SEP (Sri Lanka) fordert dringend Untersuchung über das Verschwinden eines ihrer Mitglieder

Von der Socialist Equality Party (Sri Lanka)
28. März 2007

Die Socialist Equality Party (SEP) fordert von der srilankischen Regierung eine dringende Untersuchung des Verschwindens ihres Mitglieds Nadarajah Wimaleswaran und seines Freundes Sivanathan Mathivathanan. Die beiden werden seit Donnerstagabend vermisst. Alle Hinweise deuten zurzeit darauf hin, dass die Marine, die die Inselgruppe im Norden gegenüber der Halbinsel Jaffna kontrolliert, etwas damit zu tun haben könnte.

Die SEP hat ernste Befürchtungen um die Sicherheit der zwei Männer und macht die Regierung für deren Wohlergehen verantwortlich. Hunderte Menschen sind im vergangenen Jahr, seit Präsident Mahinda Rajapakse das Land zurück in den Bürgerkrieg stieß, im Norden und Osten der Insel entführt worden, "verschwunden" oder von Soldaten oder Paramilitärs, die mit der Armee in Verbindung stehen, getötet worden.

Wimaleswaran, ein 27 Jahre alter Fischer, ist seit 1998 SEP-Mitglied. Er ist in der ganzen Region als politischer Gegner des Kriegs und Verteidiger der Rechte der arbeitenden Bevölkerung bekannt. Er hat ein dreijähriges Kind, und seine Frau Sivajini erwartet das zweite. Wimaleswarans Freund, Mathivathanan, 24 Jahre alt, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Am 22. März kehrte Wimaleswaran nach getaner Arbeit vom Fischen bei der Insel Kayts zurück und fuhr auf dem Motorrad seines Freundes mit nach Madathuveli, einem Dorf auf der Nachbarinsel Punguduthivu. Er hatte die Absicht, in einem Haus, das er vor kurzem in Madathuveli angemietet hatte, einige Kleider abzuholen. Er stand kurz vor dem Umzug in dieses Haus. Die beiden Inseln Kayts und Punguduthivu sind durch einen 3.8 km langen Damm verbunden, wo das Wasser nicht so tief ist. An jedem Ende des Damms steht eine von Marineangehörigen bemannte Straßensperre.

Wimaleswaran und Mathivathanan passierten die Sperre auf der Seite von Kayts um ca. 17:30 Uhr. Die beiden erreichten das Haus in Madathuveli, wo sie von Anwohnern gesehen wurden. Wimaleswaran sprach mit Arul, einem Verwandten, und mit einem Freund namens Kumaran, der beobachtete, wie die zwei etwa um 18:30 Uhr in Richtung Kayts wieder wegfuhren. Doch beide Männer kamen nie zu Hause an, und Mathivathanans Motorrad, Marke Bajaj mit der Nummer NPMR 2098, verschwand ebenfalls spurlos.

Als die SEP am Freitag von dem Verschwinden der beiden erfuhr, legte sie sofort beim Marinelager Gotaimbara auf Punguduthivu und beim Marinelager Velanai auf der Insel Kayts formellen Protest ein. Die beiden kommandierenden Offiziere, Hemantha Peiris in Punguduthivu and Silva in Velanai, stritten ab, Wimaleswaran und Mathivathanan festgenommen zu haben, und betonten, nichts über das Verschwinden der beiden Männer zu wissen.

Am Samstag forderte die SEP vom Verteidigungsministerium in Colombo eine dringende Untersuchung des Verbleibs der beiden Männer. SEP-Mitglieder in Jaffna haben auch eine Beschwerde bei der Menschenrechtskommission eingereicht.

Am Samstagmorgen forderte Peiris, der Kommandierende Offizier von Gotaimbara, Arul auf, Wimaleswarans Frau zu bitten, bei ihm vorzusprechen. Als Sivajini und ihr Vater in Begleitung von SEP-Mitgliedern ans Tor der Kaserne kamen, erklärte ihnen ein Matrose verärgert, die Marine habe die beiden nicht festgenommen.

Der Soldat beschuldigte die beiden Männer, Mitglieder der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) zu sein, und behauptete, sie seien in die von der LTTE kontrollierte Region Wanni geflohen. Wanni liegt viel weiter im Süden, jenseits der von der Marine kontrollierten offenen See. Der Marinesoldat, ein Tamile, wusste genau, wer Wimaleswaran war: Er benutzte Wimaleswarans Spitznamen "Jeeva", und es war klar, dass er auch Mathivathanan und andere Mitglieder seiner Familie kennt.

Nachdem er den Matrosen ins Gebäude gerufen hatte, erschien der Offizier Peiris selbst am Tor. Er sagte den Anwesenden, die Marine habe Wimaleswaran und seinen Freund nicht festgenommen, gab aber keine Erklärung ab, warum er Wimaleswarans Frau zur Kaserne bestellt hatte. Zu den Vorwürfen des Soldaten äußerte er sich nicht.

Diese Begegnung ist sehr beunruhigend. Die Behauptung, Wimaleswaran sei Mitglied der LTTE, trifft nicht zu, ist aber eine Verleumdung, die gewöhnlich von der Armee benutzt wird, um ihre repressiven Methoden zu rechtfertigen. Die SEP ist besonders auf der Insel Kayts als politischer Gegner des separatistischen Programms der LTTE bekannt, und Wimaleswaran ist SEP-Mitglied, seit er erwachsen ist.

Am Samstagabend wandte sich die SEP erneut an den Kommandierenden Offizier Peiris. Er erklärte, das Logbuch auf der Punguduthivu-Seite des Dammes belege, dass Wimaleswaran und sein Freund die Straßensperre um 18.30 passiert hätten. Peiris bekräftigte, dass eine Verhaftung ohne sein Wissen nicht vorstellbar sei. Silva, der Kommandierende Offizier in der Kaserne von Velanai, behauptete, auf der Kayts-Seite des Dammes habe es keine Festnahme gegeben.

Solche Dementis sind überhaupt nichts wert. Die Sicherheitskräfte leugnen immer, irgendetwas mit Entführungen, dem Verschwinden von Menschen oder mit Morden zu tun zu haben, selbst wenn es klare gegenteilige Hinweise gibt. Hunderte solche Fälle sind im vergangenen Jahr vorgekommen, aber nicht ein einziges Mitglied der Streitkräfte wurde angeklagt oder gar verurteilt. Die Ergreifung von Personen an Straßensperren ist recht verbreitet.

Mit der Verschärfung des Kriegs hat die Marine ihre Kontrolle von Kayts und benachbarten Inseln verschärft, die eine strategische Position gegenüber der Halbinsel Jaffna einnehmen. Die Marine hat um ihre Kasernen herum mehrere Hochsicherheitszonen eingerichtet und den Fischern in der Region gravierende Beschränkungen auferlegt. Sie beschuldigt die Fischer, die Infiltration der LTTE und Angriffe auf See zu unterstützen. Ein Fischereiverbot hat viele Fischer ihrer Existenzgrundlage beraubt.

Die Marine arbeitet bei der Einschüchterung der örtlichen tamilischen Bevölkerung direkt mit der Eelam Peoples Democratic Party (EPDP) zusammen. Die EPDP gehört zu Rajapakses Koalitionsregierung, arbeitet aber auch als bewaffnete paramilitärische Gruppe, die ihre Diktate auf Kayts und anderen Inseln in der Nachbarschaft durchzusetzen versucht.

Die SEP hat auf Kayts eine lange Tradition des Kampfs gegen die Regierung, die Armee und auch gegen die LTTE. Sie ist die einzige Partei, die den sofortigen, bedingungslosen Abzug der Armee aus dem Norden und Osten fordert und für die Einheit aller Arbeiter - Tamilen, Singhalesen und Moslems - im Kampf für eine sozialistische Republik von Sri Lanka und Eelam als Teil des Kampfs für den Sozialismus in ganz Südasien und international eintritt.

Die SEP ist beiden Seiten ein Dorn im Auge, weil sie sich für die Rechte der arbeitenden Bevölkerung einsetzt und gegen alle Spielarten kommunalistischer Politik kämpft - gegen den singhalesischen Chauvinismus der Regierungen in Colombo genauso, wie gegen den tamilischen Separatismus der LTTE. Im März 2000 hatten ein örtlicher Politiker der EPDP und seine bewaffneten Schläger SEP-Mitglieder auf Kayts bedroht und physisch angegriffen, die eine Versammlung boykottiert hatten, auf der Beschränkungen für die Fischer bekannt gegeben wurden.

Nach dem Waffenstillstand von 2002 sprach die LTTE Todesdrohungen gegen SEP-Mitglieder aus, die sie als Bedrohung für ihre politische Vorherrschaft in der Region sah. Im Oktober 2002 versuchte die LTTE das SEP-Mitglied N. Kodeeswaran zu töten, als sie ihn und andere SEP-Mitglieder zwingen wollten, das Vermögen der Fischer-Kooperative von Ampihainagar auszuliefern - einer Organisation, die sie selbst gegründet hatten. Als das Land im vergangenen Jahr wieder in den Bürgerkrieg abglitt, kehrten die EPDP und ihre Schläger unter dem Schutz der Marine wieder nach Kayts zurück.

Weil sich in der Bevölkerung Unzufriedenheit mit dem Krieg und dem elenden Leben ausbreitet, gehen Regierung und Armee mit den rücksichtslosesten Methoden gegen ihre politischen Gegner vor. Am 7. August letzten Jahres wurde der SEP-Anhänger Sivapragasam Mariyadas in Mullipothana in der östlichen Provinz Trincomalee ermordet, als in der Nachbarstadt Muttur schwere Kämpfe tobten. So viel man bisher weiß, sind die Armee oder eine mit ihr zusammenarbeitende Miliz für den Mord verantwortlich. Auch nach diesem Mord verbreiteten die Behörden die Lüge, Mariyadas sei LTTE-Sympathisant gewesen.

Auf diesem Hintergrund ist das Verschwinden Wimaleswarans und seines Freundes äußerst beunruhigend. Die Weigerung der Armee, eine zufriedenstellende Erklärung über Ereignissen in einem Gebiet zu geben, das unter ihrer festen Kontrolle steht, ist ein starkes Indiz dafür, dass sie in den Fall verwickelt ist. Die SEP fordert ihre Anhänger in Sri Lanka und die WSWS -Leser in aller Welt dringend auf, von der Regierung eine sofortige und gründliche Untersuchung zu verlangen, um die beiden Männer zu finden und zu befreien.

Briefe können geschickt werden an:

Gotabhaya Rajapakse, Secretary of Ministry of Defence, 15/5 Baladaksha Mawatha, Colombo 3, Sri Lanka Fax: 009411 2541529

N. G. Punchihewa Director of Complaints and Inquiries, Sri Lanka Human Rights Commission, No. 36, Kinsey Road, Colombo 8, Sri Lanka Fax: 009411 2694924

Kopien bitte an die Socialist Equality Party (Sri Lanka) und die World Socialist Web Site.

Socialist Equality Party, P.O. Box 1270, Colombo, Sri Lanka. Email: wswscmb@sltnet.lk

Briefe an die WSWS bitte mit diesem online formular.

Siehe auch:
Gedungene Bande attackiert Antikriegskundgebung in Sri Lanka
(23. Januar 2007)
Ein sozialistisches Programm zur Beendigung des Krieges in Sri Lanka
( 9. November 2006)