Ein Interview mit der amerikanischen Friedensaktivistin Cindy Sheehan

Von David Walsh
21. September 2007

Cindy Sheehan erlitt einen furchtbaren Schicksalsschlag, als sie ihren 24-jährigen Sohn Casey 2004 im Irakkrieg verlor. Ein gutes Jahr nach dieser Tragödie, im August 2005, wurde Sheehan zur bekannten Persönlichkeit, als sie aus Protest gegen den Krieg vor der Ranch von George W. Bush ein Zeltlager aufschlug. Ihre monatelange Protestaktion machte in den USA und weltweit viele Menschen auf die menschlichen Kosten der neokolonialistischen Invasion und Besatzungspolitik im Irak aufmerksam.

Sheehans Protest trug dazu bei, dass die öffentliche Meinung in den USA kippte. Schließlich waren die Medien gezwungen anzuerkennen, was sie mit größter Anstrengung verschweigen wollten: Dass der Irakkrieg alles andere als populär ist und von der amerikanischen Bevölkerung weitgehend abgelehnt wird.

Ihren eigenen Worten zufolge wurde Sheehan zum "Darling" der liberalen Linken und der Demokratischen Partei, solange sie nur die Bush-Regierung angriff und in Verlegenheit brachte. Doch als die Demokraten die Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses gewannen, änderte sich die Situation.

Die Demokraten waren in erster Linie wegen ihrer Opposition gegen den Irakkrieg gewählt worden. Ihre Sprecherin im Repräsentantenhaus Nancy Pelosi und ihr Fraktionsvorsitzender im Senat Harry Reid machten jedoch umgehend deutlich, dass sie dem Irakkrieg weder die Gelder streichen noch ein Amtsenthebungsverfahren gegen Bush und Vizepräsident Dick Cheney anstrengen würden.

Als die Demokraten im Kongress nach monatelangem Theater schließlich im Mai 2007 vor Bush kapitulierten und zusätzliche finanzielle Mittel in Höhe von 100 Milliarden Dollar für die Kriege in Afghanistan und im Irak bewilligten, war Sheehan außer sich vor Wut und Enttäuschung. Sie gab am 26. Mai in einem offenen Brief an die Fraktion der Demokraten ihren Austritt aus der Demokratischen Partei bekannt und schrieb: "Ihr glaubt, ihm [Bush] mehr Geld zu geben, sei politisch zweckmäßig, aber es ist eine moralische Abscheulichkeit und mit jeder Sekunde, in der die Besatzung des Irak andauert, haben ihr alle mehr Blut an euren Händen.."

Als Sheehan ihren Bruch mit den Demokraten bekannt gab, wurde dies von linken politischen Kreisen mit Schweigen oder Feindseligkeit quittiert. Das Magazin The Nation versuchte sie zu ignorieren, während andere, wie Daily Kos und Democratic Underground , ihre Stellungnahme angriffen.

Im Juli gehörte Sheehan zu den Organisatoren einer "Karawane der Menschlichkeit", eines landesweiten Protests gegen den Krieg und die Unterstützung des Kongresses für Bush. Falls Repräsentantenhaussprecherin Pelosi nicht bis zum 23. Juli (dem Ankunftstag der Karawane in der US-Hauptstadt) ein Amtsenthebungsverfahren gegen Bush anstrengen würde, erklärte Sheehan damals, so würde sie selbst als unabhängige Kandidatin in Pelosis Wahlkreis in San Francisco gegen sie antreten.

Am 23. Juli suchten Sheehan und andere den Abgeordneten John Conyers in seinem Büro auf und drängten erneut auf ein Amtsenthebungsverfahren. Als der Demokrat aus Michigan eine ernsthafte Erwägung der Frage ablehnte, traten Sheehan und ihre Anhängerin einen Sitzstreik; Conyers rief umgehend die Polizei.

Am 9. August gab Sheehan ihre Kandidatur gegen Pelosi in San Franzisko offiziell bekannt. Zwei Tage später attackierte Katha Politt sie in The Nation und beschrieb ihre Bemühungen als "fruchtlos". Ein zweiter Artikel in The Nation , von Gary Young, griff Sheehan wegen der Kandidatur gegen Pelosi scharf an.

In einem Brief an die Herausgeberin merkte Sheehan an, dass das Magazin sie früher gefeiert hätte, aber nun eine "'Pro-Kriegs'-Sprecherin des Repräsentantenhauses [Pelosi] unterstützt, die in Worten die Besatzung im Irak ablehnt, aber George mehr Geld gibt, um dadurch den Krieg zu stützen".

Kürzlich, am 30. August, kam Katha Politt auf das Thema in The Nation zurück und veröffentlichte einen giftigen Aufsatz, in dem sie Sheehan vorwirft, eine "empörende und selbstgerechte Antwort auf meine zurückhaltende und höfliche Stellungnahme" verfasst zu haben. Politt wunderte sich dann noch öffentlich darüber, "wie sie [Sheehan] die Härten des Wahlkampfes überstehen will."

David Walsh sprach mit Cindy Sheehan am 31. August

* * *

David Walsh: Was waren Ihre politischen Erfahrungen, wenn es welche gab, vor dem Beginn des Irakkrieges und dem Tod ihres Sohnes im Jahre 2004?

Cindy Sheehan: Ich bin einfach wählen gegangen. Es war der Tod meines Sohnes, der mich aufrüttelte. Auch wenn ich mit dem Krieg nicht einverstanden war, nahm ich an keinen Protestaktionen teil, bis Casey starb.

DW: Wie war Ihre Einstellung zum Krieg, als er begann?

CS: Wir lehnten ihn ab, meine gesamte Familie war dagegen, sogar Casey. Aber es fiel mir nicht ein, zu protestieren oder etwas Ähnliches zu tun, weil sich mein ganzes Leben um meine Arbeit und meine Kinder drehte. Ich protestierte nicht, bis Casey starb. Natürlich bedaure ich das.

DW: Welche Arbeit hatten Sie zu der Zeit?

CS: Als Casey starb, hatte ich gerade eine Stelle bekommen, wo ich für die öffentliche Krankenversicherung im Landkreis Napa [in Kalifornien] arbeitete und für die Anspruchsberechtigung beim Medicare -Programm zuständig war. Mein Hauptjob nach unserem Umzug nach Vacaville [50 Meilen nordöstlich von San Franzisko] 1993 war eine Anstellung als Jugendseelsorgerin. Ich war acht Jahre lang eine Koordinatorin im Jugendpfarramt der St. Mary Kirche. Das ist eine katholische Kirche.

DW: Könnten Sie etwas über Ihre Erfahrungen mit der Demokratischen Partei, der Antikriegsbewegung und der Linken während der letzten drei Jahre erzählen?

CS: Ich kam ungefähr ein Jahr, bevor ich [zu Bushs Farm] ins texanische Crawford ging, zur Antikriegsbewegung. Im Wahlkampf 2004 agitierte ich gegen George W. Bush - ich machte keinen Wahlkampf für John Kerry aber einen gegen George Bush. Dann, nach der Wahl, gründete ich Gold Star Families for Peace und war sehr beschäftigt damit, durchs Land zu reisen und Reden zu halten. In dieser Zeit begann ich auch zu schreiben.

Am 16. Juni 2005 nahm ich an den Anhörungen teil, die [der demokratische Abgeordnete aus Michigan] John Conyers im Kapitol veranstaltete. Das waren Anhörungen bezüglich der Downing Street Protokolle [Protokolle vom 23. Juli 2002 von einem Treffen mit der britischen Labour-Regierung, bei dem die Kriegsvorbereitung diskutiert und vorgeschlagen wurde, "die Geheimdiensterkenntnisse und Tatsachen zurechtzulegen", um eine US-Invasion und die Beseitigung von Saddam Hussein zu rechtfertigen].

[Botschafter] Joe Wilson sagte zum gefälschten Uran aus [die als Schwindel entlarvte Geschichte, nach der Husseins Regime sich angeblich in Niger Uran beschaffen wollte]. [Der frühere CIA-Analyst] Ray McGovern sprach über die frisierten Geheimdiensterkenntnisse, die dazu gehören. Ich sprach über die menschlichen Kosten der Lügen und darüber, was sich ereignet hatte. John Bonifaz sprach zu Fragen der Verfassung. Er ist ein Verfassungsrichter.

Kurz danach, ungefähr sechs Wochen später, ging ich nach Crawford. Obwohl viele Leute aus der Gruppe der Aktivisten wussten, wer ich war, meine Schriften gelesen und mit mir korrespondiert hatten - ich war sehr beschäftigt, hielt ständig irgendwo Reden - war es der 6. August, als ich zu Bushs Ranch kam, der mich national und international für meine Arbeit bekannt machte.

Vor Camp Casey in Crawford arbeitete ich im Kongress mit Abgeordneten wie John Conyers, Dennis Kucinich, Lynn Woolsey, Maxine Waters, Barbara Lee, Jim McGovern und Jim McDermott zusammen. Also hatte ich schon mit den fortschrittlichen Abgeordneten aus dem Kongress zusammengearbeitet, ich hatte schon ein gutes Verhältnis zu Ron Paul aus Texas. Ich kannte mich ein wenig im Kapitol aus.

Doch nach Camp Casey schien es, dass die Fraktion der Linken Demokraten im Kongress, darunter Leute wie John Conyers und Charlie Rangel, mich in ihre Veranstaltungen einbinden wollten, um mehr Zulauf zu erhalten, um mit mir fotografiert zu werden. Ich unterstützte vor allem John Conyers, der letztes Jahr seine Anträge zum Amtsenthebungsverfahren einbrachte, als die Demokraten noch in der Minderheit waren. In seinem Buch The Constitution in Crisis erwähnt er mich sogar.

Als die Demokraten die Mehrheit eroberten..., da wusste ich, dass wir immer noch ein hartes Stück Arbeit mit dem Kongress und gegen den Kongress vor uns hatten, aber ich hoffte, wir wären einen Schritt weiter als vorher mit dem republikanischen Kongress, das war offensichtlich sehr... ich möchte nicht sagen 'naiv', weil ich wusste, dass sich die Dinge nicht verändern, nur weil die Demokraten an die Macht gekommen waren, aber ich war voller Hoffnung.

Ich hatte drei Treffen mit John Coyers vor dem 23. Juli, als wir wegen des Amtsenthebungsverfahrens den Sitzstreik in seinem Büro veranstalteten. Als Nancy Pelosi das Amtsenthebungsverfahren vom Tisch wischte, noch bevor die beiden überhaupt im November 2006 gewählt waren, war ich wirklich entmutigt. In dieser Zeit entschied ich mich, gegen Nancy Pelosi zu kandidieren.

Im Mai zog ich mich zurück und war im Juli wieder da, nachdem George Bush das Strafmaß gegen Scooter Libby herabgesetzt hatte. Ich entschied mich, meinen Freund, den Geistlichen Lennox Yearwood [ein Reservist der Luftwaffe] zu unterstützen, weil die Air Force ihm vorwarf, wegen seiner Antikriegsaktivitäten, insbesondere wegen seiner Zusammenarbeit mit mir, ein nationales Sicherheitsrisiko darzustellen.

So kam ich während unserer landesweiten "Karawane der Menschlichkeit" auf die Idee, dass ich gegen Nancy Pelosi antreten würde, falls sie nicht bis zum 23. Juli, bis zu unserer Ankunft in der Hauptstadt das Amtsenthebungsverfahren wieder aufgreifen würde.

DW: Welche Reaktionen gab es von Soldatenfamilien oder von Soldaten, die im Irak waren oder noch dort sind, seit sie Ihre Kampagne vor einigen Jahren begonnen haben?

CS: Ich wurde sehr von der Organisation Iraq Veterans Against the War unterstützt und sie von mir. Nach dem was ich höre, unterstützen die meisten Veteranen oder aktiven Soldaten meinen Standpunkt. Sie wollen nicht dort sein. Sie begreifen, dass sie von ihren Kommandeuren benutzt und missbraucht werden.

Viele von ihnen traten noch vor Bushs erster Amtszeit oder vor dem 11. September der Armee bei, so auch mein Sohn. Sie taten es mit Idealismus und wollten ihrem Land dienen, und nun merken sie, dass ihr Idealismus ausgenutzt wird. Ich habe viel Unterstützung durch Veteranen aus dem Irakkrieg, dem Vietnamkrieg und jedem anderen Krieg, selbst dem Zweiten Weltkrieg.

DW: Wie steht es mit dem Argument, das man jetzt quer durch das politische Establishment hört, dass die USA sich nicht aus dem Irak zurückziehen können, weil es sonst ein Blutbad gäbe?

CS: Ich vermute, ich bin ungewöhnlich, weil ich zweimal in Jordanien war, um mit Irakern speziell darüber zu sprechen. Parlamentsabgeordnete, Intellektuelle, Ärzte, führende Iraker und einfache Bürger - alle wollen, dass die USA weggehen, weil sie glauben, dass dann die Gewalt nachlässt. Ich denke, es ist gleichgültig, was Amerikaner denken, es geht darum, was das irakische Volk will. Die letzte Umfrage, die ich gelesen habe, besagt, dass 80 Prozent der Iraker wollen, dass die USA abziehen, sie wollen ein Ende der Besatzung.

DW: Was sind Ihre Erfahrungen, nachdem Sie sich Ende Mai gegen die Demokratische Partei gestellt haben?

CS: Ich erfuhr, dass Leute, die mich vorher lautstark unterstützt hatten, gegen meinen Austritt aus der Demokratischen Partei waren. Leute wie beim Daily Kos, wie bei Democratic Underground. Als ich dann entschied, gegen Nancy Pelosi anzutreten, sagten die Linken Demokraten, zu deren Vorstand ich gehöre, dass sie mich nicht unterstützen könnten. Es erscheint tatsächlich sonderbar, denn ich bin dieselbe Person wie früher und sage dieselben Dinge wie früher, bevor ich mich irgendeiner Partei anschloss. Ich bin dieselbe Person mit denselben Zielen, die dieselben Dinge tut und sagt.

Das Magazin The Nation unterstützte mich seit März 2005. Ich denke, dass sie in dieser Zeit mich und meine Popularität mehrere Male ausnutzten. Heute denke ich, dass ihre Leitartikel gegen meine Kandidatur gerichtet sind. Das ärgert mich. Ich möchte gern fragen: Geht es euch um die Demokraten oder um Demokratie? Diese Leute, die sich nur um die Demokraten sorgen, scheren sich nicht um die Demokratie.

DW: Welcher Art waren die Reaktionen auf die Ankündigung Ihrer Kandidatur?

CS: Da gibt es zwei verschiedene Gesichtspunkte. Auf Landesebene waren die Reaktionen sehr positiv. Nur ein paar Leute teilten mir persönlich mit, was ich vorhabe, sei eine schlechte Idee.

In San Francisco war die Reaktion überwältigend positiv. Ich bekam lediglich zwei E-Mails von Leuten, die Nancy Pelosi unterstützen. Sie ist im 8. Bezirk von Kalifornien sehr leicht angreifbar. Das ist im ganzen Land bekannt. Zwei Drittel der Leute dort möchten, dass George Bush und Dick Cheney ihrer Ämter enthoben werden. Drei Viertel, vielleicht sogar mehr, wollen, dass die Truppen nach Hause kommen. Und Pelosi hat einige schäbige Dinge getan, die sie in diesem Bezirk sehr leicht angreifbar machen - wie Privatisierungen und Geschäfte, in die ihre Familie verstrickt ist.

San Francisco hat eine sehr anspruchsvolle und intelligente Wählerschaft, die schwierige Probleme begreift und versteht, dass wir auf jeden Fall George Bush und Dick Cheney ihrer Ämter entheben müssen, dass wir auf jeden Fall unsere Truppen nach Hause holen aber auch die tiefer liegenden Probleme anpacken müssen: den US-Imperialismus, die spezifischen Interessen, die an Stelle des Volkes das politische System in den USA bestimmen.

DW: Wie haben sich Ihre eigenen Ansichten über Politik und die Gesellschaft während der letzten Jahre entwickelt, und wie fallen sie heute aus?

CS: Ich hatte Geschichte im Hauptfach an der UCLA [Staatlichen Universität Kaliforniens]. Selbst wenn man dort Hauptstudiumskurse besucht, erfährt man nichts über die wahre Geschichte der USA. Was wir Menschen angetan haben. Ich dachte immer, Amerika sei... Ich dachte nie, Amerika sei das großartigste Land auf der Welt, aber es sei ein gutes Land, und ich meinte, dass unsere Regierung größtenteils gut handelt und sich darum bemüht, gut zu handeln. Aber seit mein Sohn starb, mache ich diese Kampagne nicht nur um die Aufmerksamkeit der Amerikaner in Bezug auf den Irakkrieg zu wecken sondern auch, um klar zu machen, warum wir Krieg führen und was der militärisch-industriellen Komplex damit zu tun hat.

Ich dachte, es gäbe einen deutlichen Unterschied zwischen Demokraten und Republikanern, nun sehe ich, dass die Differenz, wenn es eine solche überhaupt gibt, sehr gering ist. Es gibt wirklich couragierte Demokraten, aber im Allgemeinen haben wir ein Ein-Parteien-System. Gore Vidal nennt es die Bankierspartei, ich nenne es die Kriegspartei.

Ich denke, es sind die 'Unternehmensinteressen', welche unser Land beherrschen, nicht Demokratie. Weil ich glaube, dass Politiker das durchsetzen, was spezielle Interessen befriedigt, und nicht das ermöglichen, was die Leute wollen. Wenn die Politiker das tun würden, was die Leute wollen, dann wären wir mitten im Amtsenthebungsverfahren oder bereits damit durch.

Ich habe einen steilen Lernweg hinter mir, was den US-Imperalismus, den Militarismus und andere Dinge dieser Art betrifft. Wenn wir richtig gebildet und gut informiert sind, dann treffen wir die richtigen Entscheidungen. Wir haben einen Gezeitenwechsel in diesem Land erlebt: Von 80 Prozent der Bevölkerung, die den Krieg unterstützen, hin zu nahezu drei Vierteln, die ihn nun ablehnen.

Wir erleben heute, dass die Mittelklasse in Amerika noch nie zuvor so tief verschuldet war und verschwindet. All unsere guten Jobs, unsere gewerkschaftlich abgesicherten Jobs, sind mit der Produktion ins Ausland verlagert worden. Die Leute müssen arbeiten, um sich gerade mal über Wasser zu halten.

Bevor Casey getötet wurde, bevor ich die Anstellung beim Bezirk fand, hatte ich drei Jobs, damit wir krankenversichert waren. Ich denke, wenn wir gut informiert sind, dann treffen wir die richtigen Entscheidungen.

DW: Es gibt zwei Amerikas. Es gibt das Amerika von George Bush und Dick Cheney, den Bankiers und den Generälen, und das Amerika der einfachen Leute, die kein Interesse daran haben, Krieg zu führen.

CS: Es gibt die etablierte Elite und es gibt uns.

Es gibt so viele Faktoren, die Medien, das Konsumdenken, das die Medien begünstigen und uns in die Schulden treibt, das uns zum Arbeiten anhält und uns vom Protestieren abhält. All das nimmt uns die Fähigkeit, einen fundamentalen Wechsel zustande zu bringen. Nicht einfach oberflächliche Veränderungen. Ich glaube, viele Menschen in Amerika wissen um die oberflächlichen Veränderungen, die notwendig sind, aber sie sind nicht weitsichtig genug, was die fundamentalen Veränderungen betrifft, die notwendig sind.

Die Medien haben eine bedeutende Rolle bei der Verdummung Amerikas gespielt, die unternehmerfreundlichen Medien, die von denselben Leuten gelenkt werden, die vom Krieg profitieren. Das ist sehr hinterlistig. Das greift insbesondere seit zwei oder drei Jahrzehnten um sich, speziell seit Reagan, und plötzlich wachen wir auf und haben George Bush.

Es wird oft gesagt, George Bush sei nicht das Problem. Ich habe ihn die Eiterbeule auf dem Hintern der Demokratie genannt. Wir entfernen die Eiterbeule, und was geschieht? Eine andere kommt nach. Wir müssen die Ursache beseitigen, welche die Eiterbeule hervorbringt. Die grundlegende Ursache, das Krebsgeschwür beseitigen, das wir da haben... Einige Leute glauben, wir müssten nur Hillary Clinton wählen und unsere Probleme seien gelöst. Sie verstehen wirklich gar nichts.

DW: Sie haben von dem Zwei-Parteien-System gesprochen und der Notwendigkeit einer Veränderung. Welche Art von Partei oder Bewegung schwebt Ihnen als Alternative vor?

CS: Seit Camp Casey im August 2005 konnte ich durch die Welt reisen und viele Parlamentarier, Präsidenten, Vizepräsidenten und Minister aus verschiedenen Ländern treffen und ihre Systeme kennen lernen. Ich mag wirklich das parlamentarische System, wo man einer Partei angehören kann, die die eigenen Interessen, Grundwerte und Überzeugungen vertritt. Man kann grünen Parteien, Arbeiterparteien, sozialistischen und kommunistischen Parteien angehören, und es gibt jedem das Gefühl, dass man an der Regierung beteiligt ist, dass man Mitsprache hat und frei ist.

Das Zwei-Parteien-System nimmt allen das Wahlrecht, sogar den Leute, die wählen. Es repräsentiert nur spezielle Interessen, nicht die Menschen. Ich identifiziere mich nicht mit der Demokratischen Partei, ich identifiziere mich nicht mit der Republikanischen Partei, ich identifiziere mich nicht mit der Grünen Partei, also was bleibt mir? Das kleinere von zwei Übeln wählen? Nein, ich mag Koalitionsregierungen. Ich wünschte, die Menschen in Amerika hätten den Mut, heraus zu finden, wie es ist, verschiedene Parteien zu haben. Ich denke, viele Parteien in diesem Land zu haben, wäre eine gute Sache.

Ich hätte gern eine Partei, mit der ich mich identifizieren kann. So etwas wie eine Friedensvolkspartei oder etwas Ähnliches, die wirklich im politischen Diskurs, im politischen Dialog etwas zu sagen hätte. Das wäre phantastisch.

DW: Wie ist momentan Ihre Einstellung zu The Nation und deren Einstellung zu Ihnen?

CS: Das ist wirklich interessant. Ich hörte kürzlich einen linken Radiosender in San Francisco. Ein Mann hatte einen Artikel für The Nation verfasst, wie [Senatorin] Diane Feinstein und ihr Ehemann vom Krieg profitieren. The Nation hatte den Bericht in Auftrag gegeben und ihn dann nicht veröffentlicht.

Die Entschuldigung lautete: 'Diane Feinstein wird in Kalifornien gewinnen, was auch passiert, und wir wollen nicht jeden Einfluss auf sie verlieren'. Direkt nach den Wahlen schrieb die Nation -Herausgeberin Katrina vanden Heuvel einen Leitartikel, in dem sie Feinstein anpries und sagte, was für eine wunderbare weibliche Spitzenpolitikerin sie im Senat sei. Dieser Typ sagte jedenfalls ganz deutlich, vanden Heuvel ist reich und Teil des Establishments und sie hat ein Interesse daran, den Status quo aufrechtzuerhalten. Ich dachte, dass das meinem Verhältnis zu The Nation sehr nahe kommt.

Katrina vanden Heuvel sagte in ihrem Brief an mich: 'Es handelte sich um eine Debatte', blablabla. Ich glaube, es ging ihr in diesen zwei Artikeln wirklich darum, meine Kandidatur zu untergraben, ohne ausdrücklich zu sagen: 'Wir sind für Pelosi'.

DW: Die Bush-Administration will nun einen Krieg mit dem Iran beginnen.

CS: Das bekümmert mich wirklich. Bei der letzten Gesetzesvorlage zur Bewilligung von Geldern wollten die Demokraten einen Vorbehalt hinzufügen, nach der Art: Wenn wir diese Mittel freigeben sollen, dann muss der Kongress zu einer Invasion im Iran seine Zustimmung geben. George Bush sagte aber Nein, und die Demokraten haben diesen Vorbehalt zurückgezogen.

Während der letzten sieben Jahre, in denen George Bush Präsident war, hat der Kongress sich vor allem selbst entwertet. Ich hatte unter anderem erwartet, dass sich das ändern würde, wenn die Demokraten beide Häuser im Kongress dominieren. Ich dachte, sie würden couragierter und schärfer gegen George Bush auftreten. Das war, worauf ich hoffte, und was, wie wir gesehen haben, nicht eingetreten ist.

Siehe auch:
Die politische Bedeutung des Konflikts zwischen Cindy Sheehan und der Demokratischen Partei
(2. August 2007)

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