein Ausdruck des gesellschaftlichen Niedergangs und beschleunigt ihn. Alle Bereiche der Gesellschaft, das Sozialsystem, die Verwaltung, Finanzielle und technische Ressourcen, Wissen und Know-How, alles wird dem engstirnigsten und kurzfristigen Profitinteresse einer superreichen Elite untergeordnet.

Es war die rot-grüne Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), die die Interessen dieser privilegierten und parasitären Gesellschaftsschicht in Regierungspolitik gegossen hat: Kürzungen von Sozialleistungen, insbesondere mit den Hartz-Gesetzen in der Arbeitslosenversicherung bei gleichzeitiger Senkungen der Sozialabgaben und Steuern für die Unternehmen. Nie zuvor war die Kluft zwischen Arm und Reich so groß wie unter der Regierung Schröder.

Angesichts der wachsenden Opposition innerhalb der Bevölkerung händigte er die politische Macht der CDU aus und im Bündnis mit der Union führt die SPD ihre Sozialangriffe heftig weiter. Die Mehrwertsteuer ist trotz anders lautender Wahlversprechen um 3 Prozent gestiegen. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) setzte eine "Gesundheitsreform" durch, die den Einstieg in ein Kopfpauschalensystem und Kürzungen für die Bevölkerung beinhaltet. Bundesminister für Arbeit und Soziales Franz Müntefering (SPD) setzte erst letzte Woche im Bundestag die Rente mit 67 durch, die aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit der Älteren eine Rentenkürzung bedeutet. Nur 45,5 Prozent der 55- bis 64jährigen sind in Beschäftigung, einen sozialversicherungspflichtigen Vollzeit-Arbeitsplatz haben sogar nur 30 Prozent.

Und als Krönung setzte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) im Kabinett eine weitere Entlastung der Unternehmen durch. Die Reform der Unternehmenssteuern, die zum zu Beginn nächsten Jahres in Kraft treten soll, wird den Konzernen, die ohnehin vier Rekordjahre mit je zweistelligen Gewinnzuwächsen hinter sich haben, mindestens zehn Milliarden Euro einbringen.

Schon zuvor hat die rot-grüne Regierung dafür gesorgt, dass die Steuern auf Gewinne und Vermögen sinken. Gewinne und Vermögenseinkommen sind in der Bundesrepublik zwischen 2000 und 2005 um 31 Prozent gestiegen. Die gezahlten Steuern auf diese Einkommen sind jedoch um rund zehn Prozent gesunken.

Das ist die Politik, deren Ergebnisse in der Forbes-Liste zu besichtigen sind.

Siehe auch:
Soziale Ungleichheit in Deutschland auf Rekordniveau
(9. August 2006)
Gesundheit wird teurer
( 8. Juli 2006)

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