Die weltweite Nahrungskrise und der kapitalistische Markt

Teil 3

Von Alex Lantier
21. Juni 2008

Dies ist der dritte und letzte Artikel einer dreiteiligen Serie über die weltweite Nahrungskrise. Der erste Teil ist am 17. Juni erschienen und der zweite am 18. Juni.

Die gegenwärtige Lebensmittelkrise spiegelt nicht nur die Ereignisse im Finanzsektor der letzten Jahre wider, sondern die längerfristige Politik des Weltimperialismus. Statt eine geplante Verbesserung der Infrastruktur und der Agrartechnik zu ermöglichen, hat die Globalisierung auf kapitalistischer Grundlage in vielen Teilen der Welt zu einer Drosselung der Agrarproduktion geführt. Das Ziel war, den Wettbewerb zu verringern und zu vermeiden, dass übersättigte Märkte die Profitinteressen der Großmächte beeinträchtigen.

Ein wichtiger Aspekt der imperialistischen Politik bestand darin, die Agrarproduktion in der so genannten "Ersten Welt" zu begrenzen, um ein plötzliches Sinken der Preise weltweit zu verhindern. In den USA nahm diese Politik die Form eines Programms der Regierung zum Naturschutz an (Conservation Reserve Program), das 1985 als Teil des Lebensmittel-Sicherungs-Gesetz verabschiedet wurde.

Das Programm ermöglicht es den Farmern, einen Antrag auf Entschädigungszahlungen von 50 Dollar für jeden Morgen Land zu stellen, auf dem sie nichts anbauen. Für die gesamten USA legte das Gesetz eine Obergrenze von 180.000 Quadratkilometern (etwa 10 Prozent des gesamten landwirtschaftlich nutzbaren Lands der USA) fest. 2007 wurde sie auf 130.000 Quadratkilometer gesenkt.

Das Gesetz wurde zwar als Mittel präsentiert, mit dem die Bodenerosion aufgrund von Überbeanspruchung von ökologisch empfindlichem Boden eingeschränkt werden sollte. Ein Großteil des brach liegenden Landes, das im Rahmen des Projekts gemeldet wurde, war jedoch keineswegs von Erosion bedroht, sondern wurde von den Farmern auf der Grundlage des Ernteertrags, das auf diesem Land erzielt werden konnte, ausgesucht. Das stand im Einklang mit den Zielen des Gesetzes, die in einer "Verringerung der Anbaufläche" und der Aufrechterhaltung von "Zielvorgaben bei den Preisen und Darlehen für gestützte Preise" bestanden.

Ähnliche Zahlungen an Bauern für nicht bebaute Anbauflächen führte die Europäische Union in den einzelnen Mitgliedsländern 1992 nach der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ein.

Im ehemaligen Ostblock brach die Produktion 1991 nach der Auflösung der UdSSR zusammen, als die staatliche Industrie stillgelegt und von der stalinistischen Bürokratie und ihren westlichen Wirtschaftsberatern an private Investoren verkauft wurde. Laut Statistiken der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der UNO (FAO) fiel die landwirtschaftliche Produktion in der UdSSR in den ersten vier Jahren nach ihrer Auflösung um 38 Prozent und die Pro-Kopf-Produktion von Lebensmitteln um 40 Prozent. Selbst heute, nach einer teilweisen wirtschaftlichen Erholung seit 2000, vor allem genährt durch den Boom bei Gas und Öl, ist die gesamte bebaute Fläche in der ehemaligen UdSSR immer noch 12 Prozent kleiner als zu Sowjetzeiten.

Der Zusammenbruch der sowjetischen Landmaschinenindustrie und der Wegfall der von der Sowjetunion vergebenen Subventionen war ein Schlag für den Agrarsektor der mit der Sowjetunion verbündeten Länder. Laut Zahlen des US-Landwirtschaftsministeriums ging die landwirtschaftliche Produktion in Kuba von 1989 bis 1994 um 34 Prozent zurück und der Nahrungsmittel-Verbrauch um 36 Prozent. Die nordkoreanische Produktion von Getreide ging von 1990 bis 1999 um 40 Prozent zurück.

In den Entwicklungsländern wurden die Landwirtschaft und die Infrastruktur durch den raschen Anstieg der Exporte aus den reichen Ländern und die Programme des Internationalen Währungsfonds zerstört. Der Internationale Währungsfonds diktierte zu einem großen Teil die staatliche Politik im Austausch für Anleihen, die der Refinanzierung der Staatsschulden dienten. Mit der Umstellung der Landwirtschaft von der regulierten Subsistenzwirtschaft auf die Produktion von Feldfrüchten für den freien Markt und den Export, wurden die Entwicklungsländer für Importe geöffnet. Das hatte zur Folge, dass die Banken der "ersten Welt" ein größerer Teil ihrer Exporteinnahmen für Schuldenzahlungen abschöpften.

Die Liberalisierung der Märkte der "dritten Welt" und ihre Öffnung für die Exporte der imperialistischen Mächte waren für die lokalen Bauern tödlich, deren Produkte mit den hoch subventionierten Importen konkurrieren mussten. Die USA geben etwa 20 Milliarden Dollar und die EU 45 Milliarden Euro im Jahr für Exportsubventionen aus, um ihre Agrarpreise auf ausländischen Märkten niedrig zu halten. Auf Haiti führte die Liberalisierung des Agrarmarktes von 1985 bis 1999 zu einem Rückgang der heimischen Reisproduktion von 163.000 Tonnen auf 100.000 Tonnen, während der Anteil der US-Importe am Reismarkt Haitis von 4 Prozent auf 63 Prozent stieg.

Die Programme des Internationalen Währungsfonds schafften die staatliche Steuerung der Lebensmittelversorgung und die Subventionen für Düngemittel, Bewässerung und Impfstoffe ab, die der IWF zu einer zu großen Belastung für die Staatsfinanzen erklärte. Die Weltproduktion von Feldfrüchten für den Markt, wie Kaffee, Tabak und Kakao, schnellte in die Höhe, aber ganze Bevölkerungen wurden anfälliger gegenüber Hungersnöten. In den achtziger Jahren sank die Pro-Kopf-Getreide-Produktion in Afrika von 150 auf 125 kg, während die Getreideimporte von 3,72 Millionen Tonnen im Jahr 1974 auf 8,47 Millionen Tonnen im Jahr 1993 stiegen.

In Somalia führte die 1981 vom IWF angeordnete Abwertung des somalischen Schillings zu einer massiven Preiserhöhung für importierten Dünger und für Viehimpfstoffe, und die Regierung reduzierte schrittweise die Subventionen für Bauern und nomadische Hirten. Das Verenden der Viehherden im Jahr 1991 aufgrund von Krankheiten und der darauf folgende Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion waren wichtige Faktoren, die zur Hungersnot von 1992 führten, die wiederum benutzt wurde, um die US-Invasion in dem Land zu rechtfertigen.

In Kenia, das lange Zeit ein wichtiges afrikanisches Lebensmittelexportland war, zerstörte 1996 die vom IWF angeordnete Reform des National Cereals and Produce Board (NCPB) die Wirtschaft und verwandelte Kenia in einen Netto-Importeur von Nahrungsmitteln. Unter dem Druck, als profitorientiertes Unternehmen funktionieren zu müssen, verlangte das NCPB mehr Geld für die landwirtschaftlichen Betriebsmittel und erlaubte Mittelsmännern, den größten Teil der Lagerhaltung und den Vertrieb der Ernte zu übernehmen, um die Vertriebskosten zu senken. 2001 bekamen die Bauern von privaten Händlern 400 Schilling für einen 90-kg-Sack Reis, dessen Produktion 719 Schilling gekostete hatte.

In Malawi sorgte die vom IWF angeordnete Liberalisierung des staatlichen Getreidemarktes für einen explosiven Anstieg der Zahl privater Händler. Als eine Flut die Mais-Ernte 2001 traf, verkaufte der Staat unter dem Druck, Gelder aufzutreiben, und weil internationale Geberländer wie die USA und Großbritannien Hilfe verweigerten, seine strategischen Getreide-Reserven an Händler zu einem Drittel des Weltmarktpreises. Bis Ende 2001 stiegen die Preise, da die Händler das Getreide horteten, und das Land erlebte im Jahr 2002 eine große Hungersnot

Der mangelhafte Zustand eines Großteils der landwirtschaftlichen Infrastruktur in der "dritten Welt" als Folge dieser Politik ist allgemein bekannt, obwohl das sehr selten in den Massenmedien diskutiert wird. In einer Rede vom März 2004 bemerkte der Generaldirektor der FAO Jacques Diouf: "Afrika ist die einzige Region in der Welt, in der die Pro-Kopf-Lebensmittel-Produktion seit 40 Jahren ständig zurückgeht... Es gibt viele Gründe dafür. Da ist zum Beispiel der nur unbedeutende Einsatz von modernen Mitteln: es werden nur 22 kg Dünger pro Hektar Agraraland eingesetzt, verglichen mit 144 kg in Asien. In Afrika südlich der Sahara ist das Niveau sogar noch niedriger, dort sind es nur 10 kg pro Hektar.

Das spezielle Saatgut, das den Erfolg der Grünen Revolution [die Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft in den 1960 und 1970er Jahren] in Asien und Lateinamerika ermöglicht hat, wird in Afrika selten eingesetzt. Es gibt außerdem viel zu wenig Straßen, Lagerräume und Verarbeitungsmöglichkeiten.

Ein weiterer Faktor, der [Afrikas] geringe Agrarproduktion beeinflusst, ist das Wasser. Es nutzt nur 1,6 Prozent der vorhandenen Wasserreserven für Bewässerungen im Vergleich zu 14 Prozent in Asien. Nur 7 Prozent des Agrarlands in Afrika wird bewässert, im Vergleich zu 40 Prozent in Asien. Und wenn wir die fünf in dieser Hinsicht am höchsten entwickelten Länder weglassen - Marokko, Ägypten, Sudan, Madagaskar and Südafrika - dann sinkt die Zahl in den verbleibenden 48 Ländern auf 3 Prozent. Die Erträge von bewässerten Pflanzen sind drei Mal so hoch wie von regenabhängigen Pflanzen. Aber die Agrarwirtschaft auf 93 Prozent von Afrikas bewirtschaftbarem Land ist von extrem unregelmäßigen Regenfällen abhängig und deshalb stark von Trockenheit bedroht. Achtzig Prozent der Fälle von Nahrungsknappheit hängen mit Wasser zusammen."

Probleme der Infrastruktur sind auch nicht auf Afrika beschränkt. In Asien stellte das International Rice Research Institute (IRRI) reduzierte Forschungsinvestitionen, das Fehlen von neuen Projekten zur Bewässerung und "ungenügende Instandhaltung" der bestehenden Bewässerungseinrichtungen als Hauptprobleme fest. Es ergänzte, dass "gegenwärtig bei den meisten Feldern in den Reisanbaugebieten Asiens eine ungenutzte Ertragslücke von zwei bis drei Tonnen pro Hektar existiert". Als Gründe werden nicht ausreichende Bewässerung und Düngung, Schädlings- und Krankheitsbekämpfung und Lagerhaltung sowie Transport nach der Ernte genannt.

Laut der Zeitschrift India Times betragen die Frühjahrs-Ernteerträge beim Reis in Indien 3,12 Tonnen pro Hektar (t/ha), während sie in Asien im Durchschnitt bei 4,17 t/ha und in China bei 6,26 t/ha liegen. Beim Weizen produziert Indien 2,6 t/ha, was niedriger liegt als die 4,1 t/ha in China und die 5,0 t/ha in Europa. Die Times stellt fest, dass die durchschnittlichen Ausgaben für die Entwicklung der Landwirtschaft von 1986-1990 bei 14,5 Prozent lagen, aber nach der Liberalisierung und der Öffnung für das internationale Kapital 1991 auf 6 Prozent gefallen sind. Das Wachstum der landwirtschaftlichen Produktivität fiel von 2,62 Prozent auf 0,5 Prozent.

Obwohl die Landwirtschaft in China produktiver ist als in Indien, ist sie mit eigenen Herausforderungen konfrontiert. Die unkoordinierte Industrialisierung hat, laut den Zahlen des Ministeriums für Land und Bodenschätze, das Land, das der Agrarwirtschaft zur Verfügung steht, von 127,6 auf 121,7 Millionen Hektar reduziert. Daran haben auch mehrfach von der Zentralregierung erlassene Bestimmungen nichts geändert, mit denen Landverkäufe von Bauern an lokale Beamte, mit dem Ziel Fabriken oder Geschäfte auf bestem Ackerland zu errichten, beschränkt werden sollen. Das Land in der Nähe von Fabriken, von denen viele mit wenig Rücksicht auf ökologische Maßstäbe betrieben werden, ist oft schwer verseucht.

Während die Krise der weltweiten Landwirtschaft das Angebot senkt, treiben Bevölkerungswachstum und der wachsende Bedarf der neuen aufstrebenden Länder an aufwändigeren Lebensmitteln die Nachfrage nach oben. Dieses Auseinanderdriften zweier mächtiger objektiver Entwicklungen im Weltkapitalismus verleiht der Krise einen besonders hartnäckigen und explosiven Charakter.

Die wachsende Nachfrage nach Lebensmitteln aufgrund des Bevölkerungswachstums stellt im Allgemeinen kein größeres Problem dar. Das Bevölkerungswachstum betrug in diesem Jahrzehnt (etwa 1,2 Prozent im Jahr) weniger als in den 1960er Jahren, als es zirka 2 Prozent pro Jahr waren - zu einer Zeit als aufgrund von Verbesserungen bei der Ernteergiebigkeit und der Infrastruktur die Weltgetreideproduktion von 275 auf 300 kg pro Kopf stieg.

Als Folge niedrigerer Investitionen in Landwirtschaft und Forschung ist das Wachstum des Ernteertrags jäh zurückgegangen und hält jetzt kaum noch Schritt mit dem Bevölkerungswachstum. Das in Washington, D.C., ansässige International Food Policy Research Institute (IFPRI) erklärt dazu: "Die Vernachlässigung der Landwirtschaft bei den öffentlichen Investitionen, der Forschung und den Dienstleistungen im Verlauf der letzten Jahrzehnte hat ihre Schlüsselrolle für das wirtschaftliche Wachstum untergraben. Als Folge ist die landwirtschaftliche Produktivitätssteigerung zurückgegangen und ist jetzt zu niedrig, um der gegenwärtigen Herausforderung gewachsen zu sein." Von 1980 bis 2004 ist es laut den Zahlen der UNO von einem hohen Stand von 4,5 Prozent auf 2 Prozent bei Weizen, von 3,3 Prozent auf 1,0 Prozent bei Mais und von 3,2 Prozent auf 1,5 Prozent bei Reis gefallen.

Zu den gesellschaftlichen und industriellen Problemen, die dem langsamen Wachstum des Lebensmittelangebots zugrunde liegen, gesellt sich die wachsende Nachfrage, die mit wesentlichen Veränderungen in der globalen Wirtschaft zusammenhängt - insbesondere mit den wachsenden Einnahmen in den Öl produzierenden Ländern und der Industrialisierung in einer Reihe von Entwicklungsländern besonders in Asien.

Die verfügbaren Zahlen weisen nicht darauf hin, dass die wichtigsten Ölproduzenten, die traditionell Getreide importieren (z. B. Saudi Arabien, Nigeria), durch höhere Getreideimporte zu den Preissteigerungen beigetragen haben. Ihre Tonnage an Reis- und Weizen-Importen ist laut Zahlen der USDA in den letzten Jahren vielmehr geschrumpft - zum Teil deshalb, weil die Getreideimporteure sich weigerten, auf dem teuren Weltgetreidemarkt zu kaufen, da der Staat niedrige Brotpreise festgesetzt hat.

Die enorm wachsenden Öleinkünfte dieser Länder - die Ölpreise in US-Dollar sind von 2002 bis 2008 um mehr als das Sechsfache gestiegen - haben aber die Erwartungen auf den Märkten gesteigert, dass sie in der Lage sein werden, hohe Summen für Reis, Weizen und andere Lebensmittel zu bezahlen.

Der steigende Lebensstandard und eine Ernährung mit einem höheren Anteil an Fleisch- und Milchprodukten in bestimmten Entwicklungsländern haben die Nachfrage nach Getreide erhöht - nicht nur für Lebensmittel, sondern speziell für Tierfutter. Laut der Internationalen Vereinigung der Futtermittelindustrie (International Feed Industry Federation, FAO) ist der Weltverbrauch von Getreide bei Mischfuttermitteln von 290 Millionen Tonnen 1975 auf 537 Millionen Tonnen 1994 und 626 Millionen Tonnen 2005 gestiegen. Die FAO prognostiziert für den Zeitraum von 1996 bis 2030 einen um 60 Prozent höheren Verbrauch an Getreide für Viehfutter, verglichen mit einem 45 Prozent höheren Getreidebedarf für Lebensmittel.

Der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch lag in China 2005 2,4 Mal, an Milch 3,0 Mal und an Fisch 2,3 Mal höher als 1990. Brasilien konsumierte 2005 1,7 Mal soviel Fleisch, 1,2 Mal soviel Milch und 0,9 Mal soviel Fisch pro Kopf wie 1990. Diese Zunahmen sind sowohl in absoluter als auch in relativer Hinsicht wichtig. Zum Beispiel betrug der Verzehr von Fleisch in China 2007 50 kg pro Person, im Unterschied zu 20 kg 1980. In den USA betrug der Pro-Kopf-Verbrauch 2004 98 kg.

Das in wachsendem Maße labile Gleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch wird durch die globale Erwärmung noch weiter gefährdet. In einem Artikel vom Februar 2007 zitiert die in Toronto erscheinende Globe and Mail einen Bericht der Consultative Group on International Agricultural Research (CGIAR), in dem ein fatales Bild von den Folgen der Erwärmung auf die Getreideernte gezeichnet wird.

Darin heißt es: "Eine grobe Faustregel, die Getreidewissenschaftler entwickelt haben, lautet: Jedes Grad Celsius mehr, das während der entscheidenden Stadien des Wachstums, wie z.B. der Befruchtung, über ca. 35 Grad hinausgeht, lässt die Erträge um 10 Prozent sinken." Und weiter: "Die durchschnittlichen globalen Temperaturen werden laut Weltklimarat im Verlauf des nächsten Jahrhunderts zwischen 1,1 und 6,4 Grad steigen, was bedeutet, dass in einem großen Teil des künftigen Temperaturbereichs die Ernte auf problematische Weise zurückgehen wird."

Der Bericht der CGIAR beschreibt Computer-Modelle, welche die Ernteerträge in Regionen analysieren, in denen die Temperaturen während des Wachstums der Feldfrüchte oft 35 Grad und mehr erreichen - die nördliche Hälfte des indischen Subkontinents, Südostasien und die Sahelzone.

Globe and Mail folgert daraus: "Die Getreide- und Maisproduktion in Afrika ist genauso gefährdet wie die Reisernte in einem Großteil Indiens und Südost-Asiens... Das beste Weizenanbauland in dem großen fruchtbaren Ackerbau-Gebiet, das sich von Pakistan über Nord-Indien bis nach Nepal und Bangladesh erstreckt, würde dezimiert. Ein großer Teil dieser Fläche würde für Ackerbau zu heiß und zu trocken werden und damit die Nahrungsversorgung von 200 Millionen Menschen gefährden."

Einen vorausschauenden Blick auf die möglichen Auswirkungen der globalen Erwärmung bietet Australien mit seinen zwei Dürrejahren hintereinander, die, wie die australische Presse ausführlich berichtete, durch die globale Erwärmung zusätzlich verschärft wurden. Die Ernteerträge bei Weizen sind von dem normalen Stand von 25 Millionen Tonnen auf 10,6 Millionen Tonnen in 2007 sowie auf einen prognostizierten Ertrag von 13 Millionen Tonnen in 2008 gefallen.

Fazit

Die Herausforderungen, die vor der weltweiten Landwirtschaft stehen, und die inflationäre Krise, die der Weltbevölkerung schon jetzt trotz des ausreichenden Vorrats an Lebensmitteln zugemutet wird, unterstreichen die Irrationalität des Weltkapitalismus.

Gespalten in konkurrierende Profitinteressen verschiedener Konzerne und Staaten, sind die kapitalistischen Politiker unfähig, die Weltwirtschaft und die Landwirtschaft vernünftig und als Ganzes zu planen, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Sie haben die Zerstörung und Verschlechterung von enormen produktiven Reichtümern zu verantworten.

Diese grundlegenden Widersprüche werden jetzt durch das Aufbrechen der US-Kredit-Krise und das Steigen der Ölpreise verschlimmert und krisenhaft auf die Spitze getrieben. Trotz des menschlichen Grundbedürfnisses nach bezahlbaren Nahrungsmitteln, hat die Weltbourgeoisie reagiert, indem sie die Preiskrise zur Bereicherung mittels Spekulation, Schmuggel oder nationaler Preiskartelle nutzt.

Die Welle von Streiks und Demonstrationen, mit denen die internationale Arbeiterklasse auf die Explosion der Lebensmittelpreise reagiert hat, zeugt von ihrer objektiven Einheit im Kampf gegen die Kräfte des Weltmarktes.

Der Ratlosigkeit und den symbolischen Maßnahmen der kapitalistischen Regierungen und der imperialistisch dominierten Agenturen wie der UNO muss die Arbeiterklasse die revolutionäre Perspektive des internationalen Sozialismus entgegensetzen. Die soziale Kraft, die einzig und allein in der Lage ist, die Krise auf einer menschlichen und fortschrittlichen Basis zu lösen, ist die internationale Arbeiterklasse, die die Bauernschaft und andere unterdrückte Schichten hinter sich vereinigt.

Die historische Aufgabe, die sich der Arbeiterklasse stellt, ist die Neuorganisation der Weltwirtschaft auf internationaler Grundlage, um den Konflikt zwischen der globalisierten Produktion und dem nationalstaatlichen System zu überwinden, und um das Profitprinzip durch eine geplante Produktion für das gesellschaftliche Wohl zu ersetzen. Das ist nur auf der Grundlage des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln unter der demokratischen Kontrolle der arbeitenden Bevölkerung möglich.

Ende

Siehe auch:
Die weltweite Nahrungskrise und der kapitalistische Markt - Teil 1
(17. Juni 2008)
Die weltweite Nahrungskrise und der kapitalistische Markt - Teil 2
(18. Juni 2008)