Vier Tage nach dem Grubeneinbruch in Utah

Tod dreier Bergarbeiter in Indiana

Von Jerry White
17. August 2007

Drei Arbeiter kamen am 10. August zu Tode, als sie bei der Einfahrt in einen neuen Förderschacht einer Grube in Süd-Indiana aus der Aufzugskabine stürzten. Die Arbeiter stürzten 150 Meter in die Tiefe und waren sofort tot.

Die Grube in Princeton, Indiana, 50 km nördlich von Evansville, gehört Alliance Resource Partners, dem viertgrößten Kohleproduzenten in den östlichen Vereinigten Staaten. In der Gibson Coal Mine ereignete sich schon kurz nach ihrer Eröffnung im Jahr 2000 ein Todesfall, als ein Bergarbeiter von einer Maschine erdrückt wurde.

Wie die örtliche Zeitung Princeton Daily Clarion schreibt, waren die Männer Angestellte der Baufirma Frontier-Kemper Constructors, die dabei ist, einen neuen Zugangsschacht zu bohren. Die Clarion berichtet, dass die Männer, die solche Bauarbeiten verrichten, geprüfte Bergarbeiter sein müssen, doch es ist nicht sicher, dass die Unfallopfer diese Ausbildung hatten.

Sprecher der Baufirma sagten, sie hätten keine Ahnung, wie die Männer aus der Kabine hatten stürzen können. Der Vorarbeiter Delton Gooch von der Firma Frontier-Kemper, erklärte, dass dieser Korb die Verbindung zu einer Arbeitsplattform in der Tiefe ist, die sich hoch und runter bewegen kann und verschiedene Arbeitsebenen im Schacht verbindet. Zum Zeitpunkt des Unfalls, sagte er, sei die Plattform in einer Tiefe von nur drei Metern über dem Schachtboden abgehängt gewesen.

Er sagte, der Korb sei "so groß wie ein Geländewagen" und könne bequem sechs bis zehn Männer tragen.

Gooch berichtete, er habe, als er vom Unfall hörte, sofort seine Familie angerufen, um zu sagen, dass ihm nichts passiert sei. Die Möglichkeit eines Unfalls sei etwas, womit die Arbeiter immer rechneten, sagte Gooch der Lokalzeitung.

"Wenn man diese Arbeit macht und jeden Tag im Korb rauf und runter fährt, dann kommt einem diese Möglichkeit natürlich in den Sinn", sagte er.

Mit dem Tod der drei Bergarbeiter in Indiana beläuft sich die Gesamtzahl der Toten in amerikanischen Kohlegruben in diesem Jahr auf dreizehn Todesfälle. Seit Januar 2006 hatten sechzig Bergarbeiter einen tödlichen Unfall, darunter die zwölf Kumpel des Sago-Bergwerks in West Virginia vor 19 Monaten.

Der tödliche Unfall in Indiana ereignete sich nur vier Tage nach dem Einsturz der Grube Crandall Canyon im Bundesstaat Utah. Bis heute gibt es keinen Kontakt zu den sechs Bergarbeitern, die am 6. August in der Grube eingeschlossen wurden, und die Hoffnung schwindet, dass sie noch lebend gefunden werden.

Am 9. August stieß der Rettungstrupp spät nachts mit einem Bohrloch zu einer Sohle in 450 Metern Tiefe durch, wo die Bergarbeiter zuletzt vermutet wurden. Ein Mikrophon wurde in die Höhle heruntergelassen, fing aber keine Geräusche ein.

Richard Stickler, Vertreter des Amts für Grubensicherheit und -gesundheit (MSHA), hatte am Anfang gesagt, Tests hätten ergeben, dass sich in der Höhle möglicherweise ausreichend Sauerstoff befinde, so dass die Bergarbeiter überleben könnten. Weitere am 10. August veröffentlichte Versuche haben jedoch einen Sauerstoffgehalt von nur sieben Prozent ergeben, was zum Überleben zu niedrig wäre. Außerdem wurden potentiell tödliche Kohlenmonoxidwerte entdeckt.

Stickler konnte die Diskrepanz zu den ursprünglichen Ergebnissen nicht erklären. Er spekulierte, die neuen Resultate könnten daher rühren, dass das Bohrloch von der Richtung abgekommen und in einen andern Teil der Grube vorgestoßen sei. "Wir dürfen alle die Hoffnung nicht aufgeben", sagte Stickler auf einer Pressekonferenz.

Die Bergarbeiter hatten in einem Notfall- und Rettungskit, das jeder am Gürtel mit sich führen muss, Sauerstoff für nicht mehr als zwei Stunden bei sich. Trotz der gegenteiligen Behauptungen der Grubengesellschaft ist es unmöglich, genau zu wissen, wo sich die Kumpel aufhalten. Das Orientierungs- und Kommunikationssystem der Crandall-Grube ist äußerst primitiv, wie übrigens in den meisten amerikanischen Zechen; es wurde durch den Einsturz zerstört.

Robert Murray, dessen Gesellschaft Mitbesitzerin der Grube Crandall Canyon ist, besteht nach wie vor darauf, dass ein Erdbeben von der Stärke 3.9 auf der Richterskala den Grubenkollaps verursacht habe. Er behauptet, es seien mindestens zehn Nachbeben registriert worden. Diese seismischen Beben seien schuld daran, dass ein hundert Meter langer Rettungsgang zu den eingeschlossenen Bergarbeitern wieder zerstört wurde und die Bergungsarbeiten zeitweise zum Stillstand kamen.

Murray sagte, es noch werde mindestens eine Woche dauern, bis man durch die eingebrochenen Kohle- und Felsmassen hindurch zu den eingeschlossenen Männern vordringen könne.

Seismologen und Geophysiker widersprechen diesen Behauptungen und sagen, die von ihnen festgestellten seismischen Bewegungen seien durch den Grubeneinsturz verursacht worden, und nicht umgekehrt.

Am 9. August sagte Douglas Dreger, Seismologe an der kalifornischen Berkeley-Universität, die Erschütterung weise die Merkmale eines Kollaps auf, aber "nicht eines tektonischen Erdbebens". Experten äußerten, möglicherweise seien die "Nachbeben" dem Gesteinsausgleich nach dem Kollaps zu schulden.

Murray besteht darauf, dass eine "Naturkatastrophe" Schuld an der Tragödie sei, um sich selbst und seine Geschäftsinteressen rein zu waschen und die Aufmerksamkeit von der Zeche abzulenken. Diese Grube hat eine lange Bilanz von Verletzungen der Sicherheitsbestimmungen, und zahlreiche Berichte haben darauf hingewiesen, dass sie ein extrem gefährliches Abbauverfahren, das sogenannte retreat mining, betreibt. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem die Pfeiler, die den Stollen abstützen, aus Kohle bestehen und abgerissen werden, sobald die Bergarbeiter einen Stollen leer geräumt haben, wodurch der Stollen absichtlich zum Einsturz gebracht wird.

Über das retreat mining -Verfahren hat Stickler wenig oder nichts gesagt, wie auch über die vielen Verstöße gegen Sicherheitsbestimmungen, auf die man bei dieser Zeche gestoßen ist. Das ist nicht überraschend. Stickler war früher selbst Grubendirektor. Er wurde von Präsident Bush zum Chef der Grubensicherheitsbehörde gemacht, um im Interesse der Profite der Kohlegesellschaften die Sicherheitsbestimmungen und die Kontrollen systematisch herunter zu fahren. Murray ist ein wichtiger Sponsor der Republikaner. Er hat vor dem Kongress zur Verteidigung der National Mining Association ausgesagt und Steuersenkungen und die Abschaffung von Umweltschutz- und Sicherheitsbestimmungen gefordert.

Politiker wie der Republikanische Senator Orrin Hatch aus Utah, der die Politik der Bush-Regierung zur Zerstörung der Bergwerkssicherheit unterstützt, haben einige dicke Krokodilstränen vergossen.

Andere, wie der Demokratische Senator Edward Kennedy, haben doppelzüngige Erklärungen abgegeben, worin sie nahe legten, die tiefere Ursache eines solchen Grubenunglücks sei ein Rätsel. Kennedy, der den Senatsausschuss für Gesundheit, Bildung, Arbeit und Renten leitet, sagte, es gebe "zu viele offene Fragen", und jetzt stehe die Entscheidung an, "wie man in Zukunft Katastrophen wie diese vermeiden kann".

Dieses heuchlerische Gerede zielt darauf ab zu verdunkeln, dass lebenswichtige Maßnahmen zum Schutz der Bergarbeiter nicht ergriffen werden, weil sie die Profite der Kohleindustrie schmälern würden. Die Technologie und das Know-how existieren schon lange, um Bergwerksunfälle praktisch zu eliminieren und tödliche Grubenunfälle erheblich zu verringern, wenn nicht ganz auszuschließen. Dazu gehören zum Beispiel besondere Fluchtpunkte, wie sie in Europa, Australien und Kanada üblich sind, die mit ausreichend Sauerstoff-, Wasser- und Nahrungsmittelvorräten ausgestattet sind und ein vernünftiges Kommunikationssystem haben.

Siehe auch:
Grubenunglück in den USA fordert zwölf Todesopfer
(10. Januar 2006)

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