Vom 3. bis 9. August hielt die Socialist Equalitiy Party (USA) in Ann Arbor, Michigan, ihren Gründungskongress ab. Ein wichtiges, vom Kongress verabschiedetes Dokument mit dem Titel The Historical and International Foundations of the Socialist Equality Party ist jetzt in Buchform erschienen und kann bei der WSWS bestellt werden. (Eine deutsche Übersetzung mit dem Titel Die historischen und internationalen Grundlagen der Socialist Equalitiy Party ist in Vorbereitung.)
Anlässlich der Veröffentlichung dieses Dokuments in Buchform ist es angebracht, etwas zu seiner Bedeutung im Lichte der Weltwirtschaftskrise zu sagen, die nach dem Kongress ausgebrochen ist.
Das Dokument bekräftigt, dass sich der Aufbau einer revolutionären sozialistischen Partei auf eine historische Einschätzung des Charakters der Epoche, auf eine Analyse der Krise des Kapitalismus und auf die Lehren aus den strategischen Erfahrungen der Arbeiterklasse und der internationalen trotzkistischen Bewegung stützen muss.
Im Dokument heißt es:
"Die revolutionäre sozialistische Strategie kann nur auf der Grundlage eines Verständnisses der Geschichte und der Lehren aus den vergangenen Kämpfen entwickelt werden. Vor allem erfordert die Ausbildung von Marxisten ein detailliertes Wissen über die Geschichte der Vierten Internationale. Die Entwicklung des Marxismus als theoretische und politische Anleitung zur sozialistischen Revolution hat ihren fortgeschrittensten Ausdruck in den Kämpfen der Vierten Internationale gefunden: angefangen mit ihrer Gründung 1938 in Opposition zum Stalinismus, Reformismus, Pablismus und zu allen anderen Formen von politischem Opportunismus.
Politische Übereinstimmung in wesentlichen Fragen des Programms und der Aufgaben kann innerhalb der Partei nur auf der Grundlage eines gemeinsamen Verständnisses der historischen Erfahrungen des 20.Jahrhunderts und der strategischen Lehren daraus erzielt werden. .... Nur wenn die Arbeiterklasse die Lehren der Geschichte versteht - die Lehren aus Siegen wie Niederlagen -, ist sie gerüstet für die neuen Aufgaben in der kommenden Periode revolutionärer Kämpfe."
Diese Auffassung historischer und theoretischer Prinzipien unterscheidet die SEP und das Internationale Komitee der Vierten Internationale von allen kleinbürgerlichen und opportunistischen Tendenzen der Linken.
Die pablistische Ligue Communiste Revolutionnaire (LCR) in Frankreich beispielsweise befürwortet den Aufbau einer politisch amorphen "antikapitalistischen Partei". Dieses opportunistische Projekt von Natur aus unvereinbar mit programmatischer Klarheit oder einer ernsthaften Haltung gegenüber politischen Prinzipien. Die LCR macht aus ihrer Verachtung für die theoretischen Grundlagen des Marxismus und die historischen Erfahrungen der Vierten Internationale eine Tugend. Olivier Besancenot, der wichtigste Sprecher der LCR, hat ausdrücklich erklärt, die Auseinandersetzung mit den Lehren der Geschichte dürfe dem Aufbau einer "antikapitalistischen Partei" nicht im Wege stehen.
"Die Diskussion über die verschiedenen ideologischen und historischen Vermächtnisse’ mag interessant sein. Jedenfalls wird sie lange dauern. Aber damit können wir nicht anfangen." Er erklärte dann, die LCR wolle möglichen Unterstützern ihre Vergangenheit nicht "aufzwingen", "weder die allgemeine Geschichte des Trotzkismus noch die besondere der LCR."
Im selben Tenor hat David Packard von der Gruppe International Socialists erklärt, seine Organisation habe "es nicht nötig, dieser Diskussion [über eine neue linke Partei] die eigene historische Terminologie aufzuzwingen."
Das Dokument The Historical and International Foundations of the Socialist Equality Party macht deutlich, dass sich die SEP mit diesen opportunistischen Auffassungen im Krieg befindet. Wir lassen keinen Zweifel daran, dass unsere Bewegung fest in den historischen Auffassungen verankert ist, die die Grundlage für den Aufbau und die Entwicklung der Vierten Internationale gelegt haben.
Die Bedeutung dieser Auffassungen wird durch den Ausbruch der größten Krise des Weltkapitalismus seit den 1930er Jahren besonders deutlich. Die Veröffentlichung eines Dokuments, das die politischen Lehren aus jener Zeit und ihren tragischen Konsequenzen zieht, kommt wirklich zum rechten Zeitpunkt
Wir betrachten das Erbe der Vierten Internationale als größte Stärke unserer Partei und als solide Grundlage für die Entwicklung einer revolutionären Bewegung.
Im Dokument heißt es:
"Die Socialist Equality Party und das Internationale Komitee repräsentieren eine enorme historische Tradition und führen sie fort. Es gibt keine andere politische Bewegung, die ihre eigene Geschichte zurückverfolgen kann, oder dies auch nur möchte. Die opportunistischen Organisationen - die Sozialdemokraten, die Stalinisten, die Gewerkschaften und die pablistischen Strömungen - möchten nicht an ihre Fehler und Verbrechen erinnert werden. Sie möchten nicht durch historische Bezüge und Grundsätze bei ihren opportunistischen Manövern gestört werden. Das Internationale Komitee der Vierten Internationale ist die einzige Partei, die ihre politische Arbeit bewusst auf große Prinzipien stützt und ihre Geschichte daher lückenlos vor der Arbeiterklasse darstellen kann. Sie wird die entschlossensten, mutigsten und ehrlichsten Arbeiter und Jugendlichen unter ihrer Fahne sammeln."
Das Dokument The Historical and International Foundations of the Socialist Equality Party muss von einer neuen Generation von Arbeitern und Jugendlichen gelesen, studiert und diskutiert werden, die durch die Krise des amerikanischen und des Weltkapitalismus in den Kampf gezogen werden.
