Die Behörden in Sri Lanka geben keine Erklärung für das Verschwinden eines SEP-Mitglieds

Von unserem Korrespondenten
14. April 2007

Vor mehr als zwei Wochen sind auf der Insel Kayts im Norden Sri Lankas das Mitglied der Socialist Equality Party (SEP) Nadarajah Wimaleswaran und sein Freund Sivanathan Mathivathanan verschwunden. Trotz einer Flut von Briefen aus Sri Lanka und aller Welt, die eine sofortige Untersuchung fordern, können die Reaktionen des Verteidigungsministeriums, des Militärs und der Polizei nur als Vertuschung bezeichnet werden.

Wimaleswaran und Mathivathanan wurden das letzte Mal am 22. März gegen 18.30 Uhr an einer Straßensperre der Marine gesehen, als sie auf eine Dammstraße zur Insel Kayts einbiegen wollten. Wimaleswaran saß auf dem Rücksitz von Mathivathanans Motorrad. Er war in Punguduthivu gewesen, um im Haus eines Freundes Kleider abzuholen.

Der Kommandeur des Marinestützpunkts Hemantha Peiris erklärte gegenüber der SEP, in den Aufzeichnungen an der Straßensperre sei vermerkt, dass Wimaleswaran und Mathivathanan passiert hätten. Der Offizier Silva, der das Velanai-Lager auf Kayts befehligt, äußert sich nicht zu den beiden. Er behauptet, die Marine habe sie nicht festgenommen oder verhaftet.

Eigene Untersuchungen der SEP haben ergeben, dass zwei Beamte der Kriminalpolizei (Criminal Investigation Department, CID) an der Straßensperre von Kayts anwesend waren. Die CID-Beamten, die fließend tamilisch sprechen, sind der Polizeistation von Kayts angegliedert und oft an der Vernehmung von Leuten beteiligt. Die Einheimischen kennen sie und bezeichnen sie als"Geheimpolizei", weil sie ihre Namen nicht nennen.

Ein Augenzeuge hat die beiden CID-Beamten beobachtet, wie sie Wimaleswaran und Mathivathanan in der Nähe der Straßensperre von Kayts befragten, als sie gegen 17.30 Uhr in Richtung Punguduthivu unterwegs waren. Auf die nahe liegende Frage, was an der Straßensperre passiert sei, als sie eine Stunde später zurückkehrten, gibt es keine Antwort. Worüber haben die CID-Beamten Wimaleswaran und Mathivathanan befragt? Wurden die beiden von Militär- und/oder Polizei-Beamten festgenommen? Wenn man sie passieren ließ, warum dann das außergewöhnliche Widerstreben der Behörden auf allen Ebenen, Auskunft über irgendwelche Details zu geben?

Trotz zahlreicher Anrufen bei den Behörden in Colombo und der nördlichen Jaffna-Region hat die SEP keinerlei Informationen erhalten, was an der Straßensperre von Kayts passiert ist. Um es herauszufinden müsste man das Marinepersonal und die CID-Beamten befragen, die zu jenem Zeitpunkt anwesend waren.

- Die stellvertretende Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, H. K. Balasooriya, erklärte der SEP, sie habe beim Chef der Ermittlungsabteilung für Terrorismus (Terrorist Investigation Division, TID), Chandra Vakishta, nachgefragt, ob die TID-Polizei Wimaleswaran und Mathivathanan verhaftet habe. Außerdem habe sie den Stellvertretenden Hauptkommissar der Polizei (DIG), verantwortlich für die nördliche Region, über seine Untersuchungen befragt. Balasooriya kam aber zu keinen Ergebnissen und sagte, sie könne die Polizei nicht "unter Druck setzen".

- Der Generalsekretär der SEP, Wije Dias, kontaktierte letzten Donnerstag den stellvertretenden Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Sunil S. Sirisena. Dieser versprach, er werde sich wegen des Verdachts der SEP, die Marine sei am Verschwinden von Wimaleswaran und Mathivathanan beteiligt, mit deren Befehlshaber in Verbindung setzen. Auch hier gab es kein Ergebnis.

- Die SEP sprach letzte Woche mit dem oberster Polizeichef der nördlichen Region, Mahinda Balasuriya. Dieser erklärte, die Polizei bräuchte eine Woche, um ihren Bericht abzuschließen. Nachdem wegen der Dringlichkeit der Angelegenheit nachgehakt wurde, erklärte er, die Polizei könne aus "Sicherheitsgründen" viele Orte im Norden nicht aufsuchen.

- Die SEP sprach mit dem Polizeichef von Kayts, um herauszufinden, welche Schritte in Bezug auf die offizielle Beschwerde der Partei unternommen worden seien. Der Beamte behauptete am 9. April, das Verschwinden würde von anderen Beamten untersucht, und versprach, in zwei Stunden mehr Informationen zu liefern. Seitdem ist er nicht mehr erreichbar.

Seit Präsident Mahinda Rajapakse das Land im letzten Jahr wieder in den Krieg gestürzt hat, sind Hunderte von Menschen verschwunden oder wurden von Todesschwadronen, die mit dem Militär verbunden sind, umgebracht. Alleine auf der Insel Katys sind 37 Menschen verschwunden. Drei von ihnen wurden tot aufgefunden. Über das Schicksal der übrigen 34 ist nichts bekannt.

Kandiah Kanapathy Mahendran zum Beispiel verschwand am 10. Dezember in Velanai nach dem Besuch einer Hochzeit. Seine Familienmitglieder verbrachten zwei Monate in Colombo, um herauszufinden, ob er in einer Strafanstalt im Süden des Landes festgehalten wird, jedoch ohne Erfolg.

Die SEP setzt ihre Kampagne fort, von den Behörden Sri Lankas zu verlangen, dass sie eine sofortige Untersuchung durchführen, um Wimaleswaran und Mathivathanan ausfindig zu machen. Wimaleswaran ist seit 1998 Mitglied der SEP und bekannt für seine internationalistischen sozialistischen Überzeugungen, seine Entschlossenheit, für die Verteidigung der Rechte der arbeitenden Menschen und gegen den Krieg zu kämpfen. Wir rufen die SEP-Sympathisanten und Leser der WSWS auf, auch weiterhin Briefe zu schicken, die unsere Kampagne unterstützen.

Die Briefe können an folgende Adressen geschickt werden:

Gotabhaya Rajapakse,

Secretary of Ministry of Defence,

15/5 Baladaksha Mawatha,

Colombo 3, Sri Lanka

Fax: 009411 2541529

e-mail: secretary@defence.lk

N. G. Punchihewa

Director of Complaints and Inquiries,

Sri Lanka Human Rights Commission,

No. 36, Kinsey Road,

Colombo 8, Sri Lanka

Fax: 009411 2694924

Bitte Kopien an die Socialist Equality Party (Sri Lanka) und die World Socialist Web Site senden.

Socialist Equality Party,

P.O. Box 1270,

Colombo, Sri Lanka.

Email: wswscmb@sltnet.lk

Siehe auch:
SEP (Sri Lanka) fordert dringend Untersuchung über das Verschwinden eines ihrer Mitglieder
(28. März 2007)
Srilankische Polizei sieht sich gezwungen Untersuchung des Mordes an SEP-Sympathisanten zu beginnen
( 31. Oktober 2007)