BMW vernichtet 8.100 Arbeitsplätze um Rendite zu erhöhen

Von Dietmar Henning
1. März 2008

Der Münchner Automobil-Konzern BMW hat am Mittwoch seine Pläne bestätigt, 8.100 Arbeitsplätze zu streichen. Bereits kurz vor Weihnachten war der Verlust von mehreren Tausend Arbeitsplätzen bekannt geworden, BMW hatte aber in der Öffentlichkeit keine konkreten Zahlen genannt. Als das Nachrichtenmagazin Der Spiegel im Dezember letzten Jahres die Zahl von 8.000 Arbeitsplätzen nannte, die 2008 wegfallen sollen, hatte BMW dies weder dementiert noch bestätigt.

Jetzt verkündete BMW- Personalvorstand Ernst Baumann in München, die meisten der 8.100 Stellen sollten in Deutschland wegfallen, 5.000 Leiharbeiter und 2.500 Mitglieder der Stammbelegschaft. An internationalen Standorten sollen weitere 600 fest angestellte Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren.

Insgesamt arbeiten weltweit knapp 108.000 Menschen für den Konzern, davon rund 80.000 in Deutschland. Zusätzlich beschäftigt BMW allein in Deutschland 8.000 Leih- oder Zeitarbeiter. Von diesen haben laut Personalchef Baumann bereits 2.500 das Unternehmen verlassen. Der Rest soll im Laufe des Jahres folgen.

Bei der Stammbelegschaft soll der Arbeitsplatzabbau mithilfe von Altersteilzeitregelungen und Abfindungszahlungen erfolgen. BMW will dafür in diesem Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag ausgeben. Dafür würden aber ab 2009 die Personalkosten um 500 Millionen Euro pro Jahr sinken, beruhigte Baumann die Aktionäre.

Die Stellenkürzungen sind Teil eines umfangreichen Sparprogramms, mit dem das Unternehmen seine Rendite im Interesse der Aktionäre steigern möchte. "Wir arbeiten an der Verbesserung unserer Rendite, um auch dort premiumgerecht zu werden", begründete Baumann den Arbeitsplatzabbau. Die Umsatzrendite von derzeit 5 soll bis 2012 auf 8 bis 10 Prozent, die Rendite auf das eingesetzte Kapital sogar auf mehr als 26 Prozent gesteigert werden.

Derzeit liegt BMW bei der Rendite weit hinter seinen Konkurrenten. Deshalb sollen bis 2012 insgesamt bei Material und Personal 6 Milliarden Euro eingespart und die Produktivität jährlich um fünf bis zehn Prozent gesteigert werden. "Das gibt der Wettbewerb einfach vor", sagte Baumann.

Um die Rendite fast zu verdoppeln, werden die jetzt geplanten Maßnahmen voraussichtlich bei weitem nicht ausreichen. Es ist zu erwarten, dass der jetzt bestätigte Jobabbau erst der Anfang ist.

Rekordgewinne

Neben den Personalkosten will BMW auch noch in anderen Bereichen sparen, kündigte Baumann am Mittwoch an. So plagten den Münchner Konzern auch hohe Rohstoff- und Entwicklungskosten. Um die Rohstoffkosten zu minimieren, hat BMW inzwischen den Druck auf die Zulieferer erhöht. Der neue BMW-Einkaufsvorstand Herbert Diess verlangte Anfang des Jahres von einigen Zulieferern pauschal 15 bis 20 Prozent Rabatt. Zusätzlich strich Diess den Zulieferern die übliche Beteiligung des Konzerns an den Rohstoffkosten.

Zusätzlich muss BMW laut Baumann wegen des schwachen Dollars sparen. BMW produziere nach wie vor einen Großteil seiner Fahrzeuge im Inland, der wichtigste Absatzmarkt seien aber inzwischen die USA. Falls der Euro für längere Zeit bei 1,50 Dollar stehe, sei dies ein für BMW ein "kritisches" Niveau. "Dann brauchen wir weitere Maßnahmen beim Personal", drohte Baumann.

Trotz gestiegener Rohstoff- und Entwicklungskosten sowie eines schwacher Dollars war für BMW aber nach 2006 auch 2007 ein neues Rekordjahr. Der Konzern hat im vergangenen Jahr mehr Autos verkauft als je zuvor. Alle drei Marken, BMW, MINI und Rolls-Royce, meldeten Anfang des Jahres neue Absatzrekorde. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 56 Milliarden Euro. Im Januar hatte Vorstandschef Norbert Reithofer zudem angekündigt, dass der Gewinn über dem Vorjahresergebnis von 3,75 Milliarden Euro liegen werde. Der genaue Gewinn wird erst später bekannt gegeben.

Insgesamt lieferte BMW weltweit 1,5 Millionen Fahrzeuge aus, 9,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten Autos konnte BMW in den USA absetzen, 336.000 (plus 7,1 Prozent). Das sind mehr Fahrzeuge als je zuvor. BMW wurde zur erfolgreichsten europäischen Automarke auf dem US-Markt.

In Deutschland wurden mit insgesamt 284.000 Neuwagen etwas weniger Fahrzeuge als im Vorjahr (296.000) verkauft. Dennoch hat sich BMW in Deutschland mit diesem Rückgang von 4,2 Prozent deutlich besser als der Gesamtmarkt entwickelt (minus 9,2 Prozent).

Der BMW-Konzern vermutet die erhöhte Mehrwertsteuer als einen Grund für den Rückgang auf dem deutschen Markt. Die Superreichen müssen sich um diese "Peanuts" nicht kümmern. Mit 1.010 verkauften Fahrzeugen im Jahr 2007 verzeichnete die Nobel-Marke Rolls-Royce ein Absatzplus von 25,5 Prozent.

IG Metall und Betriebsrat

Die Industriegewerkschaft Metall und die Betriebsräte tragen den größten Abbau der Belegschaft seit den 1990er Jahren vollständig mit, und dies obwohl der Gesamtbetriebsrat erst kürzlich mit dem Vorstand kürzere Pausenzeiten sowie den Verzicht auf Prämien und Schichtzulagen für die 80.000 Beschäftigten in Deutschland vereinbart hat. Die verbleibenden Arbeiter müssten auch "einen Beitrag leisten", kommentierte dies Baumann. Zudem werde die Erfolgsbeteiligung für 2007 nicht höher ausfallen als die für 2006.

Inzwischen wird klar, dass es sich bei den jetzigen Kürzungen um ein abgekartetes Spiel zwischen BMW-Vorstand, IG Metall und Betriebsrat handelt.

Als Der Spiegel drei Tage vor Weihnachten vom bevorstehenden Arbeitsplatzabbau berichtete, verhielten sich IG Metall und BMW-Betriebsrat auffallend ruhig. Beide unterließen jede Kritik und stellten sich ausdrücklich hinter den BMW-Vorstandsvorsitzenden Norbert Reithofer und die Konzernführung.

"Wir sind vollkommen unaufgeregt", erklärte Matthias Jena, Sprecher der IG Metall Bayern, kurz nach Weihnachten. Seit Mai 2007 seien die Umbaupläne, vor allem in der 7er-Produktion, bekannt. "Wenn die Produktion umgebaut wird, werden weniger Leute gebraucht. Das ist völlig normal", sagte Jena.

Der bayrische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer, selbst im Aufsichtsrat von BMW, war schon im Mai 2007 vom Vorstand über die anstehenden Entlassungen informiert worden. Er brach daher im Dezember weder seinen Weihnachtsurlaub ab, noch fühlte er sich zu einer Stellungnahme genötigt, als die Entlassungen öffentlich bekannt wurden. Dies umso weniger, als die Entlassungen Bestandteil eines Strategiepapiers sind, das der Konzern im September vorgelegt hatte. Dieses Strategiepapier wird von IG Metall und Betriebsrat vorbehaltlos unterstützt.

Mit der Unterstützung des angekündigten Arbeitsplatzabbaus und der Weigerung, für die betroffenen Leiharbeiter auch nur einen Finger zu krümmen, treiben IG Metall und Betriebsrat einen Keil zwischen die 80.000 Stammbeschäftigten und die 8.000 Leiharbeiter. Die an die Stammbelegschaft ausgegebene Parole ist eindeutig: ‚Ganz ruhig, es gehen ja vorwiegend Leiharbeiter und die 1.000 "von uns" gehen gut abgesichert, über Altersteilzeit, Abfindungen oder Renteneintritt.’

Siehe auch:
Siemens baut weltweit 7.000 Stellen ab
(28. Februar 2008)
IG Metall und Nokia-Betriebsrat verkünden endgültiges Aus für Bochumer Werk
( 15. Februar 2008)
BMW kündigt die Streichung von 8.000 Stellen an
( 27. Dezember 2007)