Die Tragödie der Chinesischen Revolution von 1925 - 1927

Teil 2

Von John Chan
19. Februar 2009

Dies ist der zweite von drei Teilen einer Vorlesung, die während der Sommerschule der Socialist Equality Party in Ann Arbor, Michigan, im August 2007 gehalten wurde.

Der revolutionäre Ausbruch

Einer der späteren Führer der chinesischen Trotzkisten, Peng Shuzi, kam 1924 als junges KPCh-Mitglied aus Moskau zurück und gehörte dem linken Flügel der Partei an, der nachdrücklich eine kritischere Politik gegenüber der KMT forderte. Peng wandte sich gegen die offizielle Haltung der Partei, die KMT zu unterstützen, die enge Beziehungen zu den Warlords und den imperialistischen Mächten unterhielt, gegenüber dem Proletariat feindlich eingestellt und außerstande war, die national-demokratische Revolution zu führen. Das Proletariat müsse, so Peng Shuzi, die Führung der antikolonialen Kämpfe übernehmen.

Die Auseinandersetzung hatte erhebliche Auswirkungen auf die Parteiarbeit. Die KPCh konzentrierte sich wieder auf die Führung der wachsenden proletarischen Massenbewegung, statt auf ihre Arbeit in der KMT. Auf dem zweiten Nationalen Kongress der KPCh am 1. Mai 1925 repräsentierten ihre Organisationen 570.000 Arbeiter. Ihr wachsender Einfluss mündete in eine Welle militanter Kämpfe der Arbeiterklasse.

Während eines Streikkampfes in den japanischen Textilfabriken Shanghais wurde ein kommunistischer Arbeiter erschossen, was antiimperialistische Proteste in der Stadt auslöste. Am 30. Mai protestierten Tausende Studenten und Arbeiter vor einer Polizeistation in Shanghai und forderten die Freilassung inhaftierter Demonstranten. Die britische Polizei eröffnete das Feuer, tötete zwölf Menschen und verletzte Dutzende.

Streik in Kanton und Hong Kong im Jahre 1925 Kanton-Hongkong-Streik im Jahre 1925

Der "Zwischenfall vom 30. Mai" löste eine beispiellose Erhebung der Arbeiterklasse aus und steht für den Beginn der Zweiten Chinesischen Revolution. Insgesamt 400.000 Arbeiter beteiligten sich an etwa 125 Streiks, die von Protestaktionen und Aufruhr im ganzen Land begleitet wurden. Drei Wochen später, am 23. Juni 1925, demonstrierten Arbeiter und Studenten in Guangzhou. Die anglo-französische Militärpolizei eröffnete das Feuer auf sie und tötete 52 Menschen. Mit dem Bekanntwerden des Massakers traten die Arbeiter Hongkongs in einen Generalstreik. Unter der Leitung des Streikkomitees Kanton-Hongkong verließen 100.000 Arbeiter Hongkong und es wurde ein Boykott über britische Waren verhängt. Dieses Streikkomitee mit seinen Tausenden bewaffneten Streikposten, das aus gewählten Delegierten der Arbeiterschaft bestand, war die Keimform eines Sowjets.

Zuerst umfasste der anti-imperialistische Kampf "alle Menschen", nicht nur Studenten und Arbeiter, sondern auch chinesische Kapitalisten. Die chinesische Bourgeoisie war jedoch vom Radikalismus und Heroismus der Arbeiterklasse schnell eingeschüchtert und begann mit den imperialistischen Mächten gegen die Streikbewegung zusammenzuarbeiten. Die chinesischen Geschäftsleute Shanghais waren die ersten, die sich zurückzogen.

Chiang Kai-shek Chiang Kai-shek

Nach dem Tod Sun Yat-sens im März 1925 drückte sich die Feindschaft der chinesischen Bourgeoisie gegenüber der Arbeiterklasse am klarsten im politischen Aufstieg Chiang Kai-sheks aus. Chiang, Sohn eines reichen Kaufmanns, hatte enge Verbindungen zu Shanghais Bankern und Kompradoren. Er war kein Intellektueller wie Sun Yat-sen. Seine Jugend verbrachte er unter Gangstern, Mördern und Schmugglern, die später auch seine Stoßtruppen gegen die Arbeiterklasse der Städte bildeten.

Die Radikalisierung der Arbeiterklasse zwang die Führung der KPCh ihre Beziehungen zur KMT zu überdenken. Im Oktober 1925 schlug Chen Duxiu erneut den Austritt der KPCh aus der KMT und die fortan externe Zusammenarbeit mit ihr vor. Die Komintern wies diesen Vorschlag zurück. Die Stalin-Clique zog es vor den Tod Sun Yat-sens zu nutzen, um "linke" oder Moskau-freundliche Führer wie Wang Ching-wei und Chiang Kai-shek in die zentrale Führung der KMT zu bringen.

Stalins menschewistische Politik

Niemand bestreitet, dass die unmittelbaren Aufgaben der Chinesischen Revolution bürgerlich-demokratischen oder national-demokratischen Charakter hatten. Die Frage war jedoch: Welche Klasse würde die Revolution führen - die Bourgeoisie oder das Proletariat? Und in welche Richtung würde sich die Revolution entwickeln - zu einer bürgerlichen Republik oder zu einem Arbeiterstaat?

Nachdem die Arbeiterklasse sich 1925 erhoben hatte, wandte Stalin sich nicht nach links, sondern stellte sich konsequent auf den Boden eindeutig menschewistischer Politik. Im Gegensatz zu den Lehren aus der Russischen Revolution von 1917 förderte er die Illusion, die bürgerliche KMT sei eine "Arbeiter- und Bauernpartei" und fähig, den revolutionären Kampf zu führen. Später ging er noch weiter und behauptete, in Ländern wie China bewirke die imperialistische Unterdrückung den Zusammenschluss aller "progressiven Kräfte" - der nationalen Bourgeoisie, der kleinbürgerlichen Intelligenz, der Bauern und der Arbeiterklasse - zu einem "Block der vier Klassen".

Stalin behauptete ebenso wie die russischen Menschewiki, die Führung der "antiimperialistischen" Revolution falle folgerichtig der nationalen Bourgeoisie Chinas zu. Das Land sei zu rückständig für die Errichtung des Sozialismus, so Stalin. Gemeint war damit, die proletarische Revolution als "zweite Stufe" auf eine unbestimmte Zukunft zu verschieben. Während der "ersten Stufe" wäre es die Aufgabe der chinesischen Kommunisten, die KMT nach links zu drängen und sie in eine "demokratische Diktatur der Arbeiter und Bauern" zu verwandeln. In der Praxis bedeutete Stalins Perspektive für die chinesischen Kommunisten, der KMT zur Macht zu verhelfen und den Kampf des Proletariats um die Macht zu unterdrücken.

Schon die Tatsache, dass die KMT sich gezwungen sah, mit der KPCh zusammenzuarbeiten, war Ausdruck der organischen Schwäche der Bourgeoisie. Stalins Opportunismus gab der KMT-Führung jedoch die Möglichkeit, vor den Massen unbestritten als "Revolutionäre" und "Sozialisten" herumzustolzieren und diese Möglichkeit ergriffen sie mit beiden Händen. Auf dem sechsten Plenum des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI) im März 1926 nahm Stalin die KMT formell als "sympathisierende" Sektion der Komintern auf und holte Chiang Kai-shek als "Ehrenvorsitzenden" ins Präsidium.

Das revolutionäre Erscheinungsbild legte sich die KMT- Führung allerdings genau wegen der starken Anziehungskraft der KPCh zu. 1920 bestand die KPCh aus einem kleinen Zirkel Intellektueller; 1927 führte die Partei eine Bewegung von drei Millionen Industriearbeitern, Bergleuten und Eisenbahnern - die große Mehrheit des relativ kleinen, aber konzentrierten Proletariats. 1922 bestand die KPCh aus nur 130 Mitgliedern, fünf Jahre später hatte die Partei - die Jugendorganisation mitberücksichtigt - 100.000 Mitglieder. Als die KPCh 1923 begann Bauernorganisationen aufzubauen, gehörten diesen lediglich 100.000 Bauern aus Kanton an. Im Juni 1927 waren es 13 Millionen in den Provinzen Hunan und Hubei. Außerdem sympathisierten mit der revolutionären Bewegung bedeutende Teile des Militärs und zehntausende Soldaten. Die Partei behielt jedoch ihre konservative, auf die Zurückhaltung der radikalisierten Massen ausgerichtete Politik bei, um ihr Bündnis mit der liberalen Bourgeoisie in der KMT nicht zu gefährden.

Demonstration streikender Matrosen und Arbeiter im Jahre 1922 Demonstration streikender Matrosen und Arbeiter im Jahre 1922

Stalins Umwandlung der KPCh in ein Anhängsel der KMT machte die Partei für die großen Gefahren verwundbar, die der unvermeidliche Kurswechsel der KMT gegen die revolutionäre Bewegung mit sich brachte. Am 20. März 1926 putschte Chiang Kai-shek, um die KMT fester in den Griff zu bekommen. Er stürzte nicht nur den so genannten "linken" Flügel der KMT- Führung, sondern verhaftete auch fünfzig prominente Kommunisten und stellte alle sowjetischen Berater unter Hausarrest. Er entwaffnete das Streikkomitee Kanton- Hongkong und machte sich selbst de facto zum Militärdiktator von Guangzhou.

Nachdem Stalin anfänglich geschockt und verwirrt reagierte, entschied er sich schnell, die alte Politik beizubehalten. Er wandte sich gegen eine neuerliche Initiative der KPCh-Führung die KMT zu verlassen. Alle Nachrichten über den Putsch wurden in der Komintern- und Sowjetpresse vertuscht oder als imperialistische Propaganda abgetan. Stalin akzeptierte Chiangs feindliche, die KPCh beschränkende Maßnahme, die Sitze für die Kommunistische Partei in allen KMT- Komitees auf maximal ein Drittel zu beschränken.

Selbst als Chiang seine konterrevolutionären Absichten offen zeigte, unterstützte Stalin begeistert seine Absicht, militärisch gegen die Warlords im Norden vorzugehen. Im Namen der Unterstützung dieser Militärexpedition der KMT wurde der seit 16 Monaten anhaltende Kanton -Hongkong - Streik, der den britischen Imperialismus erschüttert hatte, abgebrochen und jeder unabhängige Kampf der Arbeiter und Bauern unterbunden.

Trotzki führte einen systematischen politischen Kampf gegen Stalins Politik in China. Im September 1926 kam er zu dem Schluss, die KPCh müsse sich sofort von der KMT lösen. Trotzki schrieb: "Die Linksentwicklung der chinesischen Massen ist ebenso sicher, wie die Rechtsentwicklung der chinesischen Bourgeoisie. Soweit die Kuomintang sich auf die politische und organisatorische Verbindung von Proletariat und Bourgeoisie gründete, muss sie nun durch die zentrifugalen Tendenzen des Klassenkampfes auseinander gerissen werden. Es gibt dagegen keine politischen Wundermittel oder cleveren taktischen Kunstgriffe, und es kann sie auch nicht geben."

"Die Beteiligung an der Kuomintang war für die KPCh in der Periode völlig richtig, als sie noch eine Propagandaorganisation war, die sich selbst erst auf ihr zukünftiges, unabhängiges politisches Handeln vorbereitete, die aber zur selben Zeit versuchte, an dem anhaltenden nationalen Befreiungskampf teilzunehmen. Die vergangenen zwei Jahre brachten das Wachsen einer mächtigen Streikwelle der chinesischen Arbeiterschaft ...Genau diese Tatsache stellt die KPCh vor die Aufgabe sich aus dem Vorbereitungsstadium, in dem sie sich noch befindet, auf ein höheres Niveau zu erheben. Ihre unmittelbare Aufgabe muss jetzt sein, um die direkte, unabhängige Führung der erwachten Arbeiterklasse zu kämpfen - natürlich nicht, um die Arbeiterklasse vom national-revolutionären Kampfe fernzuhalten, sondern um ihr die Rolle des entschiedensten Kämpfers und des politischen Führers im Kampf der chinesischen Massen zu garantieren." (Leon Trotsky on China, Monad Press, New York, 1978, p. 114).

Trotzkis Analyse wurde durch die Ereignisse bestätigt. Statt eine unabhängige proletarische Perspektive zu entwickeln, förderte die KPCh Chiangs Militärexpedition gegen die Warlords, indem sie die Arbeiter und Bauern zur Unterstützung der Nationalen Befreiungsarmee aufrief. Die Massen bauten Guerilla- Einheiten auf, um die Transportwege zu unterbrechen und die Versorgung hinter den feindlichen Linien zu sabotieren, und lieferten der Armee wichtige Informationen. Ohne diese Unterstützung des Volkes und ohne die außergewöhnliche Tapferkeit von kommunistischen Armeekommandeuren wäre Chiangs Militär nicht innerhalb von knapp vier Monaten bis zum Tal des Yangtse gelangt. (Siehe Map of the Northern Expedition)

Die Nationale Befreiungsarmee marschiert 1927 in Wuhan ein Die Nationale Befreiungsarmee marschiert 1927 in Wuhan ein

Die chinesischen Massen sahen in den militärischen Siegen der KMT über die Warlords den Beginn der Revolution, was die Klassenspannungen dem Siedepunkt nahe brachte. Als beispielsweise die Kräfte der Militärexpedition Hunan befreiten, strömten innerhalb von fünf Monaten vier Millionen Bauern in die Bauernorganisationen und eine halbe Million Arbeiter traten der von der KPCh geführten Allgemeinen Arbeiter Gewerkschaft bei. In Wuhan, einem großen Industriezentrum im Tal des Yangtse, bildeten 300.000 Arbeiter unter Führung der KPCh die Allgemeine Gewerkschaft von Hubei. Die Massenbewegung radikalisierte sich außerdem schnell. Arbeiter übernahmen spontan die britischen Konzessionen in Hankou und die Bauernbewegung ging von ihrer ursprünglichen Forderung nach niedrigeren Pachten zu bewaffneten Kämpfen zum Vertreiben der Grundherren über.

April 1927: Der Aufstand von Shanghai

Mit der beginnenden Massenerhebung schwenkte Chiang Kai-shek zügig ins Lager der Kapitalisten, der Kompradoren und Repräsentanten des Imperialismus im östlichen China über, um die Revolution niederzuhalten. Moskau behauptete, der Rechtsentwicklung Chiangs könne man mit der Unterstützung der "Linken" um Wang Ching-wei in der zentralen KMT-Führung entgegenwirken, die sich zu dem Zeitpunkt in Wuhan aufhielt. Der Riss zwischen den Linken und Rechten in der KMT war jedoch nur taktischer Natur. Beide Seiten stimmten im Ziel einer "nationalen" bürgerlichen Regierung überein. Ihre Differenzen drehten sich um Fragen der militärischen Strategie, der Machtverteilung und, was das Bedeutendste war, wann und wie das Bündnis mit der KPCh aufzugeben sei.

Chiang behauptete gegenüber Stalin, dass er in China keine bürgerliche Herrschaft anstrebe, aber mit dem Vorrücken seiner Truppen auf Shanghai, dem wirtschaftlichen Zentrum des Landes mit einer großen, radikalisierten Arbeiterklasse, kam der Tag der Entscheidung näher.

Die KPCh wollte sich der Stadt bemächtigen, bevor die Truppen der KMT einmarschierten, aber Stalins Politik der Wahrung des "Blocks der vier Klassen" und des Vermeidens des "vorzeitigen" Konfliktes mit Chiang Kai-shek untergrub und erstickte ihre Initiative. Shanghais Arbeiter übernahmen die Macht nur, um sie sofort wieder an die Bourgeoisie auszuhändigen und dann der Raserei von Chiangs grausamen Verbrecherbanden ausgesetzt zu sein.

Unter dem Druck der zunehmenden Massenkämpfe rief die KPCh auf, die Linie zwischen nationaldemokratischen Aufgaben und der sozialistischen Revolution zu überschreiten. Die Partei forderte die Arbeiterklasse auf, die chinesische Revolution "unmittelbar" durch die "Konzentration der Eisenbahn, der Schifffahrt, Bergwerke und großen Industrie in den Händen des Staates und die Hinwendung zum Sozialismus" zu vollenden. (History of Sino-Soviet Relations 1917-1991, Shen Zhihua, Xinhua Press, p31).

Stalin wehrte sich gegen jeden Versuch der KPCh, seine "Zweistufentheorie" zu verletzen; er gab in der zweiten Hälfte des März‘ 1927 folgende Anweisungen heraus:

1) Um eine militärische imperialistische Intervention zu vermeiden sind die ausländischen Konzessionen nicht durch bewaffnete Kräfte zu übernehmen;

2) Zwischen dem rechten und linken Flügel der KMT ist zu taktieren, der Armee nicht entgegenzutreten und die Kräfte der KPCh sind zu schonen.

3) Die KPCh sollte auf bewaffnete Auseinandersetzungen vorbereitet sein, jedoch vorläufig, solange das Kräfteverhältnis für die Arbeiterklasse unvorteilhaft ist, die Waffen verbergen.

Siegesmarch der Shanghaier Arbeiter nach dem bewaffneten Aufstand Siegesmarch der Shanghaier Arbeiter nach dem bewaffneten Aufstand

Diese Direktiven garantierten die Verwandlung einer ausgesprochen günstigen revolutionären Situation in ein tödliches Desaster. Am 21. März 1927 organisierte die KPCh, unterstützt von dem Generalstreik 800.000 Shanghaier Arbeiter, einen bewaffneten Aufstand. Die Arbeiterklasse brach die Macht der Warlords und übernahm die Kontrolle über die Stadt - ausgenommen der ausländischen Konzessionen. Die KPCh wurde durch Stalins Politik jedoch daran gehindert eine Arbeiterregierung zu errichten. Stattdessen wurde eine "provisorische" Regierung gebildet, an der führende bürgerliche Politiker beteiligt waren. Ihre Hauptaufgabe war es nicht, die Interessen der Arbeiter durchzusetzen, sondern Chiang Kai-shek und seine Truppen zu begrüßen.

Chiang Kai-shek blieb bewusst einige Wochen außerhalb Shanghais, damit die Arbeiterschaft sich im Kampf gegen die Warlords erschöpfte. Zwischenzeitlich plante er in Zusammenarbeit mit Shanghais Geschäftswelt, Gangstern und den imperialistischen Mächten seine Machtübernahme. Chiangs Plan war der KPCh-Führung nicht unbekannt und sie zog daraus den Schluss, die Shanghaier Arbeiter müssten sich bewaffnen und sich um Unterstützung an die sympathisierenden Soldaten der Zweiten und Sechsten Kuomintang- Armee wenden.

Am 31. März sandte die Kommunistische Internationale - ganz auf der Linie von Stalins Anweisung, den "vorzeitigen" Konflikt zu vermeiden - ein Telegramm nach Shanghai, das die KPCh anwies, Tausenden Soldaten zu befehlen, ihre Waffen zu verstecken. Ein KPCh-Führer Luo Yinong, prangerte diese Politik als "politischen Selbstmord" an. Die KPCh war dennoch gezwungen, diese Anweisung auszuführen.

Trotzki und die Linke Opposition warnten eindringlich vor den Gefahren dieser Politik und riefen zur Bildung von Sowjets als unabhängige Machtorgane der revolutionären Massen auf. Am 5. April hielt Stalin in der Moskauer Säulenhalle vor Tausenden Parteikadern seine berüchtigte Rede, in der er auf der Beibehaltung des Bündnisses der KPCh mit der Kuomintang bestand: "Chiang Kai-shek unterwirft sich der Disziplin. Die Kuomintang ist ein Block, eine Art revolutionäres Parlament, in dem es Rechte, Linke und Kommunisten gibt. Wozu also ein Staatsstreich? Wozu die Rechten herausdrängen, wenn wir die Mehrheit haben und die Rechten sich uns fügen?... Gegenwärtig brauchen wir die Rechten. Es gibt in ihr fähige Leute, die die Armee leiten und sie gegen die Imperialisten führen. Außerdem haben die Rechten Kontakte zu General Chang Tso-lin [dem mandschurischen Warlord] und wissen sehr gut, wie man ihn zermürben und dazu bringen kann, ohne einen Schuss komplett auf die Seite der Revolution zu wechseln. Sie haben auch Verbindungen zu den reichen Kaufleuten und können bei ihnen Geld beschaffen. Sie müssen bis zum Schluss ausgenutzt, ausgepresst wie eine Zitrone und dann beiseite geworfen werden." (The Tragedy of the Chinese Revolution, Harold R. Isaacs, Stanford University Press, 1961, p. 162).

Chiangs Hinrichtungskommando enthauptet einen kommunistischen Arbeiter Chiangs Hinrichtungskommando enthauptet einen kommunistischen Arbeiter

Am 12. April, nur eine Woche nach Stalins Rede, schlug Chiang Kai-shek zu. Er schickte seine Verbrecherbanden, um die Allgemeine Arbeiter Gewerkschaft zu zerschlagen. Am folgenden Tag rief die KPCh 100.000 Arbeiter zum Streik auf, was Chiang mit dem Einsatz von Soldaten und Maschinengewehren beantwortete, wobei Hunderte niedergemetzelt wurden. Während der Schreckensherrschaft des "Weißen Terrors" in den folgenden Monaten wurden Tausende von kommunistischen Arbeitern nicht nur in Shanghai, sondern auch in anderen Städten unter der Herrschaft Chiangs ermordet.

Fortsetzung folgt

Siehe auch:
Kein großes Aufhebens zum dreißigsten Jahrestag der kapitalistischen Marktreformen in China
(31. Januar 2009)